Mir persönlich hat es etwas Trost gespendet, dass es noch anderen so geht. Insgesamt muss man feststellen, dass sich Freundschaften verändert haben, früher hielt man noch zusammen, das ist heute m. E. n. nur noch in den seltensten Fällen so.
Teilweise liegt es wohl daran, dass "wir" uns in einer anderen Lebensphase befinden und die anderen z. B. mit ihren Kindern bereits bedient sind. Dort wiederum bilden sich dann sehr oft neue und andere Freundschaften, die dann eher den Interessen "deiner" Freunde entsprechen, sodass sich diese wiederum teilweise anfangen, von einem abzuwenden.
Zum Teil kommt man sich ja schon wie das 5. Rad am Wagen vor, wenn die anderen noch kleine Kinder haben und man dort eingeladen ist. Und jetzt aktuell macht ein ehemals sehr guter Freund wohl so etwas wie eine Trennung durch und weiß "plötzlich" wo die anderen Leute sind. Er fragt z. B. oft nach Treffen und möchte spontan vorbeikommen, was mir, so sehr ich mich darüber freue, zu viel ist, obwohl mir sehr bewusst ist, dass soziale Kontakte unbedingt erforderlich sind um meine Gesundung voranzutreiben (ich leide unter Depressionen, die ich versuche ständig vor anderen zu verbergen).
Ich würde mich nicht unbedingt als spontan bezeichnen, schon allein wegen meiner stark ausgeprägten SP. Ich würde mich aber als hochsensibel bezeichnen und habe mich daher genauso oft wie Du schon in der Vergangenheit gefragt, ob es wohl daran liegt, dass es mir so schwer fällt neue Kontakte zu knüpfen.
Und wenn man sich so umhört, bekommt man sehr schnell mit, dass es noch sehr vielen anderen genauso geht. Jetzt an Weihnachten war es ganz besonders einsam und gilt es, die eigenen Gedanken umzudrehen: weil man nirgends war, musste man auch keine ungeliebten Gesellschaften ertragen und auch keine teuren Geschenke kaufen.
Nicht aufgeben, an den eigenen Interessen dran bleiben (was zugegebenermaßen während der Pandemie ganz besonders schwer ist) und nicht zu viel erwarten - das waren z. B. die Ratschläge, die man bekam -.
Es ist oft so, dass man sich vom eigenen Mangel getrieben, viel zu viel von einem anfänglichen schönen aber vielleicht flüchtigen Kontakt verspricht. Man erwartet Freundschaft und "erdrückt" damit evtl. den ein oder anderen.
Auch ich habe Angst davor, dass alles noch viel schlimmer wird und will mich allein deshalb verändern und an mir arbeiten aber eben ohne die eigenen Grenzen zu verletzen. Ich habe gerade aktuell dem einen Freund gegenüber eigentlich ein relativ skeptisches Gefühl: er antwortet so gut wie gar nicht auf meine Fragen (wahrscheinlich versucht er nicht zu sehr ins Details zu gehen), erwartet von mir aber ein "offenes Gespräch", private Details oder was man man wo und wann gemacht hat, also ein simpler Smalltalk wäre mit ihm nicht möglich.
Seit Tagen frage ich mich, ob er sich womöglich nur wieder meldet, weil die Trennung von seiner Freundin bevorsteht.
Dass man kaum auf Fragen eingeht, empfinde ich persönlich eher als unhöflich. Sicher kann man die ein oder andere Frage mal charmant überspringen, wenn sie einem als zu persönlich erscheint aber bei ihm wirkt irgendwie alles wie einstudiert; wenn ich hier also meine eigenen Grenzen verteidigen möchte, dann suche ich erst einmal das Weite. Und irgendwie suggeriert mir mein Unterbewusstsein, dass irgendetwas nicht stimmt. Womöglich sucht er auch einfach nur eine nette Ablenkung für Weihnachten bzw. jetzt Silvester, weil er eigentlich im Haus seiner Noch-Freundin lebt, die ihrerseits aber Abstand möchte und sobald diese Feierlichkeiten vorüber sind, könnte er ganz schnell wieder weg sein.
An dieser Stelle muss ich sagen, dass er das bereits einmal vor 4 Jahren so gemacht hat und ihm insgesamt dieser Ruf anhaftet, sich nur dann zu melden, wenn er einen braucht.
Leider kann ich nur das weitergeben, was in puncto Freundschaften-Knüpfen fast immer angeraten wird und das wären z. B. Vereine, in denen man die Möglichkeit hätte, sich Gleichgesinnten anzuschließen und eben die eigene Erwartungshaltung überprüfen, offen sein für einen flüchtigen Plausch, sei es nun mit der Nachbarin oder der netten Postbotin, da dies alles ggf. neue Chancen auf Kontakte bietet.
Einsamkeit schmerzt aber nichtsdestotrotz darf man sich dabei selbst nicht vergessen: man ist es sich wert, dass man sich auch wenn man alleine ist etwas schönes kocht oder sich etwas gönnt, was man schon lange haben wollte usw.