Bei mir führt Einsamkeit leider dazu, dass ich mich noch weiter von Menschen zurück ziehe, was dann natürlich die Einsamkeit noch weiter verstärkt.
Eigentlich soll ja das Gefühl der Einsamkeit dazu motivieren den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen, aber wegen meinen lebenslangen sozialen Ängsten, Minderwertigkeitsgefühlen, meiner Angst vor Ablegung und inzwischen vor allem wegen meinem Lebenshintergrund bin ich leider nicht in der Lage solche sozialen Kontakte so zu erreichen wie ich es mir wünsche.
Wenn ich mich dann einsam fühle, dann wird mir immer so bewusst, dass meine soziale Isolation schon so lange besteht und ich schon weit über 12 Jahre keine Freundschaften und noch nie eine Beziehung hatte - und dass sich daran wohl sobald auch nichts ändern wird.
Am schlimmsten finde ich dabei dann sogar, wenn ich mich tatsächlich mal unter Menschen befinde, weil mir dann mein "anders sein" sehr bewusst wird, wodurch ich mich dann auch unter Menschen sehr einsam fühle.
So eine Art von Einsamkeit tut einfach dann so weh, dass ich mir irgendwann einrede, dass ich mir eigentlich gar keine sozialen Kontakte, Freunde oder eine Beziehung wünsche - dass ich zum Einzelgänger geboren bin.
Natürlich ist dies eine Selbstlüge, die nie wirklich funktioniert, aber was soll ich machen?
Inzwischen hilft mir die Einsicht, dass mir diese besonders negative Form der Einsamkeit nicht weiterhilft, so dass ich mich nur noch sehr selten auf diese negative Weise einsam fühle.
Inzwischen gehen meine sozialen Ängste auch langsam zurück, so dass ich mich langsam an mehr soziale Kontakte heran taste, allerdings ohne dabei nach Freundschaften oder einer Beziehung zu suchen. Ich versuche immer offener auf andere Menschen einzugehen und genieße inzwischen sogar meist den Kontakt zu anderen Menschen. Leider verstärkt gerade dies wieder das Gefühl, dass ich einfach zu anders bin. Sogar im Kontakt zu anderen sozialängstlichen Menschen fühle ich mich nicht mehr wirklich wohl und zugehörig, weil ich beispielsweise inzwischen völlig anders und viel gelassener und konstruktiver mit meinen Ängsten umgehe - was ich aber den anderen nicht vermitteln kann. Dabei überkommt mich oft das Gefühl, dass ich irgendwie zwischen Welten stecken würde - zwischen der Welt der sozial Ängstlichen und der Welt der normalen Menschen - wo ich zu beiden nicht wirklich dazu gehöre.
Die größte Hürde beim Kontakt mit normalen Menschen ist, dass ich durch meine sozialen Ängste ein sehr ruiniertes Leben habe, welches ich nicht vorzeigen kann und was auf andere sehr seltsam wirkt. Es ist einfach unmöglich andere Menschen kennenzulernen, wenn man eigentlich nichts über sich erzählen kann was nicht zumindest sehr seltsam und nach Versager klingt - es wäre auch sehr sinnlos dies erklären zu wollen, weil kaum ein Mensch solche extremen sozialen Ängste mit solchen seltsamen Folgen nachvollziehen könnte.
Leider bin ich aber wohl auch schon zu lange alleine, weil ich eigentlich nicht mehr daran glaube, dass sich dies noch ändern wird - dies ist wohl auch einfach die Angst, dass es doch noch klappen könnte und ich damit wieder negative Erfahrungen machen könnte.
Irgendwie ungünstig für mich ist, dass das Alleinsein für mich so ein lebenslang vertrautes und gutes Gefühl ist, besonders weil dies auch so viel leichter ist. Die Verlockung ist groß , dass ich mich einfach mit dem Alleinsein abfinde. Ich weiß aber inzwischen sehr genau, dass ich mir eigentlich nichts anderes als soziale Kontakte wünsche - aber dies erscheint mir gleichzeitig so unerreichbar und fremd

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Leider führt dies momentan wieder dazu, dass ich die inzwischen erreichten wenigen sozialen Kontakte wieder in Frage stelle - zumindest ist dies nicht mehr so leidvoll wie früher.