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Hallo liebe Forenmitglieder,

ich weiss nicht genau, wie ich mein Problem kurz und knapp beschreiben soll. Es ist eines der wenigen Probleme, an denen ich selber scheitere, weil ich einfach nicht weiss wie ich es aus der Welt schaffen kann.....

Ich war schon immer jemand, der sowohl männliche als auch weibliche Freunde um sich gescharrt hat. Das liegt vor allem daran, da ich mich neben Mädelsthemen z.B. auch für Computerspiele interessiere. Bevor ich es mit Angst und Depression zu tun bekam, hatte ich ein unangenehmes Erlebnis mit einem Exfreund: Wir hatten uns gerade getrennt und wollten noch restliche "Formalitäten" klären. Dieses Gespräch schlug mir wortwörtlich auf den Magen, sodass ich währenddessen zweimal den Raum verlassen musste, um mich zu übergeben. Danach hatte ich eine zeitlang ein großes Problem, mich mit meinen männlichen Freunden alleine zu treffen. Schon kurz vor den Treffen war mir speiübel. Ich war mir damals selbst darüber im klaren, dass ich kein Magenproblem hatte, sondern mich diese Trennung einfach psychisch aus der Bahn geworfen hatte. Mit der Zeit wurde es wieder besser und ich hatte nur noch gelegentlich Probleme damit.

Dann kam die psychische Erkrankung und mit ihr auch die "Männer-Problematik" zurück. Es ist wirklich zum verrücktwerden und ich weiss nicht, wo ich ansetzen soll. Je näher mir die Männer stehen, desto schlimmer reagiert mein Körper. Dafür brauch ein echtes Treffen gar nicht stattfinden, es reicht schon alle die Planung dessen. Dann geht es über allgemeines Unwohlsein, bis hin zu Darmproblemen und Übelkeit. Ich habe das Gefühl, dass es sich hierbei nicht um ein reines Angstproblem handelt, sondern dass mir im Laufe meiner Erkrankung eine gewisse Art von Selbstvertrauen im Umgang mit geliebten Menschen verloren gegangen ist. Das das Problem ausschließlich bei Männer auftritt liegt wahrscheinlich daran, dass es beim ersten Mal bei einem mir sehr nahe stehenden Mann aufgetreten ist.

Da meine engsten Freunde und ich weit verstreut voneinander leben, sind spontane, kurzweilige Treffen eher selten. Wenn man sich trifft, wird das also immer gleich ein "Wochenendurlaub". Ein solcher steht jetzt bald wieder für mich an und ich habe bereits jetzt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ich habe das Gefühl, dass die reine Konfrontation mich hier einfach nicht weiterbringt (obwohl sie zu jedem möglichen Zeitpunkt stattfindet). So wie es jetzt ist, sind die Treffen ein echter Krampf und ich möchte das gerne wieder ändern.

Vielleicht hat ja jemand meine Problematik verstanden und weiss mir einen Rat zu geben

05.08.2016 17:50 • 24.08.2016 #1


16 Antworten ↓


Hotin
Hallo xoxoxoxo,

von Deiner Beschreibung glaube ich schon vieles verstanden zu haben.

Zitat:
Dieses Gespräch schlug mir wortwörtlich auf den Magen, sodass ich währenddessen zweimal den Raum verlassen
musste, um mich zu übergeben. Danach hatte ich eine zeitlang ein großes Problem, mich mit meinen männlichen
Freunden alleine zu treffen.


Oft schlagen Probleme auf den Magen oder andere Organe. Deine Aussage,
"Danach hatte ich eine zeitlang ein großes Problem", kann so eigentlich nicht richtig sein. Dein großes Problem
scheinst Du schon sehr lange zu haben. In dieser Situation ist es aber noch mal besonders deutlich geworden.

Zitat:
Dann kam die psychische Erkrankung und mit ihr auch die "Männer-Problematik" zurück. Es ist wirklich zum
verrückt werden und ich weiss nicht, wo ich ansetzen soll.


Viel, viel früher in Deinem Leben. Kannst Du ungefähr den Anfang finden? Die Zeit, als Du gemerkt hast,
dass Dein Selbstbewusstsein schwach ist oder es immer schwächer wurde.
Zitat:
Ich habe das Gefühl, dass es sich hierbei nicht um ein reines Angstproblem handelt, sondern dass mir im
Laufe meiner Erkrankung eine gewisse Art von Selbstvertrauen im Umgang mit geliebten Menschen verloren
gegangen ist.


Angst und Selbstvertrauen hängen ganz eng zusammen. Was Du fühlst wird schon richtig sein.

Zitat:
Das das Problem ausschließlich bei Männer auftritt liegt wahrscheinlich daran, dass es beim ersten Mal bei
einem mir sehr nahe stehenden Mann aufgetreten ist.


Das kann sein. Dies musst Du selbst wissen. Niemand kennt den Grund für Dein Verhalten besser, als Du selbst.
Zitat:
Ein solcher steht jetzt bald wieder für mich an und ich habe bereits jetzt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.


Was genau, macht Dir denn an dem Gedanken, Dich mit anderen zu treffen
so ein ungutes Gefühl. Welches Gefühl hältst Du bei einem Treffen nicht aus?
Zitat:
So wie es jetzt ist, sind die Treffen ein echter Krampf und ich möchte das gerne wieder ändern.


Dann ändere das. Das schaffst Du aber erst dann, wenn Du den wirklichen Grund findest, und selbst erkennst,
dass Deine "Überreaktion" an der Stelle wenig Sinn ergibt. Wovor fliehst Du in dem entscheidenden Moment?

Viele Grüße

Bernhard

06.08.2016 12:43 • x 1 #2



Treffen schlagen mir auf den Magen - Warum?

x 3


Icefalki
Xo, Ängste machen wir oft dort fest, wo sie begonnen haben. Bei dir war es eine psychische Ausnahmesituation, die dich buchstäblich zum Erbrechen gebracht hat.
Bei mir war es eine Fahrt auf der Autobahn, als alles begann.

Und dann geht der Alptraum los. Und wie Hotin schreibt, Probleme hatten wir schon vorher, wir haben sie nur nicht richtig wahrgenommen.

Und kein Mensch hat mehr Selbstvertrauen, wenn einem diese idiotische Angst im Nacken sitzt.

Manchmal schadet es nicht, wenn man sich seiner selbst bewusst wird. Warum hat mich das damals so aus der Bahn werfen können, dass sich das so dermaßen festfressen kann?

Denk darüber nach, warum quasi unschuldige Männer dich zum Erbrechen bringen können.

Was interpretierst du da rein? Und warum du glaubst, so eine Situation ständig wieder
erleben zu müssen?

Naja, das ist Therapiearbeit. Kann man auch mal alleine versuchen, sich solchen Fragen zu stellen.

06.08.2016 14:52 • x 1 #3


Vielen Dank euch Beiden.

Eine Therapie habe ich aufgrund der Panik und der Depression bereits gemacht. Kurz zusammengefasst: Meine Erkrankung resultuiert aus einer ständigen Überforderung meiner Selbst. Dies wiederrum ist anerlernt, da mein Elternhaus sehr auf Leistung bedacht war. Ich habe meinen Selbstwert an Leistung gemessen und war überaus perfektionistisch, stand immer im Wettkampf mit mir selbst und allen Anderen um mich herum (Versagensängste).

Nach der Therapie habe ich meine Lebensumstände neu geordnet und meine (überzogenen) Erwartungen an mich selbst meinem Leistungsniveau angepasst. Diese Entwicklung läuft aktuell natürlich immer noch, denn man ändert sein jahrzehntelanges Denken natürlich nicht in ein paar Jahren.

Zitat von Hotin:
Was genau, macht Dir denn an dem Gedanken, Dich mit anderen zu treffen
so ein ungutes Gefühl. Welches Gefühl hältst Du bei einem Treffen nicht aus?

Ich kann das nicht umschreiben, da ich es selbst nicht weiss. Meine einzige Idee ist: Mein Selbstwert hängt hier auch an Erwartungen, die ich selber nicht erfüllen kann.

08.08.2016 14:50 • #4


Zitat von Icefalki:
Naja, das ist Therapiearbeit. Kann man auch mal alleine versuchen, sich solchen Fragen zu stellen.

Ich versuchs einfach Mal hier

08.08.2016 14:50 • #5


Icefalki
Xo, ich musste mich mit den gleichen Problemen rumschlagen, wie du.

Und diese Muster wird sich auch immer wieder einschleichen. Ich kenn das bis zum Anwinken.

Wenn du defintiv weißt, wie du "tickst", und warum das so ist, dann verzeih es dir mal. Und Versuch dir immer und immer wieder zu sagen, dass du das nicht mehr nötig hast.

Ich scanne solche Situationen immer und immer wieder. Hinterfrage mich immer und immer wieder, ob das jetzt mit meiner Vorbelastung zusammenhängt. Und wenn ja, versuche ich loszulassen. Auch in der Richtung, was kann denn schon passieren, wenn ich nicht so perfekt,bin. Ich muss es nicht mehr sein, koste es, was es will..

Und auch damit wird wieder meine Problematik deutlich mit meinem "koste es, was es will".

Es ist ein ständiges interpretieren, ein versuchen, Lösungen innerlich vorzubereiten, damit meine Psyche nicht wieder abschmiert.

Gefühle wahrzunehmen, sie zu erkennen, mich selbst beruhigen, immer und immer wieder. Ein langer Lernprozess, dass wir auch ohne Leistung gemocht werden können. Selbst wenn wir das nicht glauben.

Nur durch Erfahrungen lernen wir das. Es wird leichter, aber immer wieder rutscht man nur zu schnell wieder in alte Denkmuster rein.

Versuch deine Schwäche zu mögen, kannst das auch mit Gelassenheit versuchen, "mein Gott, mal wieder typisch für mich, naja, kenn ich doch alles, also, langsam rangehen, kleine Brötchen backen,
Abwarten, wie es läuft".

So mach ich das. Ich verzeih es mir, und wenn da so ein komisches Gefühl im Bauch ist, weiß ich zwischenzeitlich, jetzt droht es zu verrutschen. Und denk darüber nach. Ich komm immer dahinter, was gerade schiefläuft.

08.08.2016 15:10 • #6


Hotin
Hallo xoxoxoxo,

Zitat:
Dies wiederrum ist anerlernt, da mein Elternhaus sehr auf Leistung bedacht war. Ich habe meinen Selbstwert
an Leistung gemessen und war überaus perfektionistisch, stand immer im Wettkampf mit mir selbst und allen
Anderen um mich herum (Versagensängste).


Wenn Du das so gut weißt, dann wird es möglich sein, Deinen Selbstwert schnell zu steigern. Das Gute ist vor
allem, alles was Du erlernt hast, kannst Du auch wieder überschreiben, wenn Du ein besseres Verhalten für
eine bestimmte Situation gefunden hast. Glücklicherweise vergisst Du das alte, wenig nützliche Verhalten nicht.
Sonst würdest Du den alten Fehler immer wieder machen.
Allerdings habe ich den Eindruck, Du bist immer noch sehr perfektionistisch.
Wie gehst Du denn damit um, wenn Du erkennst, dass Du etwas falsch gemacht hast
oder vor allem, das Dich jemand nicht mag?

Zitat:
Meine einzige Idee ist: Mein Selbstwert hängt hier auch an Erwartungen, die ich selber nicht erfüllen kann.


Aber nicht nur Du. Solch hohe Erwartungen kann kein Mensch erfüllen.

Viele Grüße

Bernhard

08.08.2016 15:23 • #7


Zitat von Icefalki:
Ich scanne solche Situationen immer und immer wieder. Hinterfrage mich immer und immer wieder, ob das jetzt mit meiner Vorbelastung zusammenhängt

Das tue ich ich sehr viel und sehr oft. Und ich muss sagen: Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich normale Situationen so erst zu einem Problem mache. Ich habe mich öfter schon dazu "gezwungen", Gefühle anzunehmen und die jeweilige Sache dann einfach durchzuziehen, um der Angst nicht nachzugeben. Rückblickend gibt es dann immer wieder Situationen, bei denen ich hinterher denke:"Vielleicht hat das gar nichts mit Angst oder Panik oder überzogenen Erwartungen zu tun. Vielleicht mag ich diese Sache/ diese Person einfach nicht. Vielleicht liegt mir das einfach nicht." Ich muss wirklich sagen, dass ich es manchmal sehr schwer finde zu unterscheiden, wann negative Gefühle mit meiner Vorbelastung zu tun haben und wann sie einfach ein Ausdruck dessen sind, dass etwas einfach nicht meinen Neigungen entspricht.

Dieser Gedanke ist mir auch schon bei dem hier diskutiertem Problem gekommen. Was wäre denn, wenn ich aktuell tatsächlich nur ein Problem sehe, wo eigentlich gar keins ist? Was, wenn ich aktuell einfach keinen Bedarf an engen Männerfreundschaften habe und mir mein Freund und meine Freundinnen vollkommen ausreichen? Klar war das früher definitiv ein psychisches Problem, aber wie ist das jetzt? Das wäre dann quasi das berühmte Bauchgefühl.

Auch hier merkt man wieder: Die Perfektionistin versucht zu analysieren Es muss ja einen Grund geben.

Zitat von Hotin:
Wie gehst Du denn damit um, wenn Du erkennst, dass Du etwas falsch gemacht hast
oder vor allem, das Dich jemand nicht mag?

Das hängt immer ganz von Person und Situation ab. Mit letzterem habe ich überhaupt kein Problem. Ich hatte/habe immer einen kleinen aber wunderbaren Kreis von Freunden und zusätzlich ein paar lose Bekannte. Ob mich dann jemand Anderes mag oder nicht ist mir relatv egal.

Wenn ich selber etwas falsch mache wird es schon kritischer. Da verfalle ich sehr schnell in alte Muster und nehme es persönlich, sprich: Ich als Person werte mich ab, weil ich es ja richtig hätte machen müssen. Ich gebe auch sehr ungerne Fehler vor Anderen zu. Allerdings nicht, weil ich mich für unfehlbar halte, sondern weil ich mich halt sofort als Person infrage stelle.

10.08.2016 20:51 • #8


Icefalki
Ich habe eigentlich die Angst entwickelt, weil ich mit diesem ungeheuren Stress (unbewusst) nicht umgehen konnte, den ich mir aufgrund meiner Hintergrundsproblematik selbst auferlegt habe.

Als ich das wirklich erkannt habe, kann ich zumindest jetzt den Stress erkennen. Meine eigenen Stress, den normalen Stress, Stress, den andere auslösen. Gibt ja verschiedene Arten davon.

Ich sag jetzt einfach Stress dazu. Stress, der das Adrenalin ansteigen lässt, das sich dann mit einer Panik eine Weg nach außen sucht und das ganze Elend in Gang setzt.

Bleibt mein Level normal, gibt es keine Eruption. Mein Psychiater hat mir das so erklärt, auf einer Skala von 10 war ich ständig auf einer 8. Viel braucht es dann nicht, um zur 10 zu kommen. Bin ich bei 3, hab ich Reserven.

Damals hab ich dieses Level aber nicht senken können, jetzt kann ich es.

10.08.2016 21:55 • #9


Hotin
Hallo xoxoxoxo,

Zitat:
Rückblickend gibt es dann immer wieder Situationen, bei denen ich hinterher denke:
vielleicht hat das gar nichts mit Angst oder Panik oder überzogenen Erwartungen zu tun. Vielleicht mag ich diese
Sache/diese Person einfach nicht. Vielleicht liegt mir das einfach nicht.


Warum versuchst Du denn da etwas zu unterscheiden? Etwas, was Du nicht magst, magst Du halt aktuell nicht.

Zitat:
Ich muss wirklich sagen, dass ich es manchmal sehr schwerfinde zu unterscheiden,wann negative Gefühle mit meiner
Vorbelastung zu tun haben und wann sie einfach ein Ausdruck dessen sind, dass etwas einfach meinen Neigungen entspricht.


Siehst Du Deine Hauptaufgabe darin, Dich selbst zu erklären, oder möchtest Du zufrieden werden?
Irgendwie hört sich das so an, als wenn Du den ganzen Tag damit beschäftigt bist,
Dich in ein Leben rein zu zwängen, welches Du eigentlich so aber gar nicht möchtest. Kann das sein?

Zitat:
Klar war das früher definitiv ein psychisches Problem, aber wie ist es jetzt?


Es ist wie auch vorher ein bearbeitetes, aber noch ungelöstes psychisches Problem.

Zitat:
Es muss ja einen Grund geben.


Richtig, für alle unsere Entscheidungen gibt es eindeutige klare Gründe.

Zitat:
Das wäre dann quasi das berühmte Bauchgefühl.


Dieses Bauchgefühl ist vermutlich folgendes. Aus dem Unterbewusstsein schreien ständig viele Entscheidungen, welche
wir aufgrund ihrer großen Anzahl nicht immer alle bewusst erfassen können.
Du weißt also bei einer sogenannten "Bauchentscheidung" nicht genau warum die Entscheidung so laufen soll. Du hast
aber aus Deinem Unterbewusstsein ein Signal ausgelesen, das Dir sagt: Es waren viele Argumente dafür. Einige waren
dagegen. Also entscheide ich mich nach meinem unbewussten (Bauch)-Ergebnis für die Sache. Dies bedeutet, eine Bauchentscheidung
ist auch Deine eigene klare Mehrheitsentscheidung, nur, sie wurde nicht noch einmal abschließend
durch Dein Bewusstsein als oberste Instanz überprüft und endgenehmigt. Daher sind Bauchentscheidungen sehr oft richtig.

Zitat:
Wenn ich selber etwas falsch mache wird es schon kritischer. Weil ich mich halt als Person infrage stelle.


Was Du da machst, geht eindeutig viel zu weit. Niemand darf sich wegen eines Fehlers selbst in Frage stellen. Du also
auch nicht. Ein Fehler ist etwas völlig normales. Außerdem kann man einen Fehler meistens auch korrigieren.

Zitat:
Welches Gefühl hältst Du bei einem Treffen nicht aus?

Zitat:
Ich kann das nicht umschreiben, da ich es nicht weiss.


Du weißt es bestimmt. Nur aussprechen fällt Dir bisher noch zu schwer.
Finde es heraus. Es könnte ein wichtiger Schlüssel zu Deiner Zufriedenheit werden.
Oder gibt es wenigstens ein Bauchgefühl zu diesen Situationen und wenn ja, kannst Du das ungefähr beschreiben?

Viele Grüße

Bernhard

11.08.2016 07:03 • #10


Zitat von Icefalki:
Mein Psychiater hat mir das so erklärt, auf einer Skala von 10 war ich ständig auf einer 8. Viel braucht es dann nicht, um zur 10 zu kommen. Bin ich bei 3, hab ich Reserven.

