Pfeil rechts
3

Hallo Leute,

ich habe keine Ahnung - weder ob ich hier richtig bin, noch obs ansatzweise hilfreich ist.
Schätze mich selbst als sehr introvertiert und mindestens in Ansätzen narzisstisch ein, rede nicht gern und nicht viel und es gibt nichts, dass ich mehr hasse als sinnloser Smalltalk. Bei irgendwelchen Veranstaltungen, seien es Geburtstage oder sonstige Events, die ausschließlich vom Smalltalk leben, erwische ich mich jedes mal dabei, mich irgendwie davor zu drücken.

Nun zu meinem eigentlichen Problem (kurzer Vorlauf): seit geraumer Zeit wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine Partnerin. Hab vor 1,5 Jahren meine absolute Traumfrau gefunden, sie aber an einen anderen verloren, der sie kurzerhand geschwängert und geheiratet hat. Was mein Herz von diesen beiden Hämmern gehalten hat, brauch ich denk ich nicht zu schildern - da bin ich mittlererweile aber auch drüber weg.

Mein eigentliches Problem: seitdem merke ich, dass ich von Tag zu Tag kälter werde, immer weniger an mich heranlasse und mich noch mehr isoliere. Und das bei steigendem Wunsch, doch noch mal eine nette Frau kennen zu lernen. Aber bei den einschlägigen Partnerbörsen und den hiesigen Clubs bin ich eigentlich nur auf Körbe gestoßen.
Mein Entschluss geht dazu, ein ewiges Single-Dasein zu fristen, aber davor hab ich mindestens genauso viel Angst, wie vor noch mehr Zurückweisung.

Bin ratlos und drehe mich eigentlich immer nur im Kreis. Mit meinen Freunden und meiner Familie möchte ich darüber nicht sprechen, daher suche ich die Anonymität des Webs.

Ich erhoffe mir eigentlich gar nichts von meinen paar Worten hier - vielleicht einfach nur noch ein letzter kleiner Schrei, der aber doch nur wieder verebbt. Falls doch jemand ein paar Zeilen für mich übrig hat - Vielen Dank!

18.09.2013 22:52 • 18.11.2013 #1


9 Antworten ↓


kalina
Hallo Mr. Deprimel,

erstmal herzlich willkommen hier.

Der Rückzug und die Isolation hören sich schon ziemlich nach Depression und Hoffnungslosigkeit an.

Immerhin hattest Du aber Deine Traumfrau kennengelernt, das ist mehr, als viele andere behaupten können.
Dass Du sie dann jedoch auf so üble Weise wieder verloren hast ist umso enttäuschender. Dass Du daraufhin extrem frustriert und
deprimiert bist, ist nicht verwunderlich. Das würde wohl den meisten so gehen.
Auf der anderen Seite: deine tatsächliche Traumfrau hätte NICHT den anderen genommen, sondern wäre bei Dir geblieben.
Partnerbörsen sind für die meisten nicht das Richtige (hört man auch in vielen Kommentaren hier).

Das Beste ist in meinen Augen das persönliche Kennenlernen. Welche Clubs meinst Du?

Ich hab die Erfahrung gemacht, dass man gerade dann jemand passenden kennenlernt, wenn man gerade NICHT damit rechnet.
Also: nicht die Hoffnung aufgeben, einfach unter Leute gehen, aktiv sein, nicht unter Druck suchen, sondern locker bleiben und versuchen, trotzdem Spaß zu haben!

19.09.2013 00:47 • x 1 #2



Angst vor Zurückweisung

x 3


Hallo Kalina,

danke für deine Antwort.

Zitat von kalina:
Das Beste ist in meinen Augen das persönliche Kennenlernen. Welche Clubs meinst Du?


Clubs - hab ich mir sagen lassen - ist die neumodische Bezeichnung für ne Disco. Das mit dem Kennenlernen ist so ne Sache... Irgendwie spielt immer wieder die Angst rein, doch wieder nur auf Ablehnung zu stoßen. Und wenn dann doch mal jemanden kennen lernst und dich eigentlich relativ gut verstehst, dann bekommst nicht mal ne Rückmeldung auf ne SMS, obwohl sie dir extra noch ihre Nummer mitgegeben hat (ich hätt von mir aus ja nicht mal gefragt). Sowas zerstört dann noch das letzte bisschen Selbstsicherheit, dass einem geblieben ist. Irgendwie hab ich seitdem (auch schon wieder 3-4 Monate her) einfach keine Frau mehr angesprochen, weils einfach innerlich schmerzt.
Wenn dann mal angelächelt wirst, ignorierst das einfach und wendest dich ab. Ich weiß, dass das grundfalsch ist, aber es ist reflexartig.

Ich brech an der Stelle ab, weil ich grad kaum noch was seh vor lauter Tränen. Irgendwie wirds mir grad durchs schreiben klar, wie besch******* doch alles idt

19.09.2013 22:32 • #3


kalina


Manchmal will man nur noch heulen, das tut auch gut!

Vielleicht wäre für Dich auch eine Therapie ganz gut

Du siehst im Moment alles nur schwarz, sowas kenn ich auch.
Aber so schwarz ist es gar nicht. Wie gesagt, Du musst unter Leute gehen, darfst Dich nicht zu
verkrampft auf die Suche machen.

Und vor allem darfst Du solche Sachen, wie die Frau, die Dich nicht anruft oder auf sms nicht antwortet
nicht ÜBERBEWERTEN!
Das ist nämlich überhaupt nicht ungewöhnlich. Das geht JEDEM so! Kontaktaufnahme ist anfangs sehr fragil, solange man jemanden
nicht wirklich gut persönlich kennt, gibt es noch gar nichts verbindliches. Weder für die Frau, noch für den Mann. Das muss noch nicht mal heißen, dass sie Dich nicht mag, sondern kann bedeuten, dass sie gerade total gestresst ist, vielleicht doch einen anderen Freund hat, oder oder oder.... Das darfst Du auf keinen Fall persönlich nehmen. Du kannst es bedauern, aber ich garantiere Dir, dass es mit größter Wahrscheinlichkeit nichts mit Dir persönlich zu tun hat!
Also: einfach weiter Augen offen halten und nicht verzweifeln, hörst Du!
Kopf hoch, irgendwo gibt es eine liebe, nette Frau für Dich!

19.09.2013 23:52 • x 1 #4


Wenn eine Fränkin so nette Worte für einen Schwaben übrig hat, dann magst du vielleicht recht haben Aber irgendwie glaub ich da nicht so recht dran
Werd mir nächstes Frühjahr ein paar neue Hobbies zulegen (Bungee-Jumping und Fallschirmspringen). Vielleicht hab ich wenigstens da ein wenig Glück und ein Seil reißt. Falls nicht, gibts eben Adrenalin und ne schöne Aussicht

Vielen Dank für deine Aufmunterungsversuche

20.09.2013 22:15 • #5


kalina
Tanzen wäre eher geeignet, oder ein anderer Sport. Oder sich einen Hund zulegen, da kann man beim Gassi gehen viele
nette Menschen kennenlernen, auch nette Frauen.

Viel Glück

21.09.2013 01:28 • x 1 #6


Falls von euch jemand irgendwie ein ähnliches Problem hat - ich hab zumindest für mich eine temporäre "Lösung" gefunden:

Jeglichen Ansatz von Emotionen im Keim ersticken und gründlichst abtöten - am besten gar nicht erst aufkommen lassen

Funktioniert eigentlich bisher ganz gut, wenn man in einem stressigen Beruf Überstunden schiebt wie ein Dummer, sich danach im Fitness bis zur totalen Erschöpfung abrackert, auf dem Heimweg den Firmen-Laptop mit dabei hat und weiterarbeitet und quasi direkt danach ins Bett fällt. Die Zwischenzeit, in der das Hirn Zeit zum Denken hat, hilft "Pressluftmusik", zum Beispiel von Combichrist. Wochenenden sind noch ein kleines Problem, aber da muss man halt durch...


Auf Dauer geht man so wohl kaputt, aber ich lass es drauf ankommen - ist eh alles egal. Zumindest stimmt's finanziell und das Training lässt sich sehen - Gott ich liebe meinen Narzissmus


Für Nachahmer wohl nicht empfohlen - aber tut euch keinen Zwang an


@ kalina - falls du dies liest: hab deinen Ratschlag befolgt und mich bei einem Tanzkurs angemeldet. Startet demnächst aber ich habe die Befürchtung, dass die "Mainstream-Musik" mich mittlererweile zu sehr langweilt. Vielleicht kann man da ja jemanden kennen lernen, aber ich sehe das emotionslos - Eigentherapie sei Dank

14.11.2013 23:16 • #7


Warum langweilt dich Smalltalk? Er dient dazu, leichten, unverbindlichen Kontakt aufzubauen, ohne jemanden (unabsichtlich) persönlich zu kränken oder zu nahe zu treten. Er erfüllt einen bestimmten Zweck, vom Sozialverhalten dient er dazu, Konflikte zu entschärfen oder nicht aufkommen zu lassen, indem man sich ohne offizielle Einigung auf oberflächliche Themen beschränkt. Das ist kein Ausdruck minderer Intelligenz, sondern eine Art soziales Geräusch das bedeutet "ich bin ein Mensch, du bist auch einer und wir wollen uns nichts zuleide tun, denkst du auch so?"
Wenn man durch die eine oder andere Nebenbemerkung sieht, dass dies ein Thema ist, mit dem man sich mit seinem Gegenüber eingehender unterhalten kann, wechselt man vom "small" talk in den- gibt es dafür einen Begriff ? - "Big talk". Wobei da immer wieder überprüft werden muss, ob sich die Stimmung des gegenübers durch den intensiveren Gesprächsinhalt Unsicherheit oder Interesse breit macht. Es ist etwas, was man üben muss und was auch die Möglichkeit von Fehleinschätzungen beinhaltet. Bei small talk die anstrengenden Leute von den interessanten zu unterscheiden erfordert auch Übung bzw. kommt auf die eigene Aufgeschlossenheit drauf an.
Warum sollte man sich nicht anhören, wie jemand erzählt, welches Hobby ihn/sie fasziniert? Da gibt eine schöne Möglichkeit, etwas über die Begeisterungsfähigkeit dieses Menschn zu erfahren und über seine Beweggründe- und was er in seiner Freizeit anstrebt. (Ruhe? Bewegung? Künstlerisches? Musik?)
Ein grundlegendes Interesse an seinen Mitmenschen muss man schon haben, bzw. sich selbst sagen: viele Menschen möchten jemanden der zuhört und "Aha, ach wirklich, wie ungeheuer faszinierend" sagt. Halte dich daran und 85 % der Anwesenden halten dich für einen ganz tollen, tiefgründigen Menschen.

Warum langweilt dich Mainstreammusik? Bist du Musiker, empfindest du die einfachen Tonfolgen als langweilig? Sind es die simplen Texte? Es gibt sicherlich auch Musik in einer Sprache, die du nicht sprichst, dann fällt das lästige Übersetzen im Kopf schon mal weg. Mir hilft es bei zu einfachen Klangfolgen, die zweite Stimme oder eine Kontrapunkt im Kopf mitzusummen. Die einfachen Rythmen sprechen (oft) unsere Instinkte an (Trommeln) und lösen Emotionen aus oder regen sie an- vielleicht ist dir das Zusammen mit der sozialen Interaktion beim Tanzen eher zu viel und nciht die Musik an sich.

Um mit Menschen zu interagieren muss! man sich ihnen etwas anpassen- es können nicht alle so werden wie wir selbst (dann wären wir ja auch nicht mehr einzigartig) Man muss lernen, auf andere Menschen einzugehen- das lernen inzwischen sogar PC´s , die durch nachfragen und Verwendung von bestimmten Worten Intelligenz und Anteilnahme nachahmen. Wenn man sich Nachrichten anhören kann, dann kann man auch lernen, anderen Menschen auf einer Party zuzuhören. "Ich mache als Hobby dies und das" -schlechte Reaktion: "aha." Gute Reaktion. "Wie sind sie zu diesem Hobby gekommen? Ist das schwierig?" Einsilbige Antworten sind immer blöd und behindern den Gesprächsfluss. Gute nachfragen sind "Was hat ihnen daran besonders gefallen? Wollten Sie das schon immer tun? Was können sie mir raten, wenn ich das auch einmal versuchen würde?"

