Pfeil rechts

Guten Abend miteinander,

ich bin beinahe täglich draußen unterwegs und mir ist seit einigen Jahren verstärkt aufgefallen, dass es immer mehr Leute aller Gesellschaftsschichten leichter fällt, Fremde einfach so im Vorbeigehen zu beschimpfen. Oder ganz ungeniert-laut über andere Leute zu lachen oder zu lästern.

Je nach Tagesform macht mir das mal mehr, mal weniger zu schaffen. Habe ich einen guten Tag, macht es mir weniger aus. Zuweilen kontere ich dann auch, wenn es zu arg wird. Wenn meine Tagesform eher schlechter ist, sage ich nichts und überhöre Sätze, die eindeutig gegen meine Person gehen. Ich finde es jedoch krass, weil ich mich an eine Zeit erinnere, wo dieses ungenierte Beschimpftwerden von Fremden noch nicht so ausgeprägt war. Gegeben hat es solche Situationen ja schon immer.

Beispiele sind folgende:

Ich stand in der S-Bahn, hatte Feierabend und war müde. An einer bestimmten Haltestelle steigen immer sehr viele Büro-Angestellte ein, weil die HS in einer Gegend liegt, in der viele reine Bürofirmen ihren Sitz haben. An jenem Tag stieg eine Gruppe Auszubildende ein (sie unterhielten sich über den Unterricht in der Berufsschule), eine Gruppe aus jungen Frauen, und plauderten miteinander. In einer kurzen Gesprächspause, in der alle mit ihren Handys beschäftigt waren, sieht eine der jungen Frauen mich an, stupst ihre Begleiterinnen an und sagt deutlich hörbar, Blick auf mich gerichtet: "Solche Frauen hasse ich ja." Ich dachte mir nur "Schnucki, weißt du überhaupt, was richtiger Hass ist?", war aber zu müde, um zu reagieren.

Wieder einmal in der S-Bahn. Meine Frau und ich standen an der Tür, denn die Bahn fuhr gerade in unsere Ziel-Haltestelle ein. Auf den Klappsitzen hinter der Fahrerkabine saßen mehrere Jugendliche, die unsere Anwesenheit bemerkten. Es folgte, was nicht weiter schlimm ist, weil man als Jugendliche/r halt manchmal so ist, das übliche Gegackere und Gewiehere, weil da zwei Lesben standen. Welcher Satz mich aber traf war, dass ein Junge den anderen gefragt hat, ob er denn Homos kennen würde und er angewidert antwortete "Nee, wenn ich so etwas (zeigte auf uns) kennen würde, würde ich mich sofort erschießen!"[/list]

Häufiger kommen Schimpfwörter wie Assi, Fette Sau, Fette gleichgeschlechtliche Frau, gepaart mit anderen Adjektiven, fette *beep*, Behinderte, H*re, N*tte, F*tze und noch andere Wörter. Wie oben bereits geschrieben, kommen solche Ausdrücke auch von vermeintlich gebildeten Leuten. Leider auch oft von Familienvätern, die ihre Kinder daneben stehen haben und bedroht sehen, weil das Kind beispielsweise in einen reingelaufen ist und man nicht rechtzeitig Platz machen konnte oder eben weil sie Angst haben, man könnte die Kinder gleichgeschlechtlich machen (alles schon gehabt).

Und gerade Eltern, die ihre Kinder dabei haben... Da fällt es mir manchmal echt schwer, da nicht so eine Art Eltern-Feindlichkeit zu entwickeln:

Einmal war ich in einem Lagerverkauf für Lebensmittel. Da stand ein Mann mit seiner Frau und seinem Kind im Einkaufswagen mitten im Gang, so dass ich höflich fragte, ob ich vorbei dürfte. Es kam keine Reaktion und die Wege im Gebäude sind so ausgelegt, dass es nur diesen einen Hauptweg gibt, andernfalls hätte ich über die Eistruhen rüberlaufen müssen. Also fragte ich wieder höflich, dieses Mal lauter. Wieder keine Reaktion, die Eltern unterhielten sich weiter über den möglichen Kauf einer 500 g Familienpackung Margarine. Ich bin dann so, dass, wenn ich mehrere Male höflich und freundlich frage u. man mich auch nach einer lauten Bitte, mich durchzulassen, weiterhin ignoriert, mich durchschlängele. So auch in dieser Situation. Der Mann (sehr gepflegte Erscheinung), packte mich am Arm und beschimpfte mich als fette Sau und hässliche gleichgeschlechtliche Frau, fragte mich, was mein Problem sei. Ich sagte ihm, dass er offensichtlich das Problem hätte, wenn er mich gleich grob anpackt und beschimpft. Daraufhin wurde er noch wütender und beschimpfte mich durch den ganzen Laden.

