Übrigens gibt es da noch eine Sache...
Neben den Umständen mit meiner Mutter fällt es mir innerlich auch schwer, die Hochzeit unvoreingenommen zu feiern, weil ich die Beziehung ihres Partners seit Jahren kritisch sehe und mich gewisse Dinge in der Vergangenheit sehr belastet haben. Das soll aber keinesfalls heißen, dass ich die Hochzeit boykottiere. Das mit dem Ticket ist wirklich keine Inszenierung gewesen. Es ist nur allgemein ein zusätzlicher emotionaler Faktor, der die Situation für mich noch schwieriger macht.
Achtung️ das wird wieder ein langer Text, hoffe trotzdem, dass ihr ihn lest.
Sie hat seit fünf Jahren eine On-off-Beziehung mit ihm. Er war mal verheiratet, inzwischen wieder geschieden, und hat aus dieser Ehe einen Sohn. Allerdings hatte sie mit ihm schon ein Verhältnis, als er noch verheiratet war, das habe ich aber erst im Nachhinein von ihr erfahren. Die Beziehung war sehr turbulent. Er lügt ständig und schafft es trotzdem immer wieder, sie mit seinen Lügen an sich zu binden. Ein klassisches toxisches Muster.
Ich kenne ihn übrigens seit 23 Jahren, also länger als sie ihn kennt. Er war mal Arbeitskollege meiner Schwester, und da ich sie oft auf der Arbeit besucht habe, bin ich ihm immer wieder begegnet. Er war äußerst aufdringlich, flirtete mit fast allen Frauen, versuchte ständig sein Glück, obwohl er bei den meisten Frauen nicht wirklich ankam. Außerdem roch er sehr stark nach Schweiß, hatte starken Mundgeruch und sehr ungepflegte Zähne, deren Farbe ich nur schwer beschreiben kann – eine Mischung aus Braun und Grau.
Er stand damals auf mich, und das hatte sich schon herumgesprochen. So unangenehm, wie er sich immer aufführte, war mir das auch ohne diese Info klar. Ich habe es ignoriert, weil ich ihn extrem unsympathisch und abstoßend fand. Er soll sogar einigen Arbeitskollegen erzählt haben, dass zwischen uns etwas gelaufen sei. Ich war schockiert und wütend, habe ihn aber nie damit konfrontiert. Ich war damals erst 17 und wollte keinen großen Streit provozieren, außerdem weiß man ja, dass er gerne Geschichten ausschmückt.
Deshalb war ich Jahre später völlig schockiert , als ich erfuhr, dass sie mit diesem Widerling zusammen ist. Ich konnte wirklich nicht verstehen, was sie an ihm fand. Er ist charakterlos, ein Lügner und optisch wirklich gewöhnungsbedürftig.
Als wir letztes Jahr enger wurden, erzählte sie mir plötzlich: „Er hat mir erzählt, dass ihr früher mal aufeinander standet, aber deine Familie dagegen war und es deshalb auseinander ging.“ Ich war schockiert und so wütend und fragte: „Hat er dir diese Story wirklich erzählt?“ Ich habe ihr sofort gesagt, dass da nie etwas war und dass er sich diese Fantasie einfach ausgedacht hat. Er war damals 18, aber dass er nach all den Jahren noch dieselbe Lügengeschichte erzählt, hat mich richtig wütend gemacht. Ich wollte ihn diesmal wirklich darauf ansprechen, aber genau in dieser Zeit war sie von ihm getrennt.
Einige Monate später kamen sie wieder zusammen, und plötzlich hieß es: „Wir heiraten!“ Ich war wirklich sprachlos, hielt meine Meinung aber zurück. Sie führt seit fünf Jahren diese sinnlose On-Off-Beziehung. Wenn sie selbst nicht sieht, wie toxisch und problematisch das ist, kann ich sie nicht überzeugen. Sie ist meine Freundin, ich liebe sie als Person, aber letztlich ist es ihr Leben und ihre Entscheidung. Es steht mir nicht zu, ihr zu sagen: „Tu das nicht, du machst einen Fehler.“
Sie meint, „diesmal ist alles anders, er hat sich total verändert, sein Charakter und Verhalten seien ganz anders“ mit Heiratsanträgen, großen Gesten und allem Drum und Dran.
Aber mal ehrlich: Wie kann eine Beziehung, die fünf Jahre lang so katastrophal lief, plötzlich perfekt sein? Dass sie die Lüge, die er über mich erzählt hat, einfach so ignoriert, finde ich ebenfalls sehr seltsam. Sie nimmt es nicht ernst, weil es über 20 jahre her ist und er so jung war. Kleine Jungs fantasieren nun mal gerne. Ein Mann, der frei erfundene Geschichten erzählt und ohnehin ständig lügt, soll plötzlich zuverlässig und aufrichtig sein? Jahrelang haben sie sich getrennt, wieder versöhnt, getrennt, wieder versöhnt. Und jetzt heißt es: „Diesmal ist es anders.“
Na ja… wie gesagt, es ist ihr Leben, und sie muss selbst damit umgehen.
Ich habe das meiner Schwester erzählt, und sie meinte: „Vielleicht wollte das Schicksal, dass die Tickets versehentlich vorgebucht wurden und du auf diese Hochzeit nicht gehst. Ich weiss deine Freundin ist dir an der Stelle wichtiger aber sie heiratet letztendlich diesen Typen. Vielleicht ist es besser so. Er ist nicht ganz Koscher.