1

Hallo an alle Betroffenen, die an einer Ängstlich-vermeidenden-Persönlichkeitsstörung leiden.



wahrscheinlich, gibt es schon so eine Frage hier in diesem Forum, aber gerade jene Frage, beschäftigt mich schon seid einer sehr geräumigeren Zeit.


Wo ist die Ängstlich-vermeidende-Persönlichkeitsstörung am schlimmsten, in einem Dorf, wo jeder jeden kennt, und wo man sehr aufpassen muss,
das man bloß schauspielert um ja nicht aufzufallen, wegen der ( Normen ), oder ist die Großstadt für solch eine Persönlichkeitsstörung, das schlimmste ?


Wie würdet Ihr Euch entscheiden, mit Eurer Ängstlich-vermeidenden-Persönlichkeitsstörung, Dorf oder Großstadt ?





LG Schwarzes-Leben

18.09.2014 08:20 • 19.09.2014 #1


14 Antworten ↓


Ganz einfache Frage von dir!

Weder in der Stadt noch im Dorf...

Dein erster Weg sollte in eine Therapie führen, nur dann wirst du sehen, dass es völlig egal ist, ob du in einer Stadt oder in einem Dorf wohnst. Dort wo du dich dann wohlfühlst, dort wirst du dein Leben zufrieden leben.

Liebe Grüße und alles Gute

18.09.2014 12:28 • #2


Katja40
Hallo,

da ich noch nie in einer Großstadt gelebt habe, kann ich dies schlecht beurteilen. Aber ich lebe seit meiner Geburt in einem sehr kleinen Dorf, wo wirklich jeder jeden kennt und
war von klein an immer die, die viel zu ruhig, zu ängstlich, zu empfindlich ist. Gegen diesen Eindruck und weil ich von Anfang an nicht der Norm entsprach, werde ich nie mehr was
ändern können. Das ist in den Köpfen der Leute einfach drin, und kann gar nicht mehr anders sein.
Ansonsten kann ich mich Gerd natürlich nur anschließen, eine Therapie ist in jeden Fall das Wichtigste.

Viele Grüße
Katja40

18.09.2014 14:39 • #3


Hallo Gerd49, und Katja40,



Dankeschön für Eure Antworten.


Ich hätte an Euch beide einmal ein paar Fragen, " Habt Ihr beide eine Therapie gemacht, und wenn ja, wie hat jene Euch beiden,
in irgend einer Art und Weise geholfen ? "

" Wie stark ist die Ausprägung Eurer ÄVPS, und geht die ÄVPS von einer anderen Erkrankung mit aus ? "




LG Schwarzes-Leben

18.09.2014 16:28 • #4


Katja40
Hallo Schwarzes-Leben,

leider habe ich als offizielle Diagnose nur Anpassungsstörung, wobei das mit Sicherheit nicht alles ist, da ich wirklich fürchterliche Schwierigkeiten bereits als Kind und Jugendliche hatte.
Meine Therapeutin äußerte mal, dass bei mir wohl eine ÄVPS vorliegt und beim Nachlesen der Symptome fand ich mich wieder. Ich hatte ca 4 Jahre lang eine Gesprächstherapie, welche
mir schon geholfen hat, da ich jetzt viel reflektierter bin und mich mit der Therapeutin auch sehr gut verstanden habe.

Da die Therapie nun schon zweimal verlängert wurde, ist dies im Moment abgeschlossen. Ende Oktober mache ich eine stationäre Reha in einer psychosomatischen Klinik. Ich hoffe, dass mich
das dann noch weiterbringt, vor allem weil es dort dann Gruppentherapie geben wird. Obwohl ich auch ganz schön aufgeregt bin, wie das alles wird.

Wo lebst Du denn, in der Stadt oder ländlich? Meistens kann man sich das ja net so aussuchen, ich konnte es leider nicht, aus finanziellen Gründen und auch um weiter Anschluss an meine Familie zu haben.

Viele Grüße
Katja

18.09.2014 17:37 • #5


Hallo Katja40



ich lebe in einem Kaff, und das ist schon genau so wie Du das geschrieben hast, nicht einfach, wenn man dann mit seinen Problemen von der Norm abweicht.
Damals hieß es, sei nicht so sensiebel, oder halte das mal aus und stecke das weg.
Die meisten Provinzler haben eben halt diese Denke, die Du so ganz gut beschrieben hast.
Damals gab es kein Internet, oder ein Handy, und wenn man damals nicht in der Jugendfeuerwehr, Jugendzentrum, Disco, oder bei der Konfirmation war, dann viel man schon auf, in der Schule, oder in der Bekanntschaft von den Eltern.



Ich habe auch ADHS, das heißt Hypersensibel sein, und dazu noch diese Reizfilterschwäche.
Soziale Phobie, oder die ÄVPS zeichnen sich stets, durch die seelische Vulnerabilität aus, und durch das Hypersensibel sein.



Typische Merkmale der Sozialen Phobie b.z.w. der ÄVPS sind, sich immer Beobachtet zu fühlen, ( Lampenfieber ) und als ob die anderen Menschen Deine Gedanken lesen können, also Dich durch schauen können.
Scham, Pein, Verlegenheit, Blamage gehören ebenfalls mit dazu.
Was die anderen von einem denken könnten und werden, ist auch so ein schlimmes Gefühl, was man nicht in Worte kleiden kann, denn dieser Mensch könnte ja irgendwo Recht damit haben.
Also wenn ein Mensch eine abwertende Bemerkung über mich macht, dann kann das bei mir Wut, und Angst hervor rufen, und ich bin dann fast eine Woche lang nur am grübeln, warum er das gemacht hat, und wie ich das nächste mal reagieren kann.
Ich gehe kaum raus, weil so vieles mich auf der Straße konfus macht.




LG Schwarzes-Leben

18.09.2014 20:34 • x 1 #6


Grauer Wanderer
Seid gegrüsst.

Darf ich als Interessierter die Frage stellen, wie ihr den Alltag mit der Persönlichkeitsstörung bewältigt und was ihr (abgesehen von Therapien und Rehas) tut, um eure persönliche Lebensqualität zu steigern bzw. den Leidensdruck zu lindern? Ich hoffe diese Fragen sind nicht unangemessen.

LG, der Fremde aus der Ferne

18.09.2014 21:27 • #7


Es kommt drauf an, was man daraus macht. Ich glaube für uns ist es überall gleich schwer zurecht zu kommen, das ist es ja ganz generell. Aber wo man sich am wohlsten fühlt, läuft es am besten. Das ist individuell. Und wo man sich wohl fühlt, wird man gesünder.

LG, Melancholy

18.09.2014 21:28 • #8


Hallo Grauer Wanderer,



das ist eine verdammt schwere Frage, die Du da gestellt hast, das ist bei uns allen individuell schwer zu beantworten.
Eins ist sicher, es zehrt an den Kräften, und man ist heil froh darüber, wenn man die eigenen vier Wände aufsuchen kann.
Man führt ein eigeschränktes und auch karges Leben damit.
Du gehst durch die Hölle, und durch Schmerz, und Du vergießt tausend Tränen, und es bleibt doch irgendwo alles konstant.
So manche depressive Phase, krönt das ganze, und Du möchtest Dich des Öfteren nur noch beseitigen, weil Du einfach kein Licht am Horizont erblicken kannst.
Du ringst nach Verständnis, aber es wird Dir kaum ein Mensch solch ein Verständnis entgegen bringen, Du erklärst das alles und die anderen verstehen nur Bahnhof.
Das alles macht kraftlos und auch irgendwo lebensunlustig.
Du bist in einem Verlies, aus dem es kaum ein entrinnen gibt.




LG Schwarzes-Leben

18.09.2014 21:45 • #9


Grauer Wanderer
Wie ein offener Käfig; ohne die Möglichkeit zu erkennen, dass er eigentlich offen steht?
Vieles was du schreibst klingt seltsam vertraut in meinen Ohren...

Versuchst du zurzeit eine Möglichkeit zu finden einen Weg aus der Isolation zu finden?

LG, der Fremde aus der Ferne

18.09.2014 22:01 • #10


Hallo Grauer Wanderer,



das Verlies liegt bei mir individuell im Stoffwechsel, Genetik und in der Psyche, wegen dem ADHS, mit der ÄVPS, als Begleiterkrankung.
Eine ÄVPS kommt selten allein, die meisten ÄVPSler haben nicht nur mit der ÄVPS an sich zu kämpfen.



Das Verlies in dem ich mich befinde ist ungefähr so, wie bei Raumschiff Enterprice, wo die Besatzung also Kirk, Scotty, Chekof, Pille, in einem Psychologischem schweren Bann gehalten werden, weil eine außerirdische Intelligenz, die Gehirne der Besatzung unter Kontrolle hat.
Die Besatzung der Enterprice, versteht zwar worum es geht, kann sich aber Mental, und auch Gedanklich davon, absulut nicht befreien.
Sie kämpft einen Kampf, den sie mit normalen Maßstäben gemessen nicht gewinnen kann.
So muss sich ein Nichtbetroffener, das vorstellen.



Ich würde lieber 3 Jahre Knast absitzen, als ein Leben lang, mit der ÄVPS Leben zu müssen.
Der Knast im Kopf, ist auch ein schlimmer Knast.





LG Schwarzes-Leben

19.09.2014 07:46 • #11


Grauer Wanderer
Guten Morgen.

Wenn ich so an mein Verlies denke, würde ich es eher als einen offenen Käfig bezeichnen, wo keine Gitterstäbe deine Flucht behindern würde, du es aber nicht erkennen kannst, weil dein zwielichtiger imaginärer Zellengenosse deinen Blick für's Wesentliche verschleiert. Der Weg ist frei, doch flößt er dir zwiespältige und furchteinflössende Gedanken über die Außenwelt ein, sodass du freiwillig lieber im Käfig bleibst als den Schritt nach draußen zu wagen.

Vielleicht hilft ein wenig der Gedanke, dass es Kirk und Konsorten es schlussendlich immer gelungen ist aus den unmöglichsten Situationen zu entkommen.
Nicht den Kopf hängen lassen; auch wenn eine offensichtliche Lösung nicht in Sicht erscheint, so gibt es für jede Zellentür den passenden Schlüssel.
Klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber es hilft einen kleinen Hoffnungsschimmer zu bewahren, so finde ich zumindest.

LG, der Fremde aus der Ferne

19.09.2014 09:19 • #12


Schlaflose
Zwischen einem richtigen Kuhkaff und einer Großstadt gibt es ja noch Varianten. Ich lebe seit 35 Jahren in eine Dorf mit ca. 9000 Einwohnern und fühle mich da wohl. Private Kontakte habe ich da nicht, man kennt sich in der Straße in nur vom Sehen und man grüßt sich, aber das ist alles. In einer Stadt wollte ich auf keine Fall wohnen, weil ich die Natur brauche. Ich habe mein eigenes Haus mit Garten und bin in 10 Minuten zu Fuß in Feld und Wald, wo ich jogge oder walke. Ich habe trotz ÄVPS keine Probleme unter Menschen zu gehen, solange ich nicht mit ihnen reden muss. Meine Ängste, Fehler zu machen, mich zu blamieren und kritisiert zu werden beschränken sich auf das berufliche Umfeld. Außerdem habe ich ich noch nie eine Beziehung gehabt, will aber auch keine.

19.09.2014 11:11 • #13


Ich denke, dass es für mich persönlich in einem Dorf schlimmer wäre. In einer Großstadt kann man in der anonymen Masse untertauchen. Außerdem gibt es in Großstädten so viele unterschiedliche Arten von Menschen. Ich denke, da gibt es viele, die nicht der "Norm" entsprechen. Jedenfalls fühle ich mich, wenn ich in einer Großstadt unterwegs bin, eher "normal".

Dazu kommt noch, dass es in einer Großstadt mehr Angebote wie Selbsthilfegruppen usw. gibt.

Zitat von Grauer Wanderer:
Seid gegrüsst.

Darf ich als Interessierter die Frage stellen, wie ihr den Alltag mit der Persönlichkeitsstörung bewältigt und was ihr (abgesehen von Therapien und Rehas) tut, um eure persönliche Lebensqualität zu steigern bzw. den Leidensdruck zu lindern? Ich hoffe diese Fragen sind nicht unangemessen.

LG, der Fremde aus der Ferne


Ich versuche, mich damit abzufinden, dass die Ängste Teil meines Charakters sind und ich dafür nichts kann; mich also, so zu akzeptieren, wie ich bin. Ändern können werde ich es sowieso nie. Also, ich meine damit nicht, dass man überhaupt nichts verändern kann, aber an der Grundsituation werde ich nicht viel ändern können: Ich werde immer ein ängstlicher, unsicherer Mensch bleiben.

19.09.2014 11:14 • #14


Hallo schlaflose und Nachtmahr,



ich war vor einer Woche noch im Urlaub mit meinen Eltern, und dort habe ich das was der Nachtmahr beschrieben hat auch so erlebt, im Schutz der Anonymität, und durch die Verschiedenheit der Menschen, und weil es da auch viele Ausländer gibt, sind die Menschen in der Stadt offener und freier.
Sie schauen einem anderen nicht noch hinter her, oder reden über den.
Im Kaff ist das ganz anders, also würde ich auch lieber in die Stadt gehen, aber ich bin aufgrund meiner schweren Probleme viel zu unselbstständig, und kann so manches alleine gar nicht.
Auch die Angebote der Hilfe sind in der Stadt, viel besser weil die Medizinische Grundversorgung, dort nicht nur auf die wesentliche Bedarfsversorgung, ausgerichtet ist.





LG Schwarzes-Leben

19.09.2014 17:40 • #15




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler