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Guten Tag Zusammen!

Ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen, weil ich seit kurzem, zum einen einen Therapeuten suche und zum anderen endlich wissen will was mit mir los ist.
Wie ihr vielleicht richtig vermutet, habe ich die oben genannte Diagnose, noch nicht erhalten.
Kurz zu mir: Ich bin 32 Jahre alt, arbeite im Einzelhandel.
Zu den Dingen die mich vermuten lassen dass die Diagnose auf mich zutreffen könnte:

- Ich vermeide Augenkontakt, vor allem mit Menschen die ich nicht näher kenne, aber auch mit vertrauten Personen fällt mir dieser schwer.

- Ich kann zwar Beziehungen eingehen mit Männern, aber nur wenn die Intention vom Mann ausgeht. Ich würde nie einen Mann von selbst ansprechen oder nach einem Date etc fragen
Ich kann Beziehungen führen, stelle meinen Partner immer wieder auf die "Probe", Frage mich während der Beziehung dann "Warum liebt der Mann mich?" "Wenn er sagt ich bin hübsch o. ä. kann er das nicht wirklich ernst meinen?!". Ich suche nach einer gewissen Zeit immer einen Grund diese Beziehung nicht mehr weiterzuführen.
Beim Sex kann ich nie abschalten, weil ich 1000 Gedanken im Kopf habe, deswegen bekomme ich auch keinen Orga. beim Sex.

- Ich kann nicht Angst frei telefonieren, wenn ich beruflich anrufen muss oder an das Telefon gehen muss, mache ich das. Weil ich dazu gezwungen bin, weil das der "Norm" entspricht. Privat ist das anders, so müsste ich zB zum Zahnarzt, bei dem ich mich aber nicht traue anzurufen, aus Angst davor dass ich was falsches sage und weil ich schon so lange nicht mehr da war.

- "Schwellenangst" = Weiß nicht wie ich das sonst nennen soll, etwas zum ersten Mal machen, wenn es dann erledigt ist, ist es okay.
Ich würde zB nicht alleine zum Zahnarzt gehen, oder mal zu einem anderen Arzt. Hausarzt geht, da sie mich schon kennt seit ich klein bin.

- Ständige Angst davor dass die Menschen um mich rum (wenn ich zB über die Straße gehe) über mich reden könnten, wie hässlich oder dick ich doch bin.

- Angst davor Menschen auf die Nerven zu gehen, zB wenn ich Jemanden anschreiben, glaube ich dass ich diese Person sicherlich störe und diese sich nur aus Höflichkeit mit mir unterhält.

- Isolation - ich habe seit frühester Kindheit nie viele Freunde gehabt, wie nie beliebt und hasse es im Mittelpunkt zu stehen. Mittlerweile habe ich nur noch eine Freundin, die dadurch dass sie seit dem letzten Jahr noch einen Freund hat, gar keine Zeit mehr hat, ich ihr aber auch nicht auf die Nerven gehen will. Bzw hin- und hergerissen bin das es auf der einen Seite alleine entspannender für mich ist, ich mir aber auch furchtbar einsam fühle

uvm

Mittlerweile bin ich glaube ich sogar schon in einer depressiven Phase, wenn ich das alles richtig gelesen habe. Ich liege den ganzen Tag nur im Bett, das schöne Wetter finde ich unglaublich anstrengend und es macht mich wütend, ich weiß nicht warum?!
Oft sitze ich im Bett und fange einfach an zu weinen, ohne Grund. Ich fühl mich leer und einsam (obwohl ich weiß dass ich das selbst verursache), mir macht nichts wirklich Freude. Eigenmächtig ich nur schlafen, aber selbst das kann ich zur Zeit nicht besonders gut.

Die Therapeutin die ich angeschrieben habe meinte ich komme auf die Warteliste was 4-8 Wochen dauern kann. Hab jetzt noch zwei andere Therapeuten in der Nähe angeschrieben, hoffe dass ich da eine Antwort erhalte.

Wäre schön wenn sich hier Leute finden würden denen es ähnlich wie mir geht.

Ich weiß dass das ganz schön viel ist was ich geschrieben habe, vielleicht liest es ja einer..

16.03.2017 17:24 • 19.03.2017 #1


8 Antworten ↓


Schlaflose
Zitat von deepdown:
Wäre schön wenn sich hier Leute finden würden denen es ähnlich wie mir geht.


Es gibt ein paar von uns hier. Ich habe diese Diagnose ganz offiziell vom Therapeuten. Und es existieren schon eine ganze Reihe von Beiträgen:

search.php?keywords=%C3%84VPS&terms=all&author=&sc=1&sf=all&sk=t&sd=d&sr=posts&st=0&ch=300&t=0&submit=Suche

16.03.2017 18:28 • x 1 #2


Hallo deepdown,



herzlich willkommen, in unserem Forum.



Auch ich leide an der ÄVPS, und auch ich habe damals, als ich schon einmal hier angemeldet war, so einige Threads zu diesem Thema eröffnet.
Die ÄVPS ist viel schlimmer als die Soziale Phobie, und meist ist sie auch eine Ko-Morbidität, von dem HSP, ADHS oder dem Borderline.
Du bist hier in guter Gesellschaft.







LG Schwarzes-Leben

16.03.2017 22:16 • #3


Hallo deepdown,

bei mir verhält es sich ähnlich wie bei dir. Ich habe auch ständig Angst vor Veränderungen und davor, Neues auszuprobieren. Wenn ich mit anderen zusammen bin, fühle ich mich häufig unwohl, weil ich zum einen nicht weiß, worüber ich reden soll und zum anderen Angst habe, dass die andere Person mich langweilig oder nervig findet. Man könnte das wohl als Angst vor Ablehnung bezeichnen. Das ist leider sehr stark ausgeprägt bei mir, weshalb ich in Gesellschaft anderer immer sehr angespannt bin. Kennst du vielleicht auch. Augenkontakt zu halten ist für mich auch sehr schwierig. Genau wie du schreibst, fühle auch ich mich einerseits alleine wohler, andererseits aber auch einsam.

