Zitat von Julischka85:allerdings sind sie auch nicht wirklich hilfreich, weil du nur sagst wie es sein sollte aber nicht wie man dort hinkommt oder praxisnah sind
Aber genau das ist der Weg: Sich verbieten, negativ zu denken. Sich zwingen, die Phantasiespirale zu durchbrechen und sich nicht den Angstgedanken hingeben. Und nein: Man ist diesen nicht ausgeliefert.
Der Verstand ist das einzige Mittel, das man hat, um sich zu wehren. Gegen die eigenen Gedanken kann man nur andere eigene Gedanken setzen. Wie soll es denn anders funktionieren?
Das Problem ist, dass das Hirn automatisierte Prozesse liebt. Sie erleichtern ihm die Arbeit und sparen ihm somit Energie. Und auch wenn es sich für uns anders anfühlt, ist das Verharren in den Angstgedanken ein müheloser Vorgang. Je öfter wir ihn zulassen, umso besser geölt greifen die Rädchen ineinander.
Weil es so viel anstrengender ist, den negativen Gedankenstrom zu stoppen und durch positive Gedanken zu ersetzen, weigert sich das Gehirn. Die körperlichen Signale werden durch den Stress ausgelöst, den wir selbst erzeugen. Sobald sie da sind, machen sie weiteren Stress und weitere negative Gedanken. Damit schließt sich der Kreis.
Mein Weg aus dieser Spirale hat genau so funktioniert: mich zwingen, nicht weiterzudenken, sobald auch nur der Ansatz eines Angstgedanken aufgetaucht ist. Stattdessen sofort die äußere Situation verändern. Ruhe hat sich als äußerst negativ erwiesen. Zu viel Muße, um in mich reinzuhorchen., zu viel Raum für Denkspielchen.
In dieser Zeit bin ich mitten in der Nacht aufgestanden und draußen rumgelaufen, um nicht in die Denkspirale zu fallen, wenn ich angstvoll oder panisch aufgewacht bin. Dabei habe ich gezählt, rückwärts buchstabiert, Gedichte gelernt oder aufgesagt, Vokabeln gepaukt.
*Positiv denken* heißt also nicht zwingend, von weißen Ponys in Mohnblumenfeldern zu träumen oder sich zu sagen, dass alles gut ist. Das hat zumindest bei mir In akuter Angst nicht geklappt. Je mechanischer ich mein Hirn beschäftigt habe, umso besser ging es. Wirklich positiv verstärkt habe ich mich immer dann, wenn ich aus einer Panikattacke draußen war.
Ich war permanent aktiv. Mein Haushalt ist seither in Topform. Jeder Winkel wurde aufgeräumt, der Keller geputzt, die Abstellkammer auf Vordermann gebracht. Und ich habe begonnen, täglich Sport zu machen . Meist begleitet von einer körperlichen Symptomen, die an Heftigkeit zunahmen, je mehr ich gegen die Angst gekämpft habe.
Es hat.Monate gedauert, bis sich eine leichte Besserung zeigte. Aber sie kam. Der Weg ist in meinem unten verlinkten Tagebuch beschrieben.
Und ja: Es ist brutal anstrengend. In der Angst zu bleiben ist leichter.