Pfeil rechts

Hallo ihr,

also, wenn ich mir das so durchlese, was wir so über unsere Beziehungen schreiben, kommen mir da so ein paar Gedanken:
Wir alle fühlen uns nicht wohl in unserer Beziehung
Wir alle wünschen uns, dass der Partner sich anders verhält.
Unser aller Partner/in denkt aber gar nicht daran (warum auch?).
Denn, wir alle halten ja alles aus, was er/sie sich so einfallen lässt, warum sollte der/die sich ändern, wäre ja unangenehm.
Wir alle stellen ständig uns in Frage.
Wir alle gehen davon aus, dass wir uns ändern müssen, um mit den Eigenheiten unseres Partners klar zu kommen.

Warum eigentlich?

Warum eigentlich muss er/sie den Ton und die Art unserer Beziehung bestimmen? Wie schafft er/sie das? Weil wir uns nicht ermannen, es selbst mal zu tun.
Was würde denn passieren, wenn wir uns mal auf die Hinterbeine stellen und sagen: "Junge/Mädel, so mit mir nicht mehr!!
Jaaa, er/sie würde uns sofort und stantepede verlassen.
Würde er/sie das wirklich? Wäre er/sie nicht vielleicht auch erstaunt und erfreut, endlich mal ein Gegenüber mit Persönlichkeit zu haben anstatt einen Waschlappen, der sich alles aufdrücken lässt? Ist er/sie vielleicht auch so drauf, weil es nervt, ständig ein Hündchen vor sich zu haben, das sich alles sagen lässt und für jede Liebesbeweis soo dankbar ist?

Und wenn er/sie uns wirklich verlässt, wäre das so eine Katastrophe? Ist ein Leben in dieser Einsamkeit, Abhängigkeit mit ewigem Frust und Leid so viel besser? Evtl. kennen wir das alle von zu Hause und fühlen uns deshalb relativ wohl im bekannten Unglück, was so viel gefahrloser ist als neue Wege, die vielleicht erst mal durch die Einsamkeit führen.

Aber mann, da sind wir doch sowieso schon, sonst würden wir doch nicht in diesem Forum schreiben!

Denkt mal drüber nach,

Eure Mikesch

16.03.2007 17:47 • 05.04.2007 #1


10 Antworten ↓


Hallo Petra,
das was du da schreibst, hört sich so verdammt gut an, aber die Wirklichkeit ist oft (leider) eine andere, denn dann spielt das, was wir Liebe nennen eine entscheidende Rolle. Ich habe mal eine NLP Therapie gemacht und da ging es einzig allein darum, dass ich andere Menschen nicht ändern kann, nur mich selbst, was ich dann auch getan habe, um mit der der damaligen Situation zurecht zukommen. Genützt hat es mir in der Beziehung nichts, denn meine Frau hat mich damals trotz meiner Veränderung verlassen, aber ich verhalte mich heute in Krisensituationen noch genauso. Heute bin ich wieder da, dass ich mit mir machen lasse, oft darunter leide, aber nichts ändere, damit meine Freundin mich nicht verläßt. Ich kann das Leben in Einsamkeit nicht ertragen. Konnte es noch nie und weiß nicht, ob ich es irgendwann einmal lerne. Kannst du es denn - den neuen Weg durch die Einsamkeit gehen? Ja irgendwie sind wir schon in der Einsamkeit, aber doch nicht immer und die Momente des totalen Glücks machen die Stunden der Einsamkeit wieder wett. Ich weiß nicht wie der richtige Weg aussehen muss, ich weiß nur, dass ich meinem Gefühl folgen muss, auch wenn es mich immer wieder in die Irre führt. Ich wünschte mit auch, dass es leichter ist. Aber das Leben ist nicht leicht und wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, dass ich vor meiner Geburt hätte entscheiden können, ob ich auf diese Welt möchte - ich hätte NEIN gesagt. Aber mich hat keiner gefragt.
Liebe Grüße
Martin

17.03.2007 00:02 • #2



Denkanstöße zur Einsamkeit in der Beziehung

x 3


Hallo Martin,
das meine ich ja grade. Du hast NLP gemacht, um "besser mit der Situation zurechtzukommen", also um dich der Situation und deiner Partnerin anzupassen, obwohl es völlig gegen Deine Natur war. Auch wenns hart klingt: Gut, dass es nichts genützt hat, denn Selbstvergewaltigung sollte nicht auch noch Erfolg bringen, hm.
Du hast das nicht gemacht, damit es Dir besser geht, egal wie, sondern um die Bedürfnisse Deiner Frau zu erfüllen.

Mal ganz ehrlich: Wie reagierst Du selbst auf jemanden, der sich so verhält? Der sich nur anpasst und zum Schatten seiner selbst wird? Ich reagiere mit Wut darauf. Wenn jemand eine solche "Tritt-mich-Haltung" einimmt, habe ich auch das Bedürfnis, ordentlich drauf rumzutrampeln. Was macht mich so wütend? Das ich kein Gegenüber habe, keine eigenständige Persönlichkeit die mit mir in Augenhöhe ist. Das macht wütend und ich kann verstehen, dass der Partner/die Partnerin auf einem rumtrampelt, wenn man zum Waschlappen mutiert ist.
Schließlich hat man am Anfang etwas anderes repräsentiert.

Vielleicht wäre dein Freundin ja froh gewesen, hättest Du NLP gemacht, um Deine Bedürfnisse näher kennenzulernen und für Dich zu sorgen, anstatt alle Verantwortung für Dein Glück und Wohlbefinden ihr anzulasten.

Ich habe beide Positionen in der Beziehung durch, die über- und die unterlegene und deshalb kann ich mich auch in die andere Seite einfühlen.

Gruß, Petra

17.03.2007 10:45 • #3


Hallo Petra,
auch ich kenne beide Seiten, wobei ich die unterlegene Seite öfter eingenommen habe und auch immer noch in sie zurückfalle. Ich weiß nur zu gut, wie das ist, wenn jemand auf mir herumtrampelt, aber anstatt mich zu wehren, habe ich mich nur noch unterwürfiger gezeigt und bekam noch mehr ab. Das was du sagst leuchtet mir ein und ich verstehe es auch, aber wenn ich dann versuche mich auch so zu verhalten, dann kriege ich Angst - Angst vor Verlust, Angst vor der Einsamkeit, die ich nicht ertrage und dann ist alles vergessen, was ich mir vorgenommen habe. Zur Zeit arbeite ich an mir, damit dies besser wird, aber es ist ein langer Weg. Ich habe mich in meinem bisheriges Leben immer über eine Partnerin identifiziert und bin immer von einer Beziehung in die andere gerutscht. Zur Zeit bin ich auf dem Weg zu mir, aber auch nur, weil meine Freundin meine Nähe nur sehr bedingt aushält und ich folglich viel allein bin und damit zurechtkommen muss. Es wird besser, aber die Schritte sind sehr klein und ich stecke immer wieder fest und komme nicht weiter. Ich werde auch in nächster Zeit therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, um mich selbst besser zu finden. Es wird langsam Zeit.
Liebe Grüße
Martin

17.03.2007 16:03 • #4


Hallo Martin,
ja, ne Therapie ist sicher gut. Hoffe für Dich, dass Du eine/n gute/n Therapeuten/in findest
Ich glaub, ich hab's ganz gut getroffen. Die Th. gibt keine Verhaltensregeln vor, kommentiert nur und läßt mich selbst entwickeln, in meinem Tempo. Und das ist (für meine Begriffe) laaaangsam.
Kleines Beispiel: vor 1 1/2 Jahren sollte ich mir etwas nicht mehr bieten lassen. Habe aber gemerkt, dass ich vom Gefühl her noch nicht dahinter stehe und es deshalb nur schiefgehen kann. Hab mich dann zuerst mal bei ihr gewehrt (auch schwer, weil sie ja schon so was wie ne "Autoritätsperson" darstellt)und gesagt, dass sie wahrscheinlich recht hat, aber ich es noch nicht so fühlen kann. Wenn sie Recht hätte, würd ich das schon irgendwann merken. Sie hat mich dann auch so lassen können, das war wichtig. Es hat dann eben 1 1/2 Jahre gedauert, bis auch mein Bauchgefühl so war, dass ich voll und ganz sagen konnte: "Das will ich nicht mehr" und da es echt gewachsen war, war's auch "meins" und so konnte ich mich durchsetzen.
Hat aber auch viele Tränen gekostet, das will ich nicht leugnen. Aber heulen muss ich so oder so. Heul ich, weil mein Freund nicht meinen Bedürfnissen entspricht, bringt das nur nix. Heul ich, weil ich mich mit meinen Schatten auseinandersetz, hat das wenigstens einen Sinn. Und das Gefühl für mich wächst, langsam, aber doch.
Wünsch Dir viel Glück bei der Suche!

27.03.2007 20:34 • #5


Hi Martin ich hab deinen Beitrag gelesen, na ja eigentlich nichts neues in Sachen das Leben, die Hochgelerten meineten immer "wir haben nur die Wahl zwischen Einsamkeit oder Gemeinheit" ich selber lebe seit über 15 Jahren allein, dabei bin ich 39 Jahre alt, die Einsamkeit hätte mich beinah umgebracht, aber der Mensch an sich ist ein Überlebenskünstler. Ich verstehe schon wie schmerzhaft das ist seinen Partner zu verlieren egal auf welche Weise auch immer, und danach von niemanden getröstet zu werden, denn das hatte ich vor kurzem selber durchleben müssen. Nun da ich ein Christ bin sag ich wer betet ist nicht allein, wer liest ist nicht allein, wer träumt ist nicht allein, Hey vielleicht solle man sein Schicksal als eine positives Ereignis annhemen, und noch was du bist nicht allein. Ich z.B bin deshalb hier weil gerne solchen Gedankenaustausch mach, ist doch für uns nur wohl tuend oder Gruß Jan

28.03.2007 21:25 • #6


Hallo Martin,

wie du denkst oder veranlagt bist bin ich auch. Ich bin seit 27 Jahren verheiratet und fühle ALLEIN zu zweit. Mein mann hat mich verlassen wegen einer anderen Frau. Er kann mit ihr Dinge tun die ich mir immer gewünscht habe mit ihm gemeinsam zu tun (urlaub fahren, mal einen netten Abend verbringen etc.). Wenn ihm danach ist fährt er zu ihr und dann kommt er zurück und tut wenn nichts gewesen ist. Eine Trennung möchte er nicht. Sagt mir wie dumm ich bin, den Ast abzusägen auf dem ich sitze. Ich kann mich nicht losreissen, habe Angst alles zu verlieren was wir gemeinsam aufgebaut haben. Ich bin für ihn Mädchen für Alles und er vergnügt sich als Dankeschön außer Haus. Bin nah am Wasser gebaut und finde keinen Neuanfang aus Angst wieder enttäuscht zu werden, außerdem hänge ich an Haus und Garten, obwohl es mir nicht gehört.Bin also Gefangene meiner eigenen Dummheit. Na ja, vielleicht kann ich noch einbisschen Glück empfangen und gegen mein Gefühl, das ich ihn immer noch lieb habe ankämpfen. Aber im Moment bin ich von ihm finanziel abhängig und auch noch behindert. Ich habe seid Geburt einen Hüftschaden, den mir auch noch zum Vorwurf macht. Weiß einfach nicht was ich tun soll, würde mich am liebst in einem tiefen Loch vergraben.

04.04.2007 19:56 • #7


Gast schrieb am Mi, 04 April 2007 19:56
Weiß einfach nicht was ich tun soll, würde mich am liebst in einem tiefen Loch vergraben.


Hallo Gast,
das mit dem tiefen Loch kommt später, wenn Du tot bist. Jetzt würd ich das noch nicht in Erwägung ziehen. Kann es allerdings verstehen, nach dem was Du geschrieben hast. Aber noch lebst Du, wenn auch zur Zeit nicht mehr viel.
Du hast Deinen Mann noch lieb, schreibst Du. Dich anscheinend aber nicht. In der Situation, in der Du jetzt bist, dürfte das auch schwer sein. Durch die ständigen Demütigungen, die Du dir antun lässt und selbst antust, rutscht Du nur noch tiefer ín den Selbsthass.
Du darfst Deinen Mann auch noch lieb haben, aber für Dich musst Du etwas tun. Du musst (wieder?) ein Gefühl für Dich selbst bekommen. Es muss ja nicht gleich der Riesenschritt sein, fang klein an und überforder Dich nicht, indem Du meinst, Du musst gleich alles hinschmeißen, das ist nämlich dann zuviel verlangt, dann kapitulierst Du und tust gar nichts.
Überleg mal, ob es etwas gibt, was Du für Dich tun könntest, was Dir, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum, ein gutes Gefühl geben könnte. Das ist dann der Anfang, den man ausweiten kann.
Ich wünsche Dir viel Kraft!

Und dann wollt ich für uns alle noch einen Spruch zum Besten geben, den ich in einem Film gehört habe: "Nur mit leeren Händen kann man nach Neuem greifen." Der hat mir gefallen.

Liebe Grüße, Mikesch

04.04.2007 21:18 • #8


Hallo Petra,
der Spruch ist gut und so wahr. Jetzt weiß ich jedenfalls, warum ich immer alles Materielle zurückgelassen habe, wenn ich gegangen bin.
Liebe Grüße
Martin

04.04.2007 21:58 • #9


Hallo Mikesch,

du hast ja so recht, aber es ist leichter gesagt als getan. Igebe mir an allem die Schuld und habe das Gefühl das mich keiner lieb hat. Etwas zu unternehmen allein ist so schwer, es fehlt ein Mensch mit dem man über das Erlebte und Gesehene reden kann und vielleicht auch einmal Lachen. Jetztz kommt Ostern und ich bin wieder allein und habe viel zeit über die Vergangenheit nach zu denken. Der Blick in die Zukunft fehlt mir noch. Aber ich werde trotzdem versuchen deine Tipps zu beherzigen. Danke
Lg Gudrun

04.04.2007 22:09 • #10


Hallo Gudrun,
ich weiß nur zu gut wie das ist, wenn man niemanden hat, dem man seine Erlebnisse erzählen kann. Das ist schwer. Aber ich bin froh, dass es dieses Forum gibt. Dort kann ich mich austauschen, wenn ich mal wieder allein und auch einsam bin.
Du mußt versuchen, dich selbst zu lieben, dann ist schon mal wieder einer da, der dich liebt. Versuch mal in den Spiegel zu schauen und dich anzulächeln. Ich mache das und es hilft mir ein klein wenig weiter. Nicht immer - aber es hilft. Ansonsten schreib dir hier alles von der Seele, was dich bewegt. Auch das hilft.
"Wenn mich dunkle Wolken betrüben, kann ich sie nicht immer verscheuchen. Aber ich kann mich irgendwo unterstellen, damit ich nicht total durchnässt werde vom Regen." Ist nicht von mir, aber hilft mir.
Liebe Grüße
Martin

05.04.2007 09:33 • #11



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler