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Hallo zusammen,

ich bin Babsi und leide an verschiedenen Ängsten: Generalisierte Angststörung, Panikattacken, Cardio-Phobie, Agoraphobie, Verlustangst.

Begonnen hat es mit Panikattacken vor 30 Jahren - zum Glück nur in geschlossenen Räumen wie Restaurants, Zügen, Flugzeug, Diskotheken - habe damals vom Arzt Valium-Tropfen bekommen. Nach 2 Jahren waren die Attacken weg und ich bis auf ca. 1 Panikattacke alle paar Jahre in einer Phase heftigen Stresses komplett "anfallsfrei".

Als im Frühjahr 2013 meine Mutter zum Pflegefall war und ich am Rande eines Burnouts traten die Panikattacken wieder auf - mit einem homöopathischen Akutmittel und bei schlimmen Attacken mit Valium konnte ich mir wieder gut helfen. 2012 hatte ich die erste Bluthochdruck-Attacke (Blutdruck über 200), bei der ich den Notarzt rief - unter Stress kamen diese Blutdruckentgleisungen immer wieder vor - das letzte Mal vor 2 Wochen mit Krankenhausaufenthalt (Blutdruck ist jetzt mit Beta-Blocker einigermaßen gut eingestellt).

Im Frühjahr 2014 habe ich dann im Rahmen einer Studie zum Thema Agoraphobie eine Therapie gemacht. Dabei lernte ich in Expositionsübungen mit meiner Panik umzugehen und begriff auch, dass ich zu Panikattacken neige, wenn mein Stress-Level mal wieder jenseits von gut und böse ist. Im letzten Sommer fing es dann mit gefühltem Herzrasen an, d. h. der Puls war normal, aber für mich fühlte sich es an, als hätte ich 5 Redbull getrunken. Zuerst war es nur stundenweise, ging auch wieder weg - ich war damals in einer Psychotherapie wegen meiner Verlustangst. Meine Therapeutin empfahl mir, meinen Lebensstil zu ändern, da ich mir viel zu wenig Ruhe gönnte, ich jeden Abend multi-taskend am Computer und Telefon mit Freundinnen hing, ich trotz meiner Erschöpfung nur wenige Stunden schlief. Ich hörte nicht auf sie, machte weiter und das Herzrasen weitete sich aus.

Ich suchte verschiedene Ärzte auf, zuerst hieß es, es käme von meiner Schilddrüsen-Überfunktion (habe Hashimoto Thyreoiditis), ich fuhr meine Schilddrüse hormonell runter, das Herzrasen blieb. Mittlerweile war es nicht nur das gefühlte Herzrasen, sondern auch ein inneres Vibrieren, als würde ich auf einer Mass. liegen oder ein ganz feines Zittern, das mir durch den ganzen Körper ging.

Besonders schlimm war es, wenn ich abends ins Bett ging, dann tobte es extrem in mir und das Einschlafen wurde immer schwieriger. Zwischenzeitlich war ich auch beim Neurologen, der diagnostizierte eine autonome, somatoforme Störung des cardio-vaskulären Systems. Er empfahl mir dringend, eine Reha in einer psychosomatischen Klinik zu machen.

ch ging weiter arbeiten, entschied mich dann für eine teilstationäre Therapie in einer psychiatrischen Tagesklinik. Ende November kam dann der Crash ein, zuerst mit einer Bluthochdruckattacke (220 : 140) bei der Arbeit, danach ging nichts mehr, es war, als hätte man einen Schalter umgelegt, ich hatte nur noch Angst und Panik, sehr oft Todesangst - rund um die Uhr. Eine Woche war ich in diesem Zustand zuhause, bevor meine Therapie in der Tagesklinik anfing.

Es war die Hölle, selbst den Müll in die Mülltonne zu bringen, rief endlose Panik in mir wach, ich saß im Bett und hatte nur noch Angst, Angst und nochmals Angst. Ab 01. Dezember war ich in der Tagesklinik, probierte verschiedene Psychopharmaka aus, auf die ich leider mit heftigen Nebenwirkungen reagierte und somit absetzen mußte: Trazadon, Mirtazapin, Doxepin, Paroxat. Zeitgleich war ich auch in einer homöopathischen Behandlung, aber auch hier hatte ich das Problem, dass ich auf die Mittel entweder gar nicht oder paradox reagierte.

Als meine 6. und letzte Woche in der Tagesklinik anbrach, spürte ich, dass ich eine Wiedereingliederung in den Betrieb noch nicht schaffe, dieses Thema noch zu angstbesetzt für mich ist. Wieder kam es zu einer Bluthochdruckattacke, die mehrere Tage Krankenhaus nach sich zog.

Aktuell kämpfe ich um eine Wiederaufnahme in die Tagesklinik, die will mich nicht wieder aufnehmen, weil es problematisch sei, da ich im Krankenhaus gewesen sei. Nächste Woche hab ich dort nochmals einen Gesprächstermin.

Aktuell bin ich dabei, meine Schilddrüse aus der Unterfunktion wieder hochzufahren und als Medikamente nehme ich 1 Lasea sowie 5 Tropfen Atosil abends und 2 mal eine kleine Dosierung eines Beta-Blockers - ich kann aufgrund meiner Hochsensibilität nur Mini-Dosierungen an Medikamenten nehmen.

Es geht mir einigermaßen, allerdings habe ich den Eindruck, dass mein inneres Zittern/Vibrieren sich wieder etwas verstärkt und das war ja auch genau das, was mich nicht mehr zur Ruhe kommen ließ. Ich bin dabei, meinen "Aktionsradius" langsam wieder zu vergrößern, d. h. rauszugehen, auch mal meinen Wohnort zu verlassen - es ist verdammt schwer, meine Panik kommt dann immer wieder hoch, mein Angstspeicher immer noch rappelvoll von den Angst-Erlebnissen des letzten Jahres.

Ich zwinge mich auch dazu, nicht mehr ständig meinen Blutdruck zu kontrollieren. Ich bin dabei, mir ein "normales" Leben wieder zurück zu erkämpfen, ich will mich wieder frei bewegen können und auch wieder zur Arbeit gehen können. Es ist verdammt hart, manchmal bin ich auch total verzweifelt, kann immer noch nicht richtig verstehen, was da mit mir passiert ist, ich, die immer wie eine Maschine funktioniert hat.

Was ich hier suche:
Kontakte zu Menschen in meiner Nähe (Großraum Karlsruhe) - vielleicht gibt es hier im Raum eine Selbsthilfegruppe
Verständnis - denn "normale" Menschen, die noch nie eine Angststörung hatten, können es sich kaum vorstellen, dass selbst der Gang auf Toilette voll mit Angst sein kann

Antwort auf die Frage, welche Medikamente Euch bei Eurer Angst geholfen haben - sehr gerne auch pflanzliche Mittel

Wünsch Euch ein schönes Wochenende und schick Euch einen lieben Gruß

Barbara

31.01.2015 12:39 • 06.02.2015 #1


2 Antworten ↓


inna7
Hallo liebe Babsi!

Ohje, das hört sich schrecklich an. Das tut mir sehr leid! Aber ich kann dir sagen, du bist hier richtig. Ich bin auch noch nicht so lange hier und habe viele liebe Nachrichten von Leidensgenossen bekommen die mir tolle Tipps gegeben haben. Bestimmt machst du die gleichen Erfahrungen wie ich.

Liebe grüße!

31.01.2015 12:54 • x 1 #2


Mondkatze
Hallo Barbara,
ich habe auch eine sooo lange Leidensgeschichte über Jahrzehnte. Bin auch etwas lebensälter und kämpfe seit vielen vielen Jahren, seit meiner Kindheit, mit Symptomen und immer schlimmer werdenden verschiedenen Ängsten. Ich mache ein VT. Medis nehme ich keine, weigere mich.
Ich denke, dass ganz viele Leute sich in Deinem Beitrag wiederfinden werden.
Schön, dass Du auch hierher gefunden hast.
Ich bin auch seit 1 Monat hier und immer wenn es mir ganz schlecht geht, dann lese ich im Forum oder schreibe auch einfach was. Das fällt mir allerdings immer sehr schwer, weil ich immer Angst habe was falsch zu machen.
LG
Mondkatze

06.02.2015 01:00 • #3




Dr. med. Andreas Schöpf