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schmetterlingg
Hallo,

gestern hatte ich, nach langer Zeit, eine extreme Panikattacke. Die war wirklich extrem und lange und Vorallem hat sie mich sehr erschöpft. ich kann immernoch nicht aufstehen und konnte heute auch deswegen nicht zur Arbeit. Jetzt befinde ich mich gerade wie so im Tiefpunkt meines Lebens. Meine ZG lassen mich nicht in Ruhe und ich kann so alles gar nicht mehr einordnen was jetzt mit mir los ist. Das ist alles so eine pure Qual gerade

24.06.2021 09:52 • 28.06.2021 x 3 #1


16 Antworten ↓


Ela_33
Hallo Schmetterlingg,
Du bist nicht allein! Wir alle haben solche Tage. Gab es denn gestern einen Auslöser? Kannst du es einordnen?

24.06.2021 10:48 • x 2 #2



Im Tiefpunkt nach meiner Panikattacke

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moo
Liebe(r) Schmetterling,

eine Panikattacke sorgt immer für geistigen Wirbel. Sich daran zu gewöhnen ist schwierig und bisweilen entmutigend. Man fühlt sich alleine und absolut hilflos, geradezu dem "eigenen Geist ausgeliefert". Du wirst jedoch auch diese Stunden überstehen.

Hast Du in der Therapie feststellen können, welche Ursachen den Zwangsgedanken zugrundeliegen? Das Reden und Nachsinnen über etwaige Ursachen kann äußerst hilfreich sein und den Fokus verändern. Allerdings sind dies auch nur therapeutische Effekte, die auch nachlassen können, wenn man nicht einen Schritt weitergeht:

Bzgl. Deiner Maxime, den Geist zu stillen: Hast Du schon mal einen stillen Geisteszustand erlebt? War da eine "Seele" zugegen, die dann "was getan" hat? Ich glaube mal ganz stark, dass unser Seelenglaube eher zu Unruhe und Aktionismus führt, als wenn man einfach mal den Geist einfach so Geist sein lässt. Durch unseren "Eingriff" (Bewertung, Wahrnehmung, Planen, Ver-Ich-en) bringen wir Tumult in einen von Natur aus stillen, klaren Geist.

Dieser Eingriff wird zur Gewohnheit, diese Gewohnheit zu unserem Charakter und dieser Charakter zu unserem Schicksal.

Ohne Eingriff (alles "loslassen" - von lose lassen) löst sich das ängstliche Ich-Gefühl langsam auf. Du erkennst, dass das Leiden vom Eingreifen und Festhalten herrührt, wenn Du nur einmal einen klaren Geist bewusst erlebst.

Tatsächlich erleben wir oft einen klaren Geist - allerdings unbewusst und darum lernen wir nichts daraus. Sämtliche Tätigkeiten, die wir unbewusst machen, finden ohne Ich-Bewusstsein statt - z. B. Gangschalten beim Autofahren, Atmen, Kauen, Schmecken, Musikhören etc. Erst wenn das "Ich-Gefühl" ("ich höre Musik, ich kaue" etc.) ins Spiel kommt, verliert die natürliche Ordnung ihr Gefüge.

Das Ich-Gefühl selber ist jedoch nicht das Problem. Das gehört zum menschlichen Bewusstsein einfach dazu. Es macht uns menschlich. Daran jedoch anzuhaften, erzeugt das Leid. Anhaftung bedeutet, dass wir meinen, sämtliche Sinneseindrücke hätten was mit uns (Ich) zu tun - dass "wir" es sind, die (aktiv) erleben. Gleichzeitig erkennen wir natürlich, dass dies eigentlich gar nicht stimmt, da sämtliches Erleben direkt abhängig von völlig unpersönlichen (objektiven) Gegebenheiten "existiert". Wir empfinden also ein "Ich" (= subjektives Erleben), spüren aber auch gleichzeitig die "Unhaltbarkeit" dieses Zustandes aufgrund der stetigen Veränderung. Das erzeugt Angst - Angst vor Kontrollverlust. Wir haben Angst vor dem Verlust der Kontrolle über etwas, was überhaupt nicht kontrollierbar ist.

Das ist in groben Zügen der Kreislauf der Misere. Wenn Du Dich ein wenig damit beschäftigst, wirst Du es verstehen und der "Eingriff" lockert sich u. U. ein wenig. Sobald Du das merkst, wächst Dein Verständnis und somit das Vertrauen in diese Einsicht - gleichzeitig lockerst Du deshalb weiter den Griff usw. Je stärker die Ich-Illusion ist, desto mehr sträubt sich der Geist gegen diese Einsicht. Es ist ein unheilsamer "Schutzmechanismus" des Egos.

Eine Panikattacke ist nichts anderes als ein Überdruckventil dieses Zustandes der o. g. Verblendung. Nur ein "Ich" kann Angst vor Kontrollverlust empfinden. Ohne "mich" gibt´s kein Problem

Alles Gute

24.06.2021 10:56 • x 4 #3


schmetterlingg
Zitat von moo:
Eine Panikattacke ist nichts anderes als ein Überdruckventil dieses Zustandes der o. g. Verblendung. Nur ein "Ich" kann Angst vor Kontrollverlust empfinden. Ohne "mich" gibt´s kein Problem

Wow, das war mal echt eine starke Antwort. Vielen Dank, jetzt habe ich das Mal auch aus anderen Perspektiven gesehen. Studierst du Psychologie? Vielen Dank für diese Antwort das hat mich echt wieder beruhigt

24.06.2021 12:18 • x 1 #4


schmetterlingg
Zitat von Ela_33:
Gab es denn gestern einen Auslöser?

Mit wurde schwindelig mit gangunsicherheit und dann fing es wieder alles an, dass ich jeder Zeit umkippe und sterbe oder sowas

24.06.2021 12:19 • #5


Ela_33
Mir persönlich hilft es, die Ursache zu verstehen - wenn das bei dir nicht der Fall ist, kannst du meinen Beitrag natürlich irgnoriere :

Gab es denn einen erkennbaren Grund für den Schwindel? Hast du zu wenig getrunken oder war dein Nacken vielleicht verspannt? Oder bist du hormontechnisch vielleicht gerade in einer besonderen Phase? Vielleicht trifft ja was auf dich zu. Dann könntest du sagen OK, dann achte ich heute Mal darauf mich zu entspannen (Wärme, Übungen) oder darauf genug zu trinken und dann verschwindet der Schwindel und somit der Auslöser für diese Panikattacke die gerade stattgefunden hat.

Damit Versuche ich gerade zu arbeiten. Aber jeder tickt natürlich anders und hat andere Methoden

Geht es dir denn jetzt schon ein bisschen besser?

24.06.2021 12:35 • x 1 #6


moo
Zitat von schmetterlingg:
Studierst du Psychologie?


Zum Glück nicht... . Obgleich ich sie zwar sehr schätze, sehe ich aber auch ihre Grenzen hinsichtlich der existenziellen Fragen der Menschheit. Psychologie kann (!) uns wieder "gesellschaftlich funktionell" machen. Die Grundursachen des Leides jedoch findet man nur durch eigenen Antrieb.

24.06.2021 13:22 • x 2 #7


Christine4070
@moo Danke für Deine Ausführungen, ich finde die Gedanken, die Du zum Ausdruck bringst, sehr gut und hilfreich.
Ja, wir Angstis sind in der Regel auch Kontroll-Freaks. Und es gibt eben Bereiche, die wir nicht kontrollieren können. Und das macht uns Angst und Panik.
Ich bin zum Beispiel fest davon überzeugt, eine unheilbare Krankheit zu haben, die in kurzer Zeit zum Tode führt. Keine Untersuchung, keine Arztaussage kann mich davon abbringen. Mein Geist steckt in der Falle fest und ich bekomme ihn nicht frei
Mein ganzes Leben geht durch diese Angst kaputt, egal, ob meine Befürchtungen nun wahr sind oder nicht. Das ist das Grausame an der Angst.

24.06.2021 15:08 • x 2 #8


Lillibeth
Zitat von Christine4070:
@moo Danke für Deine Ausführungen, ich finde die Gedanken, die Du zum Ausdruck bringst, sehr gut und hilfreich. Ja, wir Angstis sind in der Regel ...

Vor welcher Krankheit hast Du solche Angst ?

24.06.2021 15:45 • #9


schmetterlingg
Zitat von Ela_33:
Gab es denn einen erkennbaren Grund für den Schwindel? Hast du zu wenig getrunken oder war dein Nacken vielleicht verspannt?

Es gibt bestimmt einen Grund aber der war für mich in den Moment unerklärlich. Wahrscheinlich war es, weil ich meine Brille nicht getragen habe. Mir geht es heute besser danke der Nachfrage und dir? Es ist halt blöd, weil ich das Leben ohne Panik und Angst vermisse .. hoffentlich finden wir alle einen gesunden Weg daraus

24.06.2021 18:19 • #10


schmetterlingg
Zitat von moo:
Obgleich ich sie zwar sehr schätze, sehe ich aber auch ihre Grenzen hinsichtlich der existenziellen Fragen der Menschheit. Psychologie kann (!) uns wieder "gesellschaftlich funktionell" machen.

Ja davor hab ich auch totale Angst, dass wenn ich mehr über die Psychologie erfahre ich immer tiefer ins Loch falle, anstatt eine "Lösung" gefunden zu haben

24.06.2021 18:21 • x 1 #11


schmetterlingg
Zitat von Christine4070:
Mein ganzes Leben geht durch diese Angst kaputt, egal, ob meine Befürchtungen nun wahr sind oder nicht. Das ist das Grausame an der Angst.

Ich fühle diesen Satz so sehr. Angst ist ein unbeschreiblich unangenehmes Gefühl

24.06.2021 18:23 • x 1 #12


Ela_33
Zitat von schmetterlingg:
Es gibt bestimmt einen Grund aber der war für mich in den Moment unerklärlich. Wahrscheinlich war es, weil ich meine Brille nicht getragen habe. ...


Das mit dem "mein Leben wie es vorher war" kenne ich nur zu gut. Das wünsche ich mir auch aber ich denke es ist Zeit nach vorne zu schauen und eine neue Art von Leben zu entwickeln.

Schön dass es dir besser geht! Meine Woche war von vielen Rückschlägen gekennzeichnet aber es geht sicher auch wieder bergauf.

24.06.2021 20:38 • #13


Lanali
Zitat von Ela_33:
Das mit dem "mein Leben wie es vorher war" kenne ich nur zu gut. Das wünsche ich mir auch aber ich denke es ist Zeit nach vorne zu schauen ...

Bin auch an einem derart ekelhaften Tiefpunkt heute. Ich vermisse mein altes Leben so sehr und kann mir derzeit leider nur schwer vorstellen irgendwann ohne Panik leben zu können..Hätte nie gedacht dass mir mein Leben mal so entgleisen würde

26.06.2021 22:44 • #14


Christine4070
@Lanali das Gefühl kenne ich, dass man fassungslos ist, wie sehr man aus der Kurve fliegen kann
Geht mir genauso.

27.06.2021 08:01 • #15


schmetterlingg
Zitat von Lanali:
Bin auch an einem derart ekelhaften Tiefpunkt heute.

hallo Lanali,
ich hoffe es geht dir heute besser. ja das Leben ist blöd mit Angst und Panik. Aber denk an die schönen Tage wo dir die Angst und Panik nicht den Tag wegnimmt.. wir schaffen das alle
Ich kann dir Dieter Walter auf YouTube empfehlen, er gibt gute Tipps gegen Angst.

Liebe Grüße

28.06.2021 09:12 • x 1 #16


Lanali
Zitat von schmetterlingg:
hallo Lanali, ich hoffe es geht dir heute besser. ja das Leben ist blöd mit Angst und Panik. Aber denk an die schönen Tage wo dir die Angst und ...

Danke für die Empfehlung, werde ich mir nachher auf jeden Fall anschauen. Habe die Hoffnung dass es irgendwann wieder ganz weggeht. Aber mal schauen.

28.06.2021 14:41 • #17



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