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Guten Abend.

Ich beschäftige mich in letzter Zeit mit der philosophischen Frage ob es besser ist die Angst zu besiegen/zu überwinden oder ob man lieber versuchen sollte sie anzuerkennen, ihre "Gute Seite" zu sehen und mit ihr zu leben.

Was meint ihr?

18.03.2013 01:28 • 24.03.2013 #1


14 Antworten ↓


Hallo asdhri,
ich denke man kann nur lernen mit der Angst zu leben. Sie hat ja auch was Gutes, wenn man es auch in der Angst- und Panikphase nicht glauben kann.
Ohne Angst würde man vor dem nächsten Bus oder Auto oder welcher Gefahr auch immer, einfach stehen bleiben und sich überrollen lassen.

Ich habe für mich heraus gefunden es ist meine falsche "Denke". Und das regelrecht zu trainieren hatte ich in den letzten 20 Jahren nach meiner ersten Panikattacke genug Zeit. Es hat sich sehr verfestigt.
Ein Tip hilft mir nun oft. Ich schaue mich und mein Verhalten so an, als würde ich mich als unbeteiligter Zuschauer beobachten. Dazu musste ich aber erst mal soweit kommen und nicht immer vor den unangenehmen Gefühlen der Angst flüchten.

Ich mag die Angst immer noch nicht. Und die Angst wird sicher nicht mein bester Freund werden.
Aber ich lebe mit ihr und bin im Moment soweit ihr auch mal sagen zu können, dass sie nur ein Blender ist und sich nicht so aufblasen soll... sonst ziehe ich ihr den Stöpsel raus! Und dann ist die viele heiße Luft ganz schnell weg. Das sage ich (natürlich nur, wenn ich alleien bin) auch dann mal richtig laut.
Sie nimmt sich zu wichtig... und ich mich somit dann auch. Und das ist nicht gewollt von mir. Ich möchte nicht so im Mittelpunkt stehen.

Es könnte so einfach sein. Auch ich hoffe ich verstehe es irgendwann noch....

Ich wünsche Dir einen schönen Tag

19.03.2013 14:33 • #2



Mit Angst leben oder Angst bewältigen

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am besten ist in die angstauslösenden situationen gehen und sich selbst gut zureden dass es nicht schlim m ist und was gutes hat und danach immer stolz auf einen sein, natürlich ist es schwer sich in die situationen zu begeben aber es hilft am besten

19.03.2013 16:31 • #3


[quote="Mr.Chris"]am besten ist in die angstauslösenden situationen gehen und sich selbst gut zureden dass es nicht schlim m ist

... wenn man`s kann ist es das OPTIMALSTE.
Nur wenn nicht sollte man sich nicht unter Stress setzen (wie ich das immer getan habe) sondern sich auch mal sagen, dann eben ein anderes Mal, wenn nicht jetzt.
Und wie Mr.Chris sagt, sich loben und gut zureden. Immer wieder.

19.03.2013 17:13 • #4


... sich loben und gut zureden. Immer wieder.

Ich habe noch nie sooo viel mit mir geredet, wie in den letzten Wochen

19.03.2013 17:15 • #5


Hallo Jover,
hallo Mr. Chris,

danke schonmal für die Beiträge. Ich habe die Frage deshalb gestellt, weil ich bis jetzt auch immer davon ausgegangen bin, dass die Angst etwas Gutes ist und uns, wie jover schon gesagt hat, auch vor Schlimmerem bewahrt.
Nun bin ich aber auf ein Buch gestoßen, dass mir sehr zusagt und mit meinen Ansichten ziemlich übereinstimmt. Jedenfalls geht es darum loszulassen und frei zu sein von Dingen wie Verlangen, Angst und Eifersucht. In der Meditation zur Erkenntnis zu kommen, dass Wohlbefinden nur in der absoluten Freiheit möglich ist und man vollkommenes Glück nur dann empfinden kann wenn man auch frei von Ängsten ist.
Nicht, dass ich es beim Meditieren jemals soweit geschafft hab. Aber nur grundätzlich ob es der richtige Ansatz ist. Oder ob man besser versuchen sollte die Angst zu aktzeptieren und den unangenehmen Gefühlen der Angst einfach keine große Bedeutung zukommen zu lassen und einreden "Ja sie ist da und das ist auch gut so, aber sie beherrscht mich nicht".
Wisst ihr was ich mein?
Viele Grüße
asdhri

19.03.2013 19:19 • #6


Für mich gibt es mittlerweile 2 Kategorien.
Menschen, die Panikattacken erleben, in kürzester Zeit WISSEN, dass sie Panikattacken haben, die sich selbst wieder da rausholen können oder denen von therapeutischer Seite sehr schnell geholfen werden kann.
Diese können sicher die Angst "überwinden" oder eine gesunde Einstellung dazu bekommen.

Und dann die anderen Menschen, die lange nicht wissen was mit ihnen geschieht und bei denen es mitunter Jahre dauert bis eine helfende Hand da ist, die können meiner Erfahrung nach nur lernen damit zu leben.


Wie heißt denn das Buch von dem Du sprichst?

20.03.2013 10:01 • #7


Hallo ashdri,
ich glaube, man muss das eine vom anderen nicht unbedingt trennen. Deine Frage finde ich höchst interessant und komme auch immer wieder zu neuen Ansätzen...
Du schreibst:
"Oder ob man besser versuchen sollte die Angst zu aktzeptieren und den unangenehmen Gefühlen der Angst einfach keine große Bedeutung zukommen zu lassen und einreden "Ja sie ist da und das ist auch gut so, aber sie beherrscht mich nicht".
Ferner schreibst du vom "Loslassen". Aber WAS ist Loslasssen. Wenn du auch meditierst, dann kennst du vielleicht Jack Kornfield, der sagt, dass man Dinge/Gedanken/Gefühle "so lassen" soll wie sie sind ohne sie verändern zu wollen - das wäre seiner Ansicht nach LOSLASSEN. Das impliziert für mich, dass ich die Angst und die daraus resultierenden Gefühle "so stehen lasse", d. h. erst einmal akzeptiere.
Was ich akzeptiere, muss ich aber nicht gutheißen, denke ich zumindest.
Ergo wäre es wohl angezeigt ( nicht, dass ich es könnte!), die Angsterkrankung anzunehmen, ihr gleichzeitig, so wie du es schreibst, nicht zuviel Raum zu geben, indem man sie ggf in die Schranken weist und klarstellt: "ich bin hier der Boss."
Zum Glücklichsein....ich glaube, glücklich ist der, der nicht ohne Angst usw. lebt, sonder derjenige der trotzdem glücklich und zufrieden MIT ihr Leben kann. Der diese Gefühle nicht als lebenseinschränkend, sondern als Herausforderung betrachtet.
Erst einmal alles Liebe.

20.03.2013 16:52 • #8


Hallo jover,
hallo Charly,

also ich denke ich gehöre zu der ersten Kategorie von Menschen, da ich schon früh die Diagnose gestellt bekommen habe. Ich bin mir jedoch nicht sicher ob ich jemals die Angst überwinden kann. Jedenfalls scheint es mir momentan unmöglich. Hast du mittlerweile gelernt mit der Angst zu leben jover? Und wenn ja was hat dir dabei am meisten geholfen?
Zum Loslassen: Interessanter Gedanke Charly. Für mich heißt loslassen kein Verlangen zu haben und frei zu sein. Auch keine Angst zu haben. Also auch nicht die Dinge aktzeptieren. Denn wenn ich z.B. die Angst aktzeptiere bin ich nicht automatisch frei. Denn sie ist ja da und auch wenn ich der Boss bin fühle ich anders als ohne.
Ein Beispiel:
Man ist verliebt und will nur mit dieser einen Person zusammen sein. Auch wenn man die Liebe aktzeptiert und nicht ändern will dann will man aber trotzdem auch die Liebe erwiedert bekommen. Man steht also unter Einfluss eines Gefühls. Die Liebe. Und hat ein Verlangen (Liebe erwiedert bekommen). Und loslassen wäre für mich sich von jeglichem Verlangen zu trennen. Also praktisch noch ein Schritt weiter. Nicht nur aktzeptieren sondern zusätzlich sich lösen und sich nicht Abhängig zu machen.
LG

21.03.2013 14:45 • #9


P.S. Das Buch heißt: "Kein Werden, Kein Vergehen" von Thich Nhat Hanh

21.03.2013 14:57 • #10


Danke, das Buch werde ich mir besorgen. Man kann nie genug Information aufnehmen.

Ein Allheilmittel habe ich nicht gefunden. Ich gehöre zu der 2. Gruppe und mir fehlen viele Jahre meines Lebens wegen der Angst. Weiter oben habe ich ja beschrieben, wie ich mein Leben im Moment handhabe.
Ich habe mich wieder ins Leben zurück gehangelt, begeben, geführt, gestoßen... es gibt viele Bezeichnungen dafür.
Auf jeden Fall habe ich es selbst getan, denn nur ich kann mir helfen.
Meinen Humor habe ich wieder gefunden, jetzt fehlt noch meine Unbefangenheit.Ich arbeite daran. Verdammt hart. Doch kann ich mich auch öfter wieder selbst loben. Was lange nicht möglich war, weilich es falsch und nur schwarz gesehen habe.
Zur Liebe kann ich nix sagen ich habe meine nach vielen Jahren gefunden, und bin wenigstens mit meinem Partner glücklich. Und die Hoffnung habe ich auch noch oder wieder, dass es im Leben auch wieder schön für mich wird.

Was ich noch tue:
ich meditiere, gehe viel spazieren, bewege mich, versuche nicht in Stillstand zu geraten, was nicht heißt, dass ich meine Pausen nicht geniesse. Besinne mich auf die kleinen Dinge des Lebens, höre den *beep* jetzt im Frühlin zu, schaue genau auf den Augenblick.
VOR ALLEM versuche ich im JETZT zu leben, nicht wie vorher in der Vergangenheit mit Angst vor der Zukunft.
Liebe Grüße...

21.03.2013 20:58 • x 1 #11


Hey ashdri und jover,

T.N.Hanh hat viele interessante Ansätze, aber man darf nicht vergessen, er ist "erleutet" - den tangieren die weltlichen Sorgen nicht mehr so sehr - leider, leider, bin ich trotz Meditation äußerst weit davon entfernt. Ich lebe in dieser Welt und muss daher mit Verlangen, Ängsten, "Anhaftungen" klar kommen, nicht, dass sein Zustand nicht erstrebenswert wäre....
ashdri, was ich damit sagen möchte, ich denke, du schraubst die Ansprüche an dich zu hoch, ich denke, ein"normaler" Mensch kann nicht frei werden von den o.g. Gefühlen.
Deine Frage besteht für mich nach wie vor!

LIebe Grüße!

21.03.2013 22:23 • #12


Nun, ich lebe mit der Angst und muss sie immer mal wieder bewältigen. Und ich stelle mir gleichzeitig die Frage, muss man denn sich immer wieder dem Stress aussetzen, seine Angst zu bewältigen?

Liebe Grüße

22.03.2013 22:25 • #13


Bestimmt nicht, das ist wie mit dem Fieber, lästig, aber letzendlich nur ein Symptom, ein Hinweis auf ein anderes Problem.

Angst ist ein Ergebnis der innerpsychischen Konflikte.

Wenn man nicht löst, verschwindet sie nicht so einfach, kehrt immer wieder zurück - zum Glück, weil sie, ähnlich wie das Fieber, eine Signalfunktion hat.

Nichts ist für ewig, das Leben ist ein Wandel, irgendwo muss man einfach nur nach dem richtigen Ende der Schnur schnappen und dann viel Geduld mit sich selbst haben.

Gruß

23.03.2013 23:39 • #14


crazy030
Zitat von Chiaries:
Angst ist ein Ergebnis der innerpsychischen Konflikte.

Wenn man nicht löst, verschwindet sie nicht so einfach, kehrt immer wieder zurück - zum Glück, weil sie, ähnlich wie das Fieber, eine Signalfunktion hat.
Das kann so sein, muss es aber nicht. Angst kann auch auftreten ohne innere Konflikte, denn es gibt genug andere Ursachen, auch äußere. Sie kann auch verschwinden und ohne das quasi irgendwelche Dinge nennenswert verändert werden. Auch ohne Medikamente. Bei mir war es so, die Angst kam, blieb 2 Jahre und ging, ist seit nun schon 2 Jahren weg. Ohne gravierende Veränderungen, ohne Therapie, ohne Medikamente. Und ich kenne genug Leute persönlich, denen es ähnlich ging.

Andere Sache, aber selbst bei Depression, es ist ein Irrglaube zu meinen, es gibt immer DIE Ursache. Letzte Woche bei Beckmann, einer der bekanntesten Psychiater bei uns mit weltweit hoher Anerkennung:



Angesprochen werden zwar äußere Ursachen, aber auch innere sind bei manchen depressiven Patienten nicht zu finden. Das gibt es.

Heute geht man eher davon aus, psychische Erkrankungen sind Stoffwechsel-Erkrankungen (Hirnstoffwechsel) und es muss auch eine gewisse genetische Veranlagung da sein. Darum gibt es die Personen A und B, die beide in identischen Situationen sind (z.B. extrem stressige Arbeit) und Person A bekommt eine Angststörung und Depression, Person B nicht. Ohne die Veranlagung für Angststörung oder Depression bekommt man es nicht. Nicht selten ist dann bei Person A auch nichts an negativen Erlebnissen zu finden, nichts im privaten Umfeld etc., alles eigentlich gut.

24.03.2013 01:18 • x 1 #15



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