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Hallo nochmal

nachdem ich mich vorgestellt habe (unter „Neu hier ), möchte ich gerne meine Geschichte loswerden und hoffe, dass sich jemand darin wiederfindet oder ggf. Lust hat, sich mit mir auszutauschen.

Vor 5 Jahren habe ich Ich angefangen die Pille Cerazette zu nehmen. Damals war ich kurz vor Ende des Bachelorstudiums und habe sie eingenommen, weil ich meinen jetzigen Partner kennegelernt habe.
Nach der Einnahme der Pille dauerte es keine 2 Wochen und ich hatte die erste Panikattacke (damals abgetan als „Kreislauf“). Dabei blieb es natürlich nicht.
Ich denke, diese Phase war bisher wohl die schlimmste Zeit meines Lebens, auch wenn ich die extremsten Symptome verhältnismäßig kurz hatte (ich denke die hier alle detailliert zu beschreiben würde den Rahmen sprengen...).
Mein damaliger Hausarzt, der mich von Kindesbeinen kannte, reagierte nach einer Attacke in seiner Praxis schnell. Er überwies mich ins Krankenhaus, wo aufgrund vorausgegangener Mandelentzündungen ein Ganzkörper-Check gemacht wurde, sagte mir aber vorher schon, dass es vermutlich nichts körperliches sein wird, sondern dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit eine generalisierte Angststörung habe.
Im Krankenhaus angekommen -siehe da-, fühlte ich mich deutlich besser. Aufgehoben, umsorgt, in der Nähe von Ärzten eben
Kaum aus dem Krankenhaus gekommen, gingen alle Symptome wieder los. Mein Körper spielte total verrückt. Herzrasen, Schwindel, Panik, Angst zu Sterben, Angst vor allem möglichen um mich herum, stundenlanges Weinen. Der Hausarzt hat mir damals Citalopram verschrieben. 10 mg als Einstieg - nach 2 Tagen habe ich mich wieder aus dem Haus getraut und war etwas weniger ängstlich, fühlte mich besser, Schritt für Schritt.
Seitdem hatte ich das Cita auf 30mg als Höchstdosis, habe eine 2-jährige Verhaltenstherapie gemacht, mein Studium abgeschlossen, mit dem Rauchen aufgehört, angefangen Sport zu machen und dagegen angekämpft bzw. wieder ein „normales Leben geführt
Die letzten 3 Jahre ging es mir wirklich GUT (klar, kleine Episoden hat jeder mal, aber wenn man weiß, wie man damit umgehen muss, dann sind die schnell überstanden). Die PA sind nur noch laue Anflüge gewesen, sodass ich vor 1 Jahr angefangen habe das Cita auszuschleichen. In 5g-Schritten. Zuletzt von Oktober bis Januar 2016 nur noch 2,5g.
Leider sind in den letzten 2 Jahren noch andere körperliche Symptome aufgetreten, bei denen ich bis heute nicht zuordnen kann, ob sie Nebenwirkungen vom Cita sind, denn eigentlich hatte ich, bisauf komatöses Dauerschlafen zu Beginn^^ , so gut wie keine Nebenwirkungen bei der Einnahme:

- Vor 2 Jahren entwickelte sich ein Tinnitus beidseitig
- Vor 1 ½ Jahren wurde meine Verdauung träger
- Seit November 2015 habe ich sehr häufig einen extremen Blähbauch und Bauchkrämpfe, besonders nach fettigem Essen
- Im letzten halben Jahr sind häufig die Lymphknoten am Hals geschwollen
- Seit Januar 2016 kam dazu noch ständige Übelkeit, nach dem Essen Symptome, die einer PA ähneln: Herzklopfen, Schweißausbrüche, Angst (+Bauchschmerzen)

(Beim Arzt war ich und es wurde eine Dysbiose + Bauchspeicheldrüseninsuffizienz festgestellt)
Seit Mitte Februar habe ich das Cita abgesetzt und in den letzten 2 Wochen geht es nur noch bergab:
2 heftige Panikattacken, ich bin weinerlich, fühle mich schlapp und elendig und weiß nicht, was ich tun soll. Gestern war es so schlimm, dass ich zu meinem jetzigen HA bin. Er sagt mir, dass ich auf keinen Fall eigenmächtig das Cita wieder einnehmen soll, bevor ich nicht bei einem Neurologen/Psychiater war. Außerdem findet er mehr als bedenklich, dass mir damals mein HA das Medi verschrieben hat und ich noch nie bei einem Psychiater war. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte
Jetzt hat er mich dorthin überwiesen und ich muss bis übernächste Woche warten, weil es bis dahin keinen Termin gibt.
Als nächstes stehen Spiegelungen an, damit ausgeschlossen werden kann, dass es keine Entzündungen o. Ä. im Magen/Darm sind.
Für die Dysbiose nehme ich Probiotika und habe meine Ernährung gerade radikal umgestellt. Kein Fett mehr wg. der Pankreasinsuffizienz, dafür jeden Tag frisches Gemüse. Leider habe ich bisher schon 5 Kilo abgenommen, wiege jetzt 54, bei 1,71 und merke, dass ich immer schlapper werde (sehr ähnlich zu damals, allerdings war meine Verdauung da das Gegenteil von träge )

