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Lieber Papa.

Warum hast du mich in die Welt gesetzt?
Warum warst du so schnell wieder weg?
Ich weiß so gut wie gar nichts über dich. Du warst depressiv, und ich bin es auch.

Jahrelang war ich auf der Suche nach dir, um dich kennenzulernen. Mit 10 Jahren habe ich dich das erste Mal gesehen. Unseren einzigen gemeinsamen Ausflug werde ich nicht vergessen. Ich hatte die Hoffnung, dass wir uns öfter sehen werden. Doch du musstest ständig umziehen und hast nie im Telefonbuch gestanden.
Durch einen Brief vom Amtsgericht erfuhr ich 2005 von deinem Tod, 3 Monate zu spät. Einladung zur Beerdigung? Nie erhalten, von wem auch. Ich wäre gern zu deinem anonymen Begräbnis erschienen um mich wenigstens verabschieden zu können.
Die Trauer ist noch nicht verarbeitet, sie machte sich erst später bemerkbar.

Ich weiß nicht mehr wohin mit mir, komme mir völlig nutzlos vor. Die Einsamkeit frisst mich jeden Tag ein kleines Stückchen auf. Meine Mutter, meine Band und ein paar E-Mail-Kontakte sind alles, was meinem Leben noch ein wenig Sinn gibt.

Ich wünschte, ich hätte dich besser gekannt.

Lebwohl Papa Gerd

(Thread-Ende, bitte nicht posten)

02.10.2013 23:44 • 13.10.2013 #1


11 Antworten ↓


Dubist
Vaterlos grosszuwerden tut entsetzlich weh, auch für ein Mädchen.
Street spirit, ja, schau auf das was noch da ist und das ist sogar schon viel, ein paar email kontakte, deine mutter und deine Band!

Ich hatten einen Vater, der sich nie für mich zeit genommen hat.
Der kein Interesse an mir und meinem werdegang hatte.


klar hat das auch seine Spuren hinterlassen.



Trost und kraft ,

12.10.2013 08:57 • x 1 #2



Brief an meinen Vater

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Hallo street spirit,

es berührt mich, das du deinen Vater sehr vermisst hast.
Ich habe noch ein paar gute Erinnerungen an meinen Vater, aber als ich so 10 war, kam es dann leider anders. Nach der Scheidung war der Kontakt erst mal abgebrochen, kam aber nach ein paar Jahren wieder zustande, als er trocken war, worüber ich mich auch gefreut hatte und meine Geschwister. Leider wurde er wieder dann wieder rückfällig und lag schon ein paar Mal auf der Intensivstation. Vor ein paar Jahren ist er dann verstorben...

Gut, dass du noch deine Mutter und eine Band hast und ein paar email- Kontakte. Vielleicht wäre es für dich auch hilfreich, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen oder Trauerbewältigungsgruppe.

Ich wünsche dir sehr, das du es schaffst, deine Trauer zu verarbeiten und viel Kraft.

Finja

12.10.2013 11:00 • x 1 #3


Danke euch beiden Ja, Kraft kann ich gebrauchen, die wünsche ich euch auch!

Ich weiß natürlich, dass es weitaus schlimmere Schicksale gibt, z.B. wenn man beide Elternteile nie kennenlernt. Aber es ist heute noch ein merkwürdiges Gefühl, wenn man über seinen Erzeuger nur wenig in Erfahrung bringen konnte.

Völliges Desinteresse am eigenen Kind ist sehr bitter, tut mir leid dass du das durchmachen musstest @Dubist

@Finja
Was du schreibst ist auch sehr traurig; ich kann mir vorstellen, dass die Freude groß war, als dein Vater genesen war, und dann kommt der herbe Rückschlag. Ich hoffe, du und deine Geschwister habt seinen Tod überstanden. (Ich glaube, so richtig hinweg kommt man darüber nicht.)

12.10.2013 18:17 • #4


Danke dir auch. Kraft kann ich auch gut gebrauchen.
Kann dich gut verstehen, wie du dich fühlst.
Ebenso Dubist.

Ja, die Freude war damals groß, als unser Vater trocken war und was dann noch alles hinzukam, war ebenfalls nicht einfach zu überstehen.

Alles Liebe

12.10.2013 18:36 • #5


Dubist
Kinder die auf papas schoss rumrutschen wo der papa kuschelt, kenn ich gar nicht du!
Und Desinteresse war es nicht nur, hatte mein Vater Angst das ich ein Date haben könnte oder das sich mir ein kerl nähert, da war ich 16, 14.
Setzte es ohrfeigen die sich gebacken hatten, wurde ich auch mal gegen die Wand geschuckt und anderes.
Sehr cholerisch und so konnte das sein...

13.10.2013 09:02 • #6


Dubist
...in der Jugend war ein Freund haben unmöglich, das wurde in meinem Elternhaus nicht geduldet!

13.10.2013 09:03 • #7


Arme Dubi, sowas ist echt übel.

zum Glück habe ich auch noch gute Erinnerungen an meinen Vater, ich saß auch auf seinem Schoß und habe gekuschelt.

13.10.2013 14:45 • #8


Dubist
Gott sei dank Finja.
Aber man kann auch ohne gute vatererlebnisse überleben(lernen). ja

13.10.2013 15:01 • #9


Dubist
alles verstehen, heißt auch alles vergeben.
Man kann mehr und mehr loslassen.
Mein vater hat wahrscheinlich auch einen gefühlskalten Vater gehabt oder ähnliches?
Strengen!

13.10.2013 15:01 • #10


Zitat von Dubist:
Gott sei dank Finja.
Aber man kann auch ohne gute vatererlebnisse überleben(lernen). ja


Ja, ist so.

13.10.2013 16:27 • #11


Zitat von Dubist:
alles verstehen, heißt auch alles vergeben.
Man kann mehr und mehr loslassen.
Mein vater hat wahrscheinlich auch einen gefühlskalten Vater gehabt oder ähnliches?
Strengen!


Wird wohl so sein...

13.10.2013 16:31 • #12



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