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Hallo,
ich habe ein großes Problem, welche man mit dem Begriff retrospektive Eifersucht beschreiben könnte. Obwohl ich jetzt nicht mehr der Jüngste bin, hat sich bei mir
eine schwere retrospektive Eifersucht auf die sexuelle Vergangenheit meiner Frau eingestellt.
Vor unserer Heirat hatte sie schon erhebliche sexuelle Erfahrungen, ich nicht. War, wie man so schön sagt, noch Jungmann. Von Anfang an gab es deshalb Streit. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass die Frau, die ich liebte und begehrte, mit anderen Männern im Bett war. Da war ich gerade 19 geworden. Hatte noch Ideale.
In der Anfangsphase unserer Liebe habe ich dann begonnen, sie nach Einzelheiten auszufragen. Besonders die Fragen nach wo, in welcher Stellung, wie oft usw.
Sie hat sich bemüht offen zu sein, hat mir auch von einem Liebhaber erzählt, der in einer Nacht 5X hintereinander mit ihr sexuell verkehrt hat. Sie sagte mir, dass es dem Liebhaber sehr großen Spaß gemacht hat, wie eine sportliche Herausforderung.
In der Zwischenzeit leide ich unter einer erektilen Dysfunktion. Mir kommt das Bild dann vor mein inneres Auge, wenn ich heute mit meiner Frau schlafen möchte, oder gerade zum Zeitpunkt, wenn ich eine erek. benötigte. Es ist wie ein Fluch...
Bin in einer Therapie, wir beide auch in einer Paarberatung.
Leider hat sich bisher nicht viel verändert. Scheidung liegt in der Luft. dabei verstehen wir uns sonst so gut. Vor allen Freunden sind wir das ideale Paar.
Könnt ihr uns vielleicht mit Ratschlägen helfen, Möglichkeiten, die aus dem Alltag entstammen. Vielleicht kennt jemand ein solches Problem.
Vielen Dnk
Mann

17.11.2011 12:38 • 20.11.2011 #1


10 Antworten ↓


Ja ja, kenne ich tendenziell. Kenne auch Leute, die Fotos von früheren Freunden aus dem Album des Partners entfernen.

Ok, also stell dir vor, dass man in so einem Fall mit einer Mistgabel in der Hand vor dem dazugehörigen Haufen der leblosen Materie steht und sich mit ihrem Umschichten beschäftigt. Natürlich ist es egal, wie das Zeug vor einem da liegt. Und so ist es mit der Vergangenheit.

Du kannst eins machen. Jeden Gedanken, der nichts mit der Gegenwart zu tun hat als kontraproduktiv erkennen, ihn nicht aufsteigen lassen. Quasi eine "Gedanken-Stopp-Übung" durchführen. Die ist zwar kein leichtes Unterfangen, fällt aber mit der Zeit immer leichter, weil sie nach und nach zur Gewohnheit und Routine wird. Die Energie, die dann übrig bleibt, kann direkt in gegenwärtigen Situationen und Konflikten verwendet werden.

http://www.pce-yoga.com/gedankenstoppubung.html

http://oe3.orf.at/aktuell/stories/367087/

Die Reaktion ist das Wesentliche. Und die Verdängung der Notwendigkeit bzw. die Unfähigkeit zu reagieren führt zu inneren Konflikten.

Hoffe ich konnte helfen.


Liebe Grüße.

17.11.2011 13:44 • #2



Retrospektive Eifersucht

x 3


HALLO;
zuerst einmal vielen Dank für die Zuschrift. Mir ist es sehr peinlich solche Dinge zu veröffentlichen.
Aber der Leidensdruck bringt mich dazu. Gehe ich richtig in der Annahme, dass es heute völlig egal ist, was meine Frau gemacht hat, oder dieser Typ z.B.
Wichtig wäre für dich, dass die negativen Gedanken verschwinden. Und dafür gibt es Techniken, soweit ich dich verstanden habe.
Das Ausmaß meines Problems ist beträchtlich, da mein Selbstwertgefühl auf eine eigentümliche Art und Weise beschädigt ist. Mir geistert immer die Zahl 5 im Kopf herum.
Nun überlege ich schon, ob ich blaue Pille oder ähnliche Sachen nehmen sollte, um diesen Anforderungen zu genügen. Merkwürdigerweise habe ich die Idee, dass ich die Zahl beseitigen
muss, erhöhen auf 6 oder 7 . Verstehst du die Logik und das Paradoxon. Nachts kommen mir regelrechte Filme in den Sinn. An Selbstmord habe ich auch schon gedacht. Diese
Geschichte wird mehr und mehr ein existenzielles Problem für mich.
Ich werde die empfohlenen Seiten von dir sehr genau studieren. Auch die Möglichkeiten, um negative Gedanken zu neutralisieren.
Vielen dank
Mann

17.11.2011 14:31 • #3


Zitat von Mann:
Gehe ich richtig in der Annahme, dass es heute völlig egal ist, was meine Frau gemacht hat, oder dieser Typ z.B.

Was genau haben sie aus deiner Sicht getan?

Zitat:
Wichtig wäre für dich, dass die negativen Gedanken verschwinden. Und dafür gibt es Techniken, soweit ich dich verstanden habe.

Indirekt. Das Werten kann man relativieren.

Zitat:
Nun überlege ich schon, ob ich blaue Pille oder ähnliche Sachen nehmen sollte, um diesen Anforderungen zu genügen. Merkwürdigerweise habe ich die Idee, dass ich die Zahl beseitigen
muss, erhöhen auf 6 oder 7 . Verstehst du die Logik und das Paradoxon.

Nein. Auch das ist relativ.

Zitat:
An Selbstmord habe ich auch schon gedacht.

Tue ich auch. Jeden Tag. Ich kann leben oder sterben... wie ich es haben will.

Zitat:
Ich werde die empfohlenen Seiten von dir sehr genau studieren. Auch die Möglichkeiten, um negative Gedanken zu neutralisieren.

Genau.

Selbstmord ist ein Gedanke. Zahl 5 genauso. Manchmal ist Zahl 1 der Himmel und die Zahl 5 nur ein Billigabklatsch des Selbigen und die Zahl 20 kann eventuell schon mit dem Psychiatrischen Notdienst in Verbindung gebracht werden... einfach ein Gedankenwahn!...



Liebe Grüße.

17.11.2011 15:59 • #4


Hi, du,
ich habe mich wiederum sehr über deine mich nachdenklich gemachte Mail gefreut.
Vielleicht muss ich erwähnen, dass meine retrospektive Eifersucht sich hauptsächlich auf das
Sexuelle bezieht. Für mich ist es derzeit schwierig zu akzeptieren, dass sie mit mehreren
Männer vor mir Nächte verbracht hat, sexuelle Techniken realisiert hat, von denen ich wollte,
dass ich sie mit meiner Frau " jungfräulich " erlebe.
Du darfst nicht denken, dass ich zu diesseitiger Eifersucht neige. Daskonnte ich ganz praktisch überprüfen, im Hier und Jetzt.
Meine Frau hatte mit meinem Einverständnis eine außereheliche Affäre. Zu meinem Erstaunen baute sich keine Eifersucht auf. Nach der Trennung von ihrer Affäre sind wir uns
wieder sehr nahe gekommen. Das Sexuelle habe ich nicht als etwas Trennendes erlebt.
Was die vorehelichen Erfahrungen abelangt, ist das anders. Es hat eine absolute Bedeutung.
Ich würde gerne den Austausch mit dir weiterführen. Du bist mir eine Hilfe, und das nach langer Zeit des Suchens.
Ist es erlaubt, wenn ich dich frage, ob du eine Frau bist
VG
Mann

17.11.2011 19:11 • #5


Hi, ich bin Frau. Vielleicht kann ich dir tatsächlich noch einen Tipp geben. Mein Exmann hat mit mir Ähnliches erlebt. Ich war 30, er 22. Aber - er hat nie nach Einzelheiten gefragt. Du wolltest den genauen Ablauf wissen. Warum? Das kann man erstens als eine selbstverletzende Tendenz sehen, und auch weil du das Sexuelle in den Vordergrund gestellt und für dich allein beansprucht hast, denke ich, dass du vielleicht als Kind sensibilisiert oder traumatisiert wurdest. Interessantes zu dem Thema gibt es z. B. unter dem Stichwort Ödipuskomplex bei Wikipedia ode im Psychologie-Lexikon nachzulesen. Man kann entweder selbst in der eigenen Vergangenheit nachforschen, oder sich z. B. mithilfe der analytischen Psychotherapie oder der Hypnose auf die Reise in die eigene Vergangenheit begeben.

Oder wolltest du eher über den Weg des Viagra-Konsums diskutieren?
Ich bin mir nicht sicher, ob man Kränkungen erfolgreich im Bett verarbeiten kann. In dem Fall würden sich alle Ratgeber zu dem Thema erübrigen, die man tonnenweise auf dem Markt vorfindet...



Liebe Grüße
Manava

18.11.2011 01:15 • #6


Hallo, Manava,
was hat dein Mann mit dir erlebt ? Ähnliches schreibst du. Und er hat nie gefragt ?
Warum können das manche Männer aushalten und warum manche nicht? Ich glaube nicht,
dass es etwas mit Selbstbewusstsein oder Minderwertigkeitsgefühl zu tun hat. Könnte es etwas mit Ignoranz zu tun haben.
Als ich meine Frau kennen lernte, war ich gerade 19 geworden. Sie war 22 Jahre. Liebe bis zum Wahnsinn und dann die Ernüchterung:

Schatz, ich muss dir sagen, dass ich schon mit einigen Männern sexuelle Beziehungen hatte.
Ich weiß, dass es für dich nicht schön sein wird zu erfahren, dass....boing,boing. Dann ging für mich die Welt unter. Sexualität wurde zum Schlachtfeld. Ich konnte mich darüber freuen,dass sie mit keinen dieser Männer einen Orga. bekommen hatte. Wir wollten das gemeinsam erleben und bearbeiten. In unserer ganzen Ehe haben wir dann den gemeinsamen Orga. aber nur 1 1/2 Mal geschafft. Leider....Und ihre Lust verschwand
vollständig. Die sexuellen Erfahrungen, die meine Frau gemacht hatte, waren eher dazu
geeignet, sich Sexualität abzugewöhnen. Das blieb in ihrem Kopf.
Unsere sexuelle Situation ist verfahren....Sackgasse.
VG
Mann

18.11.2011 01:57 • #7


Zitat von Mann:
Hallo, Manava,
was hat dein Mann mit dir erlebt ? Ähnliches schreibst du. Und er hat nie gefragt ?

Hallo Mann. Mein Exmann hat nicht gefragt.. nur die Anzahl der "Vorgänger" wollte er wissen, oder habe ich selbst darüber gesprochen? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls hat allein das für genügend Frustration gesorgt.

Schlachtfelder. Kenne ich auch. Aber heute frage ich mich selbst, warum ich mitgemacht habe.

Angenommen ein Kind wächst in optimalen Verhältnissen auf und kann sich auf allen Ebenen gesund entwickeln. Es ist in keiner Not und erfindet keine Strategien wie z. B. sich mit anderen zu vergleichen, sich den anderen entweder unterlegen oder besser gestellt zu fühlen, es hat ein gesundes Selbstvertrauen und eine positive Lebenseinstellung. Man kann sich diesbezüglich auch eine Frage stellen: Wie reagiert dieses Kind im Erwachsenenalter beispielsweise auf eine Konfrontation mit Schlachtfeldern? Wahrscheinlich sagt es sich: Das habe ich nicht nötig, das ist nicht das, was ich will, - und geht und bemüht sich darum, sich solche Lebensumstände zu erarbeiten, die es nicht an seiner weiteren Entwicklung und am Erfüllen seiner Lebensaufgaben hindern.

