Pfeil rechts

Hallo,

vor 1,5 Jahren fing alles an. furchtbare Übelkeit von einem augenblick auf den nächsten. Das ganze hatte sich nach ein paar Tagen etwas gebessert, aber ein übles Grundgefühl im Magen ist seitdem konstant (!) geblieben. Wochen später kam dann Durchfall dazu etc. etc. ich hatte fast 12 Kilos abgenommen. Alle möglichen Ausschlussdiagnosen ließen schließlich nur noch die "Reizmagen/Darm" übrig. Vor 6 Monaten war ich dann das erste mal bei einem Psychiater und nehme seitdem antidepressiva. Die Wirkung ist unverkennbar: der durchfall ist weg, dem magen geht es wesentlich besser - trotzdem immer noch sehr schwankend, manchmal sogar richtig schlecht.
Hat denn von Euch jemand Erfahrungen mit Antidepressiva und reizmagen? Kann ich noch auf weitere verbesserungen hoffen?

Xaver

27.09.2004 01:25 • 06.10.2004 #1


11 Antworten ↓


Hallo,
meine Geschichte hört sich ähnlich an. Vor 2 Jahren eine fürchterliche Übelkeit und ich dachte, ich bin total verkrebst. Dann immer dieses Grundgefühl von Übelkeit (nicht sehr) und ständig drehten sich meine Gedanken um meinen Bauch (bis dahin hatte ich nie Probleme).
Nach schwerer Krankheit meiner Tochter aber auch 100%iger Genesung ging es mit mir ganz bergab.
Eine Magenspiegelung zuvor hatte nur einen leichten Reflux ergeben.(diese Symptome wie Sodbrennen hatte ich aber nie). Ich habe dann direkt mit einer Psychotherapie angefangen und nach einigen Wochen ebenfalls Antidepressiva gegen die Angststörungen erhalten (Seroxat).
Mein psychischer Zustand hat sich dadurch verbessert, mein Bauch leider nicht. Ich habe vor einigen Wochen wieder mit Seroxat aufgehört, da ich es nicht länger als ein Jahr nehmen wollte. Zuückgeblieben ist ein fürchterlicher Blähbauch und weiterhin seltsame Bauchgefühle.Eigentlich fühle ich mich nie mehr richtig gut.
Ich bin fest davon überzeugt, daß ich das eigentliche psychische Problem nicht angegangen bin. Die Tabletten hindern dich oft daran, dieses Problem anzugehen, da ja durch die Einnahme alles leichter wird. Erst mit genug Leidensdruck ist man bereit etwas zu ändern (Ausnahmen sollen die Regeln bestätigen!!)
Ich denke z.B. liegt es bei mir an meiner Ehe, die ich als relativ freudlos empfinde.
Die Arbeit an der Beziehung ist jedoch um ein vielfaches anstrengender als die Einnahme einer Tablette. Früher oder später meldet sich dann einfach der Körper, da wir offensichtlich nicht fähig sind, auf Gefühle zu hören.
Ich glaube Psychater (in deinem Fall wohl nicht mal einen Therapie) und Antidepressiva sind keine dauerhafte Lösung.
Viele Grüße Anja

27.09.2004 08:21 • #2



Reizmagen und antidepressiva

x 3


Hallo Anja,

was meinst Du damit, dass in meinem Falle wohl nicht einmal eine therapie hilft?
Ich hatte schon mal eine Therapie begonnen, die aber tatsächlich zu nichts geführt hat. Wenn Du Dich dauerhaft schlecht fühlst und keinerlei Anhaltspunkte für Probleme, Konflikte etc. finden kannst, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder du verdrängst etwas oder es gibt keine Konflikte. Ich denke, dass es zu dem Zeitpunkt als es anfing Probleme vorhanden waren, die aber längst "bereinigt" waren - was sich körperlich aber nicht gezeigt hat. Daher waren Medikamente sozusagen die letzte Rettung. Und sie haben ja eine Wirkung gezeigt. Ich hoffe einfach, dass ich nach beendigung der medikation bewusster leben kann und besser auf die körperlichen signale hören kann. Ich gebe Dir Recht, dass Medikamente keine Lösung sind, aber eine Hilfe sein können, oder?

Gruß Xaver

27.09.2004 11:22 • #3


Hallo Xaver,
das hast du falsch verstanden. Ich meinte, daß ein Psychater, der einfach Medis verschreibt kaum ausreicht. (Ich unterscheide einfach zwischen Psychater und Psychotherapeut) Mit war nicht bewußt, daß du eine Therapie hinter dir hast.

