✔ Bereits empfohlene Antwort
Hallo Eomer,
ich kann dich gut verstehen. Exakt diese Gedanken/Gefühle hatte ich vor einigen Jahren auch einmal. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, als wäre es erst gestern. Zwei konkrete Erlebnisse im Chat:
1. Ein Mädchen erzählte mir, dass ihr Freund sie betrogen hatte. Als sie ihn darauf ansprach, verpasste er ihr einen ordentlichen Kinnhaken. Am nächsten Tag kam er dann angekrochen wie ein reuiger Köter, aber die Beziehung war vorbei. Trotzdem konnte sie nicht aufhören ihn zu lieben, musste ständig an ihn denken. 2. Ein Mädchen erzählte mir, dass sie vor einer Woche noch im Krankenhaus war, weil ihre Kniescheiben zertrümmert waren. Als ich sie fragte, wie sie das denn geschafft hätte, meinte sie trocken, dass dies das Abschiedsgeschenk ihres Ex-Freundes war. Auf die Frage ob sie ihn angezeigt hatte, meinte sie "nein, das soll seine Neue" machen. Wie? Ein Kerl der der seine Partnerin krankenhausreif schlägt, sogar mehrfach wie sich rausgestellt hat, findet sofort eine Neue?Woran liegt es? Damals hätte ich die Frage mit einem plumpen "Frauen stehen eben halt auf Ar." beantwortet, aber das ist natürlich falsch. Frauen stehen weder auf Schläger, noch auf Psychopathen, sondern auf den netten Kerl, den sie einst in ihm gesehen haben. Der ihnen einst einmal das Gefühl vermittelt hat, geliebt zu werden, wichtig zu sein, etc. Mit dem sie sich einst eine Zukunft ausgemalt haben.
Und warum bekommen die Frauen ab und ich nicht?
Ich bin nicht unattraktiv, ganz im Gegenteil.
Ich bin nicht dumm, ganz im Gegenteil.
Ich bin nicht ungebildet, ganz im Gegenteil.
Ich bin nicht uninteressant, ganz im Gegenteil.
Ich bin nicht unhöflich, ganz im Gegenteil.
...
Woran liegt es also? Die Frage kann ich wohl nur für mich beantworten, andere Menschen haben wohl andere Mängel. Einerseits bin ich ein ruhiger Mensch. Mit würde es wohl leichter fallen angesprochen zu werden, als jemanden anzusprechen. Ich bin nicht schüchtern, aber trotzdem hätte ich Angst vor Zurückweisung. Die Emanzipation der Frau ist allerdings noch nicht soweit. Auch heute noch ist es eher so, dass die Frau vom Mann den ersten Schritt erwartet. Da haben Menschen wie ich einfach Pech gehabt. Andererseits wüsste ich auch nicht, wen ich ansprechen sollte. Viele Menschen finden ihren Partner im Freundeskreis. So etwas wie ein intakter Freundeskreis ist allerdings bei mir nicht vorhanden. Andere finden einen Partner in Diskos, Clubs, Kneipen, Partys,... aber auch das ist nicht meine Welt. Bleiben nur noch Vereine, Beruf, aber wenn diese männerdominiert sind, wird man wohl auch schwer fündig werden. Am Ende bleibt dann noch das Internet. Anmelden in kostenpflichtigen Partnersuchbörsen kommt für mich nicht in Frage, denn wenn ich Geld bezahle, will ich auch immer eine Leistung erhalten. Ich würde mich unter Druck gesetzt fühlen, Entäuschungen wären bei den Erwartungen vorprogrammiert, und ohnehin kommt mit dieser Weg sehr verzweifelt vor. Kostenlose Partnersuchbörsen sind meistens männerdominiert. Viele Männer, wenig Frauen. Und noch weniger Frauen, wenn man Fakes und Spambots wegrechnet. Nein, auf diesen Weg würde das auch nichts werden. Bleiben noch andere online-Plattformen, aber dort sucht Frau eben oft keine Beziehung. Vor allem müsste man verstehen, dass Frau sich nicht mehr mit jeden trifft, auch wenn dieser nett und sympathisch erscheint. Ein Misstrauen ist allgegenwärtig, der Mann könnte sich nun einmal als schauspielender Psycho herausstellen.
Was hat mir geholfen?
1. Ich habe mir klar gemacht, dass es nicht an meiner Person an sich liegt. Weder am Erscheinungsbild noch am Charakter. Ich bin nicht allein und ungeliebt, weil ich weniger als andere zu bieten hätte.
2. Ich habe mir klar gemacht, dass mir einfach nur die Möglichkeiten fehlen, eine passende Partnerin für mich zu finden UND ich jederzeit daran was ändern könnte. "Einfach" mehr Leute ansprechen, sich in die Menge wagen. Das wäre dann allerdings nicht mehr ich, und das hält mich auch davon ab.
3. Ich habe mir klar gemacht, dass mir bisher auch noch keine Frau begegnet ist, für die es sich gelohnt hätte zu kämpfen. Sie muss also erst noch kommen, wenn überhaupt. Bisher habe ich also noch keine Chance verpasst.
4. Vor ein paar Jahren lief ein Junge Amok, weil er sich von Frauen ungeliebt und nicht beachtet fühlte. Mir fällt der Name im Moment nicht ein, aber er hat ein Manifest hinterlassen, welches "My Twistet World" lautet. Die meisten Menschen würden sowas nicht lesen, da es ziemlich kranker Dreck eines ziemlich kranken Menschen zu sein scheint. Ich habe es gelesen. Es beginnt damit, dass er sich ungeliebt fühlt, sich eine Beziehung wünscht, er gerne Küssen, Händchenhalten, Sex,... wie alle anderen Menschen doch auch haben möchte. Es fährt fort mit dem peinigenden Gefühl, dass er von Frauen nicht beachtet oder wahrgenommen wird. Ihm etwas vorenthalten wird, was alle anderen ohne Probleme bekommen. Man spürt förmlich, wie er sich immer mehr selbst unter Druck setzt, sich selbst quält, am Ende ist er dann völlig krank im Kopf. Hält sich für "the closest thing to a living god" und möchte alle Frauen weltweit in Konzentrationslagern stecken, und von einem hohen Turm sie leiden sehen. Natürlich hatte der Kerl noch andere psychische Probleme, aber sein Beispiel macht deutlich, dass es keinen Sinn macht, sich selbst unter Druck zu setzen und zu quälen.
5. Aktuell schmerzt es mich nicht mehr, dass ich mein Leben lang allein und ungeliebt war. Es schmerzt mich auch nicht, dass ich es gegenwärtig bin, und auch morgen noch sein werde. Was schmerzt, ist der Gedanke, dass es immer so sein wird. Was mich ein wenig tröstet ist, dass solche Gedanken nicht nur mich quälen, sondern nahezu jeden Menschen. Auch Menschen die aktuell in glücklichen Beziehungen stecken, können solche Ängste haben.
6. Sehe es von der positiven Seite. Ich bin 27 Jahre alt, und viele meiner Altersgenossen, insbesondere die weiblichen, weil diese früher mit Liebe/Beziehung/Sex usw. starteten, hatten schon mehrere Beziehungen. Gescheiterte Beziehungen, wohlgemerkt. Blieb mir alles bisher erspart. Konkretes Beispiel: Eine 25jährige erzählte im Chat einmal, dass sie eine 5jährige Beziehung hinter sich hatte. Damals war ich ungefähr genauso alt, und mein einziger Gedanke war: "Hey, du wurdest immerhin 5 Jahre geliebt. Hast 5 Jahre lang richtig gelebt. Nicht so wie ich." - Sie sah das völlig anders. Sie wusste nicht mehr, was davon alles echt war, auch wenn es eine schöne Zeit war, so würde sie lieber auf das alles verzichten wollen.
7. Es ist ein tröstender Gedanke zu wissen, dass jede Beziehung bei 0 startet, und du das alles noch vor dir hast. "Aber die werden doch Erfahrungen gesammelt haben? Die sind mir doch voraus? Meine ersten Beziehungen werden doch sicher auch scheitern!" - Nein, sie sind dir nicht voraus. Sie werden nicht nur positive Erfahrungen gemacht haben, sondern auch viele negative Erfahrungen, die sich auch negativ auf ihre zukünftigen Beziehungen auswirken werden. Und nein, deine ersten Beziehungen werden nicht unbedingt scheitern. Du wirst wie diese Menschen mit der Zeit reifer, und lernst aus ihren Fehlern genauso hinzu.
8. Ist mein Leben deshalb weniger lebenswert? Ist das überhaupt ein echtes Leben? Diese Fragen stellte ich mir damals, diese stelle ich mir auch heute noch. Was ist denn überhaupt echt und wahr? Schau dir die naiven 16jährigen an, die die Liebe ihres Lebens gefunden haben. Und nach ein paar Monaten schon wieder eine neue große Liebe haben. Ist das authentisch? Ich denke nicht. Schau dir die Hochzeiten an, auf denen sich zwei Menschen die ewige Liebe schwören, und sich am Ende vorm Scheidungsanwalt wiederfinden? Vieles ist nicht echt, vieles nur eine Fasade, eine Illusion in der es sich zwar schön lebt, aber die auch am Ende zerbrechen wird. Ich habe zumindest noch keiner Frau gesagt, dass ich sie liebe, nur weil ich in einer Beziehung mit ihr war. Ich habe noch keiner Frau was vorgemacht, nur um sie ins Bett zu bekommen, etc. Mein Leben erscheint mir durchaus echt und lebenswert. Zumindest bisher.
Ich hoffe ich konnte helfen. Wenn nicht dir, dann zumindest anderen Menschen
