Pfeil rechts
3

Ich bin hier um einfach mal nieder zu schreiben was mich bewegt, Meinungen zu hören und Ratschläge zu bekommen.
Zur Vorgeschichte: Die letzten 3 Jahre waren für mich beruflich sehr stressig. Es gab vielerlei Symptome, die ich persönlich nicht unbedingt einem Burnout zugeschrieben habe. Angefangen hatte alles mit sehr häufigen Kopfschmerzen, Nackenverspannungen, Übelkeit und Verdauungsproblemen. Ich leide seit meiner Kindheit an Migräne und daher habe ich diese Symptome der Migräne zugeschrieben. Erst viel später kamen dann häufiger Tachykardien bis zu 160 Schläge pro Minute und eine Spannungshypertonie bis systolisch 190 und diastolisch 115 hinzu. In diesem Zeitraum begannen dann die Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Sehr häufig bin ich in dieser Zeit nachts aufgewacht und hatte sogenannte "Anlaufschwierigkeiten" - die ich nicht als Tremor bezeichnen würde, sondern eher als innerliches Vibrieren am ganzen Körper. Ich habe komplett auf Medikamente verzichtet, weil ich der Meinung bin, dass die Ursache bekämpft werden musste, die mich in diesen "Zustand" gebracht hatte. Ich habe mich hingesetzt, mein Leben systematisch auseinander gepflückt und nach "Baustellen" gesucht und auch gefunden. Menschen in meinem näheren Umfeld bezeichnen mich als selbstbewusste, wissbegierige Powerfrau, eine Macherin. Von allen Seiten habe ich zu hören bekommen, ich soll mich zurück nehmen, mal an mich denken, ansonsten würde ich irgendwann gesundheitlich kaputtgehen. Irgendwann kam dann auch der Tag, an dem nichts mehr ging.
Ich und zu Hause, still halten und nichts tun, ging gar nicht. Ich habe tagelang mit Kaffee am Dachfenster gesessen und mir Gedanken gemacht, eine Tabelle gemacht mit "Gut" und "Schlecht" - und mir dann explizit einen Plan entworfen was sich ändern musste. Es funktionierte und es ging mir zusehends besser.
Jetzt bin ich wieder im Berufsleben und bis gestern war alles bestens bis der Anruf meiner Schwester kam mit der Botschaft, dass mein Schwager einen sehr schlimmen Unfall hatte, der sein Leben verändert und wobei er sein rechtes Auge verloren hat.
Schlagartig sind alle Symptome wieder da. Mir geht es heute sehr schlecht, Herzrasen, Schweißausbrüche, Schwindel, Hautjucken und ein viel zu hoher Blutdruck. Die Angst wieder von vorn anfangen zu müssen ist riesengroß.

13.02.2016 18:49 • 15.02.2016 #1


23 Antworten ↓


Ich nehme mal nicht an, dass die heutigen Symptome mit Burnout zu tun haben! Hast du ein enges Verhältnis zu deiner Schwester bzw. Schwager?

13.02.2016 20:27 • #2



Angst vor Burnout-Rückfall

x 3


Ich weiß worauf Du hinaus möchtest. Ja habe ich. Ein sehr gutes Verhältnis sogar.

13.02.2016 20:54 • #3


Macht es dir was aus zu schreiben wie der Unfall passiert ist und deine Gedanken dazu? Ich erkläre dir später warum!

13.02.2016 21:26 • #4


Meine Schwester ist 9 Jahre älter als ich. Als ich 9 Jahre alt war ist sie zum studieren in eine größere Stadt gezogen. Wir hatten ein sehr enges Verhältnis. Am Anfang als sie weg war habe ich mit ihrem Pullover geschlafen, weil ich sie vermisst hatte. Schon sehr lange her, aber so war das damals.
Heute hat sie mit ihrem Mann, also meinem Schwager, unser Elternhaus um- und ausgebaut. Am Unfalltag war ihr Sohn aus der Schweiz zu Besuch, der in seinem Zimmer unter dem Dach am PC saß. Meine Schwester ist einkaufen gefahren. Mein Schwager hatte sich mit einem Nachbarn Holz aus dem Wald geholt. Die meisten Siedlungshäuser haben einen Kamin. Er wollte mit der Kreissäge Holz sägen. Also mein Neffe in seinem Zimmer, meine Schwester einkaufen und mein Schwager allein in der Werkstatt. Mein Neffe hat sich eine ganze Weile gewundert, dass die Kreissäge freiläuft, also ohne Sägegeräusche und ist nachschauen gegangen. Mein Schwager lag in der Tür blutüberströmt. Verletzt also aufgeschnitten vom Kiefer bis zum Schädel. Nicht mehr ansprechbar, röchelnd und war am krampfen. Keiner weiß wie es passiert ist, aber er ist mit dem Gesicht in die Kreissäge gefallen. Mein Neffe war allein. Er hat den Rettungsdienst gerufen, sich um seinen Vater gekümmert, ihn immer wieder aufgefordert, dass er atmen soll, meine Schwester angerufen, den Rettungsdienst geholfen indem er die Beine von meinem Schwager gegen seinen Körper gestemmt hat und hat noch die Infusionsbeutel gehalten. Mit dem Hubschrauber haben sie ihn dann gleich in die nächst größere UNI geflogen und 10 Stunden operiert. Er hat ein offenes Schädelhirntrauma, Titanplatten und Titannetze auf der rechten Gesichtshälfte, Kiefer und Wagenknochen mussten rekonstruiert werden und er hat sein rechtes Auge dadurch verloren.

13.02.2016 22:10 • #5


Ich bekomme obwohl ich nicht dabei war die Bilder nicht aus dem Kopf. Mein Schwager ist kein einfacher Mensch, aber ich weiß dass meine Schwester ihrem Mann wirklich liebt. Sie ist momentan krank geschrieben und am Telefon war sie mächtig fertig mit den Nerven. Sie hat mich auch gebeten, das Telefongespräch erst einmal zu beenden weil sie nicht mehr konnte. Meine Gedanken ? Das krieg ich hier momentan nicht hin. Sorry

13.02.2016 22:19 • #6


Bin sprachlos, ganz harter Tobak. Fühl dich von mir gedrückt Am Telefon, also wohnt deine Schwester nicht um die Ecke?

13.02.2016 23:11 • x 1 #7


Icefalki
Liebe Citrix, du hast jetzt keine Burnout, sondern einen richtigen Schock mit Angst. Das ist echt. Und belastend und schrecklich.

Und wäre ich noch selbst in meinem Symptomen, könnte ich dir gar nicht schreiben..

Versuch jetzt ganz fest in der Realität zu bleiben. Es ist bereits geschehen, er wurde bereits operiert, er ist am Leben.

Deine Schwester, deine ganze Familie muss diesen Schicksalsschlag ertragen lernen, wie wir und jetzt auch wieder du, dass das Leben ein Risiko ist.

Aber wie bei dir, als du krank wurdest, betraf es dich ganz allein. Gefühlt. Du hast auch gekämpft, verändert, wieder neuen Fuß gefasst.

Das wird auch dein Schwager wieder lernen müssen, deine Schwester, die Familie.

Es nützt dir also nichts, gefühlsmäßig wieder in die Angst zu gleiten. Du hast einen Schock, das akzeptiere. Und, genauso wie deine Krankheit, ändert es überhaupt nichts, wenn du emphatisch den Unfall durchlebest. Es ist nicht dein Unfall.

Ich will die Situation nicht schmälern, es ist schrecklich, aber nicht du bist es.

Verstehst du, was ich dir sagen will? Weine mit deiner Schwester, unterstütze sie, aber es ist nicht dein Unfall, es ist das Schicksal deines Schwagers.

Geh da innerlich raus, wir sind da sehr zerbrechlich. Das ist sehr wichtig.

13.02.2016 23:50 • x 1 #8


Nein, tut sie nicht. Ich weiß noch als sie sich kennengelernt haben und sie von seinen Augen und seiner Augenfarbe geschwärmt hat. Sie wird ihm nie wieder verliebt in beide Augen sehen können. Aber noch viel schlimmer. ER ist ein absoluter Naturfreund, hat einen großen Garten, hat sich über jede neue Pflanze, jeden Spross gefreut. Beim Schwesterntreffen den Grill im Garten in Gang gebracht und mir stolz seine ganzen Blumen und Sträucher gezeigt. Für den Rest seines Lebens wird er nie wieder so räumlich sehen können wie er es gewohnt war. Er hat sich so oft mit den Augen gefreut und mir blutet das Herz bei der Vorstellung, wenn er das erste Mal in den Spiegel sehen wird. Für mich bleibt er mein Schwager wie er immer war und ich habe kein Problem ihm ins Gesicht zu sehen und mit ihm offen darüber zu reden.
@ Icefalki, Du hast recht. Er lebt, er ist noch da und das ist wichtig !

14.02.2016 00:13 • #9


Geht es dir jetzt besser? Jedenfalls kann deine Schwester auf dich sehr stolz sein, nicht nur Powerfrau, du hast Empathie und die Fähigkeit von allein den richtigen Weg zu finden! Freunde?

14.02.2016 00:41 • x 1 #10


Ich glaube allein das Schreiben hat gut getan.

14.02.2016 01:00 • #11


Wenn du noch nicht zu müde bist; verrate mir mal dein Geheimrezept wie du es aus dem Burnout geschafft hast?

14.02.2016 01:13 • #12


Aber nicht lachen Burnout heißt ja nichts anderes als Negativstress ! Eigentlich, so denke ich, ist Burnout nichts anderes als das im Hirn kein Gleichgewicht besteht zwischen positivem und negativem Stress. Also habe ich angefangen mein Leben zu überdenken.

14.02.2016 01:22 • #13


Geht es genauer, ausführlicher?

14.02.2016 01:26 • #14


Am Anfang war es Papierkram. Ich glaube ich brauchte das einfach, weil ich so fix und fertig war und so durcheinander, ich musste einfach Ordnung machen. Also habe ich mir eine Uhr aufgezeichnet und geschaut wie mein Tagesablauf aussieht. Da waren schon eine Menge Defizite. Aus dem Grund fing ich dann an mir über meine ganzen Aktivitäten Gedanken zu machen. Im Endeffekt was wirklich wichtig war und was ich auch bleiben lassen konnte. Dann fing ich an, an meiner Struktur zu feilen, weil ich feststellen musste, dass vieles auch eine Frage von Organisation ist.
Irgendwann war der ganze Esstisch voller Zettel mit Notizen. Ich hab aufgeschrieben was ich in der nächsten Zeit erreichen wollte, also Nahziele und auch ein paar Fernziele, habe die Voraussetzungen dafür ganz klar definiert und in der Gegenwart gleichzeitig geschaut was mich davon abhält und was gut zu meinen Zielen passte. Dabei fiel mir dann auf, dass es Menschen gab, die mich ebenfalls auf irgend eine Weise davon abhielten. Entweder habe ich sie entsorgt oder mit ihnen darüber gesprochen und einen gemeinsamen Nenner gesucht. Klingt schlimm, ist es aber nicht. Beispielsweise habe ich überall meine Freundeslisten auf das Minimum reduziert und die, die geblieben sind können sich jetzt auch mal anstrengen zu zeigen ob sie an meiner Freundschaft interessiert sind. Ich glaube, dass es auch unwahrscheinlich wichtig ist, dass man sich selber gefällt und gesundheitlich fit ist. Also Crosstrainer ins Gästezimmer, MCFit-Karte und Sport treiben. Was mir heute wichtig ist, Sport, ausreichend Ruhephasen, relaxen, kreativ sein, alles was mir persönlich Spaß macht und eine einigermaßen gesunde Ernährung.

14.02.2016 01:45 • #15


Und deine Ziele?

14.02.2016 01:55 • #16


Du hast es nicht verstanden ! Das Ziel oder die Ziele sind, dass man anfängt sich einen Plan zu machen, was man möchte, sich Ziele steckt. Anfängt sein Leben zu selektieren, was bleiben kann und was unnötig ist. Gleichzeitig schaut was einen zu diesen Zielen bringt und was hemmt.
Sich die Menschen in seinem eigenen Umfeld näher betrachtet, sind es Menschen, die auf meiner Seite stehen oder sind es Schmarotzer die mir die Lebensenergie rauben und sich trotzdem als Freund bezeichnen. Im Endeffekt muss man lernen egoistischer zu werden, sich nicht mit der Vergangenheit zu befassen und in meinem Fall, nicht mit Leuten wo ich keinerlei Bezug habe. Wenn ich also den Ballast weglasse und mich nur auf das Wesentliche konzentriere und es noch schaffe meinen Körper und meinen Geist zu pflegen, sprich Input zu geben, zu fördern und gleichzeitig durch Ruhephasen zu pflegen, sich regenerieren zu lassen, dann bleibe ich auch gesund. Man muss sich vom Müll befreien, man muss ganz genau schauen was und wen man an sich ranlässt.
Mit einem Satz: Man muss sich lieben lernen um es sich wert zu sein auf sich selbst aufzupassen ! Klingt blöd, ist aber so !
Ich geh jetzt in die Waagerechte, ein bisschen fernsehen, ausruhen.
Danke HOSS bis die Tage Schlaf gut

14.02.2016 02:07 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Du bist eine schlaue Frau! Das Thema weiten wir beide noch aus! Ich mag dich


Gute Nacht für heute!

14.02.2016 02:21 • #18


Warum keine PN? Schlaflos?

14.02.2016 03:21 • #19


Ich mag Dich, ist eigentlich mein Satz
Ich mag keine PN's, sind ja jetzt Freunde, können ja unseren eigenen Thread einrichten
Schlafen geht schlecht, zuviel im Kopf.

14.02.2016 03:27 • #20



x 4


Pfeil rechts