Das kenne ich auch so. Stress kam und kommt bei mir natürlich auch von unterschiedlichen Seiten: Mal von mir selbst, Mal von aussen,.... Stress von aussen finde ich schwerer durchzustehen, als Stress den ich mir selbst mache. Aber hier habe ich mein Heil vor allem in Sport, Meditation und einer Art "Tagebuch" gefunden. So kann ich meine Skala an 9 von 10 Tagen sehr niedrig halten, sodass ich Stress gut durchstehen kann.

Zitat von Hotin:
Zitat:
Rückblickend gibt es dann immer wieder Situationen, bei denen ich hinterher denke:
vielleicht hat das gar nichts mit Angst oder Panik oder überzogenen Erwartungen zu tun. Vielleicht mag ich diese
Sache/diese Person einfach nicht. Vielleicht liegt mir das einfach nicht.

Warum versuchst Du denn da etwas zu unterscheiden? Etwas, was Du nicht magst, magst Du halt aktuell nicht.

Vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich aufgrund meiner Panikattacken alles als bedrohlich und ablehnenswert empfunden. Nur durch Konfrontation meiner schlimmsten Ängste (und das war damals teilweise einfach nur essen oder Fahrrad fahren) konnte ich wieder zur Normalität zurückkehren. Das bedeutete damals natürlich auch, dass ich nicht auf meine negativen Gefühle gehört habe, denn sie waren ja vollkommen omnipräsent und haben alles bedrohlich erscheinen lassen.
Deswegen fällt es mir jetzt schwer herauszufinden, wann ich etwas aktuell nicht mag und wann es mit der Panikstörung zu tun hat. Verstehst du, was ich meine?


Zitat von Hotin:
Zitat:
Ich muss wirklich sagen, dass ich es manchmal sehr schwerfinde zu unterscheiden,wann negative Gefühle mit meiner
Vorbelastung zu tun haben und wann sie einfach ein Ausdruck dessen sind, dass etwas einfach meinen Neigungen entspricht.


Siehst Du Deine Hauptaufgabe darin, Dich selbst zu erklären, oder möchtest Du zufrieden werden?
Irgendwie hört sich das so an, als wenn Du den ganzen Tag damit beschäftigt bist,
Dich in ein Leben rein zu zwängen, welches Du eigentlich so aber gar nicht möchtest. Kann das sein?

Als ich akut psychisch krank wurde, konnte ich viele Entscheidungen nicht mehr so treffen, wie ich es als gesunder Mensch getan hätte. Ich habe mir also mein persönliches "Lazarett" geschaffen, in dem ich gesünder werden konnte. Jetzt, wo es mir besser geht, fehlen mir viele Dinge, die ich in den letzten Jahren gar nicht oder nur sehr wenig erleben konnte. Viele Dinge würde ich gerne wieder ändern, einiges lässt sich aber auch noch nicht wieder verändern, da ich mich aufgrund der Krankheit immer noch einschränken muss, sei es finanziell oder auch einfach leistungstechnisch. Ich bin jetzt teilweise in meinem Lazarett gefangen.

Zitat von Hotin:
Welches Gefühl hältst Du bei einem Treffen nicht aus?
Zitat:
Ich kann das nicht umschreiben, da ich es nicht weiss.


Du weißt es bestimmt. Nur aussprechen fällt Dir bisher noch zu schwer.
Finde es heraus. Es könnte ein wichtiger Schlüssel zu Deiner Zufriedenheit werden.
Oder gibt es wenigstens ein Bauchgefühl zu diesen Situationen und wenn ja, kannst Du das ungefähr beschreiben?
[/quote]
Beim beantworten deiner Fragen habe ich tatsächlich ein Bauchgefühl "gehabt" Mein Freundeskreis hat unseren früheren Lifestyle natürlich weitergelebt, während ich mein Leben immer wieder neu anpassen musste. Da treffen dann jetzt durchaus Welten aufeinander und ich fühle mich nicht mehr ungehemt wohl. Bei den Einen ist das mehr ein Problem als bei den Anderen, den jeder Freund hat mich auf unterschiedliche Weise die letzten Jahre begleitet. Bei denen, die am empatischten waren, fühle ich mich auch heute noch sehr wohl - bei denen, die durchweg versucht haben mich "aufzumuntern" bin ich wesentlich gehemter.

Wahrscheinlich hast du Recht wenn du sagst, ich sollte Zufriedenheit mit dem jetzt anstreben, statt mich andauernd zu hinterfragen. Vielleicht "passen" mir manche Freunde und Angewohnheit einfach nicht mehr und stehen meiner Zufriedenheit im Weg. Ich kann es nur (noch) nicht wirklich selber sehen.

11.08.2016 15:59 • #11


Hotin
Hallo xoxoxoxo,

Zitat:
Deswegen fällt es mir jetzt sehr schwer heraus zu finden, wann ich etwas
aktuell nicht mag, und wann es mit der Panikstörung zu tun hat.


Ich glaube, das kannst Du gar nicht trennen. Die Grenze zwischen den beiden ist doch fließend. Außerdem bringt es
Dich nicht vorwärts, wenn Du weißt, dass etwas aus übersteigerter Angst oder sogar Panik kommt.
Ich finde, Du solltest immer auf das hören, was Du innerlich möchtest. Egal,wo es herkommt. Alles was Du Frau xoxoxoxo
möchtest oder nicht möchtest, das bist Du. Und so bist Du auch gut so. So lange Du nicht genau sicher bist, was
und wohin Du willst, nimm Dein "Bauchgefühl". Dies ist auch eine Entscheidung (aus dem Unterbewusstsein) von Dir.

Zitat:
Als ich akut psychisch krank wurde, konnte ich viele Entscheidungen nicht mehr
so treffen, wie ich es als gesunder Mensch getan hätte.


Hier beschreibst Du einen der wichtigsten Gründe warum eine Angststörung entsteht.

Jetzt wo es mir besser geht, fehlen mir viele Dinge, die ich in den letzten Jahren gar nicht oder nur sehr wenig erleben
konnte. Viele Dinge würde ich gern wieder verändern, sei es finanziell oder auch einfach leistungstechnisch.
Ich bin jetzt einfach in meinem Lazarett gefangen.

Was fehlt Dir denn genau? Du hast doch Dich, oder nicht? Was konntest Du nicht erleben? Wem oder was trauerst
Du nach? Das wundert mich.
Verändern würde ich auch gern einiges. Da stehen wir beide nicht allein.
Oder versuchst Du zu erzählen, Du möchtest wieder Dein altes Leben wieder haben?

Waren das nicht das Leben und die Denkweise,

Zitat:
"Meine Erkrankung resultiert aus einer ständigen Überforderung meiner Selbst.
Ich habe meinen Selbstwert an Leistung gemessen.
Mein Freundeskreis hat seinen Lifestyle natürlich weiter gelebt,…
Da treffen dann jetzt durchaus Welten aufeinander und ich fühle mich nicht mehr ungehemmt wohl.



die Dich in die Überlastungs- und Angststörung getrieben hat?

Eine Welt, in der Du Dich nicht ungehemmt wohl fühlen kannst, könnte eine, Menschen krank machende Welt sein.
Versuchst Du in zwei Welten gleichzeitig zu leben? Dann kannst Du aus Deiner Angststörung natürlich nicht
heraus kommen.

Eine Welt, wie Du sie Dir wünschst, wird es nie geben. Du solltest noch ein anderes Problem entschärfen. Das Leben
passt sich nie an einen Menschen an. Zufriedenheit entsteht, wenn sich ein Mensch mit den gerade herrschenden
Voraussetzungen arrangieren kann und aus jeder Lage sein Bestes macht.
Wie anpassungsfähig bist Du wirklich?

Zitat:
Ich bin teilweise in meinem Lazarett gefangen.


Das ist ein sehr heftiger Satz von Dir. Ich verzichte darauf, ehrlich zu schreiben, was ich über so eine Einstellung denke.
Verstehen kann ich, wie schwierig es ist, mit wenig Geld auszukommen.
Auch ich habe einmal Zeiten erlebt, die ich lieber nie erlebt haben möchte. Jedoch hat mir diese Zeit wesentlich geholfen,
zu erkennen, was das Leben und die Zufriedenheit ausmacht.

Das Wort gefangen solltest Du für Dich zukünftig nicht mehr verwenden.
Du bist frei, auch wenn Du es nicht erkennen willst.

Zitat:
Beim Beantworten deiner Fragen habe ich tatsächlich ein Bauchgefühl gehabt.


Wunderbar, entscheiden können, funktioniert also doch gut.
Zitat:
Bei denen, die am empathischten waren, fühle ich mich heute noch sehr wohl.
Bei denen die durchweg versucht haben mich "aufzumuntern" bin ich wesentlich gehemter.


Was bedeutet das? Es waren teilweise, angebliche Freunde darunter, in deren Nähe Du Dich ehrlich gesprochen,
selten wohl gefühlt hast?

Zum Schluss noch eine eventuell wichtige, sehr persönliche Frage. Diese musst Du natürlich nicht beantworten,
wenn es Dich zu sehr belastet.
Hat einer Deiner "Freunde oder Bekannten einmal etwas über Dich gesagt, was Dein damaliges Selbstbild, oder Dein
allgemeines Frauenbild stark erschüttert hat?
Warum lebst Du jeden Tag mit einem schlechten Gewissen?
Bist Du mal beleidigt oder ausgelacht worden? Hast Du Gewalt erleben müssen?
Hat einmal jemand etwas heftiges von Dir verlangt, was Du nicht erfüllen konntest oder wolltest?

Irgendwo hast Du eine dicke Sperre aufgebaut, die noch im Weg steht.

Du wirst Deine Zufriedenheit finden. Dazu braucht es noch etwas mehr Offenheit.
Dein Weg geht in die richtige Richtung.

Viele Grüße

Bernhard

12.08.2016 07:59 • #12


Hallo Hotin,
Zitat von Hotin:
Zitat:
Jetzt wo es mir besser geht, fehlen mir viele Dinge, die ich in den letzten Jahren gar nicht oder nur sehr wenig erleben konnte. Viele Dinge würde ich gern wieder verändern, sei es finanziell oder auch einfach leistungstechnisch.

Was fehlt Dir denn genau? Du hast doch Dich, oder nicht? Was konntest Du nicht erleben? Wem oder was trauerst
Du nach? Das wundert mich.
Verändern würde ich auch gern einiges. Da stehen wir beide nicht allein.
Oder versuchst Du zu erzählen, Du möchtest wieder Dein altes Leben wieder haben?

Um überhaupt einer Therapie nachgehen zu können, bin ich in ein kleines Dorf 500 Kilometer entfernt von meinem zuhause, zu meinem Partner gezogen. Dort kannte ich damals niemanden und habe mich in den Freundeskreis meines Freundes integriert, da mir die Angst bei eigenen sozialen Kontakten im Weg stand. Engere Freundschaften aufzubauen hat mich überfordert; so bin ich heute "Die Freundin von...". Mein eigener, enger Freundeskreis existiert immer noch, ist aber weit von mir entfernt. Somit fehlt mir hier der direkte, persönliche Kontakt. Das wird sich natürlich wieder ändern lassen, allerdings geht es hier ja auch um den aktuellen Stand der Dinge. Genauso sieht es aus mit Hobbys.
In diesen Punkten trauere ich meinem alten Leben nach, wenn du das so sagen möchtest, denn es sind Dinge, die sich nicht verändert haben, aber denen ich nicht nachgehen konnte - und aktuell schwer zu realisieren sind. Ein Mangel an Entfalltungsmöglichkeiten um meine Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Zitat von Hotin:
Zitat:
Ich bin teilweise in meinem Lazarett gefangen.


Das ist ein sehr heftiger Satz von Dir. Ich verzichte darauf, ehrlich zu schreiben, was ich über so eine Einstellung denke.

An dem Satz solltest du dich nicht zu sehr aufhängen, er macht die Umschreibung einfach plastischer Ich hätte es auch anders umschreiben können. Es soll sagen, dass der Raum den ich mir zum gesunden geschaffen habe heute nicht mehr meine Bedürfnisse erfüllt, sich aber auch nur minimal verändern lässt.

Zitat von Hotin:
Zitat:
Bei denen, die am empathischten waren, fühle ich mich heute noch sehr wohl.
Bei denen die durchweg versucht haben mich "aufzumuntern" bin ich wesentlich gehemter.


Was bedeutet das? Es waren teilweise, angebliche Freunde darunter, in deren Nähe Du Dich ehrlich gesprochen,
selten wohl gefühlt hast?

Vorher: nein. Während der Krankheit: Ja. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass diese Freunde keine Freunde waren/sind. Vielmehr war es die Überforderung, mit dem Thema "psychische Krankheit" umzugehen, sei es aus Scham, aus Unverständnis oder Unwissen. Auch ich habe früher nicht verstanden, was es bedeutet depressiv zu sein, bevor ich es selbst erfahren habe.


Zitat von Hotin:
Zum Schluss noch eine eventuell wichtige, sehr persönliche Frage. Diese musst Du natürlich nicht beantworten,
wenn es Dich zu sehr belastet.
Hat einer Deiner "Freunde oder Bekannten einmal etwas über Dich gesagt, was Dein damaliges Selbstbild, oder Dein
allgemeines Frauenbild stark erschüttert hat?
Warum lebst Du jeden Tag mit einem schlechten Gewissen?
Bist Du mal beleidigt oder ausgelacht worden? Hast Du Gewalt erleben müssen?
Hat einmal jemand etwas heftiges von Dir verlangt, was Du nicht erfüllen konntest oder wolltest?

Irgendwo hast Du eine dicke Sperre aufgebaut, die noch im Weg steht.

Natürlich kann ich alle Fragen mit Ja beantworten. Und ich denke es gibt kaum einen Menschen der das nicht könnte. Sei es zuhause, in der Schule oder im Verein: Ungerechtigkeiten erlebt jeder einmal, auch ich. Aber Gruppenzwang oder anderen Dingen habe ich mich nie gebeugt, wenn es gegen meine eigenen Überzeugungen ging. Trotzdem haben mich auch Menschen verletzt (die ich dann meistens aus meinem Freundeskreis aussortiert habe), manche Dinge haben auch meine Sicht- oder Denkweise verändert. Früher war ich naiver; heute eher analytisch und "kopfgesteuert".

15.08.2016 16:07 • #13


Hotin
Hallo xoxoxoxo,

erst mal vielen Dank für Deine Antwort.

Falls Du mich und meine Art schon etwas kennst, ich werde Dich jetzt mal etwas ärgern und provozieren.
Das hat einen bestimmten Grund.

Was und wie Du schreibst, wird Dich so nicht weiter bringen. In Deinem Stil machst Du unserer Bundeskanzlerin
fast noch etwas vor.
Mehrere Male habe ich Deinen Text gelesen. Leider habe ich absolut nicht verstanden, was Du da aussagen
wolltest. Sprichst Du auch so?
Lies das doch bitte noch einmal selbst.
Zitat:
In diesen Punkten trauere ich meinem alten Leben nach, wenn du das so sagen möchtest, denn es sind Dinge,
die sich nicht verändert haben, aber denen ich nicht nachgehen konnte - und aktuell schwer zu realisieren sind.


Worüber sprichst Du hier eigentlich?

Zitat:
Ein Mangel an Entfaltungsmöglichkeiten um meine Grundbedürfnisse zu befriedigen.


Und was ist hiermit gemeint?

Zitat:
Es soll sagen, dass der Raum den ich mir zum gesunden geschaffen habe heute nicht mehr meine
Bedürfnisse erfüllt, sich aber auch nur minimal verändern lässt.


Was ist hiermit gemeint?
Zitat:
Natürlich kann ich alle Fragen mit Ja beantworten. Und ich denke es gibt kaum einen Menschen der das nicht könnte.


Wenn Du die gleichen Erfahrungen gemacht hast, wie alle anderen, warum hast dann genau Du aber Deine
Ängste so verstärkt?

Zitat:
Trotzdem haben mich auch Menschen verletzt (die ich dann meistens aus meinem Freundeskreis
aussortiert habe), manche Dinge haben auch meine Sicht- oder Denkweise verändert.


Welche Menschen haben Dich verletzt und warum? Welche Dinge haben Deine Sichtweise verändert?

Du äußerst ja überhaupt keine klare Meinung. Wer bist Du, wer oder was möchtest Du sein?
Wo willst Du im Leben mal hin? Und wie willst Du das erreichen?

Welches zwischenmenschliche Erlebnis hat Dich erschüttert? Wer ist Dir mal zu nahe gekommen? Wie lange
ist das her? Hast Du überhaupt schon jemals mit jemanden darüber gesprochen? Warum noch nicht?

Gibt es überhaupt noch mindestens einen Menschen, zu dem oder zur der Du noch ganz viel Vertrauen hast?

Nichts ist so schlimm, dass Du es nicht aussprechen kannst.

Zitat:
Früher war ich naiver; heute eher analytisch und "kopfgesteuert".


Du scheinst nur noch "kopfgesteuert" zu sein. Wo hast Du Deine Gefühle versteckt?
Ohne Deine Gefühle zu spüren und zuzulassen, wirst Du nie zufrieden werden!



Viele Grüße und einen angenehmen Abend.

Hoffentlich habe ich Dich nicht zu stark geärgert.

Bernhard

15.08.2016 21:23 • #14


Zitat von Hotin:
erst mal vielen Dank für Deine Antwort.
Falls Du mich und meine Art schon etwas kennst, ich werde Dich jetzt mal etwas ärgern und provozieren.



Zitat von Hotin:
In Deinem Stil machst Du unserer Bundeskanzlerin
fast noch etwas vor.
Mehrere Male habe ich Deinen Text gelesen. Leider habe ich absolut nicht verstanden, was Du da aussagen
wolltest. Sprichst Du auch so?

Mit Fremden ja, mit Freunden nein. Allerdings war ich auch schon immer ein Fan der hochgestochenen Ausdrucksweise Ich gehöre zu den Menschen, die alte Bücher lesen und Filme/Dokumentationen schauen, die noch nicht Mal meine Oma freiwillig mehr schauen würde.

Ich versuche Mal, die Sachen die du nicht verstanden hast etwas klarer zu beschreiben (aber ohne die Schimpfwörter, die ich unter Freunden noch einwerfen würde):
Es nervt mich und es stört mich, dass ich nicht das tun kann, was ich will. Dabei ist mir ziehmlich egal, ob es aus finanziellen oder sonstigen Gründen so ist.

Zitat von Hotin:
Zitat:
Natürlich kann ich alle Fragen mit Ja beantworten. Und ich denke es gibt kaum einen Menschen der das nicht könnte.

Wenn Du die gleichen Erfahrungen gemacht hast, wie alle anderen, warum hast dann genau Du aber Deine Ängste so verstärkt?

Weil ich nicht "alle anderen" bin und die falschen Strategien genutzt habe, um mit meinen Erfahrungen um zu gehen. Warum falsche Strategien? da ich sonst keine Ängste entwickelt hätte. Welche Strategien? Kann ich nicht beschreiben, da ich nicht weiss, was andere Menschen anders machen als ich. Allerdings nutze ich sie jetzt nicht mehr, da ich in der Therapie andere Möglichkeiten gelernt habe um meine Erfahrungen zu verarbeiten (Yoga, Meditation, Tagebuch).

Zitat von Hotin:
Wer bist Du, wer oder was möchtest Du sein?
Wo willst Du im Leben mal hin? Und wie willst Du das erreichen?

Ich bin krank und ich möchte wieder gesund werden, eine Umschulung machen, arbeiten gehen, meinen Freund heiraten, Kinder haben und reisen. Mich interessiert nicht das große Geld oder die tolle Karriere, aber ich will mir das leisten können, was ich haben will.


Zitat von Hotin:
Gibt es überhaupt noch mindestens einen Menschen, zu dem oder zur der Du noch ganz viel Vertrauen hast?

Ja

Zitat von Hotin:
Du scheinst nur noch "kopfgesteuert" zu sein. Wo hast Du Deine Gefühle versteckt? Ohne Deine Gefühle zu spüren und zuzulassen, wirst Du nie zufrieden werden!

Das Internet ist ein anonymer Raum, in dem ich nicht weiss, wem ich gegenüberstehe. Also halte ich mich hier mit Gefühlsausbrüchen zurück.

In den letzten Jahren hat es mir nicht viel gebracht auf meine Gefühle zu achten, denn da war größtenteils nur Angst und Panik. Die Depression hat dann noch den letzten Rest mehr oder weniger gekillt, sodass ich zwischenzeitlich sogar an meiner Beziehung gezweifelt habe, da ich manchmal weder positive noch negative Gefühle gefühlt habe. Um nicht vollkommen orientierungslos durch die Gegend zu rennen, habe ich versucht nur noch logische Entscheidungen zu treffen. Das ist mir nach so langer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen und jetzt nicht durch ein Fingerschnippen zu ändern.

Zitat von Hotin:
Hoffentlich habe ich Dich nicht zu stark geärgert.



Deine anderen Fragen habe ich jetzt nicht explizit beantwortet, da ich sie bereits in meiner Therapie durchgekaut habe. Um es anzureißen: Meine Mutter war diejenige, die alles bestimmt hat, nach deren Regeln ich Leben und deren Entscheidungen ich mich unterordnen musste. Gleichzeitig hat sie nie großes Interesse an mir gezeigt, ausser es ging um meine schulischen Leistungen. Das hat mich sehr gekränkt und enttäuscht und ich pflege heute einen eher losen Kontakt zu ihr.
Der wahrscheinliche Auslöser meiner Angststörung war ein Exfreund, der mich nach einem Streit eingesperrt hat. Danach litt ich unter Klasutrophobie und habe das auch behandeln lassen. Das ganze kam zurück, als mich drei Jahre später ein weiterer Exfreund hintergangen und betrogen hat. Ich hatte das Gefühl es wäre meine Schuld gewesen und habe nicht mehr gewusst, wohin mit mir. Dadurch wurde ich depressiv und ängstlich, konnte meinem Studium nicht mehr Folgen und brach es ab - habe mich aber nicht akut behandeln lassen. Das ganze ich jetzt jeweils 7 und 4 Jahre her.
Das sind die drei größten, schlechten Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe. Über diese Erfahrungen habe ich in meiner Therapie gesprochen und sie analysiert.

16.08.2016 16:29 • #15


Hotin
Hallo xoxoxoxo,

Zitat:
Ich gehöre zu den Menschen, die alte Bücher lesen und Filme/Dokumentationen schauen, die noch nicht Mal meine Oma
freiwillig mehr schauen würde.


Interessant, was findest Du daran besonders? Gibt es bestimmte Themen, die Du Dir
schwerpunktmäßig anschaust?

Zitat:
Allerdings war ich auch schon immer ein Fan der hochgestochenen Ausdrucksweise


Was verstehst Du unter dem Begriff "hochgestochen"?

Zitat:
Es nervt mich und es stört mich, dass ich nicht das tun kann, was ich will. Dabei ist mir ziemlich egal, ob es aus
finanziellen oder sonstigen Gründen so ist.


Kein Mensch kann tun, was er will. Die von Dir gewünschte Freiheit hätte ich manchmal auch ganz gern.
Bestimmt könntest Du viel häufiger das machen, was Du möchtest. Deine jetzige
Art, mit Deinen Ängsten (Gefühlen) umzugehen, erlaubt es Dir aber wohl noch
nicht so.


Zitat:
Weil ich nicht "alle anderen" bin und die falschen Strategien genutzt habe, um mit meinen Erfahrungen um zu gehen.


Solch eine Betrachtungsweise hilft dir bestimmt. Nur, was machst Du jetzt genau besser?

Zitat:
Ich bin krank und ich möchte wieder gesund werden, eine Umschulung machen, arbeiten gehen, meinen Freund heiraten,
Kinder haben und reisen. Mich interessiert nicht das große Geld oder die tolle Karriere, aber ich will mir das leisten können,
was ich haben will.


Das hört sich echt gut an.

Zitat:
In den letzten Jahren hat es mir nicht viel gebracht auf meine Gefühle zu achten, denn da war größtenteils
nur Angst und Panik.


Das verstehe ich überhaupt nicht. Angst ist ein Gefühl und Panik ist eine kleine Explosion von Gefühlen.
Nicht auf Deine Gefühle zu achten, geht glaube ich nicht. Du scheinst Deine Gefühlssignale aber oft falsch verstanden
und oft unterdrückt zu haben. Und Du zeigst Dich mir nicht gerade als Freundin Deiner Gefühle.
Warum ist es Dir wichtiger, über das nachzudenken, was andere sagen und von Dir wollen, als das, was Deine Gefühle
gern hätten?

Zitat:
Depression hat dann noch den letzten Rest mehr oder weniger gekillt, sodass ich zwischenzeitlich sogar an meiner
Beziehung gezweifelt habe, da ich manchmal weder positive noch negative Gefühle gefühlt habe.


Das kann leicht passieren, nur das willst Du ja verbessern.

Zitat:
Um nicht vollkommen orientierungslos durch die Gegend zu rennen, habe ich versucht nur noch logische Entscheidungen
zu treffen. Das ist mir nach so langer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen und jetzt nicht durch ein Fingerschnippen
zu ändern.


Wenn Du logisch vorgegangen bist, war das sehr gut. Irgendetwas scheint daran aber nicht zu stimmen. Bei konsequent
logischer Denkweise muss Deine Angst nach und nach schwächer werden. Du scheinst also gelegentlich in Deinem
Denken Bruchstellen, ich nenne sie "Logiksprünge", zu haben. Hat Dir das schon mal jemand gesagt?

Zitat:
Meine Mutter war diejenige, die alles bestimmt hat, nach deren Regeln ich Leben und deren Entscheidungen ich mich
unterordnen musste. Gleichzeitig hat sie nie großes Interesse an mir gezeigt, ausser es ging um meine schulischen
Leistungen. Das hat mich sehr gekränkt und enttäuscht und ich pflege heute einen eher losen Kontakt zu ihr.


Sehr schön beschrieben. Können wir uns darauf einigen, dass das Verhalten Deiner Mutter Dir besonders Probleme
gemacht hat und somit an Deinen Ängsten hauptsächlich beteiligt ist? Oder wo nimmst Du Deine Mutter immer
noch in Schutz?

Zitat:
Der wahrscheinliche Auslöser meiner Angststörung war ein Exfreund, der mich nach einem Streit eingesperrt hat.
Danach litt ich unter Klasutrophobie und habe das auch behandeln lassen. Das ganze kam zurück, als mich drei
Jahre später ein weiterer Exfreund hintergangen und betrogen hat.


Das kann sein, aber ich sehe dies etwas anders. Meiner Meinung nach ist der Auslöser Deiner Angststörung vermutlich
das frühere Verhalten Deiner Mutter. Es hat dazu geführt, dass Du zu wenig gelernt hast, Dich angemessen zu wehren.
Das hat dazu geführt, dass Du Dich gegen das schlechte Verhalten der beiden Männer nicht gewehrt hast. Und dann ist
das passiert, was passiert ist.

Zitat:
Ich hatte das Gefühl es wäre meine Schuld gewesen und habe nicht mehr gewusst, wohin mit mir.


Meine Logik dazu wäre. Du hattest vermutlich gewusst, wie Du Dich hättest wehren können, aber Deine Erziehung und
Deine als Kind erlernte Verhaltensweise haben Dir es nicht erlaubt, Dich gegen die Männer zu wehren.
Zitat:
Dadurch wurde ich depressiv und ängstlich, konnte meinem Studium nicht mehr Folgen und brach es ab


Für mich eine verständliche Folge davon.

Zitat:
Über diese Erfahrungen habe ich in meiner Therapie gesprochen und sie analysiert.


Das war bestimmt hilfreich. Nur analysieren ist immer nur ein kleiner Teil des Weges aus der Angst. Der Hauptanteil ist,
Du musst dafür Deine tägliche Denkweise und Dein Verhalten sehr stark verändern. Anders wirst Du nicht zufrieden.
Und bei der Denkweise würde ich an Deiner Stelle in der zeitlichen Reihenfolge Deines Lebens vorgehen.
So lange Du nicht mit der Sache mit Deiner Mutter Deinen inneren Frieden geschlossen hast, glaube ich, brauchst Du nicht
über Deine Angst wegen den Männern nachdenken. Das ergibt sich nämlich, wenn Du Dein früheres Denken in einem neuen
Licht siehst.

Freue mich auf Deine Antwort und Deine Meinung dazu.
Schade, diesmal war gar nicht so viel zum Ärgern dabei.

Viele Grüße

Bernhard

16.08.2016 22:05 • #16


Zitat von Hotin:
Schade, diesmal war gar nicht so viel zum Ärgern dabei.



Zitat von Hotin:
Zitat:
Ich gehöre zu den Menschen, die alte Bücher lesen und Filme/Dokumentationen schauen, die noch nicht Mal meine Oma
freiwillig mehr schauen würde.

Interessant, was findest Du daran besonders? Gibt es bestimmte Themen, die Du Dir schwerpunktmäßig anschaust?

Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, aber Geschichte ist mir schon immer "zugeflogen", vor allem in der Schule. Ich kann mir stundenlang Dokus über ägyptische Geschichte anschauen und bin super zufrieden Auch alte Sprachen finde ich sehr interessant.

Zitat von Hotin:
Zitat:
Weil ich nicht "alle anderen" bin und die falschen Strategien genutzt habe, um mit meinen Erfahrungen um zu gehen.

Solch eine Betrachtungsweise hilft dir bestimmt. Nur, was machst Du jetzt genau besser?

Ich spreche mehr darüber und ich nutze die negative Energie anders, z.B. beim Sport.

Zitat von Hotin:
Angst ist ein Gefühl und Panik ist eine kleine Explosion von Gefühlen.
Nicht auf Deine Gefühle zu achten, geht glaube ich nicht. Du scheinst Deine Gefühlssignale aber oft falsch verstanden
und oft unterdrückt zu haben.

Ein Teil einer Angst- und Panikstörung ist, dass Gefühlssignale nicht mehr verstanden werden. Es ist ja nicht so, dass man keine positiven Gefühle mehr hat, aber alle Signale werden erstmal negativ interpretiert, egal ob Aufregung oder Freude, denn alle Gefühle lösen mehr oder weniger die selben körperlichen Symptome aus: Herzrasen, Schwitzen, Zittern,.....usw. Deswegen bedeutet Konfrontationstherapie ja auch, dass man sich diesen Gefühlssignalen aussetzt, um seine Interpretation wieder zu verändern. Wenn ich nur das getan hätte, was meine Gefühle mir damals gesagt hätten, dann hätte ich gar nichts tun können, ausser im Bett zu liegen.

Zitat von Hotin:
Zitat:
Um nicht vollkommen orientierungslos durch die Gegend zu rennen, habe ich versucht nur noch logische Entscheidungen
zu treffen. Das ist mir nach so langer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen und jetzt nicht durch ein Fingerschnippen
zu ändern.

Wenn Du logisch vorgegangen bist, war das sehr gut. Irgendetwas scheint daran aber nicht zu stimmen. Bei konsequent
logischer Denkweise muss Deine Angst nach und nach schwächer werden. Du scheinst also gelegentlich in Deinem
Denken Bruchstellen, ich nenne sie "Logiksprünge", zu haben. Hat Dir das schon mal jemand gesagt?

Die Angst ist ja auch weniger geworden. Ich bin jetzt an einem Punkt Dinge zu tun, über die ich vor einem Jahr noch nicht Mal nachgedacht hätte. Das ist ein riesen Fortschritt.

Zitat von Hotin:
Oder wo nimmst Du Deine Mutter immer noch in Schutz?

Habe ich nie getan und werde ich in diesem Punkt auch nicht tun.

24.08.2016 14:46 • x 1 #17



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