Meine Frau und ich saßen in einem Restaurant und aßen etwas. Neben uns am Tisch saß eine vierköpfige Familie: Mutter, Vater und zwei kleine Mädchen im Grundschulalter. Die beiden Mädchen starrten oft zu uns rüber und wirkten schüchtern, macht nichts. Wenn Kinder etwas (zum Beispiel Leute einer gewissen Personengruppenzugehörigkeit) nicht kennen, dann starren sie eben - so sind Kinder halt. Habe ja auch eine kleine Nichte. Irgendwann dauerte das Gestarre immer länger (ca. 20 Minuten, mit kleinen Pausen dazwischen) und wurde immer intensiver, bis ich das eine Mädchen, das mir schräg gegenüber saß, fragte, ob alles in Ordnung sei. Die Kleine schüttelte schüchtern den Kopf und die Eltern schauten mich empört an. Nach fünf Minuten weiteren Starrens tippte das kleine Mädchen ihren Vater an und flüsterte etwas in sein Ohr. Das erregte die Aufmerksamkeit der Mutter, die neben dem Vater saß (sie saßen zu dritt auf einer Eckbank) und diese fragte den Vater, was denn die Kleine gesagt hätte. Er wiederum sagte, dass die Kleine der Meinung sei, wir würden wie die Schweine fressen. Die Mutter grinste, schaute uns an und sagte nur "Tja, Kindermund tut halt Wahrheit kund." Wir hatten ganz normal gegessen, wie jeder Andere auch! Ich war total wütend auf diese Eltern, weil sie ihren Töchtern ein Weltbild vermittelten, dass es okay ist, andere Leute so zu titulieren. Wäre das meine Tochter gewesen, hätte ich ihr gesagt, dass man so etwas nicht im Restaurant sagt, wenn andere Leute das hören können. Ich meinte daraufhin lauter zu meiner Frau, dass ich es schade finde, dass einige Eltern ihren Kindern zwar Bildung, aber keine Weltoffenheit vermitteln wollen oder können. Der Vater sah dann auch schnell zu, dass er die Rechnung bezahlte und die Familie war dann auch schnell draußen.

Oder dass ich in meinem gentrifizierten Stadtteil unterwegs bin, auf dem Wochenmarkt einkaufe und als "Assi" tituliert werde, von rastabelockten Leuten und Hipstern, die vom Alter her meine kleinen Geschwister sein könnten (werde 29).

Wie ergeht es euch denn? Wie habt ihr es geschafft, falls gegeben, ein permanentes dickes Fell entwickeln zu können?

Viele Grüße,

Schokoschnepfe

PS: Rechtschreib- und Grammatikfehler schulde ich der späten Stunde zu

05.07.2014 23:49 • 06.07.2014 #1


8 Antworten ↓


Schlaflose
Ich habe so etwas noch nie erlebt und auch nie mitbekommen, dass andere auf diese Weise beleidigt wurden, egal wie sie aussahen. Wenn jemand wirklich total auffällig aussieht, schaut man ihm natürlich hinterher und es wird auch mal eine Bemerkung gemacht oder gelacht, aber immer erst, wenn derjenige schon vorbei ist und es nicht mitbekommt.
Woran merken denn die Leute eigentlich, dass ihr ein gleichgeschlechtlich Paar seid, z.B. im Restaurant? Ich muss ehrlich sagen, mir ist noch ein gleichgeschlechtlich Paar aufgefallen. Ich meine, wenn man sich nicht gerade in aller Öffentlichkeit abknutscht, dürfte das doch gar nicht auffallen.

06.07.2014 07:50 • #2



Beleidigt u beschimpft werden von Fremden

x 3


Ich habe selbst eine zeitlang in einer gleichgeschlechtlich Beziehung gelebt und habe auch einige gleichgeschlechtlich und gleichgeschlechtlich Pärchen in meinem Bekanntenkreis, mit denen ich schon zusammen aus war. Selbst im tiefsten Oberbayern (nix gegen die Oberbayern - sie werden hier nur symbolisch genannt) habe ich sowas nicht erlebt.

Wenn ich nicht gerade ein T-Shirt trage auf dem steht "I love les bisch!" oder "Hetero sucks!" oder die Regenbogen-Flagge schwenke, erkennt doch nun wirklich niemand, dass man gleichgeschlechtlich ist und schon gar keine Kinder.
Und wenn zwei Frauen miteinander knutschen... yöy,da geht bei manchem Kerl doch voll das Kopfkino ab. Da wird man vielleicht als ero. begafft, aber nicht beschimpft.
Sollten Kinder dabei sein, gebietet es einfach der Anstand, da keine Knutsch-Show abzuziehen. Da würde ich auch bei jedem Hetero-Paar grantig.
Kann es vielleicht sein, dass ihr mit anderen Verhaltensweisen aufgefallen seid oder über eure Kleidung?
Neulich war ich mit Freunden essen und da war so ein Goth-Paar (kann auch was anderes gewesen sein) unterwegs. Er hatte nen Plug in der Unter-Lippe und mindestens 10 Oberlippen-Piercings. Ich muss gestehen, da hab ich auch gestarrt. Ich war einfach neugierig, wie der isst und ob man da nicht in Gefahr schwebt, sich mit der Gabel zu verletzen. Und die anwesenden Kinder stellten natürlich Fragen und zwar sehr sachlich. Ich finde das auch nicht schlimm.
Wenn ich um jeden Preis auffallen will, muss ich auch damit leben, dass ich anderen auffalle.

06.07.2014 08:10 • #3


Ich war mal mit einer Freundin ( gleichgeschlechtliche Frau) auf dem CSD, dort waren wir bald in einer Gruppe von Lesben unterwegs und hatten unseren Spass. Irgendwann fragte man mich, mit wem ich denn zusammen sei, als ich antwortete, das ich in einer festen Beziehung mit einem Mann lebe und Kinder habe, habe ich doch erheblichen Spott und hohn geerntet...das hat mich schon geärgert und verwundert...
Generell ist mir diese Feindseligkeit in der Gesellschaft aber auch aufgefallen, alles, was nicht der Norm entspricht, wird niedergemacht. Wieviele hier gehen denn bitte schon offen mit ihren Problemen um?
Ich selber sehe mich auch öfters anfeindungen und dummen Sprüchen ausgesetzt, das liegt daran, dass ich erheblich jünger aussehe, als ich bin. Ich bin jetzt 38 , werde aber immer auf Anfang Mitte 20 geschätzt, da ich zwei Kinder habe( der älteste ist 12), wird mir unterstellt, ich wäre wohl frühreif gewesen...und wenn Kinder Kinder kriegen usw... auch die ewigen fragen nach meinem Ausweis, wenn ich zB Wein kaufen möchte oder in die Disko nerven nur...und dumme Sprüche kommen zuhauf.
Zum dicken Fell kann ich dir nix raten, bei mir ist das doch sehr Tagesform abhängig, ein patentrezept oder nen tollen universalspruch hab ich leider auch nicht.
Generell braucht man aber ein gesundes Selbstbewusstsein.
Lg

06.07.2014 08:23 • #4


Also zum Thema auffallen... es gibt ja butcher und lipsticklesben, soviel ich weiss. Die lipsticks fallen mir persönlich auch nicht aus, eben weil sie ja aussehen wie normale Frauen, was kleidung, haare, schminke angeht.Die butchers fallen mir aber auch immer sofort auf, schon von der Erscheinung, meistens kräftig, eher männlich auch von Kleidung und Frisur. Natürlich fällt man auf, aber bestimmt nicht, weil man sich asi in der Öffentlichkeit benimmt. Meine Kinder fragen auch ab und an, ob das dann ein Mann oder eine Frau ist oder eine Frau, die aber männlicher aussieht, als so mancher Mann. Bei kleinen Kindern kann das durchaus für Verwirrung sorgen...ich bin ein toleranter Mensch und versuche das auch meinen Kindern beizubringen. Lg

06.07.2014 08:33 • #5


Auffallen wollen oder nicht - ich glaube das ist ein wichtiger Punkt. Ein guter Bekannter von mir ist gleichgeschlechtlich, lebt mit seinem Partner seit mehr als 10 Jahren in einer festen Beziehung. Beide wollen nicht auffallen, aber nicht weil sie Angst vor anfeindungen haben, sie sind ziemlich selbstbewußt und der eine ist einer starker Muskelmann. Sie haben einfach kein Interesse dran. Mit der "Szene" haben die absolut nichts im Sinn. CSD ? Da denken die nicht im Traum dran. Wir sind "seriöse gleichgeschlechtlich" hieß es mal - und das war kein Scherz. Die beiden lästern sehr gern und boshaft über die schrillen Szene Typen.

06.07.2014 09:52 • #6


Also ich habe so was noch nie erlebt, dass man so intolerant mit Lebsen oder gleichgeschlechtlich umgeht.
Aber natürlich weiß ich dass es genügend engstirnige Menschen auf dieser Welt gibt.

Trotzdem muss ich sagen dass ich es merkwürdig finde wie oft Dir das passiert und in welcher Form.

Hat es vieleicht gar nicht damit zu tun dass Du gleichgeschlechtlich bist ?

Kann es sein dass Du Dich, völlig unbewusst, negativ auffällig verhälst ?

Das ist jetzt nur eine Frage. Möchte Dir das keinesfalls unterstellen.

06.07.2014 10:40 • #7


Guten Abend,

Danke für eure Antworten.

Anscheinend wird mein Thread zu 95 % auf meine gleichgeschlechtlich reduziert. Das finde ich ein bisschen amüsant, weil der Thread-Inhalt nicht explizit um das Zurschaustellen einer gewissen Lebenseinstellung und die daraus folgenden Reaktionen von meiner Umwelt auf mich ging, sondern eher darum, wie man damit umgehen kann, dass man auch wegen alltäglicher Sachen (Figur, angeblicher sozialer Herkunft, etc.) "einfach so" (aus Frust, Angst, etc.) beleidigt und bedroht wird. Sommerblume hat da schon schöne Gedankengänge und tolle Tipps gegeben, Danke an dieser Stelle

Ich habe natürlich einerseits auch schon darüber nachgedacht, ob es an mir liegen könnte, warum es so ist, wie es ist. Das war, als es mir sehr arg auffiel, einer meiner ersten Gedankengänge und habe meinen Alltag, in dem ich mich im Zusammenhang mit fremden Leuten bewege, mal genauer beobachtet. Andererseits bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich mich den gesellschaftlichen Verhaltensnormen entsprechend benehme- wenn ich Jemanden aus Versehen anrempele, entschuldige ich mich, wenn mir Jemand die Tür aufhält, bedanke ich mich und so weiter. Auch trage ich keine auffällige Kleidung oder gar Regenbogen-Accessoires mit mir herum, ich trage meistens Jeans, sportliche Schuhe und ein passendes Oberteil mit einem Schal. Meine Haare sind weder auffallend gefärbt noch frisiert. Mein Stechkanal vom Piercing an der Lippe ist mir seit vielen Jahren heraus gewachsen, dementsprechend habe ich auch kein Metall im Gesicht

Nein, ich denke, es ist im Großen und Ganzen die Mediengläubigkeit. Dass eben Randgruppen (nicht nur gleichgeschlechtlich, Lesben, bi., sondern auch Behinderte, Psychisch Kranke, oh Überraschung das in einem Forum für Leute mit überwiegend psychischen Problemen zu schreiben) und Leute, die nicht der Schönheitsnorm entsprechen in den gängigen Medien zur Belustigung, für den Voyeurismus und zur Beruhigung des Gewissens im Fernsehen wie Freaks vorgeführt werden. Zum Anderen sind es fehlende Berührungspunkte zwischen den einzelnen Gesellschaftsschichten beziehungsweise auch der allgemeine wachsende Narzissmus in der Gesellschaft. Wer da nicht mithalten kann, wird dementsprechend, wenn auch nicht immer und überall, behandelt.

Dadurch ist es, gerade für mediengläubige Leute, leichter solche Klischees anzunehmen. Dadurch, dass es durch die bessere Vernetzung in unserer Welt durch das Internet gängig geworden ist, andere Leute bloßzustellen, sind viele Leute offensichtlich auch der Meinung, dass es legitim ist, Jemanden außerhalb der virtuellen Welt, also im realen Leben, zu beschimpfen - weil sie/er dick, hässlich, vernarbt oder depressiv ist.

Allen, die es nicht kennen, sei es gegönnt.

Viele Grüße,

Schokoschnepfe

06.07.2014 20:15 • #8


Okay, dann haben wir das alle falsch verstanden, allerdings habe ich beim Lesen deines Beitrages auch jetzt noch das Gefühl, als hättest du dein Gewicht vor allem auf deine sexuelle Orientierung gelegt.

Jetzt wo du deinen Gedankenanstoß aber noch mal präzisierst, gehe ich da voll mit.

Ich bin zwar der Ansicht, gelästert wurde zu allen Zeiten und zwar heftig, da ist unsere Zeit nicht schlimmer als andere. Aber das Gelästere heute ist einfach anders aufbereitet. Es ist eben nicht nur auf einen kleinen Kreis beschränkt, der dich auch wirklich kennt und einschätzen kann und das Gesagte als Lästerei deuten kann, sondern wird an eine weltweite Öffentlichkeit weitergegeben, an Menschen die denjenigen über den "gelästert" wurde nicht kennen und die das Gesagte dann als Tatsache auffassen, was einfach auch gefährliche Konsequenzen haben kann. Darüber sind sich viele nur nicht klar.

Und ich beobachte wie du eine allgemeine Verrohung oder Verprollung, gerade unter jungen Frauen. Da scheint es (möglicherweise durch das ganze Thrash-TV am Nachmittag) mittlerweile Mode zu sein, sich möglichst nuttig und asozial zu geben und sein eigenes niedriges Selbstwertgefühl zu heben, indem man sich ganz bewusst nicht an feingeistigen und gebildeten Menschen orientiert, sondern eher zu denen ganz unten herablässt und dann auf denen rumhackt, auf deren Ebene man ursprünglich war. So garantiert man sich nämlich selbst den Aufstieg, wenn man wieder auf seine soziale Ebene von ganz unten wieder zurückkehrt.


Bei den etwas älteren Frauen, so 25+ geht genau das gleiche im Internet ab, auch da hab ich in meinem Bekanntenkreis (und der ist bei mir eigentlich eher konservativ), es besteht ein interner Wettbewerb wer das prolligtse und versauteste Fratzenbuch hat. Vorm Schreiben oder Hochladen zu denken, scheint echt nicht mehr angesagt zu sein. Ich vermisse da selbst unter gestandenen Akademikern oft soziale Kompetenz, - Medienkompetenz sowieso.

Scheinbar denken die sich, weil's andere machen, mach ich es auch. Ist doch witzig, die auf der Geburtstagsparty besoffene Freundin bei Fb hochzuladen oder ein Bild vom Kollegen mit Klopapier an der Hose. Dass Fb und Co. nicht nur Massenmedien sind, sondern auch noch überlebenslange öffentliche Archive führen, verdrängen die meisten.

Mich ärgert es, dass man selbst, wenn man wie ich da nicht mal ein Profil hat, der Präsenz dort nicht entgehen kann, weil meine Freunde da munter über mich posten. Wie das erst mit GoogleGlass et al. wird, mag ich mir gar nicht ausmalen. Ich fürchte den Totalverlust der Privatsphäre und aller Persönlichkeitsrechte.

Die einzige Hoffnung die ich habe, ist, dass wenn dann überall Peinlichkeiten und Fettnäpfchen auf jeden warten und jeder auch mal nen mist über sich ergehen lassen musste, dass das irgendwann niemanden mehr interessiert. Vielleicht setzt dann endlich ein Umdenken hin zu alten Werten ein, als Achtung und Respekt voreinander noch eine Tugend war.

06.07.2014 20:53 • #9




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag