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Schon seit ich denken kann, hatte ich (49) ein schwieriges Verhältnis zu meiner Herkunftsfamilie. Meine Eltern hatten eine sehr genaue Vorstellung davon, was eine Tochter zu tun und zu lassen hatte. Immer schön lieb, brav und angepasst. Während mein Vater öfters mal mit seinem Bruder und seinen Kumpels unterwegs war, sollte ich die ganze Zeit bei meiner Mutter sitzen und ihr die Langeweile vertreiben. Eigene Freunde, Hobbys und Interessen waren nicht erwünscht.

Zum Leidwesen meiner Eltern entsprach ich aber so gar nicht ihrer Wunschvorstellung. Schon in meiner Kindheit war ich vielseitig interessiert und hätte gerne Sport gemacht, Musikinstrumente gelernt und weitere Interessen gepflegt. Natürlich wollte ich wie alle Gleichaltrigen gerne Zeit mit Freunden verbringen. Aber meine Eltern waren dagegen und wenn ich meine Bedürfnisse wiederholt zur Sprache brachte, wurde ich heftig beschimpft, abgewertet und geschlagen. Und zwar auch später, als ich schon erwachsen war. Dabei war ich keine wirklich schwierige Tochter, denn ich hatte schon immer meine guten Seiten. Z. B. war ich eine sehr gute Schülerin, fleißig im Haushalt und bin verhaltenstechnisch außerhalb meines Elternhauses niemals negativ aufgefallen. Meine Lehrer, unsere Nachbarn etc. haben sich immer positiv über mich geäußert.

Außerdem haben meine Eltern mich immer wieder emotional erpresst, wenn sie ihren Willen durchsetzen wollten. Als mein Vater unheilbar an Krebs erkrankte, behauptete er ständig, dass das alles meine Schuld sei, weil ich inzwischen Freunde gefunden und mehr Zeit mit meinen Hobbys verbracht habe als mit meiner Familie. Nach seinem Tod hat es einige Jahre gedauert, bis ich meine Schuldgefühle überwinden konnte.

Inzwischen ist meine Mutter schwer erkrankt. Sie und mein Bruder zwingen mich dazu, mich ständig um sie zu kümmern und viel Zeit mit ihr zu verbringen. Mein Bruder droht mir, dass er sich das ganze Erbe unter den Nagel reißt, wenn ich nicht mache, was er sagt. Er ist nämlich sehr wohlhabend und kann sich im Gegensatz zu mir gute Anwälte leisten. Auf der anderen Seite ist meine Mutter nicht wirklich dankbar, dass ich sie öfters besuche und mich um sie kümmere. Zu meinem Mann hat sie jetzt am Wochenende gesagt, dass sie niemals verstehen wird, warum er ausgerechnet so eine blöde Kuh wie mich geheiratet hat. Ich sei schon immer strunzdumm gewesen und die größte Egoistin innerhalb unserer Familie.

Mir tut es unheimlich weh, wie ich von meiner Familie behandelt werde. Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Einer anderen Person würde ich in meiner Situation zum Kontaktabbruch raten. Aber das bringe ich nicht übers Herz, denn wir haben auch schöne Tage und es sind eben keine falschen Freunde, die ich gegen bessere Freunde austauschen kann. Es ist meine Familie.

Gestern 15:11 • 26.08.2025 x 3 #1


10 Antworten ↓


Zitat von LanaLee:
Einer anderen Person würde ich in meiner Situation zum Kontaktabbruch raten.

Ja definitiv.

Aber

Wenn erst einmal Distanz da ist und eine Weile kein Kontakt, kann sich das ganze System abkühlen. Zumindest gibt es eine Chance dafür. Kenne Leute bei denen es funktioniert hat, bei anderen leider nein.
Wird vermutlich einige andere Kommentare geben.

Mit 49, Jahren würde ich mal behaupten, hat man seine Freiheit verdient.

A


Wie geht man mit toxischer Familie um?

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Nun, ich bin seit einigen Jahren verheiratet und wohne inzwischen knapp 2 Autostunden von meiner Familie entfernt. D. h. wir sehen uns viel seltener als früher. Das Verhältnis hat sich schon entspannt, seit ich weggezogen bin. Eigentlich dachte ich, wir würden uns jetzt richtig gut verstehen.

Aber mittlerweile haben wir wegen der Krankheit meiner Mutter eine nicht so rosige Situation, und nun läuft es wie eh und je: Ich werde erpresst und habe zu kuschen. Während ich mir das im Umgang mit anderen Menschen nicht bieten lasse, kann ich mich gegenüber meiner Familie leider nicht durchsetzen.

@LanaLee mir tut es furchtbar leid und auch weh zu lesen, was du durchmachen musstest und immernoch ertragen musst.

Ich kann dir nur raten, dich emotional mehr zu lösen, zu distanzieren und vorallem abzugrenzen. Das macht so unheimlich kaputt. Sei dir bitte mehr wert als das. Du musst dich nicht so behandeln lassen.

Machst du Therapie? Dazu rate ich dir ebenfalls, weil ich weiß, dass es alleine fast unmöglich ist, diesem Dilemma zu entkommen und ich weiß ebenfalls, dass die ganze Wahrnehmung, die Ängste und das Verhalten sich um einiges ändern. Du wirst dadurch stärker.

Du bist nicht Schuld an irgendwas. Lass dir sowas erst garnicht weiter einreden. Das ist nicht wahr.
Lass dich bitte nicht weiter so erpressen, damit kommen sie nicht durch, sie wollen dir nur Angst machen. Auch mit Anwälten werden sie dich nicht zwingen können. Hole dir bitte Hilfe dazu, damit du das nicht alleine bewältigen musst.

Naja, wenn abzusehen ist, dass deine Mutter nicht mehr lange lebt, würde ich raten, die Zähne zusammenzubeißen, bis du dein Erbe hast und dann den Kontakt abbrechen.

Es ist sehr traurig, was da passiert. Dein Bruder kann sich das Erbe nicht unter den Nagel reißen, sollte Deine Mutter vor Deinem Vater gehen, erbt eigentlich Dein Vater alles.

Geht Dein Vater, dann Erben die Kinder zu gleichen Teilen. Außer, Dein Vater hat im Testament festgelegt, Du kriegst nichts (bin mir nicht ganz sicher).

Ich würde an sich zu Abbruch raten, aber was @Schlaflose geschrieben hat, ist auch eine gute Idee.

Zitat von Luce1:
sollte Deine Mutter vor Deinem Vater gehen, erbt eigentlich Dein Vater alles.

Soweit ich das verstanden habe, ist der Vater schon tot.

Auf kurz oder lang bleibt nur ein totaler Kontaktabbruch übrig. Vielleicht meldet sich ja noch das Krokodil

Selbst wenn du enterbt würdest, also dein Bruder als Alleinerbe ins Testament geschrieben würde, würdest du einen Pflichtteil bekommen. Die Hälfte vom dir sonst zustehenden Erbe. Wenn ihr 2 Kinder seid also 25%.

Dies nur, falls dich das Erbthema doch mehr in den Kontakt zwingt als du eigentlich willst.

Zitat von LanaLee:
Einer anderen Person würde ich in meiner Situation zum Kontaktabbruch raten.

Ganz genau das. Ich verstehe dass das nicht einfach ist, ganz im Gegenteil es ist ein schwerer Schritt. Ich komme aus einer ähnlichen Familienkonstellation und habe den Kontakt zu meinem Vater und dem Rest der Familie abgebrochen. Es war nicht leicht, man verliert die Menschen mit denen man aufgewachsen ist. Ich hatte schon mit Gefühlschaos zu kämpfen, aber im Nachhinein betrachtet war es genau das Richtige um meine verbliebene Gesundheit zu schützen.


Lass dir bitte nicht einreden, dass du schuld an irgendwas bist. Ich kenne das, ich war auch immer schuld an den Krankheiten meiner Eltern, weil ich nicht so gespurt haben wie ich wollte. Das ist nichts weiter als emotionale Erpressung.

Ich sehe das ganz pragmatisch. Wenn sich das Erbe lohnt, distanzier dich emotional so weit wie möglich von allem und halte durch. Ansonsten würde ich einen Kontaktabbruch wirklich noch mal in Erwägung ziehen.

Ja, das Problem kennt man... Anderen Menschen würde man in dieser Situation aber mal sowas von erzählen, wie sich das ändern ließe - und wenn man selbst betroffen ist weiß mans im Kopf - aber kriegts im Herz nicht geregelt.

Plötzlich ist man wieder 5 und hat Angst vor schlimmen Konsequenzen, derer man sich ALS KIND kaum erwehren könnte.

Aber: Du bist jetzt erwachsen. Du bist frei - du wirst auch ohne Familie überleben. Was wäre das worst case Szenario, wenn Du nur noch so viel gibst wie Du kannst - und das auch klar kommunizierst? Klar - laute Worte und Vorwürfe sind möglich. Aber diese wirst Du überleben. Und für die Zukunft gestärkt aus solchen Situationen rausgehen, weil Du somit auch dafür sorgst, dass Dir Respekt entgegen gebracht wird. Der Ton wird sicher nicht schlagartig besser - aber du wirst eher GEBETEN statt als selbstverständlich angesehen.

Und zum Thema Erbe: Dir steht Dein Teil immer zu - enterben ist nämlich gar nicht so einfach - hierfür muss Dir grober Undank vorgeworfen werden können. Und enterben bedeutet in Deutschland die Hälfte vom Pflichtteil.

Da musste abwägen... nur mal Stellung beziehen und verlauten Stop! Es reicht! Bis hierhin und nicht weiter! wäre ein Versuch wert So fürs Erste..

A


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