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Hallo,
ich bin neu hier und möchte mich erst einmal vorstellen:

ich bin weiblich, 43 Jahre alt und kinderlos. Bis vor einem halben Jahr war ich in einer Partnerschaft, die 17 Jahre gedauert hat. Bereits während dieser Partnerschaft habe ich mich oft einsam gefühlt, weil mein Freund keine Kinder wollte, mich nicht heiraten wollte und nicht mit mir zusammen wohnen wollte. Dazu kam, dass er im Schichtdienst gearbeitet hat und wir uns nur 1-2x in der Woche gesehen haben. Im Nachhinein wurde mir klar, dass er eigentlich nie an einer Beziehung mit mir interessiert war, das diese dann 17 Jahre lang gedauert hat, lag wohl nur daran, dass ich so geklammert habe und er zu bequem war, oder aus Mitleid nicht Schluss gemacht hat.

Jetzt habe ich das Gefühl, die ganzen vergangenen 17 Jahre kontinuierlich auf meine Einsamkeit zugesteuert zu sein, ohne es wirklich gemerkt zu haben. Die Möglichkeit eine Familie zu gründen wurde mir durch die letze Beziehung genommen und jetzt sitze ich ganz alleine da.

Da ich freiberuflich bin, bin ich sogar tagsüber die meiste Zeit alleine. Ich habe mich zwar schon in mehreren Sportvereinen angemeldet und gehe auch unter Leute, aber sobald die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fällt, überkommt mich die Einsamkeit.

Geht es noch Jemanden so? Was kann ich tun um da wieder raus zu kommen?

09.06.2015 22:00 • 14.06.2015 #1


20 Antworten ↓


Hotin
Hallo Sukie,

herzlich willkommen im Forum.
Zitat:
Jetzt habe ich das Gefühl, die ganzen vergangenen 17 Jahre kontinuierlich auf meine Einsamkeit
zugesteuert zu sein, ohne es wirklich gemerkt zu haben.

Bestimmt ist das nur ein Gefühl. Deine derzeitige Enttäuschung kann ich gut verstehen. Allerdings wird
es doch sehr viele schöne Zeiten für Euch beide gegeben haben. Oder liege ich falsch?
Zitat:
Ich habe mich zwar schon in mehreren Sportvereinen angemeldet und gehe auch unter Leute, aber
sobald die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fällt, überkommt mich die Einsamkeit.


Leider ist das im Moment eine sehr schwierige Phase, die jetzt durchmachst.
So etwas kenne ich auch.

Etwas ganz wichtiges machst du ja schon. Du gehst unter Leute.
Und jetzt solltest Du Dich nicht selbst schlecht reden , sondern einfach
schauen, das Du wieder nette Menschen findest, mit denen Du vieles
interessantes teilen kannst.
Ein netter Mann für Dich kann da sicher auch drunter sein.
Keine Angst vor dem allein sein bekommen. Das wird wieder.

Viel Glück für Dich

Viele Grüße

Hotin

09.06.2015 22:39 • x 1 #2



Ein langer Weg in die Einsamkeit

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stuttgarter10
Herzlich Willkommen Sukie, mir ist exakt das Gleiche passiert. Nicht das verflixte 7., sondern das 17. Jahr.
Leere ist nichts was man teilen kann, deshalb ist es gut unter Leute zu gehen.
Ich wünsche dir viel Glück in einer schweren Zeit.

10.06.2015 14:04 • x 1 #3


Adea
Hallo Sukie,

von mir auch herzlich willkommen

Ja das gibt es, den langen Weg in die Einsamkeit. Im Nachhinein zeichnet sich dann alles logisch ab. Wenn meine Geschichte auch eine völlig andere war, hat mich der Thread-Titel doch sehr angesprochen. Aber wir hatten unsere Gründe, so zu handeln, wie wir gehandelt haben, nicht wahr? In der Gegenwart beurteilt man eine Situation anders als aus der Perspektive der Vergangenheit. Nun ist es gelaufen, wie es gelaufen ist. Lass uns das Beste draus machen.

Liebe Grüße
Adea

10.06.2015 14:16 • x 2 #4


Hallo,
vielen Dank für eure ehrlichen und lieben Antworten. Ihr habt ja recht mit dem was ihr schreibt, aber es fällt mir unheimlich schwer zu akzeptieren, dass ich durch meine Entscheidungen plötzlich ganz alleine dastehe und daran auch nichts mehr ändern kann. Ich habe leider keinen großen Freundeskreis und alle meine Bekannten arbeiten und haben Familie. Ich komme mir wie ein Fremdkörper vor, der nirgendwo richtig dazu gehört, dazu kommt noch das Gefühl etwas verpasst zu haben. Aber wahrscheinlich gibt es dafür auch keine Universallösung.

10.06.2015 15:11 • #5


Hallo und herzlich Willkommen hier in diesem Forum.
Mir geht es ähnlich wie dir, bin auch alleine und spüre die Einsamkeit mit jeder Faser meines Körpers !
Ich funktioniere nur noch und das Leben geht total an mir vorbei.
Deswegen kann ich dich auch voll verstehen.

Nach 17 Jahren zu erkennen, dass man in falscher Hoffnung gelebt hat, ist sicher ein Schlag ins Gesicht. Aber, es ist ein neuer Anfang für dich! Es ist nie zu spät, zu erkennen, dass man sich in einem Laufrad bewegt hat.... Und nun hast du die Chance, ein ganz neues Leben zu starten.

Wir sind nicht alleine

NoraMarie

10.06.2015 16:24 • x 1 #6


martha_r
Hallo Sukie,
ich kenne das auch. Hatte letzte Woche auch das Gefühl, wie konnte ich mich nur in so eine Situation bringen? Auch das mit der Freiberuflichkeit, die die Einsamkeit noch fördert.
Wenn es mir nicht gut geht, neige ich dazu, mich noch mehr zu isolieren, weil ich mich dann anderen nicht zumuten will.
Ich finde, du hast jetzt den richtigen Schritt gemacht.
Wenn man einsam ist, sollte man sich andere Menschen suchen, die einem gut tun. Etwas mit anderen zu machen (Sport, Kurse, Hobbies usw.) ist immer super.

Ganz liebe Grüße!

10.06.2015 16:29 • x 1 #7


Adea
Zitat von martha_r:
Wenn es mir nicht gut geht, neige ich dazu, mich noch mehr zu isolieren, weil ich mich dann anderen nicht zumuten will.

Kommt mir bekannt vor....

Zitat von NoraMarie:
das Leben geht total an mir vorbei.

Als wenn wir aus unserer Position durch ein Guckfenster das Leben schauen.

Zitat von NoraMarie:
Wir sind nicht alleine

Nein, sind wir nicht, ein unsichtbares Band verbindet uns, auch wenn wir uns nicht sehen können.



Liebe Grüße
Adea

10.06.2015 16:53 • x 1 #8


Hallo Sukie,

schön, dass du hierher gefunden hast. Dass deine Beziehung gescheitert ist und du erkennen musstest, dass es nie die Beziehung war, die du gebraucht hättest, tut mir leid. Meine Situation ist eine andere, ich hatte nur eine einzige kurze Beziehung in jungen Jahren und dann nie wieder jemand kennen gelernt, sodass ich auch leider kinderlos geblieben bin und - aus anderen Gründen wie du - auch sonst sehr alleine bin. Ich bin auch in einem Sport- und in einem Sprachkurs, aber dort ergeben sich keine richtigen Kontakte. Alle anderen haben bereits einen Freundes- und Bekanntenkreis und haben keine Kapazitäten frei für Unternehmungen mit neuen Leuten - ist leider oft so. Aber es ist immer besser, rauszugehen, als sich zuhause einzuigeln. Daher machst du alles richtig. Bleib da dran! Ergeben sich denn durch die berufliche Tätigkeit gar keine Kontakte? Vielleicht gibt es ein Netzwerk, dem du dich anschließen könntest? Ich weiß z.B. von einem Frauennetzwerk in meinem ehemaligen Berufsfeld. Das macht recht oft gemeinsame Unternehmungen und organisiert Veranstaltungen. Super zum Kontakteknüpfen.

Lieben Gruß,
juwi

10.06.2015 21:43 • x 1 #9


Zitat von Adea:
Zitat von NoraMarie:
das Leben geht total an mir vorbei.

Als wenn wir aus unserer Position durch ein Guckfenster das Leben schauen.


Das ist sehr treffend ausgedrückt!

10.06.2015 21:44 • #10


Hallo juwi,
danke für deine unterstützenden Worte. Das mit dem Netzwerk ist eine gute Idee, die ich auch schon ausprobiert habe. Leider hat sich dadurch auch nichts weiteres ergeben, aber vielleicht habe ich auch noch nicht das Richtige gefunden. Ich denke, man muss einfach weitermachen, da habt ihr alle schon recht!

@ marhta_r:
das mit dem zumuten ist genau das, was ich auch empfinde, wenn es mir richtig schlecht geht und ich eigentlich am dringendsten Jemanden bräuchte.

Durch die ganze depressive Phase habe ich sogar einen Teil meiner Familie verloren, meine Schwester hat den Kontakt zu mir abgebrochen, weil sie einfach mit mir nichts mehr anfangen kann. Von ihr kamen dann so hilfreiche Tipps wie geh zum Arzt, das ist doch nicht mehr normal. Was ist denn normal? Keinen Schmerz zu empfinden? Aber so trennt sich die Spreu vom Weizen, auf der anderen Seite habe ich herausgefunden, dass ich 2 wirklich gute Freunde habe, die auch dann an meiner Seite sind, wenn ich nicht mehr weiter weiss.

11.06.2015 07:02 • #11


Hallo Sukie!

Ich kann nur empfehlen, doch mal eine Anzeige aufzugeben, um Menschen kennenzulernen, die einfach mal Lust haben sich zu unterhalten oder etwas zu unternehmen...In jeder größeren Stadt gibt es sicherlich ein Print-Veranstaltungsmagazin oder ein Schwarzes Brett online für Kontakte. Sicherlich muß man da dran bleiben und es ist auch viel Mist dabei, aber ein oder zwei Personen, vielleicht sogar in einer ähnlichen Lage, wären doch toll, um sich nicht mehr allein zu fühlen!

Man muß dran bleiben, aber es kann gelingen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß!

Alles Gute von Solaris

11.06.2015 11:16 • x 1 #12


Danke, Solaris, das ist eine gute Idee!

11.06.2015 13:30 • #13


Lasst uns das Guckfenster öffnen und hinaus gehen.

Adea, besser kann man die Situation nicht beschreiben

13.06.2015 07:26 • x 1 #14


Zitat von Sukie:
es fällt mir unheimlich schwer zu akzeptieren, dass ich durch meine Entscheidungen plötzlich ganz alleine dastehe und daran auch nichts mehr ändern kann.


Hallo Sukie,

herzlich willkommen in diesem Forum. Für diese Erkenntnis, die du da beschreibst, habe ich Jahre gebraucht. Es stimmt: du hast eine Entscheidung getroffen. Und wie sich das für mich liest, hast du im Grunde genommen schon sehr lange gewußt, daß das mit dem Kerli da nix wird. Ich war bis vor kurzem in einer sehr ähnlichen Situation. Ich habe eine Beziehung, von der ich nach 3 Monaten wußte, daß sie in die Hose gehen wird, 3 Jahre durchgezogen und das nur, weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, allein zu sein. Ich habe mich selbst für ein Minimum an Zuwendung verraten und verkauft. Und am Ende haben meine Entscheidungen zu dem geführt, wovor ich am meisten Angst hatte: zum allein sein.

Mittlerweile sind 4 Monate seit der Trennung ins Land gezogen. Anfangs fiel es mir schwer, mich auszuhalten. Ich habe mich bejammert, mich betrunken und den lieben Gott einen schlechten Mann sein lassen. Doch die Kehrseite der Medaille ist, daß ich heute Gelegenheit habe, diesen Bereich meines Lebens (nämlich meinen Unwillen allein sein zu wollen) zu beleuchten und mich damit auseinanderzusetzen. Und siehe da: ich komme mir selbst jeden Tag ein bißchen mehr auf die Spur.

Mittlerweile habe ich die Entscheidung getroffen, alte Fehler nicht noch einmal wiederholen zu wollen, sondern stattdessen mal das Unbekannte zu entdecken. In meinem Fall ist dieses Unbekannte das allein sein. Statt mich auf die Suche nach einer Partnerin zu begeben (wie ich es sonst immer tat), lasse ich meine Gefühle von Traurigkeit, Einsamkeit und auch manchmal Verzweiflung einfach zu und heiße sie willkommen. Das gelingt mir jetzt erst seit kurzem und das Ergebnis ist erstaunlich: die Zahl der Tage, an denen ich allein bin hat sich nicht geändert, aber die Zahl der Tage, an denen ich mich einsam fühle schon.

Was will ich damit sagen? Hm... ich glaube, daß der Schlüßel zur Linderung des Schmerzes über Einsamkeit darin liegt, die Situation zu akzeptieren. Alles andere wäre ein Kampf, den ich nicht gewinnen kann, denn ich kann weder die Vergangenheit ändern, noch die Umstände. So weh das auch alles manchmal tut bin ich heute dankbar für meine Erfahrungen, denn sie machen es mir möglich, in Zukunft anders handeln zu dürfen und mich selbst besser zu akzeptieren.

Ich wünsche dir, daß du auch einmal ähnliche Erfahrungen machen wirst. Trauere in angemessener Weise um das, was dir verloren gegangen ist, aber achte darauf, daß dich deine Trauer nicht auffrisst, weil du versuchst, Dinge zu ändern, die du nicht mehr ändern kannst.

Lieben Gruß

Fugazi

13.06.2015 08:29 • #15


Adea
Zitat von Fugazi:
ich glaube, daß der Schlüßel zur Linderung des Schmerzes über Einsamkeit darin liegt, die Situation zu akzeptieren. Alles andere wäre ein Kampf, den ich nicht gewinnen kann, denn ich kann weder die Vergangenheit ändern, noch die Umstände.

Hallo Fugazi!

Akzeptieren klingt immer erst einmal gut... aber... wenn alle Menschen, die allein sind, die Situation akzeptieren, anstatt zu kämpfen, wird es dann nicht immer mehr einsame Menschen geben?

Warum kannst du die Umstände nicht ändern? Die der Vergangenheit nicht mehr, klar, aber die der Gegenwart?

Liebe Grüße
Adea

13.06.2015 12:05 • #16


Die Einsamkeit halt zu akzeptieren halte ich auch nicht für den richtigen Weg. Der Mensch ist fürs Alleinsein nicht geschaffen. Mit anderen zusammen zu sein ist ein Grundbedürfnis, das man sich nicht abgewöhnen kann.

13.06.2015 12:45 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Ich schätze, Fugazi meint, daß nur, wenn man mit der Einsamkeit und dem Alleinsein umgehen kann, man auch frei für neue Kontakte, eine Kontaktaufnahme mit anderen Menschen ist. Ein wichtiger Schritt, wie ich auch finde!

13.06.2015 12:53 • #18


Aha, okay. Ja, das kann sein... es klang für mich halt anders, weil sie auch davon schrieb, dass man die gegenwärtigen Umstände nicht ändern kann. Das kann man nämlich sehr wohl, denke ich - obwohl ich es bisher selbst noch nicht geschafft habe.

13.06.2015 12:57 • #19


Adea
Zitat von Solaris:
Ich schätze, Fugazi meint, daß nur, wenn man mit der Einsamkeit und dem Alleinsein umgehen kann, man auch frei für neue Kontakte, eine Kontaktaufnahme mit anderen Menschen ist. Ein wichtiger Schritt, wie ich auch finde!


Wird allgemein so gelehrt, in der heutigen Zeit, mit der zunehmenden Zahl von Singles. Ich habe da meine Zweifel.

Dadurch dass diese Einstellung verbreitet wird und sich immer mehr verbreitet, vor allem durch die modernen Psychotherapien, und alle eifrig lernen, allein zurechtzukommen, erscheint Gemeinsamkeit den Menschen immer weniger Grundbedürfnis und Normalität. Es geht ja auch allein. Einige schämen sich bereits, wenn sie mit dem Alleinsein nicht klarkommen. Wäre in der alten Zeit undenkbar gewesen. Da galt es als normal, nicht allein zu sein. Da war es absurd, Alleinsein anzustreben.

Wenn man erst einmal gelernt hat, mit dem Alleinsein umzugehen und sich im Alleinsein eingerichtet hat, ist man m.E. nicht zwangsläufig frei für neue Kontakte. Im Gegenteil. Auch Gemeinsamkeit kann man verlernen. Die ist nämlich auch eine hohe Kunst. Und vielleicht eine höhere Kunst als das Alleinsein.

LG, Adea

13.06.2015 15:40 • x 1 #20



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