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Zitat von Saina91:@NeonPixie Ich finde es schade, dass hier von körperlicher Selbstbestimmung der Frau geredet wird, während das Baby im Bauch kein Mitspracherecht ...
Du beschreibst genau den Grund warum diese Entscheidung so schwer ist. Es gibt keine einfache Antwort. Das ist ein echter Konflikt zwischen zwei ethischen Überlegungen.
wer soll diesen Konflikt auflösen? Eine Frau in ihrer konkreten Situation (mit allem was sie weiß, fühlt und trägt) oder ein Gesetz das für alle gilt unabhängig von den Umständen?
Wir haben das vorher schon ausführlicher diskutiert. Kurz zusammengefasst:
Niemand findet Abtreibung gut. Was vertreten wird ist das Recht der betroffenen Frau selbst zu entscheiden, nicht der Staat.
Verbote senken die Abtreibungsrate nachweislich nicht. Sie verlagern sie in die Illegalität mit höherer Sterblichkeit. Das zeigen WHO-Daten aus vielen Ländern.
Beim Herzschlag früher Embryonen haben wir erklärt dass das elektrische Aktivität ist, noch kein vollständiges Herz, und dass auch natürliche Schwangerschaften zu über 50% nicht erfolgreich implantiert werden, was zeigt dass auch gesellschaftlich der Beginn des schützenswerten Lebens nicht konsequent bei der Befruchtung angesetzt wird.
Zum Vergewaltigungsfall: Die Frau trägt dann die Konsequenzen einer aufgezwungenen Tat, ihr auch noch die Entscheidung über die Schwangerschaft zu entziehen ist eine zweite Bestrafung.
Für dich als Christin sicher noch interessant: Die Bibel sagt erstaunlich wenig direkt über Abtreibung. Das Gebot “du sollst nicht töten” ist da, aber wann genau Leben beginnt ist theologisch seit Jahrhunderten umstritten. Augustinus und Thomas von Aquin vertraten noch die Theorie der “verzögerten Beseelung, dass die Seele erst nach einigen Wochen in den Körper eintritt.
Im Judentum zum Beispiel hat das Leben der Mutter explizit Vorrang vor dem des ungeborenen Kindes. Die Idee dass “das Baby” ab Befruchtung denselben Status hat wie die Mutter ist also keine universelle religiöse Position sondern eine spezifisch moderne konservative christliche.
Nach dem Dobbs-Urteil 2022 sind die Gesamtzahlen der Abtreibungen in den USA übrigens sogar leicht gestiegen. Verbote in konservativen Bundesstaaten haben Frauen nicht abgehalten, sie sind einfach in andere Staaten gereist oder haben online Abtreibungspillen bestellt. Bestraft wurden also nur arme Frauen oder welche in Notsituationen.
Studien aus den USA zeigen dass konservative und religiöse Frauen tatsächlich ebenso Abtreibungen vornehmen lassen. Nur oft heimlich und mit dem Gedanken dass ihre Situation eine Ausnahme sei. Es gibt sogar den Begriff “the only moral abortion is my own” der dieses Phänomen beschreibt.
Die moralische Überzeugung gegen Abtreibung und das eigene Verhalten in einer konkreten Notsituation sind zwei verschiedene Dinge. Bestenfalls kann man das als kognitive Dissonanz bezeichnen. Weniger schmeichelnd als Heuchelei.
Ein Embryo in den ersten Wochen hat kein Nervensystem, kein Bewusstsein, keine Schmerzwahrnehmung. Ab etwa der 20. bis 24. Woche entwickeln sich die neuronalen Strukturen die Schmerzempfinden ermöglichen könnten. Vorher ist von einem “Mitspracherecht” im moralischen Sinne schwer zu sprechen.
Zum Vergleich: Wie sprechen Tieren mit deutlich komplexerem Nervensystem (Hunden, Schweinen) keinen vollständigen Rechtsschutz zu.
Das Argument “es hat kein Mitspracherecht” gilt auch für Eizellen vor der Befruchtung, für Organe, für viele Dinge. Die Frage ist ab welchem Entwicklungsstadium wir moralische Relevanz zuschreiben und da gibt es keine universelle Antwort, nur gesellschaftliche Entscheidungen.