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Ich habe an anderer Stelle schon über meine Ängste gesprochen und das ich denke, es hängt mit meinem Vater zusammen.

Was ich nicht verstehe, warum mein Vater mich nicht lieben kann. Irgendwie liebt er keinen Menschen. Er steckt voller Haß und Zorn. Sein Leben verlief in sehr guten Bahnen, nix schief. Ganz im Gegenteil: Finanziell hatte er schon früh ausgesorgt, die Familie bis auf meinen Opa kerngesund und er konnte sich einen Lebenstraum erfüllen.

Und trotzdem ist er davon überzeugt, immer im Leben zu kurz gekommen zu sein. Das sein Leben absolut schrecklich war. Objektiv ist es nicht so gewesen.

Sein Haß nimmt unglaubliche Formen an. Heute habe ich erfahren, dass er in einer Situation wo man normalerweise Hilfe leisten würde sich umgedreht hat und die Hilfe verwehrt hat.

Bis auf Kleinigkeiten würde er mir nie etwas schenken. Ganz im Gegenteil. Auch nicht zu großen Anlässen. Wenn er mir weiter hilft muss ich dafür eher noch bezahlen.

Das macht mich unglaublich unglücklich. Nicht weil ich von ihm etwas haben möchte. Aber andere Familien halten zusammen, unterstützen sich. Selbst wenn nicht viel Geld da ist.

Bei ihm ist das Motto: Mir hat man im Leben auch nie etwas geschenkt. Das ist sogar noch größerer Blödsinn.... siehe finazielle Situation.

In den letzten Wochen habe ich mich viel mit Psychologie beschäftigt. Dort wird ja gesagt, dass meistens Kindheitserlebnisse dazu führen, dass man so wird. Ich würde gerne wissen, welche Erlebnisse einen so versteinern lassen. Warum wird man so? Oder ist das einfach nur die angeborene Persönlichkeit?

Ich bräuchte eine Erklärung um besser zu verstehen. Ich setze mich sehr mit dem Thema auseinander, weil ich lernen muss, dass dies nicht MEINE Schuld ist. Und ich möchte nicht mehr versuchen ihm mit aller Macht zu gefallen. Ich habe irgendwie mein Leben so ausgerichtet, dass er es anerkennt. Und immer Angst gehabt, zu versagen. Weil es ist ja meine Schuld.

(Obwohl er mir als Kind für sein wie er selbst sagt misrables Leben immer wieder die Schuld gab. Es waren immer alle Schuld: Ich, andere Angehörige oder sogar der Staat. Nur was miserabel war, dass weiß ich bis heute nicht)

10.01.2010 22:56 • 12.01.2010 #1


11 Antworten ↓


Ich wollte noch etwas hinzufügen: Diese Befreiung die ich im Moment versuche ist unglaublich gut für mich.

Früher war er immer unglaublich cholerisch. Bei jeder Kleinigkeit ausgeflippt. Ich meine nichts großes: Mal war es eine runtergefallene Tasse, mal meine Anwesenheit. Ich habe einen Eiertanz aufgeführt, damit er die Wut nicht an mir auslässt.

Und diesen Eiertanz mache ich heute noch. Ich habe schreckliche Angst vor Fehlern, weil dann ja dieser drohende Vater im Hintergrund ist. Also immer wieder Panik, Anstzustände etc. Dabei habe ich eigentlich keine Angst vor Krankheiten oder Verlust, sondern nur vor ihn und seinen beißenden Worten. Ich habe als Kind auch nie gewagt richtig zu rebellieren.

Und soll ich Euch etwas sagen: Wenn ich jetzt wirklich mal richtig Kacke baue, ist es egal. Es ist meine Sache. Und wenn er seinen Senf dazu gibt, drehe ich mich um und höre es mir nicht an. Das ist meine Entscheidung. Er droht ja immer mit kompletten Entzug seiner Person, wenn man ihn kritisiert oder ehrlich ist. Dann sagt er so Dinge wie Du bist nicht mehr meine Tochter. Wißt Ihr was? Das ist mir schei.. Dann soll er sich bitte eine andere Tochter suchen, die es ihm Recht machen kann.

Nope, ich nicht mehr.

Ob ich das lange durchhalte? Wahrscheinlich nicht! Gibt es irgendwelche Durchhaltetricks?

10.01.2010 23:04 • #2



Wieso ist mein Vater so?

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Zitat von Sandra73:
Ich würde gerne wissen, welche Erlebnisse einen so versteinern lassen. Warum wird man so? Oder ist das einfach nur die angeborene Persönlichkeit?

Neigungen können angeboren sein, aber den größten Einfluss auf die Entstehung solcher extremen Verhaltensweisen hat das soziale Umfeld während der Kindheit. Kennst du deine Großeltern gut? Weißt du, was vorgefallen sein könnte?

Zitat von Sandra73:
Ich bräuchte eine Erklärung um besser zu verstehen. Ich setze mich sehr mit dem Thema auseinander, weil ich lernen muss, dass dies nicht MEINE Schuld ist.

Eltern beeinflussen die Entwicklung des Kindes, nicht umgekehrt...

Zitat von Sandra73:
Und ich möchte nicht mehr versuchen ihm mit aller Macht zu gefallen. Ich habe irgendwie mein Leben so ausgerichtet, dass er es anerkennt. Und immer Angst gehabt, zu versagen. Weil es ist ja meine Schuld.

Diese Schuldgefühle müsstest du irgendwie auflösen, alleine oder in der Psychotherapie... eine Frage der persönlichen Schuld gibt es nicht und Schuldgefühle entstehen nur aus Mangel an Selbstwertgefühl.

Zitat von Sandra73:
Ich wollte noch etwas hinzufügen: Diese Befreiung die ich im Moment versuche ist unglaublich gut für mich.

Weil du das aufgeschrieben hast? Das ist schön.

Ich denke dein Vater braucht psychologische Hilfe. Und du? Wohnst du noch bei ihm, dass dich sein Problem so berührt und er immer noch so einen großen Einfluss auf dich hat?

11.01.2010 00:02 • #3


Christina
Zitat von Sandra73:
In den letzten Wochen habe ich mich viel mit Psychologie beschäftigt. Dort wird ja gesagt, dass meistens Kindheitserlebnisse dazu führen, dass man so wird. Ich würde gerne wissen, welche Erlebnisse einen so versteinern lassen. Warum wird man so? Oder ist das einfach nur die angeborene Persönlichkeit?
Angeboren wohl nicht, eher erworben. Aber mit Persönlichkeit könntest du richtig liegen, bzw. mit Persönlichkeitsstörung. Könnte vielleicht in die narzisstische Richtung gehen oder in die emotional-instabile - so klar ausgeprägt ist das selten. Und die Kindheitserlebnisse, die dazu führen, können z.B. höchst unempathische Eltern sein (müssen also nicht gleich vernachlässigend oder misshandelnd sein), frühe Bezugspersonen, die unfähig waren, normal auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Das Blöde bei Persönlichkeitsstörungen ist meist, dass erstmal alle anderen leiden, während der Betroffene gar nicht nachvollziehen kann, was die alle an ihm auszusetzen haben und warum die die Welt völlig anders sehen.

Zitat von Sandra73:
Ich bräuchte eine Erklärung um besser zu verstehen. Ich setze mich sehr mit dem Thema auseinander, weil ich lernen muss, dass dies nicht MEINE Schuld ist. Und ich möchte nicht mehr versuchen ihm mit aller Macht zu gefallen. Ich habe irgendwie mein Leben so ausgerichtet, dass er es anerkennt. Und immer Angst gehabt, zu versagen. Weil es ist ja meine Schuld.
Das ist nicht nur nicht deine Schuld, sondern es ist sogar völlig aussichtslos, seine Anerkennung zu erringen oder ihn (durch Wohlverhalten) zu irgendwelchen Änderungen bewegen zu wollen. Wenn er nicht selbst zu der Einsicht kommt, in Beziehungen mit anderen Menschen schwierig zu sein, und wenn er nicht selbst etwas ändern will (was mühsam wäre), kannst du dich nur distanzieren.

Liebe Grüße
Christina

11.01.2010 00:06 • #4


Zitat von vent:
Zitat von Sandra73:
Neigungen können angeboren sein, aber den größten Einfluss auf die Entstehung solcher extremen Verhaltensweisen hat das soziale Umfeld während der Kindheit. Kennst du deine Großeltern gut? Weißt du, was vorgefallen sein könnte?


Meine Großeltern kannte ich gut. Ich würde bei beiden sagen, dass sie sehr kühl waren. Mißhandlung oder Vernachlässigung wird mein Vater kaum erlebt haben. Meine Großeltern waren immer stets darauf bedacht, nach außen hin perfekt zu wirken. Und ich denke, da liegt das Problem. Es stand mehr dieser Schein im Vordergrund als die eigenen Kinder. Übrigens, zwei der Geschwister meines Vaters haben auch große Probleme.


Zitat von Sandra73:
Ich wollte noch etwas hinzufügen: Diese Befreiung die ich im Moment versuche ist unglaublich gut für mich.

Weil du das aufgeschrieben hast? Das ist schön.


Nein, damit meine ich eigentlich, dass ich mich jetzt seit einigen Monaten mit dem Thema auseinander setze. Ich lebe ja unter Beschränkungen, weil ich mir viele Sachen nicht zutraue. Diese Beschränkungen komme nicht von mir, sondern wurden mir in der Kindheit eingedrillt. z.B. würde ich nie unpünktlich sein. Ich war als Jugendliche einmal versehentlich. unpünktlich (war ein Mißverständnis) und das ganze endetete in schwerer Gewalt. Also bin ich als Erwachsene nie unpünktlich. Eher noch eine Stunde zu früh da. Und jetzt lege ich diese Verhaltensweisen ab.

[/quote]
Ich denke dein Vater braucht psychologische Hilfe. Und du? Wohnst du noch bei ihm, dass dich sein Problem so berührt und er immer noch so einen großen Einfluss auf dich hat?[/quote]

Um Himmels Willen. Ich wohne seit über 20 Jahren nicht mehr zu Hause. Hatte auch lange Zeit keinen KOntakt mehr zu meinem Vater. Aber jetzt ist er wieder aufgetaucht...

Es ist gar nicht der Kontakt, der mir Probleme bereitet. Es sind die Dinge, die erst jetzt wieder hochkommen. z.B. jede Nacht Alpträume, Angstgefühle etc. Das ist gar nicht so ungewöhnlich wie ich erfahren habe. Eine Zeitlang kann man solche Dinge sehr gut unterdrücken und so ab der zweiten Lebenshälfte kommen die raus.

11.01.2010 07:41 • #5


Zitat von Christina:
Angeboren wohl nicht, eher erworben. Aber mit Persönlichkeit könntest du richtig liegen, bzw. mit Persönlichkeitsstörung. Könnte vielleicht in die narzisstische Richtung gehen oder in die emotional-instabile - so klar ausgeprägt ist das selten. Und die Kindheitserlebnisse, die dazu führen, können z.B. höchst unempathische Eltern sein (müssen also nicht gleich vernachlässigend oder misshandelnd sein), frühe Bezugspersonen, die unfähig waren, normal auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Das Blöde bei Persönlichkeitsstörungen ist meist, dass erstmal alle anderen leiden, während der Betroffene gar nicht nachvollziehen kann, was die alle an ihm auszusetzen haben und warum die die Welt völlig anders sehen.


In die Richtung narzisstisch könnte es durchaus gehen. Ich halte ihn für einen egoistischen Menschen. Und für einen Menschen, der keinerlei Impulskontrolle hat. Wenn er wütend ist, bekommt er einen Tobsuchtsanfall. Dann wird er ausfallend und sonst was. Wie bereits vorher geschrieben, meine Großeltern waren sehr kühl. Besonders meine Oma.

[/quote]Das ist nicht nur nicht deine Schuld, sondern es ist sogar völlig aussichtslos, seine Anerkennung zu erringen oder ihn (durch Wohlverhalten) zu irgendwelchen Änderungen bewegen zu wollen. Wenn er nicht selbst zu der Einsicht kommt, in Beziehungen mit anderen Menschen schwierig zu sein, und wenn er nicht selbst etwas ändern will (was mühsam wäre), kannst du dich nur distanzieren.

Liebe Grüße
Christina[/quote]

Das ist genau der Knackpunkt. Intellektuell habe ich es verstanden. Aber im inneren kommt es nicht so ganz an. Da sehne ich mich einfach nach einer guten Vater-Tochter Beziehung. Und wie geasgt, als Kind wurde ich gedrillt. Wie meiner Oma war auch meinem Vater in manchen Dingen der Schein nach außen sehr wichtig. Und ich habe diese Dinge übernommen, auch wenn sie für mich keinen Sinn ergeben. Das möchte ich auf jeden Fall loswerden.

Ich möchte auch meinen Vater nicht mehr heilen. Weil ich denke, dazu ist er nicht bereit

Als junge Frau durfte ich nichts sagen über seine Wutanfälle oder seinen teilweise extremen Alk.. Weil die gab es gar nciht. Die bildete ich mir nur ein. Jedenfalls bekam ich das von meinem Eltern gesagt. Andere Familienangehörige hielten den Mund, sahen aber sehr wohl, was da vor sich ging. Und wenn mein Vater zu viel getrunken hatte oder wütend war, dann wurde so getan, als wenn ich der Auslöser wäre.

Darüber bin ich unglaublich wütend. Als Kind wollte ich nie mit ihm alleine bleiben. Da wurde ich von meiner Mutter als kaltherzig tituliert. Dabei hatte ich nur panische Angst vor diesem Mann! Meine Mutter war perfekt für ihn: Sie schaute nur weg und entschuldigte alles.

11.01.2010 07:57 • #6


Zitat von Sandra73:
Meine Großeltern kannte ich gut.... Übrigens, zwei der Geschwister meines Vaters haben auch große Probleme.

Na siehste, auch hier gibt es die Frage der Schuld nicht, denn deine Großeltern sind so geworden, weil widerum ihre Eltern... etc.
Ob sich dein Vater um sich selbst kümmern und sich helfen lassen kann, ist vielleicht jetzt für dich nicht die wichtigste Sorge.

Zitat von Sandra73:
Und jetzt lege ich diese Verhaltensweisen ab.

Genau, freu dich über jeden kleinen Erfolg und lass dir Zeit damit. Es ist wie wenn ein langer schwerer Zug angehalten werden soll ... der lange Bremsweg gehört dazu.

Zitat von Sandra73:
Es ist gar nicht der Kontakt, der mir Probleme bereitet. Es sind die Dinge, die erst jetzt wieder hochkommen. z.B. jede Nacht Alpträume, Angstgefühle etc.

Dagegen kann man doch etwas tun... auf jeden Fall den Arzt aufsuchen - wenn eben die Toleranzgrenze erreicht ist...

Zitat von Sandra73:
Das ist gar nicht so ungewöhnlich wie ich erfahren habe. Eine Zeitlang kann man solche Dinge sehr gut unterdrücken und so ab der zweiten Lebenshälfte kommen die raus.

Ja, richtig, und erst wenn sie hochkommen, kann man sie verarbeiten. Der Weg über die psychologische Erkenntnis ist sehr gut, denn am meisten fürchte man sich davor, was man nicht versteht und was für die eigene Vewirrung sorgt. Einmal erkannt, ist es nur Frage der Zeit eine neue Einstellung zu den gegebenen Problemen zu entwickeln.

Was mir noch spontan dazu einfällt - Selbstliebe zu üben ist eigentlich sehr einfach. Du bist für dich der wichtigste Mensch und es ist absolut irrelevant, ob er mal irgendwohin zu spät kommt oder eben nicht. Es kommt auf etwas ganz anderes an. Probiere es doch mal ganz bewusst zu einer Verabredeung ein paar Minuten später zu kommen und erkläre dann mit einem bezaubernden Lächeln deinem Gegenüber, dass du es leider, leider nicht früher schaffen konntest. Derjenige wird sich über deine nette Art sicher mehr freuen, als wenn du zwar pünktlich, aber völlig gestreßt angekommen wärst...

Nope, ich nicht mehr. - genau, das ist die Zauberformel.

11.01.2010 14:11 • #7


Christina
Zitat von Sandra73:
Das ist genau der Knackpunkt. Intellektuell habe ich es verstanden. Aber im inneren kommt es nicht so ganz an. Da sehne ich mich einfach nach einer guten Vater-Tochter Beziehung.
Klar. Es intellektuell verstanden haben, ist eine wichtige Voraussetzung, um etwas zu ändern. Aber es ist eben längst nicht alles. Trauer, Wut, Sehnsucht, Enttäuschung etc. - das alles will angeschaut und verarbeitet werden und braucht Zeit. Und dann ist es ja nicht einmal nur dein Vater. Deine Wahrnehmung wurde geleugnet, deine Mutter hat das Spiel mitgemacht. Auch das hat Spuren hinterlassen. Und es kommt sicher noch der Teil hinzu, wo du weißt, dass deine Eltern ja auch Opfer ihrer Erziehung und der Umstände waren. Und dieser Teil verursacht gerne (unangebrachte) Schuldgefühle... Dass du wütend sein kannst und es dir zugestehst, ist schon ein wichtiger Schritt, die anderen Gefühle wirst du auch aushalten und bearbeiten können.

Liebe Grüße
Christina

11.01.2010 18:23 • #8


Bist du denn nicht schon alt genug, um dich von deinem Vater trennen zu können?
Sprich ausziehen und nicht mehr melden?

Viele denken immer sie müssten die Liebe von ihren Verwandten bekommen, aber ich musste feststellen, dass Blutverwandtschaft nicht wirklich viel bedeutet.

Ich suche mir die Personen die mir wichtig sind lieber selbst aus, anhand ihrer Charakters.

12.01.2010 12:08 • #9



Freunde kann man sich aussuchen.....die liebe Verwandschaft leider nicht


lg.Eva

12.01.2010 12:20 • #10


Aber man kann sich aussuchen, ob man mit der Verwandtschaft kontakt hat, zumindest ab 18.

12.01.2010 14:55 • #11


ich weiss....
ich hab auch nur noch meine Kinder....sonst niemanden mehr aus meiner Familie

12.01.2010 15:39 • #12



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