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Schön, dieses Forum gefunden zu haben.

Ich (w, Mitte 30) befinde mich aktuell am Tiefpunkt meines Lebens.
Und eigentlich kann für die ganze Situation rein gar nichts.
Jetzt, so kurz vor Weihnachten, spüre ich schon, wie schmerzlich es ist, dass niemand an einen denkt. Dieses Jahr werde ich keine einzige Weihnachtskarte bekommen. Anrufe bekomme ich schon lange nicht mehr.
Und ich bin es auch satt, dass immer die Initiative von mir aus kommt, um mit Menschen in Kontakt zu sein.

Aber eins nach dem anderen:

Wie schnell Isolation und Einsamkeit funktioniert, hätte ich vor 10 Jahre nicht für möglich gehalten.
Es gab Freunde (und es waren viele), es gab eine große Familie, es gab Arbeit und Urlaub.

Eins nach dem anderen brach dann weg:
Erst der Job, damit verbunden Hartz 4 und finanzielle Probleme sowie Schikanen und Erniedrigungen (ich habe ein Hochschulstudium, nur mal so am Rande und musste mich dann mit SB herumschlagen, die nichtmal das kleine 1+1 beherrschen bei den monatlichen Berechnungen).

Dann der Freundeskreis (ich konnte nichts mehr mitmachen, die meisten bekamen auch Babys und hatten kein Interesse mehr an mir als Singlefrau).

Es folgte eine erniedrigende Beziehung mit einem verheirateten Mann, der mich aufs übelste seelisch missbrauchte (ich brauchte das wohl).
Vor knapp 3 Jahren trat er mich in den Hintern, hinterließ einen Scherbenhaufen und verschwand - nach fast 6 Jahren Beziehung - auf Nimmerwiedersehen. Zurück ich und mein Schmerz. Und niemand, mit dem man darüber reden könnte.

Ich merke, dass ich mich spätestens 2006 aus dem Leben vollkommen zurückgezogen haben. Die Menschen haben mich zu viel und zu oft enttäuscht. Ich habe nie jemanden fallengelassen wegen Arbeitslosigkeit oder Trennnung. Ich war immer da.
Ich bin ein guter Mensch (das weiß ich auch).
Ich bin lustig, komme mit wildfremden Menschen überall ins Gespräch.
Kann mich gut unterhalten, bin humorvoll. Und denke immer an andere.

Und trotzdem bin ich so einsam, dass ich heute tot umkippen könnte, und es würde vielleicht in ein paar Wochen jemand im Haus merken, weil mein Briefkasten überquillt. Sonst nicht.

Ich habe mich zurückgezogen, enttäuscht vom Leben, enttäuscht von den Menschen, nicht mehr bereit, immer Initiative zu zeigen, immer Kontakte aufzubauen, immer enttäuscht, benutzt und wieder fallengelassen zu werden. Mein Fass ist übervoll.

Ich habe das kognitiv alles durchschaut ), und ich weiß auch, dass diese Phase offenbar zu meinem Leben gehört oder gehören muss.
Nur: Es schmerzt total. Und ich sitze fest, gefangen zwischen gestern und Zukunft. Zu viel Schmerz in mir (unverarbeitet), nicht mehr bereit, sich nochmal zu öffnen (es läuft eh wieder so wie bisher.....).
Wo findet man heute überhaupt noch echte Freunde? Ich halte die Chanche für minimal......

Letzte Woche fiel mir durch Zufall der Stern in die Hände.
Schlagzeile: "Einsamkeit - Wenn dem ICH das DU fehlt."
Ich las den Artikel in Schnelle beim Arzt und fand mich und mein Leben vollkommen wieder. Offenbar geht es ganz vielen Menschen so.
Der Prozess vom Leben in die Isolation ist schleichend (das kann ich bestätigen). Es geht i.d.R. um Verletzungen. Bleibt man zuhause, werden neue Verletzungen und Enttäuschungen vermieden.

Natürlich hätte ich gerne eine Beziehung und auch der Familienwunsch ist noch nicht abgeschlossen. Allerdings suche ich das nicht, um meiner Einsamkeit zu entfliehen, sondern weil das immer ein Lebenstraum von mir war.

Wer hat die Angst von euch überwunden, trotz mieserablen Bedinungen (kein Geld, keine Freunde) wieder ins Leben gefunden?


Ich freue mich auf Austausch.

22.12.2007 18:47 • 06.01.2008 x 1 #1


22 Antworten ↓


Hallo Schnappy,

ja, du hast Recht, es gibt sehr viele dich in Deutschland. Ich hoffe, dass das nicht nur eine persönliche Lebensphase ist, sondern auch eine nur eine gesellschaftliche Phase, denn so kann m.E. eine Gesellschaft auf längere Sicht nur kaputtgehen. Ich hoffe, dass es zu anderen Lebensformen führt, wo nicht jeder einsam allein in seiner Wohnung hockt. Dazu gehören m.E. neue Wohnformen, erwachsene WG-Formen, und wesentlich mehr soziale Treffpunkte, in denen man sich einfach angenehm aufhalten kann und dort einige Kontakte knüpfen kann. Für Rentner gibt es so etwas in vielen Städten schon, aber für Menschen im Arbeitsalter kenne ich so etwas bisher nicht - nur immer kostenpflichtige Vereine, Clubs usw., und privat organisierte Arbeitslosentreffs. Aber das führt m.E. viel zu sehr zu einer Randgruppen-Bildung anstatt zu einer Integration aller sozialen "Stände" miteinander.

Als AkademikerIn ist das besonders schwierig, glaube ich. Besonders das mit den SB, die Akademiker betreuen sollen, denen gegenüber sie ein Minderwertigkeitsgefühl haben, das sie durch Überheblichkeit und Dominanzstreben kompensieren Dazu mein herzliches Beileid. *handhalt* Ich wünsche dir viel Kraft dazu.

Vielleicht kommen doch noch mal bessere Zeiten. Wenn erstmal die noch geburtenschwächeren Jahrgänge ins Arbeitsleben kommen, dann müsste doch irgendwann ein echter Arbeitskräftemangel kommen (sofern man solche Stellen nicht durch Ausländer besetzen kann ). Je nachdem, welche Fachrichtung du hast, können deine Chancen daher noch steigen.

Als du deine Arbeit verloren hast, warst du also Mitte 20? Warum hat es seitdem nicht mit einer neuen Arbeit geklappt?

Wenn du hier fragst, wie andere hier solche Probleme überwunden haben - meinst du, die, die sie überwunden haben, sind noch hier?

Vielleicht müsste die Frage irgendwie anders lauten ...

"GastB"

22.12.2007 20:55 • #2



Am Tiefpunkt meines Lebens

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Zitat von GastB:

Wenn du hier fragst, wie andere hier solche Probleme überwunden haben - meinst du, die, die sie überwunden haben, sind noch hier?

Vielleicht müsste die Frage irgendwie anders lauten ...

"GastB"


Warum sollten Menschen, die ihre Einsamkeit überwunden haben, hier nicht schreiben? Wenn mir geholfen wurde, kann ich doch auch weiterhelfen. So funktioniert Selbsthilfe

Es geht vor allem um Erfahungsberichte, wie der Weg ins Leben Stück für Stück gelungen ist. Ich weiß, dass das ein langwieriger Prozess ist.
So etwas funktioniert nicht von heute auf morgen.

Und es geht mir vor allem um Erfahrungsberichte von Menschen, in ähnlicher Altersstruktur. Wenn ich nämlich lese "bin 27, Single und einsam, aber jedes Wochenende mit meiner Clique unterwegs" dann sind das zwei verschiedene paar Schuhe.
Vorübergehendes Singledasein hat mit echter Einsamkeit rein gar nichts zu tun.

23.12.2007 02:52 • #3


hallo, ich bin vorhin zufällig über dieses forum gestolpert, im hintergrund meine traurige musik und in meinem kopf meine gedanken vom letzten wochenende bzw. letzten wochen, monate, wenn nicht sogar jahre...

ich bin gerade mal zarte 21 jahre alt und bin an einem punkt angelangt, wo ich mir denken muss, welchen sinn und zweck ich eigentlich erfülle...
ich hab bzw. denke ich das von mir selber ein ziemlich starkes ego und kann mit einsamkeit und ablehnung eigentlich sehr gut umgehen. jedenfalls war es immer so. aber vielleicht hab ich mir das auch immer nur eingeredet auf alles "sch...." zu können und das könnte auch mein großer fehler gewesen sein.

jedenfalls hab ich mir auch vieles selber verbaut. ich hab alle unterstützung der welt, hab einen großen freundeskreis in verschienden bereichen und interessen, hatte eine bildhübsche freundin, habe vieles gesehen, gelernt und erlebt und trotzdem gehe ich vor innerer trauer ein und ich weiß nicht mal wieso. ich kann mir selber keine depressionen eingestehen und es könnte auch gut möglich sein, dass mein lebenswandel daran schuld ist, wie ich mich heute fühle.

ich habe eine abgeschlossene qualifizierte berufsausbildung hinter mir, hab ein erfolgreiches elternhaus, wie es kein zweites für mich gibt auch wenn ich meinen eltern das nie sagen würde. ich wohne seit 3 1/2 Jahren alleine und bin seit knapp einem jahr arbeitlos. dieses eine jahre und es ist eine so kurze zeit, hat gereicht um meinen kopf regelrecht zu "f...n"
ich hatte auch in dieser zeit kurze zeit eine freundin, die immer noch vermisse, aber es nie zeigen würde bzw. könnte. am wochenende hab ich spaß, seh meine bekanntschaften wieder und denke alles ist schön ....."im rausch"..... (ganz anderes thema)
aber selbst da fühl ich mich derzeit ausgeschlossen.... ich gehe irgendwie in der menge unter! ich will nicht sagen, dass mich die anderen nicht mögen... sie akzeptieren mich, lachen auch mit mir und shakern rum, wie es halt so ist! ich seh auch nicht gerade abstoßend aus im gegenteil, ich denke, dass ich sogar recht gut ankomme auf eine von mir zurückhaltende art und weise...

aber trotz dieser doch positiven dinge fehlt einfach irgendwas in meinem leben, dass mich erfüllt. ich weiss, dass eine aufgabe bzw. ein job eine beschäftigung ist, die mich tagsüber fordert, aber ich weiss auch, das dass nicht die lösung meiner probleme ist. ich bin gefangen in einem strudel und ich weiss nicht, wie ich mich befreien könnte.
mir fehlen menschen, die mich akzeptieren, wie ich bin, mit meinen macken und tücken. ich selber bin ein sehr herzlicher mensch, der sehr positiv auf andere menschen eingeht. ich kann widerrum auch genau das gegenteil sein, wenn ich es will, aber dies ist nicht der fall....

ich hab keine probleme mich anzupassen, ich hab auch kreativität im übermass, bin begabt, aber sobald ich abends alleine zu hause sitze fehlt einfach etwas. alleine zu leben ist eine kunst, die auch beherrsche, aber wie gesagt es fehlt einfach etwas... ich weiß nicht was... ich lerne menschen kennen, die mich anfangs sehr mögen bzw fast schon verehren und diese anfangs so schönen gefühle, die ich dabei hatte, wie sie mit mir umgegangen sind verfliegen nach gewisser zeit einfach... mein soziales umfeld macht einfach zu schaffen... das ist bei neuen bekanntschaften dasselbe, wie bei alten.... ich vegetiere unter der woche vor mich hin und exestiere und am wochenende geb ich ich mir den "sozialen" kick, der mich aber nicht wirklich befriedigt....

23.12.2007 04:40 • #4


Guten Abend Zusammen,

ich habe mit Interesse Eure Zeilen gelesen und möchte ein paar Gedanken dazu schreiben. Vor ab möchte ich aber noch sagen: Auch ich weiß nicht, wie man das Leben lebt, es gibt keine Gebrauchsanweisung, kein Patentrezept. Aber es gibt sowas wie Lebenserfahrung. Ich bin 41 und möchte Euch ein wenig von dem schreiben, was mich das Leben gelehrt hat ...

Punkt 1
Das Leben hat keinen Sinn. Das Leben ist der Sinn.
Klingt wie ein Kalenderspruch. Aber es ist mehr. Es ist eine Grundwahrheit über das Leben. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, ist es an der Zeit, die jedem Menschen eigene Lebensverantwortung zu übernehmen.Wenn man das nicht macht, kommt das, worüber wir uns hier austauschen. Das Gefühl von Einsamkeit, Isolation, evtl. Angst, Sinnleere, Depression.
Damit kommen wir zu

Punkt 2
Das Leben hat keinen Sinn. Den Sinn muß man sich selber geben.
Dieser Satz ist der Schlüssel zu vielem. "Es gibt nix Gutes, außer man tut es.", "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott." "Ar. hoch und anfangen" - es gibt viele Redewendungen, die genau das benennen. Und die Umsetzung ist das Anstrengenste am ganzen Leben. Weil man sich jeden Tag, ja manchmal jede Stunde neu motivieren muss. Ich finde, das ist das Schwerste.

Punkt 3
Durch den Wegfall von Großfamilien ist die Seele vieler Menschen in der westlichen Welt einsam geworden. Verständlicherweise. Die Natur hat es anders vorgesehen, der Mensch ist ein Herdentier und so, wie man ein Pferd allein halten kann, kann auch ein Mensch alleine leben. Wirklich (seelisch) glücklich aber werden beide niemals sein. Weil sie nicht ihrer Natur gemäß leben. Es ist wichtig, sich ersatzweise (denn genau das ist es) ein soziales Netz aufzubauen. Dieses Netz fängt einen innerlich und äußerlich auf. Dafür muß man aber etwas tun (womit wir wieder bei Punkt 1 und 2 wären). Man muß seine eigene Familie schaffen. Damit meine ich nicht heiraten und Kinder bekommen, wenn das die Lösung wäre, gäbe es nicht so viele Mütter und Väter mit Depressionen) - sondern das erbauen eines Kontakt - und Aktivitätennetztes aus dem Pool, der einem ganz ganz persönlich, individuell entspricht.

Auch wenn es junge Menschen oft nicht glauben, ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, es stimmt: Wiklich erfüllt fühlt man nicht durch nehmen. Sondern durch Geben. Durch das Gefühl, gebraucht zu werden. Wenn man diesen Anteil in seinem Leben "anbaut" und ihn pflegt, bekommt das Leben eine neue Qualität. Man spürt plötzlich "Sinn". Manchmal fühlt man ihn körperlich als Glück (ich persönlich z.B., wenn ich einem Tier helfen konnte, wieder gesund zu werden). Manchmal merkt man es daran, daß man gar nicht merh auf die Idee kommt, über den Sinn nachzudenken. manchmal spürt man einfach, daß es Sinn macht. Ein wunderbarer Kompaß dafür ist auch, daß sich einem keine Fragen mehr stellen, sondern man die Tätigkeit, die Aktion, was auch immer einfach macht, weil allein das schon erfüllend ist.

Und genau das ist die (Lebens)Hausaufgabe: Jeder Mensch muss für sich ganz alleine erspüren, was das sein könnte, wo er sich einbringen könnte. Und auch, wo seine Seele sich freuen würde. Was seine Wünsche sind.

Denn (aus wirklichem Empfinden zu) helfen, sich einbringen, ist ein sicherer Eckpfeiler auf dem Weg, (wieder) Lebenssinn und Lebensfreude zu empfinden.

Ein zweiter ist, Kontakt zu Menschen zu suchen, aufzubauen und zu pflegen, die mit einem auf einer Wellenlänge sind. Gleichberechtigte Freundschaften auf Augenhöhe.

Ein Dritter ist die ganz eigene Seelenpflege. Dazu gehört körperliche Pflege, ein achtsamer Umgang mit sich selbst (auch eine sorgsame Auswahl, was ich mir an Medien anschaue/höre), eine gute Ernährung, 2-3 Liter Wasser ohne Kolensäure am Tag (klingt blöd, aber es ist nachgewiesen, daß Wassermangel traurige Gedanken bis hin zu Erschöpfung und Depressionen verursacht) - und - Bewegung. Auch etwas, was in den meisten Fällen vermieden wird Ich meine hier nicht exessiven Sport, sondern auch hier Achtsamkeit, die Dinge im Maße tun.

Soweit die Theorie. Wie überall im Leben hilft auch hier die Salamitechnik: Stück für Stück. Kein sinnerfülltes Leben wurde je an einem Tag erbaut. Es ist eine Lebensaufgabe. Das der Sinn.

Und in der Praxis bedeutet das: Ar. hoch und anfangen.

Liebe Grüße
die Sternenfee

23.12.2007 20:56 • #5


*zitat "Ich habe das kognitiv alles durchschaut"

Dann ist es Zeit um von dieser Welt zu gehen! Oder was wollen Sie hier noch Irdisch bewerkstelligen ?

Grüsse aus Berlin!

24.12.2007 19:19 • #6


Hallo VIP,

Zitat:
Dann ist es Zeit um von dieser Welt zu gehen! Oder was wollen Sie hier noch Irdisch bewerkstelligen ?


Was ist das denn für eine Logik? Löst man so in Berlin die Probleme? Dann wäre die Regierung besser in Bonn geblieben.

Zitat:
Oder was wollen Sie hier noch Irdisch bewerkstelligen ?

Nur weil man was kognitiv erfaßt hat, hat man es doch noch nicht innerlich erfaßt. Und wenn man das mal klar hat, kommt das Thema Lösung. Und dann kommt die Praxis. Es gibt ein Leben lang weiß Gott genug zu tun, bevor man aus dem Leben geht.

Wird Zeit, daß Berlin mal wieder die Sonne sieht,

nachdenkliche Grüße
sternenfee

25.12.2007 00:49 • #7


Liebe Sinnsuchenden,

welch überaus schweres Thema.

Liebe Sternenfee,

ich habe ungefähr Dein Alter, dennoch finde ich nicht, dass das, was Du schreibst mit Lebenserfahrung zu tun hat. Zudem scheint Deine "Rechnung" nicht aufzugehen, da Du gleich zu Anfang erwähnst, dass auch Du nicht weißt, "wie man das Leben lebt". Somit ist doch alles andere ein Widerspruch? Oder habe ich Dich falsch verstanden?

Ich respektiere Deine persönlichen Erfahrungen und ich glaub auch im Kerne zu verstehen, was Du meinst, doch wieviele Menschen, die wesentlicher älter sind als wir beiden, stecken in einer heftigen Sinnkrise. Wo bleibt ihre Lebenserfahrung?

Gut, vielleicht hattest Du einfach mehr Zeit als die anderen User hier, an Dir zu arbeiten. Aber das hätte jemand, der sehr früh "erkrankt" ebenso.

Ich kenne eine Menge viel jüngerer Menschen, die für mich mehr "Lebensweisheit" in sich tragen, als meine Großeltern es je taten.

Ich denke und hoffe, dass jeder Mensch weiß, dass das Leben selbst der Sinn ist und dass man diesem seinigen Leben einen persönlichen Sinn geben muss, wenn man das Bedürfnis hat. Und ich glaube, dass man trotz eines für sich bewußten Sinns, krank werden kann. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

Es gibt übrigens eine ganze Therapie-Bewegung, die sich mit der Thematik beschäftigt. Der Begründer ist Viktor E. Frankl und es nennt sich Logotherapie und Existenzanalyse. Wird leider nicht von den Kassen bezahlt. Er und seine Schüler haben eine ganze Menge Bücher geschrieben. Frankl war übrigens im KZ und ist dort diesbezüglich geprägt worden. Keine leichte, aber eine interessante Kost.

Die Sprichworte, die Du bennenst, haben wohl ähnlichen Charakter wie: "Jeder ist seines Glückes Schmied." Wie habe ich diesen Spruch früher gehasst, denn ich fand, dass ICH nichts für mein Leiden konnte, sondern Opfer der Umstände und des Lebens war. Und wieviel Jahre habe ich trotz meiner Lebenserfahrung gebraucht, um das zu kapieren?!

Ich selbst kann den Sinn, den Du in Deinem Leben siehst, gut nachvollziehen. "Wirklich erfüllt, fühlt man sich durch Geben". Aber, wenn Du wie schnischnaschnappy immer wieder die Erfahrung machst, dass Du gibst und am Ende doch alleine da stehst, ist das ein schwacher Trost. Und das "GEBEN" funktioniert nicht bei jedem. Ja, wie wunderbar ist es , wenn ich einem verletzten Tier helfen kann (mein Ding), aber wie schrecklich ist es, wenn ich machtlos bin und eben NICHT helfen kann. Habe ich schon 1000 x erlebt und deswegen gelitten. Unerträglich! Ich habe einen helfenden Beruf, doch der gibt mir a) nicht automatisch mehr Sinn, als jemandem, der "nur" Schrauben im Akkord zusammendreht und b) weiß ich durch meine Berufserfahrungen, dass selbst das unentgeltliche Helfen, nicht sinnstiftend sein muss.

Aber wie wunderbar ist es, wenn Du Deinen Sinn in alledem siehst. Wie gesagt, ich respektiere all das, nur den Zusammenhang, in den Du das bringst, dem kann ich nicht zustimmen. Denn einserseits beschreibst Du, dass jeder seinen eigenen Sinn finden muss und andererseits beschreibst Du, was der Sinn ist. Vielleicht ist es nur ein Mißverständnis, vielleicht hättest Du statt "man" besser "ich" schreiben sollen?

Seelen- und Körperpflege, soziales Netz aufbauen, anderen Helfen.... ich glaube, wenn die User hier in diesem Thread dazu in der Lage wären, hätten sie dieses Problem der tiefen inneren Einsamkeit nicht. Sie schaffen den Sprung nicht heraus.

Ich persönlich sehe meinen Sinn in meinem Leben darin, dass es mir gut geht und die Früchte, die es tragen wird, wenn es mir gut geht, die laufen vielleicht daraufhinaus, dass ich anderen helfen, anderen GEBEN kann. Und dieses Gutgehen beziehe ich nicht auf materielle Dinge, sondern auf mein inneres Wohlbefinden. Und das stelle ich nicht her, wie in dem Falle von schnischnaschnappy, wenn ich mir Freunde suche. Sie weiß ja selber, dass sie Freunde braucht und sehnt sich danach.

Ich vermute, ihre Einsamkeit geht viel tiefer. Die war vielleicht schon immer da, nur ist sie nun herausgebrochen, weil die "Zeit reif" war. Und ich persönlich bin davon überzeugt, dass mein Gefühl von Einsamkeit mit allen Ausmaßen und Konsequenzen in der Kindheit begründet liegt. Und schnischnaschnappy unterscheidet ja selbst, die "echte Einsamkeit" und das vorübergehende Singledasein".
Einsam war ich auch in meiner Beziehung und einsam fühle ich mich auch unter Freunden. Aber ich merke es dann nur nicht so doll.

"Hilfe zur Selbsthilfe" ist natürlich das Stichwort, aber wie, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Wenn man total tief im Mist sitzt. Da kann man nicht einfach raus in die Welt, helfen und eben neue Freunde finden.

Entschuldige, ich will Dich nicht angreifen, nur ich denke, Du bist auch nicht von heute auf morgen aufgestanden und hast gewusst, wo es lang geht. Vielleicht hast Du Therapie gemacht? Vielleicht hast Du ganz viele Bücher gelesen oder oder oder!?!

Und ich denke, arbeitslos zu sein, ist eine besonders harte Probe. Wir sind eine Leistungsgesellschaft und wer dazu nichts beiträgt, ist nichts wert. Und man muss sehr stark sein, um über dieser subtilen Einstellung zu stehen, die uns allen oft genug vermittelt wird.

Ich kann auch nur meine Meinung sagen und ich will Deine Ratschläge nicht abwerten. Ich glaube eben, da fehlen Zwischenschritte. Du beschreibst für mich, das Resultat/Ziel eines Weges, aber nicht den Beginn. Bei mir kommt die Botschaft über: "Such Dir einen Sinn und dann wird´s auch was mit der Einsamkeit."
Verstehst Du?

Liebe schnischnaschnappy,

eigentlich möchte ich zu Dir nur noch eines sagen. Du erwähnst, dass Du all das "kognitiv" durchschaut hast. Aber hast Du es auch gefühlsmäßig durchschaut? Ohne das wird es nicht klappen, seine innere Einsamkeit zu überwinden, mit ihr klar zu kommen, sie zu verstehen. Es sind nicht nur die Umstände, die uns einsam machen, wir machen das zum größten Teil selbst.
Aber wie Sternenfee habe ich auch keine Patentlösung.

Und ähnliches möchte ich Gast Down sagen:
Du hast all das, was sich viele wünschen würden und dennoch fühlst Du diese tiefe Einsamkeit in Dir. Das wird seinen Grund haben, den Du vielleicht nur mit professioneller Hilfe herausfinden kannst.

Trotzdem frohe Weihnachten für Euch!

25.12.2007 16:19 • #8


Zitat von Lilly42:
Und ähnliches möchte ich Gast Down sagen:
Du hast all das, was sich viele wünschen würden und dennoch fühlst Du diese tiefe Einsamkeit in Dir. Das wird seinen Grund haben, den Du vielleicht nur mit professioneller Hilfe herausfinden kannst.

Hallo Lilly @ andere,

leider bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man dieses sehr früh erworbene Einsamkeitsgefühl nicht dadurch wegbringt, dass man herausfindet, wodurch man es erworben hat.

Bestimmte Dinge lassen sich, soweit ich das bisher sehen kann, nicht rückgängig machen.

Wenn man z.B. als neugeborenes Baby wochen oder monatelang allein mit einer wochenbettdepressiven Mutter zusammen war, dann dürfte sich dieses Lebensgrundgefühl dermaßen in das gesamte körperlich-seelische System eingeschrieben haben, dass es praktisch ein Bestandteil des Charakters wird. Das ist jedenfalls meine Meinung und Erfahrung, ohne jemandem mutwillig den Mut nehmen zu wollen.

Oder wenn ein Kind jahrelang von einem oder zwei Elternteilen körperlich misshandelt wird - mir kann niemand erzählen, dass man das wegtherapieren kann.

Man kann höchstens versuchen, dem Kind bzw. später dem Erwachsenen ein Leben MIT diesen Wunden und Narben zu erleichtern.

Sorry, dass der Beitrag nicht positiver ausfallen kann.

26.12.2007 18:43 • #9


Voriger Beitrag war von GastB.

26.12.2007 18:43 • #10


Lieber GastB,

ich habe nicht behauptet, dass man das "wegtherapieren" kann. Aber ich glaube, wenn man das Gefühl für sich einordnen kann, wenn man weiß, worauf es beruht, dass es beispielsweise das innere Kind ist, was zu einem spricht, weil es sich so einsam fühlte, kann man lernen besser damit umzugehen und lernen, sich selbst etwas von dem zu geben, was man als Kind so misste. Das ist ein Prozess und gelingt nicht von heute auf morgen.
Ich kenne eine Menge Leute, die Schlimmes erlebt haben, missbraucht und geschlagen wurden und die es geschafft haben, sich selbst ganz viel von dem zu geben, was sie früher entbehrten.

Alles Liebe für Dich!

27.12.2007 00:16 • #11


sternenfee klingt nach klugscheißen

27.12.2007 05:44 • #12


Zitat von Anonymous:
sternenfee klingt nach klugscheißen


Junge, Junge... bei der gepflegten Wortwahl würde ich mich auch nicht trauen, eine Unterschrift drunterzusetzen

Sternenfee hat m.E. sehr gut beschrieben, worum es geht: Konkrete Maßnahmen, die eigene Einstellung zum Leben (das Leben IST der Sinn) und selbst Verantwortung zu übernehmen.

Es gibt natürlich immer eine individuelle Lebenssituation, in der ein Mensch sich einsam fühlt und deshalb gibt es auch nicht dieses Patentrezept, wie sie auch geschrieben hat. Aber ich jedenfalls finde es sehr gut und richtig auf den Punkt gebracht.

27.12.2007 09:59 • #13


Ich finde dieses Forum doch nicht so klasse, vor allem weil hier jeder ohne Anmeldung schreiben kann und die ganzen Gäste überhaupt nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Danke für die zahlreichen Mails, ich habe auch geantwortet (soweit es ging).

Das Thema mit der Einsamkeit zieht sich in der Tat schon seit meiner Kindheit hin. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass sehr viel in der Kindheit zugrunde gelegt wurde.
Ich will jetzt nicht meine Eltern anklagen, aber sie haben einen großen Teil dazu beigetragen. Ich wurde von der Außenwelt isoliert, meine Eltern hatten keine Freunde (brauchen wir nicht), die "heile" Familie war am wichtigsten.
So konnte ich wohl auch nicht lernen, mich mit Gleichaltrigen auseinanderzusetzen. Klassenfahrten habe ich nicht mitgemacht, Freizeitgruppen auch nicht (Pfadfinder, Chor u.ä.). Ich war immer schüchtern und zurückhaltend. Habe nie an mich geglaubt.
Obwohl ich in meinem Leben viel geschafft habe (bildungstechnisch zumindest) hat sich an dieser Einstellung nichts geändert. Meine Arbeitslosigkeit hat das dann nur noch bestätigt.
Meine Kinderlosigkeit auch. Und die Freunde, die verschwunden sind, im Grunde auch. Ich war immer lieb und nett, war immer da, habe geholfen, Geld geliehen. Ich wurde ausgenutzt bis zum geht nicht mehr.....

Ich beneide Familien, in den alles gut gelaufen ist:
Vater und Mutter psychisch gesund und sozial aktiv, die Kinder in Liebe annehmend und das Selbstwertgefühl unterstützend (anstatt es immer nur runter zu machen). Ich beneide erwachsene Frauen, die einen Vater als Vorbild hatten, mit dem sie reden oder mal ins Kino gehen konnte. Das war bei uns alles undenkbar.

Ja, ich weiß, man kann das alles nicht nachholen, es ist vorbei.
Ich weiß es auch. Aber es tut weh. Denn ich habe die Ar. gezogen.

Ich sage nur: Ein Mensch mit meinen Voraussetzungen wird es immer schwer haben im Leben. Und das ist so ungerecht. Ich kann doch schließlich nichts für meine Kindheit.

Das Leben zu beenden käme mir nicht in den Sinn, auch wenn es z.Zt. so beschissen ist. Dafür ist die Welt zu schön, und außerdem: Ich glaube an mich. Ich bin ein guter Mensch, bin liebenswert und wichtig. Nur: Es sieht niemand außer mir.

30.12.2007 16:55 • #14


Hallo schnischnaschnappy,
wahrscheinlich liegt bei den meisten von uns ein Großteil der Probleme in der Kindheit. Das kann man auch nicht einfach ausblenden und vergessen, und ich denke auch nicht dass das gut wäre.
Ich weiß auch keinen Weg wie man die Verletzungen aus der Kindheit restlos "verarbeiten" kann. Ich kann selbst oft nur drüber heulen. Aber ich glaube das tut auch manchmal gut.
Ich stamme ebenfalls aus einem extrem isolierten Elternhaus und habe immer gewußt dass ich "anders bin". Und fluggs ist man, ohne das man es merkt einsam und verlassen.
Was man aber tun kann ist sich mit der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen.
Kennst du das Persönlichkeitbild des "inneren Kindes"? Im wesentlichen geht es darum sich wieder in das Kind das du mal warst hinein zu "fühlen". Auf den ersten Blick ist das etwas "kindisch", aber mir hat das sehr gut getan. Wenn's dich interessiert kann ich dir mal einen Buchtipp geben.
Es dient auf jeden Fall dazu sich mit der eigenen "misratenen" Kindheit auf eine liebevoll Art auseinanderzusetzen.
Nur so als Idee.
Ich wünsche dir viel Kraft und viel neuen Optimismus fürs Jahr 2008 !
Balou

30.12.2007 18:02 • #15


Hi schnischnaschnappy,

was mir hier im Forum mittlerweile teilweise unangenehm auffällt, sind Beiträge der Form: "Jaja, kenne ich auch, Du schaffst das, Liebe Grüße.". Trotzdem kommt mir manches in Deinen Beiträgen dieses Threads bekannt vor, und deshalb bin ich versucht, jetzt auch zu sagen: "Kenne ich auch, halt durch!" Naja, aber beurteile selbst, ob ich es richtig eingeordnet habe und ob Dir meine Sichtweise etwas bringt.

Ich bin sauer auf meine Mutter, welche mir durch ihr überbehütendes, manipulatives Verhalten verwehrt hat, mich entsprechend der natürlichen Bedürfnisse eigenständig zu entwickeln und innerlich erwachsen zu werden. Dass Du schreibst, jetzt nicht Deine Eltern anklagen zu wollen, kommt mir trotzdem sinnvoll vor. Ich jedenfalls setze mich konstruktiv damit auseinander, indem ich konsequent auf Manipulationsversuche hinweise (benenne es aber nicht so hart) und lasse mich nicht beirren. Vielleicht kann man das Verhältnis zu den Eltern aufrechtverhalten und daran erwachsen werden anstatt sich komplett loszusagen. Die Hauptsache dabei ist es m.E., bewusst die Untertöne zu bemerken und sofort zu reagieren, aber genauso nachsichtig mit sich selbst, als auch mit den Eltern zu sein. Falls Du das damit gemeint hast, es "kognitiv durchschaut zu haben", dann gibt Dir das wahrscheinlich die Möglichkeit, umzulernen. So weit ich es bis jetzt begriffen habe, ist es durchaus wichtig, die Hintergründe dafür zu verstehen, warum man so geworden ist, und dabei spielt die Erziehung bzw. das Verhältnis zu den Eltern bis heute(!) eine große Rolle. Es zu durschauen könnte ein Ausgangspunkt dafür sein, die Verantwortung zu übernehmen und zu handeln, so dass es sich dann längerfristig in den Gefühlen niederschlägt! Denken beeinflusst die Gefühle, und deshalb fängt es im Kopf an und sollte sich dann in täglicher Übung fortsetzen. Man wird natürlich nicht über nacht erwachsen. Als mich vor wenigen Wochen die Erkenntnis wie ein Vorschlaghammer getroffen hat, dass ich entwicklungsmäßig innerlich ein Kind geblieben bin, habe ich mich teilweise frei und teilweise schrecklich gefühlt.

Du hast geschrieben, dass Du nichts für Deine Kindheit kannst, und das sehe ich selber für mich auch so. Der Moment der kognitiven Erkenntnis gibt Dir dann die Verantwortung und Möglichkeit, Deine Persönlichkeit zu entwickeln. Ich sehe es momentan nicht so pessimistisch wie GastB, dass sich bestimmte Dinge nicht rückgängig machen lassen. Ich will es zumindest nicht wahrhaben Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, und was in der Kindheit verwehrt wurde, kommt nicht wieder. Aber man hat immer eine Ausgangsbasis für die Zukunft, und ich glaube, dass das menschliche Gehirn flexibel genug ist, um andere Verhaltensweisen zu erlernen und man damit die Eltern als Erwachsener immer noch austricksen kann, haha. Wo ein Wille ist, da IST auch ein Weg.

Diese Ar. habe ich auch gezogen. Manchmal fühlt es sich schrecklich an, wenn ich denke, dass sich das alles nicht mehr rückgängig machen lässt. Ja, diese Dinge und die entsprechenden Verhaltensweisen, insbesondere jene, wo man zu anderen netter als zu sich selbst ist, sind tief im Hirn eingegraben, obwohl ich da kein Spezialist bin. Trotzdem sage ich mir dann: Hey, das ist nur Dein eigenes Denken, und das hat mit der objektiv gegebenen Situation, der Welt da "draußen" nichts zu tun. Die Welt dreht sich einfach weiter, ob ich so oder anders denke. Und... es hilft, diese Gedanken so zu relativieren. Es könnte außerdem vielleicht so sein, dass dieses Gefühl es nicht nachholen zu können und diese Hinterteilkarte gezogen zu haben, gerade eine Motivation ist, weitere Veränderungen anzupacken, denn man fühlt sich in diesem Momenten unwohl, und das sollte man als positiven Antrieb für weitere Veränderungen nutzen.

Naja, und im Ausgangsbetrag hast Du danach gefragt, wer die Angst überwunden hat. Ich glaube, es geht mehr darum, die Angst, die persönliche Situation und die äußerlichen Gegebenheiten zu akzeptieren und ständig an sich zu arbeiten. Das führt dann dazu, wie man die Dinge bewertet: Nach meiner Meinung ist es bei der Überwindung nicht eine Frage von Ja/Nein, "drin in der Einsamkeit" oder "herauszuhüpfen" usw. Stattdessen geht es um diese Salamitaktik, wie ich finde, nämlich Schritt für Schritt sich voranzurobben und immer nur relativ zu bewerten: Ein getätiger Anruf mehr, einmal mehr rausgegangen, einmal mehr gelacht, einmal mehr geweint usw. Relativ gesehen ist das positiv und so wird man dann nach vielen vielen kleinen Schritten eines Tages den großen Schritt der Überwinding von Angst und Einsamkeit in der Summe möglicherweise tatsächlich geschafft haben. Es braucht Geduld und Mut, und ich fürchte, dass es wiederholt auch Verluste und Schmerz beinhaltet... aber: Wer keinen Schmerzen kennt, der ist tot, oder? Was uns aber alle antreibt, das ist der Überlebenswille! Na also, geht doch

Schönen Gruß!


@Balou

Der Buchtipp würde mich auch interessieren.

30.12.2007 19:26 • #16


Zitat von schnischnaschnappy:
Ich bin lustig, komme mit wildfremden Menschen überall ins Gespräch.
Kann mich gut unterhalten, bin humorvoll. ...

Wo findet man heute überhaupt noch echte Freunde? Ich halte die Chanche für minimal......




Ich habe mich allerdings auch in vielen anderen Zitaten von (kurz) Schnappy wiedergefunden.
Ich glaube niemand ahnt, wie einsam ich bin, wenn ich meine Arbeitskollegen wieder belustige und so aktiv und "frisch an's Werk" gehe...sobald niemand mehr etwas von mir möchte, wenn ich "Feierabend" habe, falle ich in mich zusammen.

Inzwischen habe ich verlernt, wie ich mich alleine beschäftigen könnte. Da gibt es den Fernseher und tatsächlich selten den PC, der mir eigentlich zu anstrengend erscheint, weil ich in so einem Fall wie hier etwas von mir Preis gebe.

Auch ich habe in diesem Jahr nicht einen Weihnachtsgruß, wie auch immer, erhalten. Das war schon letztes Jahr so und das Jahr davor. Auch das "frohe neue Jahr" wurde mir nicht entgegengebracht, wie die letzten Jahre eben auch nicht.

Auch ich habe studiert und finde mich eigentlich ganz originell, bin nicht abstoßend häßlich, obwohl ich in den Jahren meiner Einsamkeit entschieden zuviel esse.

Irgendwo hier habe ich gelesen, daß einsame Menschen oft arrogant wirken. Das tue ich wohl auch. Zum Teil, weil ich mich tatsächlich toll finde. Ich habe die "richtigen" Ansichten, bin offen und ehrlich, und auf mich kann man sich verlassen. Sage ich "frohes neues Jahr" meine ich es auch so und biete ich meine Hilfe an, wäre ich nicht "verschollen", wenn sie benötigt werden würde.

Im Internet habe ich eine Frau kennengelernt. Sie erzählte mir über Monate, Wochen und Stunden am Telefon von ihrem Liebsten, ihren Ängsten, nicht mit ihm zusammenzukommen. Wir haben ihn nächtelang analysiert, und als ich sie brauchte, war keine Zeit mehr da. Gesprochen habe ich sie nicht mehr, nachdem er sie erhört hatte.
Ich frage mich dann oft, wie blöd ich doch eigentlich bin... so toll finde ich mich dann nicht mehr und schaue mir mein jämmerliches Leben endlich genau an und wirke dann wohl arroganz auf andere, weil ich niemandem zeigen will, wie sehr ich soziale Kontakte gebrauchen könnte...von "Freunden" mag ich kaum sprechen oder träumen.

Der Vater meiner Kinder lebt sein Leben, und ich ziehe sie alleine groß. Es sind Kinder der Liebe, meiner Liebe zu ihm, besonders wichtig war ich ihm nicht.

Ich kann nicht sagen, daß ich nicht verbittert bin.
Ich gebe niemanden die Schuld, ich habe das schon alles selbst zu verantworten, trotzdem glaube ich nicht mehr an Freundschaften, an die Liebe zwischen Partnern und fühle mich so abgeklärt wie eine 80jährige auf dem Sterbebett.

Ich bin inzwischen 35 und habe das Gefühl mit Ende 20 mein Leben verlassen zu haben.

Jetzt tue ich mir gerade sehr leid und sobald sich jemand nun nach mir erkundigen würde, würde ich peinlich berührt den Kopf in die Höhe strecken und tatsächlich wieder glauben, daß ich gerade maßlos übertrieben habe und wohl an einer Hormonschwankung leide.

Würde ich es nicht so handhaben, würde ich wohl zu meinem dunklen Loch mit Erde bestreut werden.

Tschüß

01.01.2008 19:33 • #17

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Hallo Zusammen,

das Buch heisst übrigens "Das Kind in uns" von John Bradshaw. Mir hat es (zumindest ein wenig) geholfen im Umgang mit mir selbst ein wenig gnädiger zu sein
Ja, echte Freunde. Ich kann euch nur sagen dass es die ganz eindeutig gibt. Ich habe zwei langjährige Freundinnen die zwar beide leider nicht viel Zeit haben (Freund, Familie, Kinder) aber immer dann da ist wenn ich sie brauche. Und das obwohl ich ihnen nun schon seit Jahren mit meinen Problemen den Kopf voll jammere. Es gibt's also tatsächlich. Die beiden haben mir schon über manche Klippe weg geholfen.
Aber ich glaube man muss sich auch drauf einlassen wollen.
Ich stimme sofort zu dass 98% der (mir bekannten) Erdbevölkerung eher sehr egoistisch eingestellt ist. Wenn man gebraucht wird o.k., wenn nicht mehr, dann ist man eben vergessen. Ja, das ist echt Sch.....e.
Ausgenutzt werden. Aber ich denke man muss es einfach wagen um nämlich über die restlichen 2% zu stolpern. Die tragen nämlich kein Schild um den Hals "echte Freunde". Zumindest die beiden die ich kenne sind eher von der "unscheinbaren" Sorte.
Soll euch nur ein wenig Hoffnung machen dass es echte Freunde tatsächlich gibt. Aber man muss eben viele Steine umdrehen um einen darunter sitzen zu sehen
Vielleicht machts euch ein klein wenig Mut es immer wieder zu versuchen.
"Geben" kostet (manchmal) viel Kraft, aber manchmal stolpert man bei der Gelegenheit über wirkliche Menschen. Klar, man muss aufpassen das man mit seinen "Kräften" haushält.
Ich kann sehr gut nachvollziehen dass man nach mancher herben Enttäuschung und Verletzung keinen Bock mehr aufs "geben" hat, aber ins Schneckenhaus zurück ziehen bringt tatsächlich nur Verbitterung.

Ich wünsche euch allen was. Unter anderem auch noch ein (zumindest ein wenig) zufriedenes Jahr 2008.
Balou

02.01.2008 23:24 • #18


Danke fuer den Buchtipp, Balou. Habs übrigens mal bestellt. Mal schauen, wenn es morgen eintrifft, ob es mir neue oder andere Erkenntnisse bringt.

Gruß und alles Gute allerseits
Uli

03.01.2008 18:15 • #19


Ich danke euch auch für eure wunderbaren Beiträge, in denen ich mich auch wiedergefunden habe.

Die Sache mit der Arroganz hat mir auch schonmal jemand gesagt:
Ich würde so wirken (manchmal). Dabei bin ich nur verunsichert und ängstlich. Als ich meiner Jugend nicht in unseren Jugendchor gehen wollte, weil ich niemanden kannte, hieß es auch: "Du bist arrogant".

Heute denke ich mir auch oft "Du bist zu gut für diese Welt". Und wenn jemand schrieb von euch, dass 98% der Menschen Egoisten sind, die sich immer nur um ihr eigenes Wohlbefinden drehen, dann denke ich die Zahl ist realistisch. Ich freue mich über jenden, der zu den 2% gehört und mir über den Weg läuft.

03.01.2008 19:26 • #20



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