Wichtig ist eher sich "Exit-Strategien" zu überlegen, wenn einem das Gespräch zu anstrengend wird, damit man sich langsam an den Kontakt mit Menschen gewöhnt. "Ich hol mir noch mal was zu trinken" (und dann verstecken oder neuen Gesprächspartner suchen) "Wo ist noch mal das badezimmer? " (Und dann etwas Zeit verplempern) oder "Haben sie eine Kopfschmerztablette?" (guter Grund, um partys zu verlassen)

17.11.2013 15:42 • #8


kalina
Das mit dem Tanzkurs ist doch schon mal eine prima Sache!

Man lernt nette Menschen kennen, muss doch gar nicht gleich die große Liebe sein.

Freundschaften sind ebenso sehr wichtig, ein guter Freund ist sehr viel wert, hast Du denn einen Freund?

Abwechslung und Beschäftigung ist doch okay, Emotionen unterdrücken, davon halte ich nichts, auf Dauer ist das

nichts.

Ich glaube es ist gut, unter Menschen zu gehen, sich mit etwas, was einem Spaß macht zu beschäftigen und nicht

krampfhaft eine Partnerin zu suchen. Es ergibt sich oft etwas, wenn man gerade nicht damit rechnet.

17.11.2013 16:00 • #9


@ Speierling: Erstmal danke für deine ausführlich Antwort.

beim Smalltalk habe ich eh immer die Rolle des "guten Zuhörers" inne. Das kann ich recht gut Es langweilt mich insofern, als dass die meisten Leute (bis auf meine gute Freunde - ja kalina, ich habe (noch) ein paar ) viel lieber selbst reden und (zumindest) bei mir keine guten Zuhörer sind - zumindest habe ich den Eindruck davon. Wenn es sie eh nicht interessiert, warum sollte ich dann überhaupt etwas sagen (etwas überspitzt ausgedrückt)?

Ich bin Musiker - allerdings kein guter. Die Musik, die heute im Radio rauf und runter gespielt wird, ist in meinen Augen zu eintönig (Ausnahmen bestätigen die Regel) Ist aber ein interessanter Aspekt, den du da anführst. In der Tat ist meine aktuell bevorzugte Musikrichtung stark rhythmisch, relativ schnell mit vielen harten Tönen und von der Stimmung her wie frisch aus der Gruft. Andere werden dabei aggressiv oder depressiv - ich finds genau passend zum entspannen
Beim Tanzen geht Mainstream-Musik noch eher, weil man sich eigentlich auf andere Dinge konzentrieren muss, als die "Feinheiten" des Liedes.

Ich kann ein Gespräch im Gange halten - so lange der Gesprächspartner bereit ist, zu erzählen Ein Gespräch "abzuwürgen" geht auch sehr sehr gut - wenn ich das will - allerdings neige ich aus Höflichkeit dazu, sehr lange zuzuhören, bevors gar nicht mehr geht.
Mein Problem ist vielmehr, dass ich von mir aus Smalltalk nicht im Gange halten kann (oder wie oben beschrieben auch nicht will)...


@ kalina: Danke für deine Antwort.
Ich hab absolut keine Erwartungen an den Tanzkurs. Ob die Leute nett sind, wird sich herausstellen

Emotionen unterdrücken kann ich sehr gut. Ich neige dazu, alles Negative in mich aufzusaugen und nichts nach außen dringen zu lassen (ist beim Pokern ganz nützlich). Ab und an entlädt sich das in einer Implosion und dann gehts von vorne los.

Neue Freunde zu finden ist für mich sehr schwer, weil ich nur schwer auf Leute zugehen kann und infolge einiger Enttäuschungen auch nicht zwingend will. Auf mich gehen nur die wenigsten zu, weil ich anscheinend nach außen hin wie ein arrogantes Ar.*** wirke, was sich tatsächlich nicht mit dem deckt, was ich bin - meine Freunde und die, die so lange durchgehalten haben (müssen), mich ein wenig besser kennen gelernt haben, attestieren mir das (und sind auch so ehrlich und sagen mir das, wie sich mich am Anfang der Kennenlern-Phase wahrgenommen haben und sich dabei getäuscht haben). Der erste Schein täuscht in meinem Fall ziemlich gewaltig - vielleicht resultiert daraus auch mein "Problem" mit den Frauen


Schönen Abend euch noch

18.11.2013 23:18 • #10



x 4





Dr. Reinhard Pichler