Wie ist es denn bei dir auf der Arbeit? Kommst du da zurecht? Ist ja meist nicht so einfach mit ÄVPS.

16.03.2017 22:49 • #4


Danke an Euch.

@schlaflos Ich hatte mir die Threads vorher angeguckt, aber viele wahren sehr spezifisch gehalten oder schon etwas älter.

@nachtmahr Ja das Gefühl kenne ich zu gut. Auf der Arbeit habe ich da keine Probleme mit, zumindest mal mehr mal weniger.
Augekontakt fällt mir auch da mit den Kunden schwer, ich habe mir eine "Maske" angelegt.
Ich mache das was der "Norm" entspricht, weil ich es muss.
Habe wenn ich dann aber zB Kunden an der Kasse habe und diese lachen, das Gefühl dass sie über mich lachen. Das ich in dem Moment was falsch mache, komisch aussehe oder ähnliches.
Meine Stundenzettel stimmen zur Zeit oft nicht, ich traue mich aber nicht meinen Chef damit zu konfrontieren bzw ihm mal energisch zu sagen dass es dabei um mein Geld geht. Hab Angst davor. Wenn Kunden auf der Arbeit laut werden, werde ich ganz still und rot und weiß nicht mehr was ich sagen soll - meine Arbeitskollegen deuten dass aber als 'Besonnenheit'. Was ganz gut ist, weil ich ja nicht möchte das sie von mir schlecht denken.
Letztens war ein Essen mit mehreren Kolleginnen, ich war auch eingeladen, aber ich bin nicht hin, weil ich nicht vor ihnen Essen wollte, bzw sie sehen was ich Esse oder wieviel und vielleicht hätten sie über mich und meine Kleidung geurteilt..
Also auf der Arbeit kann ich mich ganz gut vorstellen, privat bzw wenn es in den privaten Bereich geht leider nicht.

16.03.2017 23:26 • #5


Wenn Leute irgendwo lachen, denke ich auch immer, die lachen über mich. Und bei essen mit anderen hab ich auch Probleme. Bin dann immer so angespannt. Aber ist ja schon mal ganz gut, dass du einen Job hast und du da ganz gut klar kommst. Dann wissen deine Kollegen wohl nichts von deinen Schwierigkeiten? Das ist bei mir auf der Arbeit auch so. Die Kollegen denken halt, ich bin einfach ruhig und zurückhaltend, aber nicht, dass da irgendwelche psychischen Probleme dahinterstecken.

18.03.2017 18:40 • #6


... das mag sich jetzt im Anfang doof anhören aber wo ist dein Problem ?

Anderes gesagt weshalb soll das ein Problem sein nicht mit Leute in Augenkontakt treten zu wollen? Muss man denn wirklich immer gleich sehr salopp sein gegenüber anstarren? Dann andere Dinge die du da beschreibst. Wenn man es mal so sehen mag ist das doch alles noch in einer Art "gewissen Rahmen". Weshalb sollte es ein Problem sein "beim Sex 1000 Gedanken zu haben" ? Manche Leute machen Sex ohne sich Gedanken zu machen und wachen auf und etwas später ist man gedankenlos schwanger oder salopp tödlich krank geworden. Klar natürlich verstehen wir was du ausdrücken willst.

Ist so unsere Meinung eher eine Sache die in die Richtung Selbstwert gehen könnte. Angst so zu sein wie man ist weil womöglich einige ach so feine Leute mal dies und das taten oder sagten oder wie auch immer.

18.03.2017 18:46 • #7


Gude deepdown,

atme bitte erstmal tief durch. Eine PS ist eine ziemlich drastische Sache, die so ohne ausschweifende Diagnostik von keinem verantwortungsvollen Therapeuten gesichert festgestellt wird. Halte dich doch erstmal an den konkreten Problemen fest und arbeite mit einer Therapeutin/einem Therapeuten diese auf. Vielleicht geht es dir dann in einem halben Jahr schon besser. Eine PS würde bedeuten, dass eine Veränderung trotz Bemühen nur im begrenzenteren Maß zu erwarten ist. Das würde ich dir nicht wünschen. Meine Meinung zu Therapeuten: Erst aufhören zu suchen, wenn du einen genauen Termin vereinbart hast. Je nach Region möglichst nicht länger als 4 Wochen in der Zukunft.

Und selbst wenn es eine ÄVPS werden sollte. Sieh das Positive. In jedem Fall wärst du auf der geschlechtlich richtigen Seite dieser Störung gelandet. Partnerschaft & Sex, das ist für viele betroffene Männer schlichtweg unmöglich, auch wenn es elementare Bestandteile des menschlichen Daseins sein sollten.

1000 Dinge im Kopf beim Sex is für mich kein Problem, sondern ein irrealer Wunschtraum. Ob mit oder ohne Orga., du hast einen Menschen, der dir zugetan ist, neben dir. Das ist was Gutes.

19.03.2017 21:25 • #8


Hey!
Erstmal herzlich Willkommen im Forum:)

Ein guter bekannter von mir hat ziemlich ähnliche Probleme wie du sie beschrieben hast und ihm hat man gesagt er hätte ADHS und Depressionen!
Er war 4 monate im alexianer Krankenhaus in der tagesklinik und nimmt Medikamente seiddem geht es ihm viel besser:)
Warte erstmal ab was dir dein Psychiater sagt!
Das wird schon wieder nur nie die Hoffnung aufgeben:)

19.03.2017 23:10 • #9




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