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saragossa
Hello again
Ich leide seit ein paar Jahren unter sozialer Phobie...ich arrangiere mich mittlerweile damit, habe meinen Weg gefunden, so gut als möglich damit zu leben und schlage mich meiner Meinung nach ganz gut...
Ich habe einen Beruf, der mit sehr viel psychischem Druck verbunden ist...bin Tätowiererin. Wie man sich vielleicht denken kann, passen Angstzustände und Tätowieren nicht sehr gut zusammen, es war manchmal der absolute Horror für mich in der Lernphase. Habe gezittert, mich am ganzen Körper verkrampft, konnte keinen klaren Gedanken fassen, wollte fliehen und trotzdem war der Wille, es zu lernen so viel größer als meine Angst. Als ich technisch soweit fit war, dass ich meinen Kundenstamm hatte und täglich ausgelastet war begann die nächste Phase: Extreme Konzentration während dem Tätowieren, mich von Kunden beobachtet fühlen...und abends nach Feierabend absolutes "Fertig mit den Nerven sein"...mit mir war nichts mehr anzufangen, Angst wurde immer größer, jeden Tag sehr viele Kunden, funktionieren müssen....das war sehr schlimm für mich.
Mittlerweile, 3 Jahre später ist das so: Ich bin beim Arbeiten in meiner Comfort-Zone. Ich schalte komplett ab, wenn ich arbeite. Ich bin in meiner eigenen Welt, niemand kann mir was anhaben, ich bin unverwundbar und stark. Ich erkenne mich manchmal kaum selbst, ich bin sehr zufrieden mit mir, selbstbewusst und professionell und denke mir "Na siehste, eigentlich kannst du es ja, warum funktioniert das privat nicht?" Und auch wenn ich viele Kunden am Tag habe, oder zeitlich in Verzug komme...ich lasse mich nicht stressen, ich bin mit voller Ruhe und Ausgeglichenheit dabei. Ich kann sogar auf Messen funktionieren, wo mir viele Leute über die Schulter schauen ohne mich beobachtet zu fühlen?
ich genieße das wirklich wahnsinnig...ich hätte meinen Traumberuf sonst nie weitermachen können, wenn ich mich immer so gefühlt hätte wie anfangs. Aber irgendwie hab ich immer so den Gedanken: Wo ist der Haken? Das ist doch fast zu gut um wahr zu sein!

Wie ist denn sowas möglich? Kennt das jemand von euch vielleicht auch?

Freue mich über eure Geschichten

01.07.2017 18:14 • 04.07.2017 #1


3 Antworten ↓


Perle
Hallo Saragossa,

es ist toll, was Du in den letzten drei Jahren geschafft hast. Dein Beruf hat Dir scheinbar sehr dabei geholfen, Dein Selbstbewusstsein zu stärken, Dir selbst zu vertrauen und an Dich zu glauben. Diese Basis erlaubt es Dir, vollkommen entspannt Deiner Tätigkeit nachzugehen, ohne an Dir zu zweifeln und selbst in turbulenten Zeiten entspannt zu bleiben. Glückwunsch! Gut gemacht!

Ich denke, Du wirst das auch in anderen Bereichen Deines Lebens hinbekommen. Gib Dir Zeit. Wir lernen ein Leben lang.

LG, Perle

01.07.2017 19:18 • x 1 #2



Bei Arbeit absolut frei von Angst?

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Hi saragossa,

das ist echt ne interessante Geschichte, die du da erzählst
Mir ging es ehrlich gesagt ziemlich ähnlich. Beruflich ist es zwar nicht richtig zu vergleichen, da ich nur einen normalen Bürojob habe, aber glaub mir: auch da wird man beobachtet... Und es kann echt ätzend sein!
Vor allem am Anfang war es schwer, als ich noch nicht so "gut war" bei der Arbeit. Mittlerweile geht es mir wie dir, ich bin voll der Profi in dem was ich tue. Das gibt natürlich Sicherheit. Aber nur auf der professionellen Ebene; es gibt ja im Büro leider auch immer diese "private" Ebene. SmallTalk hier, Lästereien da... Stromberg ist nichts dagegen :/
Dabei hat mir so komisch es klingt ein Tee geholfen, das besser zu ertragen Trinke bei der Arbeit immer morgens einen und abends einen (Beruhigungstee) und das hilft mir echt enorm. Der wirkt fast wie so eine "Leck mich am A**** Pille"

Vielleicht hilft das ja einigen, die noch Probleme damit haben

03.07.2017 22:38 • #3


Zitat von DunkleSonne:
es gibt ja im Büro leider auch immer diese "private" Ebene. SmallTalk hier, Lästereien da...

Das kommt natürlich auch vor. Bei uns anscheinend aber doch weniger als anderswo, was für ein Glück! Ich halte mich da einfach raus und grenze mich ab, habe eine unsichtbare Mauer um mich herum aufgebaut, und bin dadurch gut geschützt. Wenn man "anders" ist, bleibt man automatisch auf Abstand zu den anderen und ist dadurch vor unschönen Strömungen und Einflüssen geschützt.

04.07.2017 06:51 • #4




Dr. Reinhard Pichler