Ich kann einfach nicht glauben, dass es alles nur daran liegt, dass ich das Cita abgesetzt habe.
Weil damals alles direkt auf eine Angststörung und Panikattacken hingewiesen hat, wurde auch nichts weiter untersucht. Daher habe ich jetzt, nach mehrmaligem Nachfragen, endlich auch eine Überweisung zum Endokrinologen mit samt Termin in 3 Monaten bekommen. Die Vermutung, dass es doch eine hormonelle Störung ist, lässt mich einfach nicht los, denn viele meiner Symptome und Beschwerden decken sich mit denen einer Schilddrüsendysfunktion (kalte Hände + Füße, Kribbeln; starkes Frieren, „Kloß im Hals“, Haarausfall, Verstopfung/Blähbauch, ständige Müdigkeit, Kraftlosigkeit, sehr trockene Haut, Tinnitus, Schuppenflechte an einigen Stellen, etc…) bzw. sind auch zyklusabhängig stärker bzw. schwächer + die Vorgeschichte mit der Pille. Die habe ich seit der ganzen Geschichte übrigens nie wieder genommen.
Die depressive Verstimmung ist auch erst ca. seit November letzten Jahres da. Passend dazu sollte ich vllt. sagen, dass bei der letzten Blutuntersuchung (Februar) ein Vitamin-D-Mangel festgestellt wurde (9 µg/l). Mindestens 3 Monate soll ich jetzt substituieren.
Das Schlimmste für mich in diesem Moment ist, dass ich das alles gerade WIEDER meinem Partner antue und das Gefühl habe, meine ganzen Bemühungen und der Weg aus den Panikattacken und der Angst heraus waren umsonst. Er war damals, trotz frischer Beziehung, von Anfang an wie selbstverständlich für mich da und hat das einfach nicht verdient ;-(
Außerdem bin ich gerade zum zweiten Mal krankgeschrieben. Ich habe normalerweise einen Full-Time-Job und weiß nicht, wie ich das alles noch bewältigen soll. Meist fängt die innere Unruhe ab mittags an und steigert sich dann bis zum Nachmittag, also bis ich nach Hause kann, erst abends lässt sie wieder etwas nach. Gespräche mit Mitarbeitern, Telefonate oder die Anwesenheit der Chefs (die einfach nur klasse und total nett sind!) machen mich furchtbar nervös und langsam sieht man mir meinen „Zustand“ auch an ;-(
Ich weiß gerade nicht mehr weiter und frage mich, ob es unter euch jemanden gibt, dem es ähnlich ging mit dem Cita. Klar, über Absetzsymptome wurde hier schon viel ausgetauscht, aber geht es jemandem auch so fürchterlich mit der Verdauung? Kann es das Cita gewesen sein, dass alles so durcheinander gebracht hat? Ich weiß nicht mehr weiter…Soll ich es einfach wieder einnehmen? Mir hat es ja immerhin jahrelang sehr gut geholfen...
Ich könnte euch noch so viel mehr schreiben, aber ich glaube das reicht für`s Erste

Grüße

HighLife

01.04.2016 12:51 • 07.09.2016 #1


4 Antworten ↓


Vergissmeinicht
Grüß Dich HighLive,

würde Cita nicht eigenmächtig wieder anheben; eher umgehend einen Neurologen oder Psychiater aufsuchen. Sehe es auch nicht als Rückfall; eher als kleiner Einbruch an.

Denke, hinter allem stecken andere Dinge und die gilt es mit Hilfe einen Therapeuten herauszufinden. Nur Medis zu nehmen ist der falsche Weg.

Wenn es Dich beruhigt, lasse die Spiegelungen machen und dann solltest Du versuchen an Dir zu arbeiten.

Fühlst Du Dich in dem Job und in der Beziehung wohl?

01.04.2016 15:12 • #2



Citalopram, Angst, Panik, Pankreas, Hormone?

x 3


Hallo Vergissmeinnicht

Den Job habe ich seit ca. 1,5 Jahren und eigentlich -klar gibt es stressige Zeiten- gefällt er mir wirklich gut! In der Beziehung fühle ich mich auch größtenteils glücklich, kann mir ein Leben ohne meinen Partner kaum vorstellen. Ich bin fast sicher meinen Seelenverwandten gefunden zu haben ^^ .

Momentan wüsste ich nicht, was ich einer Therapeutin erzählen sollte, weil ich dachte, dass ich während der Verhaltenstherapie schon vieles aufgearbeitet bzw. gelernt hätte ;-( Ich war schon immer (und bin es heute noch) ein unsicherer Mensch, habe kein riesiges Selbstbewusstsein.
Familienverhältnisse waren nicht immer einfach, aber es gibt Dinge, die man nicht ändern kann und akzeptieren muss.
Das ist es ja, was mich so traurig macht zur Zeit. Ich habe so viel investiert und an mir gearbeitet und TROTZDEM habe ich diese körperlichen Symptome

Es muss doch eine Ursache geben, die nicht rein psychischer Natur ist...zumindestens möchte ich diesen Ansatz jetzt verfolgen, da in dieser Hinsicht damals nie etwas untersucht wurde.
Danke für Deine Antwort

01.04.2016 17:01 • #3


Vergissmeinicht
Ja, lass es untersuchen und dann schauen wir weiter. Schön, das Du bei uns bist.

01.04.2016 17:04 • #4


Hallo HighEndLife,

ich habe Deinen Beitrag durch Zufall im Internet gefunden und nicht schlecht gestaunt - Deine Geschichte, Deine Beschwerden decken sich zu 90% mit den meinen! Ich bin schon lange verzeweifelt auf der Suche nach einer Ursache, bisher leider ohne Erfolg. Ich würde mich über einen Austausch sehr freuen. Vielleicht hast Du ja auch schon etwas weiteres herausfinden können?

Würde mich sehr, sehr, sehr über eine Antwort von Dir freuen und erzähle dann auch gerne meine ganze Geschichte!

Viele Grüße,
Milchmonster

07.09.2016 20:27 • #5




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Dr. med. Andreas Schöpf