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lisi29
Hallo Zusammen,

ich hoffe, dass es hierzu noch kein Thema gibt. Bei meiner Suche habe ich zumindest nichts dazu gefunden.

Ich leide seit ca. 10 Jahren an Hyperhidrose am ganzen Körper, die sich jährlich verschlimmert.
Die meisten Ärzte haben das abgetan oder nicht ernst genommen, sodass ich schon fast resigniert habe und dachte, mit dem Problem leben zu müssen

Im Sommer war ich oft nicht in der Lage das Haus zu verlassen, kleinste Anstrengungen haben zu starkem Schwitzen vor allem im Gesicht, unter den Armen und am Rücken geführt. April- September waren für mich jedes Jahr eine einzige Katastrophe. Alle Menschen um einem herum genießen den Sommer und ich selbst habe mich dauerhaft nur unwohl gefühlt. In den kälteren Monaten bin ich Gott sei Dank noch relativ gut dran.

Letztes Jahr habe ich dann Anfang Juni einen Termin bei Dr. Schick in München bekommen, soweit ich weiß der einzige Arzt in Deutschland, der sich auf Hyperhidrose spezialisiert hat. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dort einen Termin geben zu lassen, wenn man nicht mehr weiter weiß.

Zuerst hat er eine Therapie mit dem allseits bekannten Vagantin empfohlen. Das Problem war bei mir, dass die Wirkungsdauer und die Intensität der Wirkung selbst unter gleichen Bedingungen bei der Einnahme (selbe Uhrzeit/ leerer Magen) absolut unterschiedlich waren und ich somit manchmal überhaupt keine Wirkung gespürt habe, an anderen Tagen dagegen so stark, dass auch die Nebenwirkungen entsprechend stärker waren. Das war bei mir zwar vorrangig nur Mundtrockenheit, aber die dann teilweise so stark, dass ich ohne einen Schluck Wasser gar nicht mehr sprechen konnte.

Sormodren war das nächste, was ich ausprobiert habe. Hier hatte ich als Nebenwirkung leichte Sehprobleme und die Wirkung gegen das Schwitzen ist nicht im gewünschten Maße eingetreten.

Der dritte Ansatz ist nun das Medikament Oxybutin, ebenfalls ein Anticholinergikum. Ich nehme es jetzt erst seit zwei Wochen, aber habe das Gefühl, dass es gut wirkt. Die Mundtrockenheit als Nebenwirkung ist im Gegensatz zu Vagantin sehr gering, fällt teilweise sogar gar nicht auf. Eine Tablette scheint momentan einen halben Tag mindestens zu wirken (beim Vagantin hätte ich da schon mehr gebraucht). Letzte Woche waren es bei uns schon 25 Grad -die ersten warmen Tage dieses Jahr- und ich muss sagen, ich hatte keine Probleme. Leichtes Schwitzen unter den Achseln, was aber bei jedem anderen an diesem Tag auch vorgekommen wäre.
Heute war ich im Fitnessstudio - und auch hier nur leichtes, für den Sport absolut angemessenes Schwitzen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich fühle mich damit jetzt sehr wohl, und das, obwohl ich vorher am Rande der Verzweiflung war.

Jedes Medikament wirkt bei jedem anders. Ich habe bei Sormodren zum Beispiel nie irgendwelche "Horror- Nebenwirkungen" gehabt, wie ich es schon in einigen Berichten gelesen habe. Daher bin ich der Meinung, ausprobieren, natürlich nur unter ärtzlicher Beratung, ist wirklich sinnvoll.

Auf Oxybutin wäre ich alleine nie gekommen, da ich trotzdessen, dass ich viel in Foren rumgeschaut habe, noch nichts davon gehört hatte. Wie gesagt, ein Besuch bei Dr. Schick würde ich daher sehr empfehlen. Er kennt alle möglichen Therapieansätze.

Grüße, Lisi

17.04.2015 20:57 • 24.08.2015 #1


2 Antworten ↓


trissue
hallo liebe lisi29
habe gerade deinen thread gelesen. ich leide selbst seit ich ein teenie bin unter hyperhidrose. meinen thread kann man hier irgendwo finden. ich habe mich mittlerweile damit abgefunden. da mir damals der vorgesetzte von der krankenkasse erzählte. das sei normal, jeder würde schwitzen. er auch, wenn er vorträge halten würde. und mein damaliger hautarzt sagte er sei kein bürokratenhengst. nach einer ausschabung unter den axeln, aliminiumchlorid, somordren und vagantin. und zum schluß eine botoxbehandlung. die mir letztendlich geholfen hat, aber leider nach einmaliger behandlung nicht mehr bezahlt worden ist. da die es ja keine lebensbedrohliche krankheit wäre. habe ich mich weitgehend von der gesellschaft zurück gezogen. und tragen nur noch kleidung, wo man es nicht sieht. jedes jahr auf neue ein spießroutenlauf.
da ich das medikament von dir gelesen habe oxybutin, taucht bei mir jetzt wieder hoffnung auf. wie lange kannst du das medikament nehmen? den sommer über? oder das ganze jahr?

lg trissue

22.08.2015 08:38 • #2


lisi29
Hallo Trissue,

im Prinzip wirkt Oxybutin ebenso wie andere Anticholinergika. Es soll praktisch die Nerven dahingehend blockieren, dass sie keine Flüssigkeit mehr produzieren ( so zumindest mein einfaches Verständnis der Dinge).
Aber trotzdem komme ich damit weit besser klar, als mit Vagantin und Sormodren, was nicht zwingend heißt, dass es stärker ist, sondern bei mir nur besser wirkt.

Ich habe gesagt bekommen, dass ich es dauerhaft nehmen kann. In den kälteren Monaten komme ich allerdings auch so einigermaßen klar. Nehme jetzt seit April fast jeden Tag - je nach Wetter und abhängig davon, was an dem Tag ansteht- 1-4 Tabletten.
Bei dem heißen Sommer dieses Jahr musste ich bei über 30°C auch mal noch eine Vagantin zusätzlich nehmen.
Vagantin wirkt bei mir realtiv kurz, aber dafür stark, daher nehme ich es selten, es trocknet mich schon ziemlich aus und ist eher unangenehm. Oxy wirkt länger und hat bei mir nicht so eine extreme Mundtrockenheit als Nebenwirkung.

Ich glaube aber generell nicht, dass du die Hoffnung aufgeben solltest. Selbst, wenn Oxy dir nicht helfen sollte gibt es noch einige weitere Möglichkeiten an Medikamenten. Die Wirkung ist scheinbar bei jedem unterschiedlich ausgeprägt und da hilft es auf jeden Fall, wenn man einen gescheiten Arzt findet, der sich damit ein wenig auskennt und das nicht als Spinnerei abtut.

Ich hatte in meiner Umgebung niemanden, der mir da großartig weiterhelfen konnte, daher bin ich nach München zu Dr. Schick gefahren, der sich auf Hyperhidrose spezialisiert hat. Auf Oxybutin bin ich auch nicht direkt gekommen, er hatte mir zunächst andere Tabletten verschrieben. Als dies nicht so gut geklappt hatte, konnte ich mich aber wieder an ihn wenden und so bin ich durch ein bisschen probieren eben dabei gelandet. Habe aber auch mitbekommen, dass das lange nicht das Ende der Möglichkeiten ist. Hätte mir Oxy jetzt nicht geholfen, hätte ich mich wieder an ihn gewandt, solange, bis eben das passende gefunden worden wäre- es gibt definitiv noch stärkere Medikamente.

Ich weiß ja nicht, wo du wohnst und ob ein Besuch in München für dich überhaupt drin wäre, aber für mich hat sich die Fahrt dahin definitv gelohnt. Ansonsten wäre es mir diesen Sommer auch nicht anders ergangen als dir und ich hätte wahrscheinlich kaum das Haus verlassen.

Liebe Grüße,
Lisi

24.08.2015 15:59 • #3