stefen

Hallo, habe seit 10 Jahren angst vor alleinsein, dazu kommt die Angst vor Bindung einer Beziehung. Nehme keine Medikamente. Gehe aber zum Therapeuten. Bisher hat das alles nichts gebracht. Auf Grund einer Beziehungskrise vor 10 Jahren fing das an. Habe mich aber dann von 1995 bis 2002 in einer festen Beziehung gelebt. Kurz 4 Tage vor Weihnachten ist durch eine Herztranspl. meine Partnerin gestorben. Allein zu Weihnachten. Grausam. Jetzt kommt die verstärkte Angst. Ich kann nicht allein sein. Angst in der Wohnung. Angst vor der Zukunft. Und ich weis nicht wie ich damit umgehen kann. Wer kann mir einen Rat geben. Danke

04.01.2003 21:25 • 08.01.2003 #1


7 Antworten ↓


Andre3


Hallo,

was sagt denn Dein Therapeut zu dem Thema? Ich meine, dass ist doch schon mal ein guter Schritt sich an einen Fachmann zu wenden. Redet ihr darüber? Was ist der Inhalt der Therapie?

Hast Du keine Freunde, mit denen Du in der Freizeit etwas unternehmen kannst? Mit denen Du auch mal so bei einem Glas B. über Deine Probleme quatschen kannst? Ich denke, das hilft sicher.

Auf alle Fälle hilft gegen die Angst vor dem Alleinsein in der Wohnung, aus der Wohnung herauszugehen oder macht Dir das auch Probleme?
Treibst Du Sport? Hast Du einen Ausgleich? Ich weiß, im Sommer fällt es leichter sich z.B. mal aufs Fahrrad zu setzen und eine Runde zu drehen. Aber auch im Winter kann man versuchen, sich spotlich zu betätigen und wenn es nur mal für zwei Stunden in der Schwimmhalle ist.

Okay. Jetzt fällt mir nichts mehr ein.
Ich wünsch Dir alles Gute. Meld Dich mal wieder.
A.

04.01.2003 22:11 • #2


Gast


Hallo Stefen,

sehr traurig, was Du da erlebt hast. Kein Wunder, daß Dich das traumatisiert hat! Schade, daß die Therapie bisher nichts gebracht hat.
Mal abgesehen davon, daß ich von den meisten Therapeuten nicht viel halte, wäre vielleicht ein Wechsel ratsam. Das ist völlig legitim und Dein gutes Recht. Der Therapeut, wenn er denn professionell genug ist, sollte das nicht persönlich nehmen und Dich dabei unterstüzten.
Gehe mal tief in Dich und frage Dich, ob Dir die Therapie bei diesem bestimmten Therapeuten guttut, und/oder ob seine Herangehensweise an Dein Problem überhaupt die richtige für Dich ist.

Ich weiß nicht, wie weit ausgeprägt Deine Sozialphobie ist. Ich kann mir aber vorstellen, daß eine Selbsthilfegruppe für Trauerbewältigung das richtige für Dich wäre. Wenn man soetwas wie Du hautnah miterlebt, würde wohl jeder diese Ängste entwickeln (Schuldgefühle, Angst, daß einem das gleiche widerfährt etc.). Ein Gedankenaustausch mit anderen Trauernden wäre doch ganz hilfreich.

Als letztes fällt mir noch ein Haustier ein. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen, daß Tiere besonders bei psychischen Problemen Wunder wirken können. Und holst Du Dir eines aus dem Tierheim, ist das doppelt gut! Denk mal darüber nach, es ist bestimmt was passendes für Deine Person und Deinen Geldbeutel dabei.

Gruß

Z.

04.01.2003 22:40 • #3


Gast


Hallo Stefen! Wenn ich Deinen Bericht richtig gelesen habe, ist ja Deine Partnerin erst vor 2 Wochen gestorben, oder? Da ist es doch nur vollkommen "normal", nicht allein in der Wohnung zu sein, in der ihr wahrscheinlich bisher miteinander gelebt habt!! Es kommt ja zu dem Alleinsein auch die Trauer um den verlorenen Partner dazu. Jedes Ding in der Wohnung bringt Erinnerungen hoch und umso schmerzvoller ist die ganze Situation. Ich wünsche Dir viel Kraft. Liebe Grüße, Romi

05.01.2003 23:02 • #4


liselotte


lieber stefen,
wenn du schon so lange brennende angst vor dem alleinsein hast und
nun der schicksalsschlag durch den tod diese angst verfestigt und verschlimmert hat und dir bindungen an menschen nicht leichtfallen und jetzt alles so endgültig trostlos erscheint, hilft vielleicht doch etwas: Laß doch andere menschen, denen das leben auch nicht nur leicht fällt, so mit dir kontakt aufnehmen, indem du deine anschrift zur verfügung stellst oder indem du z.B. mit mir e-mail-kontakt aufnimmst. Es ist dann ein schritt zur veränderung deiner situation, den du nicht alleine tuen musst. l
liebe grüße von liselotte

06.01.2003 00:30 • #5


stefen


Hallo Lieselotte,

danke für deine Email. ich habe mich sehr gefreut darüber. Es ist nicht leicht in der heutigen Zeit einen vertrauensvollen Menschen zufinden ob Freunde o.nicht. wenn es einen nicht gut geht sind dann alle weg. Meine Partnerin war schon lange sehr krank, nur in letzten halben Jahr wurde es sehr schlimm. Sie lag seit anfang oktober im Krankenhaus. die letzten 8 wochen bis zu ihrem tode lag sie auf der intensivstation, sie konnte nicht mal mehr sprechen. nur liegen. das war alles nach der Herztranspl. Meine Besuche waren umsonst. ich hätte alles für sie getan, nur das sie wieder gesund wird. sie hatte noch sovieles vor. wollte reisen und viels mehr. Nichts aber auch garnichts. Ich hätte ihr noch sovieles sagen wollen. Die Anblicke auf so einer station werde ich nie vergessen in meinen Leben. Grausamer Anblick für mich. Auf die Zugspitze und nach Venedig und Wien wollte sie reisen. Mein Streicheln und mein reden hat nicht geholfen. Ich war weihnachten ganz allein.Keiner wollte mit diesen thema zutun haben. Angst vor dem alleinsein das ist bei mir sehr stark. ich hoffe nur das es wieder berg auf geht. zu mal ich 600 km von meinen wohnort entfernt wohne. ich bin zu ihr gezogen. in dieser stadt habe ich keinerlei sozialen kontakte. meine freundin war eifersüchtig. sohabe ich mich auf die zweisamkeit mit ihr konzentriert. ich werde auf keine tiefgründige beziehung mehr eingehen, so kann ich mir bestimmt das leiden sparen. ich leide zutiefst. zur zeit bin ich nicht mal mehr in der lage auto zufahren. ob eine haustier eine lösung ist? aber als ersatz ist auch keine lösung, oder doch. mein selbstbewußtsein ist von 100 auf 30 gesunken. die kraft zum leben hab ich, aber wie lange das weiss ich nicht. mich trifft es doppelt, meine mutter ist auch schwer krank, herz und zuckerkrank, blind auf einen auge und ständig die Notarzteinsätze die sie ins krankenhaus bringen. da kann man bald verzweifeln. hier auch der tod nicht weit.
lieselotte können pflanzen den tod voraussehen? jedenfalls habe ich beobachtet das 4 tage vor dem tod meiner Freundin eine GRÜNPFL. die sie sehr gehegt und gepflegt hat die Blätter hat fallen lassen. nach ihrem tod war dies nicht mehr. ich kann auch kein Fluglärm, Martinshorn hören. in August letzten jahres bei der jahrhundertflut habe ich selbst 4 tage nachtwache gehalten, wegen meiner freundin. sie wollte nicht in einer massenunterkunft vei einer Evakuierung. war nachts auf den Balkon.
sollte ich dich jetzt irgentwie bedrängt haben mit meinen ellenlangen text, bitte ich um entschuldigung!

stefen

07.01.2003 20:53 • #6


liselotte


hallo stefen, wenn es dir nach allem, was du erlebt hast, so schlecht geht, dann schreib weiter und erzähl von allem. Ein haustier kann uns erst dann etwas zurückgeben, wenn ihm schon viel liebe gegeben werden kann und freiheit, warte noch. Ich bin57, habe im juli meinen mann durch tod verloren, konnte nicht abschied nehmen und habe eine lange reihe ganz schrecklicher probleme.Meine mutter wird 89 . Meine kinder studieren weit weg und aus der kindheit brechen jetzt viele unbewältigte lasten auf, die alle alleine zu bewältigen sind. Ich war 6 wochen in einer klinik und jetzt ist alles wieder so schlimm wie vorher und es muß und soll irgendwie weitergehen.Ich habe festgestellt,daß das reden darüber (schreiben als ersatz) die wirkliche möglichkeit ist, etwas zu lösen und wichtiger noch, das nicht alleine sein, was nur oft nur so begrenzt möglich ist. Also mit jemandem persönlich reden, immer wieder, ohne lange zeitabstände, am
tag und abends und nachts, auch am telefon und persönlich.
Du wirst jemanden finden - liebe grüße liselotte . Wenn du willst, sprich weiter von dem erlebten und wenn du antworten zu speziellem willst, sag es.

08.01.2003 01:41 • #7


liselotte


für stefen, pflanzen sind empfindsame wesen, sie können uns nur nicht mitteilen, was sie fühlen, wenn wir ihre sprache nicht sprechen, wir können vieles nur einfühlsam erahnen. Du hast schon soviel einfühlsamkeit gezeigt, daß dir nun manches auffällt. liebe grüße liselotte

08.01.2003 02:17 • #8



Dr. Reinhard Pichler


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