Das denke ich auch, schreib' einfach hier weiter. Und Deine Freunde kannst Du einfach anschreiben oder anrufen und sie fragen, ob sie nicht ab und zu zu Besuch kommen würden. Manchmal muss man eben auch die Hand ausstrecken und es versuchen. Das Wichtigste ist, wenn Du das machst, dass Du der Moderator sein musst und für sie den Weg bauen musst, wie sie mit Deiner Erkrankung und Dir umgehen können. Wichtig wird dabei sein, die Limitierung zu akzeptieren und draus das Beste zu machen. Z.B. kann man sagen: "Ich würde mich freuen, wenn Du mich besuchen kommst. Ich sitze hier in dem Heim und kann nicht zu Dir kommen. Aber Du kannst hier her kommen. Wir könnten Spaß haben. Erzähl' mir doch mal, was jetzt aktzuell bei Dir los ist? Ich war so lange außen vor, bring' mich mal auf den neuesten Stand! Ich glaube es Dir ja, dass es Dir schwer fällt, mich in dem Zustand zu sehen. Aber das ist jetzt so und ich bin nur behindert, noch nicht tot. Ich bin immer noch wie früher, ich bin 22 und ich mag vom Leben noch was haben! Wir können mailen, wir können telefonieren und Du kannst herkommen und wir können Videos zusammen anschauen, wir können reden, oder zusammen was Leckeres essen." .
Dass das alles nur ein Versuch sein kann und das von 10 Leuten off höchstens nur einer dann kommt und oft sogar gar keiner, das ist das Risiko dabei. Aber wenn Du es nicht versuchst, dann kann es erst recht nicht gelingen. Also kalkuliere ein, dass es schief geht und dass das weh tun wird, sehr weh tun. Aber wenn Du es nicht versuchst, gibt es gar keine Chance.
Es gibt einen sehr schwer Behinderten, den Namen habe ich vergessen. Er wurde total abgeschrieben. Heute hält er Vorträge und ist überall beliebt und anerkannt. Soweit ich weiß, hat er Frau und Kind und viele Freunde.
Zwei Dinge können Dein Türöffner werden:
- Eine offene, optimistische, robuste Persönlichkeit mit viel Interesse an anderen, ehrliches Interesse
- Mut, sich um Kontakte zu bemühen, sich bei Projekten zu engagieren und mitzuarbeiten. Wenn es nicht anders geht, dann nur digital.
Es gibt eine Menge CFS/ME-Patienten, die auch total lahm gelegt sind und sie halten ihre Freundschaften online. Vielleicht kannst Du Dich mit solchen Leuten verbinden. Es ist egal, wie und wo Du Dich verbunden fühlst, Hauptsache, Du schaffst es, ein Netzwerk zu finden, wo Du ein Teil davon bist.
Ich fühle mit Dir. Versuche von den Dingen, die vorgeschlagen wurden, in den nächsten zwei Jahren so viel wie möglich auszuprobieren. Evtl. geht auch eine Partnerschaft. Es gibt Menschen, die auch mit schweren Erkrankungen eine Liebesbeziehung gefunden haben. Das hinzukriegen ist sicher schwerer als unter normalen Bedingungen. Aber trotzdem gibt es Menschen, die es schaffen.
Man muss größer denken, damit was Großartiges passieren kann.