Mir geht es dennoch ähnlich wie dir. Vordergründig habe ich keine Probleme: schöne Kindheit, Schulbildung, Ausbildung, toller Job, Kinder, Familie, Hobbies usw. Du fragst dich: Warum passiert mir dies? (Geht mir nicht anders) Und dennoch merke ich, daß ich an bestimmt Dinge nicht gerne rangehe (wahrscheinlich weil dies die meiste Anstrengung braucht).
Viele Grüße Anja

27.09.2004 13:17 • #4


Hallo,
hab grad eure Berichte gelesen. Ich bin überzeugt, dass neben entspr. Lebensweise (Ernährung, Freizeitausgleich zum Beruf,...) eine Psychotherapie sehr viel zu einer Linderung der Reizmagen/darmSymptomatik beitragen kann. Ich hab auch schon ca 6 Jahre Probleme mit Magen und Darm. Angefangen hat alles mit einer Salmonellenerkrankung. Ich hab schon einige Male Magenund Darmspiegelung, Unverträglichkeitstests hinter mir, bis auf eine Gastritis findet man sonst nichts. Na ja dann hab ich mal angefangen nachzudenken, wie ich den so lebe, was mich stresst, wie ich mit anderen Menschen umgehe. Oberflächlich betrachtet bin ich ein sehr offener, kontaktfreudiger und lustiger Mensch. Aber es gibt spezielle Situationen, wo ich mich selber überfordere, in denen ich einfach zu wenig ich selbst bin - oft auch eigene Unsicherheiten überspiele, nur um bei anderen als nett und cool dazustehen. Oft hab ich das gar nicht gemerkt, wie ich zu mir selber bin - ich vergleiche mich auch oft mit anderen. Das alles war mir bisher gar nicht so bewußt. Ich gehe seit einiger Zeit, alle paar Wochen zum Psychotherapeuten, und der hilft mir einfach ein bißchen Klarheit über mich und mein Verhalten zu kriegen und Ordnung reinzubringen. Gerade Übelkeit und Erbrechen, sind oft Zeichen von Unsicherheiten, Ängsten aber auch Überforderungen, weil man zuviel von sich verlangt, oder zuviel von allem "reinschlingen" will. Darum glaub ich ist es auf jeden Fall wichtig dem allen mal ein bißchen auf den Grund zu gehen, ich glaub, wenn man dies dann auch schafft umzusetzen, dann löst sich vieles von allein. Aber das braucht Zeit, das ist ein Lernprozeß!
liebe grüße an euch, renate

28.09.2004 16:54 • #5


Hallo ihr beiden,

ich finde das bewundernswert wie selbstkritisch ihr an die Sache rangeht! Anja, Du hast sicher Recht, dass man oft zu vordergründig nach Problemen sucht. Dass die manchmal nicht direkt auf der Hand liegen und man auch ehrlich sich selbst gegenüber sein muss. Und Renate, Du scheinst mir da schon sehr, sehr weit zu sein, Dich selbst gut zu kennen.
Ich weiß nicht, in welchem Alter Ihr seid. Ich selbst bin Anfang 20 und durch diese Magengeschichte vor zwei jahren praktisch mitten aus dem Leben gerissen worden. Ich war ein unglaublich aktiver Mensch. Das ist alles erst mal zusammengebrochen. Und natürlich wird man dann unsicher, nach dem man das ganze körperlich abchecken ließ, was einem der Körper damit sagen will. Ich habe mich daher auch auf eine Psychotherapie eingelassen, aber irgendwann gemerkt, dass sich die Themen im Kreis drehen und v.a. dass sich die körperliche Symptomatik kein bisschen verändert. Erst die Medikamente haben eine Veränderung gebracht. Auch wenn ich selbst immer sehr kritisch gegenüber Psychopharmaka eingestellt war - Ich bin froh, dass es sie gibt! Nichts desto trotz habt Ihr beide Recht, dass es sicher einen Lernprozess bedeutet,die Signale des körpers richtig interpretieren zu können.
Liebe Grüße an Euch,
Xaver

28.09.2004 20:43 • #6


Hi Xaver,
kurze Frage an dich- willst du die Antidepressiva für längere Zeit nehmen? Nur als Anregung was tust du wenn du diese absetzt, tschuldige wenn auch ich so skeptisch bin, aber ich glaub einfach nicht dass das ne Dauerlösung ist -ist vielleicht mal gut, damit man sich mal stabilisieren kann, aber dann gehts einem besser und man glaubt, super ich muss eh nix mehr ändern. Eigentlich nur eine symptomlinderung, keine Ursachenbekämpfung.
Aber vielleicht hat die Gesprächstherapie zu dem Zeitpunkt wo du warst einfach nicht gepaßt, ist oft schwierig zu sagen. Mir tuts gut, weil ich mich und meine Grenzen besser kennen und auch einhalten lerne. Geht man immer drüber, ist das ne ständige Überforderung und Streß für den Körper..... dazu muss man sich selber aber auch kennen bzw. eine gewisse Selbstverantwortung übernehmen. Aber hier gilt auch wie in allen Bereichen, langsam angehen und alles der Reihe nach.
Noch ein Tipp freu dich auch wieder an deiner Freizeit, an Freunden - denn je lockerer man das ganze sieht umso weniger schränkts ein. Mir taugts auch nicht, aber ich denk mir einfach, ich hab halt mal einen empfindl. Verdauungstrakt, trotzdem braucht der nicht immer mein Leben bestimmen!
liebe grüße, Renate

PS. meine Übelkeit zB ist zumindest in den letzten Wochen bis Monaten um vieles vieles besser!

29.09.2004 20:35 • #7


Hallo Xaver,

darf ich fragen, welche Medikamente (Antidepressiva) du nimmst? Ich schlucke seit einem Jahr ein Präparat, was mir weder gegen meine extremen Bauchbeschwerden noch gegen meine Depressionen hilft. Würde mich interessieren, was du nimmst.

Robin

29.09.2004 23:04 • #8


Das ist Remergil. Aber das wird Dir nicht viel weiterhelfen, denke ich. Da es ja was weiß ich wieviel Produkte gibt und die ganz individuell wirken.
Zudem ist es bei mir tatsächlich nur eine Beschwerde-Linderung, mehr nicht - aber Immerhin, ich weiss!

An Renate: Sich Gedanken über sein Leben und seine Lebensführung zu machen, darum kommt man nicht drumrum, auch wenn das sehr sehr mühevoll ist - da hast Du natürlich Recht. Ich möchte natürlich sobald es geht, die Medikamente ausschleichen. Aber im Moment brauche ich diese Stütze einfach noch.

Grüße von Xaver

30.09.2004 11:30 • #9


Hi Xaver,
ich glaub du weißt eh ganz gut was du brauchst und was nicht, das klingt zumindest so. Ich bin ja zum Glück nicht so mit Schmerzen geplagt, sondern eher mit Übelkeit und den immer wiederkehrenden Durchfällen. Bei jedem zeigen sich die Probleme auf andere Art und Weise. Ich wünsche dir weiterhin Durchhaltevermögen, liebe grüsse erstmal REnate

30.09.2004 20:19 • #10


hi xaver!
also,ich nehme jetzt seid ungefähr einem monat amitriptylin,das ist auch ein antidepressivum und es hilft mir sehr...
es wirkt vor allem auf die schmerzen...direkt nach der ersten einnahme von 10 mg(eine tablette nur!)hatte ich schon keine schmerzen mehr(davor jeden tag,durchgehen die volle prozedur,schmerzen druck,...immer fühlt man den bauch)nun nehme ich eine dosis von 25 mg(für rds patienten eigentlich völlig ausreichend)und der durchfall ist auch fast weg...hin und wieder gibt es na klar mal einen rückschlag,...jedoch ist meine lebensqualität wieder um einiges besser geworden,..durch das medikament ist mein leben wieder lebenswerter geworden,ab nächster woche fange ich zudem noch eine therapie an gegen meine ängste die sich innerhalb von drei jahren rds leiden nunmal so aufgebaut haben...
vorher war ich wirklich kurz davor mir einfach einen strick zu nehmen und meinem leben ein ende zu machen,..naja,leben hab ich das alles nicht mehr genannt.
geh doch mal zu einem arzt,lass dich über dieses medikament beraten und ausführlich informieren.
ich glaube zwar nicht,dass dies das allheilmittel für rds patienten ist,aber es ist doch ein anfang und in kombination mit einer therapie vielleicht sogar doch gut um in eine bessere richtung zu gehen und seine ängste und sorgen unter kontrolle zu bekommen.
allerdings sollte man nicht zu irgendeinem beliebigen therapeuten gehen,...man muss sich wirklich wohl fühlen bei demjenigen,ansonsten würde ich es nicht tun
ich hoffe ich konnte helfen
liebe grüße
johanna

06.10.2004 14:12 • #11


Hallo Johanna,

danke für Deinen Tipp. Ich werde mich informieren!
In den letzten Wochen hat mich eine Grippe erwischt und seitdem sind die Beschwerden wieder viel schlechter. Komisch, ob das was mit dem Imunsystem oder so zu tun hat? Naja, es wäre ja zu schön gewesen. Es freut mich, dass Du einen Weg gefunden hast, der Dir hilft. Und Amitryptilin werde ich mir merken...

Danke,
Xaver

06.10.2004 17:23 • #12



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag