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200915.12




304
29
Niedersachsen
6
Hallo, liebe Fories,

ich habe hier schon mal in anderen Threads etwas über kritische Situationen mit meinem Partner erzählt und werde nun etwas weiter ausholen MÜSSEN, denn ich sehe mich vor einem gewaltigen Problem:

Meine letzte Beziehung habe ich im Sommer diesen Jahres beendet, weil mein damaliger Freund mich angeschrien hat, sehr respektlos war und mich gern vor anderen Menschen schlecht hingestellt, mich blamiert oder mit Vorliebe erschreckt und verarscht hat. Kurzum, er hat mich wie einen Idioten behandelt, nur so zum Spaß.

Ihm erging es genauso, er war frisch Single und hat große berufliche Pläne für das neue Jahr. Die „Liebe“ siegte und wir gaben uns dem Gefühl hin. Er half mir sehr in dieser schwierigen Phase nach der Trennung. Er verlegte Fußboden in meiner neuen Wohnung, überließ mir ein altes Möbelstück und war einfach da für mich. Wir unterhielten uns stundenlang, gingen spazieren, lachten und es war einfach nur schön alles mit ihm. Er fand meinen Ex unmöglich und sagte, Respekt sei alles für ihn, ohne ginge es nicht. Er würde mich nie nie nie anschreien und immer zu mir stehen. Er selbst hat eine sehr schwere Kindheit hinter sich und musst auch sonst bisher viel einstecken im Leben. Ich hatte das Gefühl, in ihm einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Ich fühlte mich so geborgen und sicher bei ihm.

Mit der Zeit wurde es schwieriger mit ihm. Mein Freund erwies sich als sehr sensibel und empfindlich. Er ist sehr oft krank, teilweise immer wegen derselben Dinge und leidet dann so sehr, dass er schon vom „sterben“ spricht.
Und meine – zugegeben zahlreichen – Probleme überfordern ihn zuweilen. Ich bin ein sehr mitteilungsfreudiger Mensch und erzählte ihm fast alles, immerhin sind wir ein Paar und Probleme gehören nun mal auf den Tisch, denke ich. Weil es mir oft nicht gut geht, bekommt er das auch voll mit. Allerdings verkraftet er das nicht so richtig. Es ist ihm oft zu viel und er versucht mich dann zu bremsen und das Thema abzuschließen. Ich fühle mich oft unverstanden oder denke, dass er sich nicht mit mir befassen WILL und bin enttäuscht. Er sagt manchmal auch, dass er sich bei seinen großen beruflichen Plänen nicht mit all meinen Sorgen so intensiv beschäftigen könnte, wie ich das gern hätte.

Ich diskutiere auch sehr gern. Ich lasse vieles nicht ungesagt stehen und ich kann auch nicht so einfach Dinge so hinnehmen, wie sie sind oder gesagt wurden. Auch damit hat er ein Problem. Es entstehen häufiger Missverständnisse, weil er sehr leise und undeutlich spricht („nuscheln“, falls den Ausdruck wer kennt Es gab schon viel Ärger deswegen... er kann auch sehr stur und trotzig sein, ein Dickkopf wie ich. Wenn ich merke, ich laufe gegen die Wand bei ihm, verzweifele ich und steigere mich so hinein, dass ich nur noch am Heulen und voll am Ende bin. Ich arbeite an all meinen Problemen und weiß aber, das geht nicht von heute auf morgen.

Einmal hatte er sich 4 Tage nicht bei mir gemeldet, weil er sich darüber klar werden wollte, ob er die Partnerschaft mit mir fortführen wollte! Grund war gewesen, dass ich zuvor wegen einer Krise immer schlecht drauf gewesen war und er sich nicht mehr sicher war, ob ich gern mit ihm zusammen sei, ihm fehlte die Bestätigung von mir, die positiven Zeichen. Ich hatte gebittelt und gebettelt, weil ich mir Sorgen machte, aber erst nach 4 Tagen war er bereit mit mir zu sprechen und wir versuchten es weiter.

Ein anderes Problem ist sein Temperament. Er wird schnell lauter und ich empfinde das als Schreien. Dies tut er, wenn ich mich – seiner Meinung nach! – an „Kleinigkeiten“ hochziehe, auf irgendwas rumreite und es nicht gut sein lassen kann oder wenn ich mal wieder Tatsachen verdrehen oder ihn als Buhmann hinstellen würde... sagt er, wohl bemerkt. ER sagt aber, er hätte mich noch nie angeschrien, er würde nur die Stimme erheben, das sei ein Unterschied. Und dass er sehr wohl respektvoll mit mir umgehen würde.

Er ist ein großer Handwerker und hat bei mir in der Wohnung zwar schon viel fertig gestellt, aber auch genauso viele Baustellen offen gelassen. Es kam immer was dazwischen, mal wurde er krank oder mal hatte er was Anderes zu erledigen. Jedenfalls liegen bei mir daheim Sachen rum, die ich nicht abschließen kann und auch sonst kenn ich keinen, der das kann. Er hatte vor, über die Feiertage sich bei mir in der Wohnung auszutoben. Er weiß, wie sehr mich nervt, dass noch nicht alles fertig ist, aber er hat versprochen, es noch dieses Jahr zu beenden.
Helfen kann ich ihm dabei nicht... ich habe es oft versucht, aber er kommandiert mich dann nur herum und meckert, wenn ich etwas nicht so mache, wie er es gern hätte. Ich habe mich darüber schon des Öfteren aufgeregt, aber das macht ihn dann nur noch ärgerlicher. Das Ende vom Lied ist, dass er mich nicht mehr um Hilfe bittet, weil ich ja so empfindlich sei und er so aufpassen müsste, was er sagt.

Nun hat er noch vor Weihnachten einen runden Geburtstag und ich wollte ihm eigentlich was ganz Großes und Tolles schenken, ebenso zu Weihnachten. Habe aber bislang noch kein Geschenk und bin mir unsicher, ob ich überhaupt eines besorgen soll...

Wenn ich all dies so schreibe, kann ich es kaum fassen, dass das alles so passiert ist. Ich habe diesen Mann sehr lieb und er bedeutet mir wirlich viel. Ich versuche auch vieles nicht zu eng zu sehen, aber teilweise empfinde ich sein Verhalten auch nur als kindisch.
Auf das Schreien angesprochen, sagte er, er hätte nur „gemault“ und das sei was ganz Anderes, ich dürfte das nicht immer alles so eng und schwarz sehen.

Manchmal zweifele ich meinen Verstand und mein Bauchgefühl an, wie ich mich so irren kann. Denn irgendwas stimmt hier nicht.... entweder ER ist der absolut falscheste Kerl auf Erden für mich oder ICH bin nicht ganz richtig, dass ich die Dinge alle so verkehrt und verzerrt betrachte im Gegensatz zu ihm und dass ich ihn so be- und überlaste mit meinen Sorgen. Ich bin auch psychisch recht durch den Wind, gebe ich ja zu, man macht ja nicht umsonst ne Verhaltenstherapie.

Aber stellt das eine Rechtfertigung für den Partner dar, einen so zu behandeln? Lauter werden, selbst WENN ich Mist erzähle? Mich rumkommandieren, nur weil ich was nicht kann? Mich abwehren, wenn ich zuviel von meinen Problemen erzähle?
Ich bin und war immer schon harmoniesüchtig und ich habe bereits in der Vergangenheit dazu geneigt, mir die Dinge so hin zu drehen, dass er Andere NICHT schuld ist, obwohl er es letztendlich doch war und ich mich nur für ihn so verbogen habe.

Er hat diese Woche Geburtstag, was soll ich nur tun?

Ich würde mich freuen, wenn irgendjemand etwas zu meinen Sorgen zu sagen hätte und DANKE für´s Lesen!



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22
NRW
2
  15.12.2009 14:43  
Huhu,

also ich denke Ihr seid beide nicht die "Stärksten" und seid überfordert Euch gegenseitig zu unterstützen.

Du schreibst, dein Freund ist auch öfter krank und Du selber hast ja auch Probleme.
Wenn das dann zusammenkommt hat der eine kein Ohr und Zeit sich um den "kranken" zu kümmern.

Jeder ist auch anders erzogen worden und es kann durchaus sein, dass Dein Freund die Stimme erhebt (in seinen Augen) und Du es schon als schreien empfindest.
Es passt also nicht in einigen Dingen bei Euch.

Da sehe ich eigentlich nur die Möglichkeit mal ruhig miteinander zu reden - wenn man es denn mit ihm kann - vielleicht kann sich Dein Therapeut dazu bereit erklären, damit eine Art Mediator da ist.

Was sagt denn dein Therapeut zu der ganzen Sache ?

WEnn es so gar nicht passt, dann seh ich eigentlich nur noch eine Beendigung der Beziehung als Lösung oder eine Trennung auf Zeit, damit ein wenig Ruhe einkehren kann.
Eigentlich bin ich nicht der Freund von schnellen Trennungen, aber falls ein Gespräch nichts bringt (beiderseits) - dann gehts wohl nicht anders.

Alles Gute.

LG
Gabi





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29
Niedersachsen
6
  15.12.2009 14:57  
Hallo liebe Gabi,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort.

Zu den Stärksten gehöre ich sicher nicht, aber schwach bin ich deswegen noch nicht. Ich denke auch nicht, dass Du das damit sagen wolltest.

Ich unterstütze meinen Freund serwohl, so gut ich kann. Da er momentan noch kein Auto hat, fahre ich ihn von A nach B, wenn Not am Mann ist und mich braucht. Ich höre ihm zu, interessiere mich für ihn und pendele zig mal zwischen seiner und meiner Wohnung hin und her, da ich ja nun mal mobil bin.

Mein Therapeut sagt da nicht viel zu, wobei dieses Thema nocht nicht explizit auf den Tisch kam bei uns. Seine Intention geht auch denke ich mal eher von hinten durch die Brust ins Auge also fragt er mich in anderen Bereichen, ob ich denn mein Verhalten in der und der Situation als angemessen oder verständlich einschätze. Das sieht für mich so aus, als würde er alles davon abhängig machen, wie ich mich fühle und wie ich mich einschätze... so richtig helfen tut mir das momentan nicht. Vielleicht sollte ich ihn mal direkt ansprechen.

LG, Isi

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