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Hallo,

ich muss jetzt einfach mal ein paar Sachen von meiner Seele bekommen. Ich bin 26 Jahre alt und leide seit ca 5-6 Jahren an sehr starker Sozialphobie. Mir waren diese Sachen bis vor ca 1 Woche nicht bewusst, dazu komme ich aber gleich.

Dass etwas nicht mir stimmt, habe ich schon eher bemerkt. Ich hatte riesige Probleme mittags für 2 Min in einen Supermarkt zu gehen, alles war quasi unmöglich, ich habe das Haus nur verlassen wenn es dunkel war. Auch sozial habe ich mich total zurück gezogen. Ich hatte immer viele Freunde, war mit 19-20 viel feiern und kam sehr gut bei Leuten an. Als Kind war ich jedoch auch schon immer sehr ruhig, mir wurde der SPitzname Til Schweiger gegeben, weil ich nie geredet habe.. Schlecht war mir auch ständig.

Vor ca 1 Jahr habe ich gemerkt, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich hatte nur noch einen Freund, habe nichts mehr auf die Reihe bekommen und saß nur Zuhause rum. Nur mein Training, welches ich 4x die Woche ausführe, hat mir Lebensenergie und Freude bereitet, ohne das wäre ich wohl schon unter der Erde.

Heute ist es immer noch so, dass ich mich selber nicht mag. Ich bekomme seit jeher Komplimente zu meinem Aussehen und zu meiner ganzen Person, ich habe NIE was negatives gehört, außer von meiner Ex die mich 4x betrogen hat und mich als ekelhaft usw beleidigt hat (alles Psychospielchen die mich sehr mitgenommen haben). Ich kann mich heute auch noch nicht im Spiegel betrachten, obwohl ich einen sehr sehr sehr trainierten Körper habe und ich weiß, dass ich kein hässlicher Mensch bin, aber ich kann mich nicht akzeptieren. Weiterhin war mein Vater 4 Jahre im Gefängnis, was mir auch sehr zugesetzt hat als Jugendlicher. Zum Selbsthass kommt die Angst unter Leute zu gehen und da wäre ich auch beim eigentlichen Thema (könnte Stunden schreiben wie es mir erging usw).

Aus irgendeinem Grund kann ich nicht einfach raus. Es hat sich wie gesagt gelegt, ich kann schon wieder mittags alleine in die Stadt, brauche aber immer die Sicherheit schnell weg zu kommen falls nötig (hatte auch oft Panik zum WC zu müssen und chronischen Durchfall). Ich hatte 5 Jahre keine Freundin, obwohl sich viele Frauen mit mir treffen wollten, im letzten Moment habe ich immer Ausreden gesucht weil ich nicht konnte. Ich fühlte mich immer isolierter und einsamer, war ein Wrack. Vor 4 Monate habe ich eine Frau kennengelernt, mir war ständig schlecht und ich hatte Todesangst vor den Treffen, habe es aber durchgezogen, egal wie es mir ging. Das war die beste Entscheidung meines Lebens, wir sind jetzt zusammen und das gibt mir so VIEL Kraft wie nichts zuvor. Sie möchte oft rausgehen, abends mal essen zB, aber wir hatten jetzt 4x Streit weil ich immer Ausreden gesucht habe. Dann bin ich eingebrochen und hab ihr weinend erzählt wie es mir geht und ihre Reaktion war einfach perfekt.. Sie sagte mir, ich soll immer ehrlich sein, sie will mir helfen und mich unterstützen, da sie mich liebt (musste noch mehr weinen, weil ich sowas noch nie gehört habe, sie war auch die erste Person der ich mich geöffnet habe). Ich will für sie daran arbeiten, denn sie leidet auch drunter und das möchte ich nicht, ich will endlich normal werden... ich weiß nicht mal worauf genau sich diese Angst bezieht, aber mein Kopf ist in so Momenten leer, alles ist schwarz und ich falle in ein Loch.

Mir ging es wie gesagt schon viel schlechter, hatte auch oft Angst krank zu sein, war beim Arzt weil ich dachte ich hätte Krebs usw, mein Leben war 5 Jahre nur von Angst bestimmt. In die Uni und arbeiten konnte ich auch nicht, weil ich einfach nicht unter Leute gehen konnte (zT kann). Ich möchte endlich ALLES in den Griff bekommen, sollte ich einen Psychologen aufsuchen?

Zusammenfassung: nach 5 Jahre Isolation bin ich in einer Beziehung, aber meine soziale Phobie existiert noch und ich möchte diese für meine Freundin lösen. Habt ihr Tipps?

Liebe Grüße

23.05.2016 15:16 • 23.05.2016 #1


3 Antworten ↓


JollyJack
Hey Pander,

so gerne ich gute Ratschläge geben möchte, DAS übersteigt meine bescheidenen Fähigkeiten.

Eins nur:
Du bist auf dem richtigen Weg, indem Du professionelle Hilfe in Erwägung ziehst. Mach das.
Du hast Deine Freundin an Deiner Seite und MIT ihr bist Du stark, dann sei auch stark FÜR sie.
Seit Du sie in Deinem Text erwähnt hast, liest er sich viel zuversichtlicher und kämpferischer, finde ich. Weißt Du, worauf ich hinaus will?

Mehr kann und möchte ich dazu nicht sagen.
Viel Erfolg!
JollyJack

23.05.2016 16:14 • #2



Beziehung und die Angst

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Zitat von JollyJack:
Hey Pander,

so gerne ich gute Ratschläge geben möchte, DAS übersteigt meine bescheidenen Fähigkeiten.

Eins nur:
Du bist auf dem richtigen Weg, indem Du professionelle Hilfe in Erwägung ziehst. Mach das.
Du hast Deine Freundin an Deiner Seite und MIT ihr bist Du stark, dann sei auch stark FÜR sie.
Seit Du sie in Deinem Text erwähnt hast, liest er sich viel zuversichtlicher und kämpferischer, finde ich. Weißt Du, worauf ich hinaus will?

Mehr kann und möchte ich dazu nicht sagen.
Viel Erfolg!
JollyJack

Danke für deine Antwort. Ja, seit den 3 Monaten hat sich so viel geändert. Ich kann vor ihr essen, ich kann Leuten in die Augen schauen bei einer Unterhaltung und kann auch locker mal 1 Woche von Zuhause weg bleiben, ohne dass ich Panik bekomme. Für mich sind das sehr große Schritte gewesen, ich fühle mich aber viel besser. Und du hast Recht, ich muss mich für sie zusammen reißen und weiß, dass ich das packen kann. Psychische Hilfe suche ich mir trotzdem, ich trage diese Lasten viel zu lange mit mir rum, konnte viel alleine lösen, aber etwas Unterstützung kann nicht schaden

23.05.2016 16:25 • #3


JollyJack
SO gehört sich das!

Du bist auf einem vielversprechenden Weg und jetzt geht Ihr beide voran und packt's bei den Hörnern!

Viel Erfolg, das wird schon!
JollyJack

23.05.2016 16:35 • #4




Dr. Reinhard Pichler