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Hallo Ihr Lieben,

ich muss leider sehr weit ausholen.

Ich habe mich Anfang letzten Jahres von meinem Partner getrennt. Wir hatten eine sehr ausgefüllte Beziehung. Irgendwann veränderte er sich aber massiv. Er zog sich total zurück, wurde total komisch. Ich habe wirklich alles versucht, aber einen Grund bekam ich nie raus. Was denkt Frau irgendwann? Er hat ne andere. Aber es gab offensichtlich keine andere. Irgendwann konnte ich das alles nicht mehr aushalten und trennte mich schweren Herzens.

Er nahm in der Zwischenzeit immer wieder Kontakt auf. Es schwankte zwischen Liebesbekundungen und totalem Rückzug. Und das über Monate hin und her. Ich fühlte mich einfach nur noch verarscht und habe mehrmals den Kontakt konsequent immer wieder abgebrochen, weil es mir einfach nicht gut tat. Irgendwie liefen wir uns immer wieder über den Weg. Immer das gleiche Muster. Im tut es so leid, er will das so nicht gefolgt von Rückzug.

Seit letzter Woche besteht aufgrund eines blöden Zufalls wieder Kontakt. In der letzten Woche in einem Telefonat öffnete er sich nach langer Zeit endlich mal: Er weinte. Er ist so traurig. Er fühle sich zu viel, so überflüssig, wäre so kaputt. Er war immer schon sehr sensibel und ich habe ihn öfter weinend gesehen, aber so war es noch nie. Er geht normal arbeiten, aber danach geht nichts mehr. Er schläft unfassbar viel und sehr schlecht, wacht oft auf. Er besucht nach der Arbeit immer kurz seine Mutter und schläft mittlerweile auch ständig dort, weil er zu kaputt wäre in seine Wohnung zu fahren. Er geht seinem Hobby nicht mehr nach, igelt sich komplett ein. In guten Phasen ist er total kommunikativ und zuverlässig. Die guten Phasen halten nie lange an. Die schlechten Phasen dauern länger. Er versucht dann Kontakt zu mir zu halten, weil ich quasi die Letzte bin, mit der er noch Kontakt hat, aber man merkt, dass es ihm total schwer fällt zu kommunizieren, also wirklich total minimiert und manchmal auch gar nichts. Raus gehen ist in dieser Phase nicht möglich, er will dann für sich sein und schläft gefühlt den ganzen Tag. In guten Phasen ruft er täglich an, ruft er nicht an, weiß ich schon, dass eine schlechte Phase mal wieder die Macht übernommen hat.

Ich liebe diesen Mann. Ich würde ihm gerne helfen, aber ich kann ihm nicht helfen. Und das geht echt an meine Substanz. Ich fühle mich in schlechten Phasen total zurückgewiesen und das macht halt schon was mit einem, besonders wenn man weiß, dass er sonst das komplette Gegenteil ist und einen wirklich auf Händen trägt.

Ich weiß, dass ich auf mich aufpassen muss, meine Grenze wahren muss, aber andererseits möchte ich verstehen, wie er tickt, um mehr Verständnis aufzubringen. Es hört sich sehr nach Depressionen an, oder?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Betroffene mir ihre Erfahrungen schildern würden. Warum weist man Menschen zurück, die einen doch helfen möchten?

03.08.2025 00:04 • 04.08.2025 #1


166 Antworten ↓


Zitat von lala77:
Es schwankte zwischen Liebesbekundungen und totalem Rückzug.

Zitat von lala77:
Er besucht nach der Arbeit immer kurz seine Mutter und schläft mittlerweile auch ständig dort, weil er zu kaputt wäre in seine Wohnung zu fahren.

Es wird wohl auch darum gehen, dass er nicht alleine sein mag und Muttern ihn natürlich auch bekocht und Anteil nimmt.
Zitat von lala77:
Es hört sich sehr nach Depressionen an, oder?

Für mich hört es sich an wie *bipolare Störung*.
Die alte Bezeichnung dafür ist *manisch-depressiv*
Es sprechen die vielen, sich abwechselnden Phasen von Hoch und Tief oder *von guter Phase und schlechter Phase* dafür.


Zitat von lala77:
Warum weist man Menschen zurück, die einen doch helfen möchten?

Weil der Betroffene vermutlich weiß, dass derjenige nicht helfen kann. Das macht es so schwer. Für beide Seiten.

Eine weitere Option wäre in Richtung Borderline.

Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung äußert sich durch ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in Beziehungen, Selbstbild, Gefühlen und Verhalten, sowie einer starken Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und Verlassenwerden. Betroffene erleben intensive Stimmungsschwankungen, impulsive Handlungen, Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und ein Gefühl der inneren Leere.


Das mal so als Idee. Ein Verdacht. Ein erster Gedanke von mir. Keine Diagnose.

A


Depressionen (?)beim Mann -wie soll ich mich verhalten?

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@NoNameUser
Ich danke dir sehr für deine Antwort.

Eigentlich konnte er in unserer guten Zeit sehr gut eine Beziehung führen. Ein extrem aufmerksamer und liebevoller Mensch. Deshalb ist es so schwer zu verstehen, dass ein Mensch sich so ändern kann.

Seine Mutter ist auf seine Hilfe angewiesen und er ist auch oft genervt von ihr. Aber er igelt sich dort halt total ein.

Ich danke dir für deine Einschätzung.

@lala77 wie alt ist er denn? Älter als Du ? Vielleicht auch die Männer-Wechseljahre?
War er mit seinen Problemen denn schon bei einem Arzt?

Zitat von NoNameUser:
War er mit seinen Problemen denn schon bei einem Arzt?

Das wäre meine erste Frage gewesen. Denn so eingeschränkt wie er ist, ist eine Therapie mehr als sinnvoll.

@NoNameUser
Durch die immer wieder stattgefundenen Kontaktpausen weiß ich nicht, in wie weit er ehrlich zum Arzt war. Er war dort, es wurden seine Blutwerte gecheckt und er hätte etwas für den Notfall zum Schlafen bekommen. Mehr Information habe ich leider nicht.
Er ist älter als ich, er ist 52.

@fourofour
Ich habe das Thema Therapie häufig angesprochen. Er kümmert sich leider überhaupt nicht intensiv. Gibt noch ein paar wirklich wichtige Dinge, um die er sich kümmern müsste, aber er kommt einfach nicht in die Gänge.

Es ist einfach so zermürbend. Ich könnte wetten, dass er jetzt wieder abtaucht, nachdem ich ihm gestern gesagt habe, was er mit seinem Verhalten anrichtet. Das ist dann meist die übliche Vorgehensweise von ihm - komplett zumachen. Und bei allem Verständnis, mich macht das so fertig und ich habe so langsam wirklich keine Kraft mehr.

Zitat von lala77:
Und bei allem Verständnis, mich macht das so fertig und ich habe so langsam wirklich keine Kraft mehr.

Ohne Krankheitseinsicht, den Willen und Motivation etwas zu verändern, bleibt alles beim alten - bis er evtl. durch seine Einschränkungen seine Arbeit verliert.

Nur er kann das o.g. aufbringen, niemals Du.

Da kommt irgendwann der Punkt des Selbstschutzes.

Edit: Du kannst ihm nur Wege und Optionen zeigen. Der Rest liegt an ihm.

@fourofour
Auf kognitiver Ebene ist mir das natürlich bewusst. Das heißt für mich auf emotionaler Ebene jedoch, dass ich ihn loslassen muss, um nicht kaputt daran zu gehen und dann hat er tatsächlich niemanden mehr. Dass das kein Grund zum Bleiben ist, weiß ich natürlich, aber ich fühle mich so zerrissen.

Seine Worte letzte Woche waren „und dieses Mistzeug in meinem Kopf, das ist nicht mehr da, das musst du mir bitte glauben, ich habe das jetzt im Griff“. Ganze 6 Tage blieb „das Mistzeug“ fern.

Er wird sich keine Hilfe holen, denn er (O-Ton) könnte ja ganz normal am Leben teilnehmen.

Ja, er kann arbeiten gehen und vielleicht schafft er es auch noch einkaufen zu gehen, aber das war es dann auch.

Hoert sich wirklich wie eine Depression an (oder sogar burn out).

Jeder Arzt wuerde ihm eine handfeste Depression diagnostizieren.

Versuche doch nochmal, Dich mit ihm hinzusetzen. Ich wuerde sogar erzaehlen, dass Du hier um Rat gebeten hast.

Depressionen lassen sich behandeln - wenn er nichts unternimmt, dann wirst Du Dich eh entfernen, weil es Dich nur runterzieht.

So hart es sich anhört, du musst an dich denken. Du bist nicht seine Therapeutin, Ärztin, Krankenschwester, sondern seine (Ex) Partnerin. Er ist 52, erwachsen und mündig, d.h. er muss selbst Sorge dafür tragen in eine Therapie zu kommen, sei es stationär, Tagesklinik oder ambulant.

Das es dir weh tut kann ich total nachvollziehen, aber du musst an deine Grenzen denken, sonst gehst du kaputt daran.

Liebe Grüße

Zitat von lala77:
was er mit seinem Verhalten anrichtet

Nachdem ich gelesen habe, was und wie du das siehst, möchte ich dir meine vielleicht falsche Außenansicht darlegen. Du siehst ihn, wie er zu dir ist und wie er auf dich wirkt. Wie er war und wie er jetzt ist. Und das ist richtig zum Teil, denn du musst auf dich achten, du musst deine Bedürfnisse kennen und erfüllt bekommen und du bist verantwortlich für deine Zukunft.

Er scheint völlig am Boden zu sein, kraftlos, er weint sogar, keine Hoffnung. Irgendetwas ist in ihm zerbrochen. Was aber? Die Gespräche müssen tiefgehend sein, damit er sich bei dir mal vollkommen sein Herz ausschütten kann. Dazu musst du ihm Zeit geben und das machst du gern, wenn du ihn liebst. Vor allem eines: Er ist krank, er kann nichts für seine Lage, alle Vorwürfe (wie oben zitiert) verschlimmern alles nur. Denn dann denkt er noch mehr, er ist nichts wert, ist falsch, hat Schuld an seinem Zustand.
Es gibt manchmal Menschen, die können ihre Probleme und Gefühle nicht in Worte fassen. Wenn das bei ihm so wäre, dann ist es schwierig mit ihm darüber zu sprechen. In jedem Fall wäre wichtig zu wissen, ob er sich in ärztliche Behandlung begeben hat. Er sollte wirklich zum Psychiater und nicht nur zum Hausarzt.
In jedem Fall sind intensive Gespräche zwischen euch wichtig und er wird sich gut fühlen, wenn sich mal jemand um ihn kümmert. Er funktioniert anders als früher. Du musst selbst wissen, ob du die Kraft aufbringen kannst für ihn.

@lala77

nein, du kannst ihm auch nicht helfen. Und das wichtigste in solchen Situationen ist und bleibt der Selbstschutz. Du kannst ihn nicht retten, wenn du dabei vor die Hunde gehst.

er weiß, was Phase ist, es ist an seinem Zug daran zu arbeiten, sich eine Therapie zu suchen, einen Facharzt in der entsprechenden Richtung und so weiter.
Wenn er das nicht will, kannst du sowieso machen, was du willst, dann wird da auch nichts vernünftiges bei rumkommen. außer, dass du dich komplett selber aufgibst.

ja, so eine Erkenntnis ist wichtig, sollte aber seinerseits nicht dazu genutzt werden, seine Verantwortung jetzt auf andere zu übertragen, nur weil er irgendjemandem (AKA dir) jetzt davon erzählt hat.

ja, es ist schön, dass er das offene Gespräch zu dir gesucht hat, ist auch wirklich lobenswert, aber er ist ein erwachsener Mann, nicht dein Kind. Du darfst und kannst ihn diese Verantwortung nicht abnehmen.

Und wie gesagt, du hilfst ihm auch Nix, wenn du dabei vor die Hunde gehst.

Und so schwer es ist, glaub mir, ich weiß, wovon ich rede, bleibt dir eigentlich kein anderer vernünftiger Weg, als ihm das Ultimatum zu stellen:

Suche dir eine Therapie, behandle deine Depressionen, danach können wir über alles weitere reden, davor nicht!

Zitat von lala77:

Seine Worte letzte Woche waren „und dieses Mistzeug in meinem Kopf, das ist nicht mehr da, das musst du mir bitte glauben, ich habe das jetzt im Griff“. Ganze 6 Tage blieb „das Mistzeug“ fern.

Das klingt nun wieder in eine ganz andere Richtung. Wenn er von Mistzeug in seinem Kopf redet..
Er sollte erstmal zu seinem Hausarzt gehen, der ihn dann vermutlich zu einem Psychiater (Arzt) überweist.
Es wäre erstmal wichtig, zu erfahren, was nun wirklich bei ihm los ist. Es muss eine Diagnose her.

Wenn er sich evtl. für sein Mistzeug im Kopf schämt oder schwer darüber sprechen kann (anscheinend)...
kannst du ihn nur ermutigen.
Für eine psychische Erkrankung braucht man sich nicht schämen. Da gibt es nichts was peinlich ist.
Mitunter genügen schon wenige Aussagen oder wenige Sätze....und der Psychiater weiß ungefähr, was los ist.

@Luce1
Das Problem ist, dass ich mich nur mit ihm hinsetzen kann, wenn er in einer guten Phase ist. Außerhalb der guten Phasen will er nur für sich sein. Er möchte nicht telefonieren, niemanden sehen. Da habe ich keine Chance und das macht mich echt wahnsinnig - er ist dann mental quasi unerreichbar. Und in der guten Zeit denkt er dann wieder, dass er dann alles im Griff hat und das schon selber hinkriegt . Man steht quasi mit dem Rücken zur Wand.

@Greta__
Ich weiß leider, dass du zu 100% Recht hast. Ich merke ja selber, wie mir das zusetzt und wie diese Zurückweisung Spuren bei mir hinterlässt. Deshalb habe ich schon so oft den Kontakt abgebrochen. Beim letzten Mal hat es 3 Monate gedauert. In der Zeit ging es mir jetzt nicht super, weil ich natürlich viel gegrübelt habe und er auch gefehlt hat, aber ich stand nicht ständig unter Strom so wie jetzt. Es ist so schwer einzusehen, weil er eigentlich ganz anders ist.

Zitat von lala77:
er ist dann mental quasi unerreichbar

Sein Mist im Kopf können auch akustische Halluzinationen sein. Also Möglichkeiten gibt´s da wirklich viele...
Sowas was man umgangssprachlich als * jemand hört Stimmen oder Stimmen im Kopf*.
Oder er hat krasse Suizidgedanken.
Und nun höre ich auf mit meinen Spekulationen.
Je mehr du erzählst, um so mehr tut er mir leid. du aber auch.

@Ferrum
Wow, Danke! Darf ich fragen, ob du selber unter Depressionen leidest?

Zitat von Ferrum:
Die Gespräche müssen tiefgehend sein, damit er sich bei dir mal vollkommen sein Herz ausschütten kann. Dazu musst du ihm Zeit geben und das machst du gern, wenn du ihn liebst.

Wir haben eine sehr tiefe Verbindung. Ich weiß Dinge von ihm, die niemand sonst weiß. Er pflegt sonst keine tiefe Verbindung.

Zitat von Ferrum:
alle Vorwürfe (wie oben zitiert) verschlimmern alles nur

Darf ich dich fragen, was du genau als Vorwürfe empfindest? Das wäre mir total wichtig zu verstehen. Meinst du, wenn ich ihm mitteile, wie sein Verhalten auf mich wirkt?
Ich bin ehrlich, ich finde sein Verhalten manchmal so unfair, besonders wenn er Absprachen nicht einhält und sich wieder tot stellt, dass mich das oft richtig wütend macht und mir auch weh tut. Es ist nicht, dass ich kein Verständnis habe, aber er soll doch dann wenigstens den Mund aufmachen.

Zitat von Ferrum:
In jedem Fall sind intensive Gespräche zwischen euch wichtig

Diese lässt er leider nur in den kurzen guten Phasen zu .

Zitat von Ferrum:
wenn sich mal jemand um ihn kümmert

Darf ich dich da direkt mal etwas zum täglichen Handling fragen? Falls du selber betroffen bist/warst, würde mir das sehr weiterhelfen.

Zitat von Ferrum:
Du musst selbst wissen, ob du die Kraft aufbringen kannst

Das ist die große Frage. Ich bin bereit den Weg zu gehen, aber ich muss Orientierung haben. Dieses Herumirren tut mir nicht gut.
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@WayOut
Danke dir für deine Einschätzung!

Zitat von WayOut:
seine Verantwortung jetzt auf andere zu übertragen

Das macht er tatsächlich nicht. Im Gegenteil, er ist ja der festen Überzeugung, dass er alles alleine hinkriegt. Hilfe anzunehmen fällt ihm schwer.

Zitat von WayOut:
Du darfst und kannst ihn diese Verantwortung nicht abnehmen

Das will ich auch gar nicht. Ich wäre bereit zu begleiten. Aber um das zu können, muss ich lernen mich abzugrenzen und mir wird immer wieder bewusst, wie schwer das ist.

@NoNameUser
Danke dir!

Ich rede leider gegen Wände. Er meint, dass er es schon hinbekommt und er sähe Fortschritte. Diese Fortschritte sehe ich auch, aber auch nur in der Hinsicht, dass er sich nicht komplett abkapselt, wenn es ihm schlecht geht, sondern das er zumindest oberflächlich versucht, den Kontakt zu halten. Wie das allerdings jetzt ist, nachdem ich ihm gestern mitgeteilt habe, was das mit mir macht, kann ich nicht sagen, denn seitdem ist er noch zurückgezogener.

@NoNameUser
Er tut mir auch leid, aber ich mir ehrlich gesagt auch. Er ist eigentlich ein so emphatischer rücksichtsvoller Mensch und genau deshalb kann ich halt überhaupt nicht verstehen, wie man dann so rücksichtslos ist.

Stimmen hört er keine. Er hat öfter das Gefühl der Depersonalisation. Er ist aus dem Nichts traurig mit entsprechenden Gedanken, dass er nichts wert ist etc. Er hat Angst verletzt zu werden.

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Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl
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