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T
Hallo,

Ich nehme seit Anfang Januar mal wieder Citalopram 20mg. Grund war ein Burn Out, es hat 4 Wochen gedauert und die Welt war wieder in Ordnung. Natürlich wieder anfangs mit den bekannten Nebenwirkungen, aber dann sozusagen voll zurück im Leben.

Bin erfahren mit Citalopram, habe es schon mehrfach eingenommen, begleitet von einem super Therapeuten.

Letzten Montag hatte ich dann quasi aus dem Nichts starke Kreislaufprobleme und diese haben seit Jahren wieder starke Panikattacken getriggert. Blutwerte und EKG sind in Ordnung. Die Woche war richtig heftig.

Ich mache mir Sorgen, dass das Citalopram auf einmal nicht mehr wirkt, wobei das ja eigentlich unlogisch ist wenn es im Januar wieder gute Arbeit geleistet hat.

Hat jemand vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht?

05.04.2024 19:54 • 29.05.2024 #1


13 Antworten ↓


Schokowaffel_
Zitat von Timur:
Hat jemand vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ja hier ich

Ich nehme zwar Mirtazapin, aber im Grunde genommen spielt das jetzt hier keine Rolle.
Nachdem es mir nach einer erneuten Angstphase so schlecht ging und ich auch nicht mehr schlafen konnte, bekam ich im Dezember Mirtazapin verschrieben. Nach und nach ging es wieder bergauf und ich habe kaum mehr schlimme Angstzustände und körperliche Symptome.

... Letzten Freitag bekam ich auch, wie aus dem nichts eine Panikattacke und für eine kurze Zeit verlor ich mein Vertrauen. Weil es ging mir ja so gut und plötzlich kommt der Mist oder wie?

Aber weißt du was?
Im Gegensatz zu vorher, konnte ich mich nach so einer Attacke viel schneller aus dem Tief holen und ich war längst nicht mehr so aufgebracht wie vor der Medikation.

Was ich damit sagen möchte:
Auch trotz der Medis, kann es passieren, dass es trotzdem zu einer Panikattacke kommen kann.

Wichtig ist nur:
Wie oft kommt es vor?
Und wenn es passiert: wirft es dich meilenweit wieder zurück?

Wenn es natürlich oft vorkommen sollte, dass es deinen Alltag wieder einschränkt, dann kannst du darüber nachdenken, ob die Dosierung überhaupt stimmt.

Wenn sowas sporadisch auftritt, finde ich, dass es irgendwie auch dazu gehört. Es gibt auch mal blöde Tage. Da schützt die beste Pille nicht zu 100%.
Relevant ist, wie du damit umgehst.

05.04.2024 22:00 • x 1 #2


A


Rückfall trotz Citalopram 20mg

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T
@Schokowaffel_ Guten Morgen und vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort.

Also es war in meinem Fall jetzt eine sehr intensive Panikattacke, die mich aber in eine Art Dauerzustand von starken Ängsten versetzt hat. Dazu Schlafstörungen und gefühlt gerade vor einem gedanklichen Scherbenhaufen.

Weisst du... Ich hab das im Januar halt schon mal durchgemacht und frag mich einfach wie ein Event mich trotz Citalopram (was mir seit Jahren geholfen hat) komplett in den Keller drückt.

06.04.2024 10:03 • #3


Icefalki
Lieber @Timur , meine Meinung ist, dass wir Angstpatienten bei der ersten Panikattacke ein Trauma erlebt haben und deswegen bei Veränderungen, Problemen, immer wieder an unsere Grenzen stoßen.

Diese ganze Angstproblematik ist so kompliziert, da man einfach extremst anfällig ist, wenn der Stress zu heftig wird.

Und gleichzeitig scheinen wir auch unfähig zu sein, vernünftig auf uns zu achten. Geht es uns gut, reissen wir die Welt ein, bis Tag X kommt und das Elend von vorne beginnt.

Unterm Strich hilft nur eine gewisse Akzeptanz, dass Stress bei uns Angst auslöst. Je besser wir uns also selber kennen, desto eher können wir Stress dann schon im Vorfeld abfangen.

Deswegen macht man Sport, oder Entspannungsübungen, arbeitet an den eigenen Defiziten (Selbstreflektion), stärkt sein Selbstbewusstsein und macht sich bewusst, dass auch diese Faktoren u.U. nicht immer ausreichen.

Ich betrachte mich als traumatisiert, das begann schon in der Kindheit und ich habe deswegen jedes Recht, psychisch nicht in der Norm sein zu müssen. Gleichzeitig bin ich stolz darauf, trotz Ängsten das Schlachtfeld Leben immer wieder neu betreten.

Damit will ich dir ein wenig Mut machen, dass deine Angst, dein Rückfall eigentlich auch nur normal ist.

Bei mir hat Cita aber immer geholfen, ich habe es insgesamt 2 mal genommen.

Und lass mal dein Vitamin D Wert kontrollieren, denn:

Depressive Menschen weisen häufig sehr niedrige Vitamin-D-Spiegel auf. Laut aktuellen Studien verdoppelt sich das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel fast“, erklärt Dr. Tegtmeier. „Je ausgeprägter der Vitamin-D-Mangel, desto ausgeprägter kann die depressive Symptomatik sein.

Und bei Angst spielt immer eine gewisse Depri mit rein.

06.04.2024 10:25 • x 2 #4


T
@Icefalki Wow... Ich kann deinen Beitrag soooo sehr fühlen. Danke für deine so offenen und ehrlichen Worte.

Das Thema Stress spielt wie du beschrieben hast eine große Rolle. Wenn ich ehrlich zu mir bin, und ich bin glaube ich auch sehr reflektiert, gibt es bei mir definitiv einige Stressbaustellen an denen gearbeitet werden muss.

Gleichzeitig ist es wie du gesagt hast... Geht es einem gut, neigt man doch schnell dazu in alte Muster zu verfallen.

Diese Akutphasen sind halt einfach kacke. Man ist halt erstmal nicht wirklich handlungsfähig. Von daher hoffe ich einfach das sich die Situation vielleicht von alleine in den nächsten zwei Wochen entspannt um weiter an den o.g. Baustellen und gemeinsam mit meinem Therapeuten arbeiten zu können.

Ich denke du kennst es... Diese Akutphasen nehmen einem erstmal jegliche Hoffnung und Perspektive. Gleichzeitig sind wir uns ähnlich.. Ich habe große Lust auf die Schatztruhe Leben.

Trotzdem immer ekehalft in diesem von Tag zu Tag schauen Modus zu sein.

Vitamin D und alle anderen wichtigen Werte sind top, habe ich direkt diese Woche checken lassen.

Nochmals Danke für deine Nachricht... Hoffen wir auf einen Schritt zurück, dann zwei nach vorne

06.04.2024 10:45 • x 1 #5


A
Oh, ich kann euch so gut verstehen. Erkenne mich total wieder in euren Beiträgen.
@Timur wie geht es dir mittlerweile?

23.05.2024 14:18 • x 1 #6


T
@Anita0307 Mir geht's mittlerweile wieder gut Bin seit 2.5 Wochen wieder auf Arbeit, keine Panik oder Angst mehr. Klar gibt es unterschiedliche Tage, aber die Normalität hat mich wieder.

Gleichzeitig achte ich darauf, dass ich nun vermehrt Sport mache und Zeit an der frischen Luft und mit Freunden verbringe. Das hilft gut.

Ich werde wohl mein Leben lang immer anfällig sein für solche Phasen, aber gleichzeitig kann ich glücklicherweise sagen, dass sie die Geduld und der Glauben ausgezahlt haben.

29.05.2024 22:00 • #7


A
@Timur wegen was nimmst du es und wie lange schon? Nur wegen Angst und Panik?

Habt ihr zusätzlich was zum Schlafen?

29.05.2024 22:14 • #8


T
@Anita0307 Hatte Citalopram von 20mg auf 30mg erhöht, nachdem ich seit Jahren mal wieder eine heftige Panikattacke hatte. Die löste in mir wieder diese Angst vor der Angst aus.

Ich nehme Citalopram schon seit ca. 15 Jahren, war zwischenzeitlich schon mal auf 5mg runter. Schlafen konnte ich zum Glück immer gut, also habe ich da nichts zusätzlich gebraucht.

Ziel wird auch hier wieder sein auf die alte Dosis zu reduzieren, aber das erst nach der Gesprächstherapie und frühstens nach einem halben Jahr

29.05.2024 22:19 • #9


A
@Timur bei mir kam zuerst die Schlafstörung, dann die Angst und dann die Depression, die dich aktuell auf dem größten Tiefpunkt befindet. Bin völlig daneben und bringe nichts auf die Reihe.

Denkst du echt, das wird wieder besser?

29.05.2024 22:22 • x 1 #10


T
@Anita0307 nimmst du Medikamente und hast jemanden zum Reden?

Und ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass es bei mir immer wieder gut geworden ist. Selbst als ich fast jeglichen Glauben an die Normalität verloren hatte.
Man muss einfach vieeeel Geduld haben, Mut zur Veränderung und darf den Glauben niemals verlieren. Diese Akutphasen sind halt ganz ganz ekelhaft und surreal.

Hatte jetzt schon 6-8 solcher Episoden über die letzten 15-20 Jahre

29.05.2024 22:24 • #11


A
@Timur ja, ich nehme seit knapp 3 Wochen Escitalopram. Erst eine Woche 5 mg, dann erhöht auf 10.
Ja, meinen Mann habe ich schon, aber der kann sich natürlich nicht in mich reinversetzen.
Warst du auch so überfordert vom Alltag? Oder ist das rein meine schlimme Depression?

29.05.2024 22:28 • #12


T
Dann gib dem ganzen nochmal 3-4 Wochen. Ich weiss das mag jetzt seeehr lange für dich klingen, aber nimm jeden Tag so wie er ist. Es wird wieder besser.

Ich war total überfordert. War 5 Wochen krankgeschrieben, mir war übel und schwindlig. Hab 8 Kilo abgenommen und gefühlt jede positive Emotion in mir verloren. Man ist wie hinter Glas. Man sieht die Normalität und kann einfach nicht teil davon sein.

Vor Jahren bin ich sogar zwei Wochen zu meinen Eltern, weil ich es vor lauter Angst zuhause nicht mehr aushalten konnte. Das war dieses Mal nicht der Fall. Will damit aber sagen, dass da immer ein Licht am Ende des Tunnels ist.

Vorallem wenn du das erste Mal Citalopram oder Escitalopram nimmst ist die Einschleichphase meistens ganz übel. Ich habe auch bei jeder meiner Dosiserhöhungen wieder diese Erstverschlimmerung gehabt und das selbst nach Jahren.

Wie gesagt, versuch jeden Tag (auch wenn er schlecht ist) zu akzeptieren.
Es wird wieder besser in ganz kleinen Schritten... Aber es wird wieder gut

Ich würde die auf jedenfall ans Herz legen auch eine Therapie zu machen, das hilft mir bis heute immer sehr.

29.05.2024 22:37 • #13


A
@Timur danke für deine Antwort.
Ja, ich habe vor 2 Jahren schon mal ähnliches erlebt. Da habe ich auch eine Weile Escitalopram genommen. Es ging mir da aber gefühlt nicht ganz so schlecht. Da hatte ich mehr Antrieb, die Depression war nicht ganz so schlimm.
Wie hast du deine Tage rumgebracht in dieser Akutphase?
Therapie suche ich gerade, aber das ist ziemlich aussichtslos. Vor allem überfordert mich die Suche. Bisher konnte ich nur eine Therapeutin finden, die ich selbst zahlen muss. Erst Ende Juni hat sie Termine frei. Da werd ich dann hingehen.
Ich habe einfach nur so Angst, dass das Escitalopram nicht wirkt und ich dauerhaft diesen Zustand aushalten muss. Ich habe zwei Kinder und kann sie kaum versorgen. Zum Glück habe ich meinen Mann und Eltern.

29.05.2024 22:45 • #14


A


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Dr. med. Andreas Schöpf