Ein Kind, das Gegenteiliges erfährt, verhält sich anders. Ihm fehlt die Orientierung, klare Linien und Vorgaben. Worum geht es dann? Ums lernen. Ums Lernen und Wollen. Um kein willkürliches Wollen, sondern ums Handeln im Sinne der Notwendigkeit.

Ich habe übrigens hier im Forum schon öfter gefragt, warum die, die Probleme haben an ihren festgefahrenen Partnerschaftsstrukturen so hängen. Die meisten nehmen die Schuld auf sich und bringen ein Argument ins Spiel: Liebe. Aber wenn ich mich nicht selbst liebe, wenn ich anderen erlaube mich zu verletzen oder auszubeuten, kann ich ebenso von den anderen nicht viel halten. Das ist eine Gesetzmäßigkeit, die sich in alten Religionen, Traditionen und auch in der Psychologie wiederspiegelt und aus empirischer Sicht eine Konstante, quasi unwiderlegbar ist. Und wenn ich den anderen dann nur deshalb benötige um meine Schieflage zu kompensieren, dann ist es eine illusionäre Empfindung, die man gerne durch große Worte wie "Liebe" zu beschönigen sucht, dann ist es doch ungefähr so, wie wenn ein Bein beim Tisch fehlt und man die Tischdecke bis zum Boden zieht, damit es nicht auffällt. Bei der kleinsten Erschütterung kracht aber alles zusammen und die Dekoration sieht nur noch albern aus.

Und was ist denn das Annehmen der Schuld und das Alibi "Ich liebe doch", eigentlich der Ausdruck einer Opferstellung, oder sehe ich es falsch? Wenn ich ein Opfer bin, kann und muss ich nicht handeln, das ist der vermeintliche Vorteil. Ich sehe das so - diesen Fehler machen wir alle. Bis zum Zeitpunkt des Scheiterns oder bis zur Manifestation der Symptome der psychischen oder psychlsomatischen Störungen, und selbst dann wollen wir nicht daran glauben, dass wir doch ganz gut die Verantwortung für alles, was uns, und um uns herum geschieht, übernehmen können.

Zitat:
Warum können das manche Männer aushalten und warum manche nicht?

Frauen leiden auch unter dieser Art von Eifersucht, machen Vergleiche und fühlen sich minderwertig. Es kommt auf die Umstände an, wie gut man das bewältigen kann. Es kommt auch auf die Einstellungen und Verhaltensweisen des Partners an, es kommt auf die eigene Kränkbarkeit an. Und auf die Intensität der besitzergreifenden Tendenzen und des Konkurrenzverhaltens.

Zitat:
Ich glaube nicht, dass es etwas mit Selbstbewusstsein oder Minderwertigkeitsgefühl zu tun hat. Könnte es etwas mit Ignoranz zu tun haben.

Ja ich denke schon, besitzergreifendes Denken ist im Grunde Ignoranz. Unwissenheit bezüglich der Tatsache, dass es auch anders gehen kann.

Zitat:
Schatz, ich muss dir sagen, dass ich schon mit einigen Männern sexuelle Beziehungen hatte.
Ich weiß, dass es für dich nicht schön sein wird zu erfahren, dass....boing,boing.
Zitat:
Ich konnte mich darüber freuen,dass sie mit keinen dieser Männer einen Orga. bekommen hatte.

Vielleicht hat sie das dann als ungelöstes Problem in die Runde geworfen, und es eigentlich gar keine Kriegserklärung war, sondern ein Hilferuf. Wäre ja auch möglich. Sie hat das und das erlebt und ist dabei zu keiner Erfüllung gekommen. Sie hat vielleicht nur auf eine ungeschickte und für dein Empfinden verletzende Art ihr ungelöstes Problem thematisiert.

Zitat:
Wir wollten das gemeinsam erleben und bearbeiten. In unserer ganzen Ehe haben wir dann den gemeinsamen Orga. aber nur 1 1/2 Mal geschafft. Leider....Und ihre Lust verschwand
vollständig. Die sexuellen Erfahrungen, die meine Frau gemacht hatte, waren eher dazu
geeignet, sich Sexualität abzugewöhnen. Das blieb in ihrem Kopf.

Aber das hätte doch nicht sein müssen. Wozu haben wir Gesundheitswesen und Sexualtherapeuten? Oder Therapeuten allgemein?...

Und wie sieht das denn jetzt aus - beschäftigt sich der Paartherapeut oder eben der, bei dem ihr seid, mit diesen Problemen? Bei so radikalen Störungen kann man doch darauf wetten, dass eine Traumatisierung in der Kindheit stattfand, und dass die Folgen eben auf dich abgefärbt haben.

Ich denke man müsste die Ursache der Störung finden, aus meiner Sicht wäre das die grundsätzliche Baustelle...

Und noch etwas - was ich schreibe, ist nicht was ich lebe. Was ich schreibe ist angelesen und schlussgefolgert. Es sind im Grunde meine theoretische Vorgaben, die auch jeder gerne anzweifeln oder ergänzen kann.

Vergleiche können schon interessant sein. Aber wer kann das schon? Das ist das Problem. Wer schafft sich eine Position aufzubauen, die die Identifikation mit der eigenen Geschichte aufhebt und das Reflektieren möglich macht?

Ich kann mich an einen Therapeuten erinnern, dessen Standardsatz war: Nur wenn man reflektieren kann, nur wenn man reflektieren kann...
Na gut, manche haben eben ihre Gebetsmühlen....



Liebe Grüße
Manava

18.11.2011 20:48 • #8


Liebe Manava,
ich hätte nicht gedacht, dass ich hier im Forum auf eine Hilfestellung stoßen würde. Daher möchte ich mich noch einmal bei dir bedanken für deine Unterstützung, deine Sichtweisen.

Was könnte meine Baustelle sein? Zu meiner Mutter habe ich ein sehr nahes Verhältnis, sie hat mich sehr an sich gebunden. Konnte mich auch als Mann irgendwie nicht loslassen. Von einem Missbrauch auf sexueller Art kann ich nicht ausgehen. Dafür gibt es bei mir keine Erinnerung...

Du hast Recht, wenn du sagst, dass die Lebensumstände wichtig sind. Dass man als Kind lernt, mit den Problemen des Lebens umzugehen. Eben Selbstwertgefühl aufzubauen. Dann wäre es auch möglich andere, als geplante Lebensverläufe zu akzeptieren und zu leben.

Meine Mutter war für mich als Kind eine Heilige. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass sie vor meinem Vater mit anderen Männern Sex hatte. Sexualität hatte für mich in meiner frühen Jugend immer auch etwas von Spiritualität. Ich liebte es, zu onan. und dabei an die ideale Frau, die Jungfrau, die auf mich am Ende meiner Jugend wartet, zu freuen.

Das ist bei mir nicht aufgegangen. Hätte ich ein starkes Selbstwertgefühl und ein besonderes Gefühl für meine Männlichkeit gehabt, hätte es mir sicherlich nichts ausgemacht, dass meine Frau mit Männern vor mir Sex hatte.

Meine Frau hatte sich in mich verliebt, weil ich ihr Traummann war. Ich war groß, 190 cm, schlank, mit intellektuellen Fähigkeiten ausgestattet. Sie konnte sich sofort auf mich
auch in sexueller Hinsicht einlassen und vor mir einen Orga. bekommen.
Das war für mich schon eine Abgrenzung zu den anderen Männern.

Es gelang mir aber nicht, diese vielleicht fiktiven Bilder von den Treffen mit diesen Männern aus den Kopf zu bekommen. Da sehe ich regelrechte Filme in meinem Kopf ablaufen, wie eine Gedankenschleife.

Dabei sind diese GEDANKEN auch durchaus ambivalent. Zum einem führen sie zur einer
Art depressiven Sitmmung, zum anderen auch zu einer Art Faszination über das Geschehene. Und schändlicher Weise stelle ich dann sogar für kurze Zeit eine Art Erregung fest; sehe meine Frau als eigenständiges autonomes sexuelles Wesen, das sich die Möglichkeit nimmt, Männer kennenzulernen und ihre Weiblichkeit zu leben.
Eigentlich müsste es mich doch freuen, dass sich diese Männer in meine Frau verliebt hatten, dass sie für andere Männer auch begehrenswert war. Und dazu gehört wohl auch, dass sie mit ihr schlafen wollten. Es müsste mich freuen, dass sie sich auskennt mit der männlichen Sexualität, dass sie sich als Frau erleben durfte und entscheiden konnte, wen sie wählen würde für ihr Leben.
Wie gehst du heute mit deiner Vergangenheit um? Mit der Anzahl usw. Holt dich die Vergangenheit auch manchmal wieder ein ?
VG
Mann

19.11.2011 07:21 • #9


Hallo Mann,

eine wirkliche Hilfe kann nur parallel zur Therapie wirken. Ich vermute, dass Therapieziele gesetzt wurden? Warum das? Weil wenn wir beispielsweise unseren Geltungsdrang und Konkurrenzdenken in fiktiven Bereichen ausleben, entstehen Konflikte, die ebenfalls nur fiktiv gelöst werden können, was im Grunde nichts bringen kann.

Deshalb nehme ich an, dass du in der Therapie die Umwandlung der Problemsituation erleben wirst. Dass bei dir Schwerpunkte im sexuellen Bereich liegen, kann aus meiner Sicht verschiedene Ursachen haben. Ich sehe den Punkt deiner Vorgabe und Erwartung an das Leben im Teenagealter in Verbindung mit einer von dir als kränkend empfundenen Situation, in der du etwas von deinen Vorgaben grundsätzlich abweichendes erlebt hast, als Auslöser für das, was sich bei dir festgefahren hat. Und Sexualität ist ja deinen Angaben nach die Schwachstelle deiner Beziehung, was die Tendenz der Verlagerung der inneren Konflikte in diesen Bereich zusätzlich verstärken kann.

Ich habe kein ähnliches Problem. Wenn ich mich an Beziehungen, an Rollenbesetzungen, an Handlungen oder damit einhergehende Gefühle erinnern sollte, würde es mich vermutlich viel Mühe kosten, und mir fehlt insgesamt die Motivation dazu, solche Versuche zu starten. Etwas anderes sind Schicksalschläge u. ä., Ereignisse, die in der Vergangenheit Traumatisierungen und ggf. Schuldgefühle entstehen ließen, und zu dem Thema habe ich heute schon im Partnerschaftsforum einen Link gesetzt. Ich glaube ich gehe nicht falsch in der Annahme, dass viele das kennen, dass sich bei dieser Problematik routinenmäßig schwere Mauern im Bewußtsein vor sie schieben, und dass Ängste, Abwehr und Schuldgefühle als Reaktion darauf auftauchen. Man kann aber auch beobachten, dass nicht die Mauer, nicht die Last der Erinnerung, sondern die Reaktion darauf das meiste Leiden verursacht. Dass man im Laufe der Zeit im Leben auch ein bisschen Müll mit aufsammelt und mit sich herumträgt ist nicht zu vermeiden. All das ist aber auch wandlungsfähig und eigentlich eine Frage der eigenen Sichtweisen, und das kann man entweder allein oder auch in der Therapie üben.

Wenn man sich in der Welt umsieht, kann man u. U. auf die Idee kommen, dass unsere Probleme, beispielsweise bezüglich der gemeinsamen Orgasmen oder der schlechten Befindlichkeiten auch nur Luxusprobleme inmitten echter Höllen sein könnten. Solche oder ähnliche Empfindungen sind durchaus denkbar.

Liebe Grüße
Manava

20.11.2011 15:05 • #10


Hallo,Manava,
ich finde es toll,auf welchem Niveau du die Dinge siehst.Du scheinst viel über die Menschen
und das Leben zu wissen.
Meine Frau und ich gehen zu Profamilia. Dort haben wir eine Paarberatung begonnen.
Mir würde es unheilmlch viel helfen, wenn ich mir dir einmal telefonischen Kontakt aufnehmen könnte. Ist das möglich?
VG
Mann

20.11.2011 23:29 • #11



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