Zitat von moo:Mir fällt oft auf, dass in meinem Umfeld der größte Anteil derer, die über Einsamkeit klagen, die ca. 60-65-jährigen sind. Könnte das auch Gründe haben, die nicht so offensichtlich sind wie z. B. die zumeist schon verstorbenen Eltern, die ausgezogenen Kinder, die Beschleunigung durch die Digitalisierung etc.?
Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube in der Medienöffentlichkeit eine klare Fehlanalyse propagiert zu sehen: "Im Alter mehr vom Leben" lautet doch der allgegenwärtige Tenor. Bin ich zu blind oder nur zu ignorant um das eben nicht zu erkennen?
Ich habe und hatte in Selbsthilfe- und Therapiegruppen viel Kontakt mit dieser Altersklasse und in Gesprächen über deren Einsamkeit kommt/kam mir immer wieder zu Ohren, dass sie sehr oft sich selbst die Schuld dafür geben. Ihrer z. T. übertriebenen Fokussierung auf die Familie oder den Ehepartner, die Arbeit - also, das "Tagesgeschäft", etc.
Ich finde es aber auch nicht so einfach, mit dem Alter noch Begegnungsmöglichkeiten zu haben,
bei mir fing das sogar schon so gen 30 bis Mitte 30 an, dass sich Leute mehr in die Familien zurückgezogen, auch die Kollegen, die mit Arbeit, jungen Kindern und Jugendfreuden aus dem Dorf
oder vielleicht noch der Ausbildung dann genug ausgelastet sind,
dann sucht man sich noch Jüngere/Singles/Selbsthilfegruppen/Fortbildungsgruppen ect, und doch hat auch da alles seinen Verfallswert, es gibt Veränderungen, man teilt schon weniger Wurzeln.
Bis dahin hat sich alles noch von selbst ergeben, Leute waren offen, es ergaben sich Kontakte, Leute hatten Zeit. Je älter man ist, sind die Leute ja auch gesettled und verplant und die Cliquen schließen sich auch eher.
Und wenn man sagt, ok ich engagiere mich anders, eher öffentlich, gemeinnützig oder gehe in den Verein,
da kommt es auch immer drauf an, wieviel Elan hat man noch, was zu geben, bin ich noch fit mit 40, 50 kann ich eben immer noch in Ehrenämtern ect was geben oder das ein oder andere Ruder rumreißen.
Aber dann mit Krankheit, Psyche, festgefahren, an die Wohnung eher gefesselt, älter, Kräfte lassen nach,
alte Freundschaften , wo Leute gestorben sind, ersetzen sich nicht, wachsen nicht nach?
Und ich finde, in der Gesellschaft findet immer mehr Isolierung und Vereinsamung statt.
Nicht nur in unserer, in England wurde ein Ministerium für Einsamkeit ins Leben gerufen
https://www.deutschlandfunk.de/grossbri..._id=455902Dennoch sehe ich das nicht hoffnungslos, man muss wohl die Augen offen halten, immer mal was neues
auch probieren,
wagen auch offener zu zeigen, dass man bedürftig ist (das könnte sehr wichtig sein),
Kontakte suchen oder so eine Art Nachbarschaftstreff und ähnliches auch schaffen.
(Oder es in der Gemeinde anregen für die Menschen, die sowas ganz gut organisieren können)
Sich ganz alleine aus dem Sumpf ziehen, egal ob man in dem aus Krankheit, oder Gewohnheit
oder Angst ect geblieben ist oder ihn sogar mitgestaltet hat oder zumindest zugelassen, ist nicht immer so einfach.