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PH666
Ich weiss nicht mehr weiter und fühle mich so allein - bitte helft mir.

Ich bin 43 und vor 8 Wochen ist meine Welt zusammen gebrochen. In der Vergangenheit hatte ich schon immer das Gefühl, dass die Welt mich eigentlich nicht braucht. Ich war schon immer alleine, keine Freunde, keine Bekannten - nur morgens zur Arbeit und abends wieder heim. Die Arbeit war mein Kontakt zur Aussenwelt und hier hatte ich das Gefühl gebraucht zu werden. Leider hat sich das mittlerweile total geändert.

Nach einer Neuausrichtung unserer Firma, hier bin ich mittlerweile Prokurist, arbeitet seit 4 Jahren auch die Frau unseres Geschäftsführers mit in unserem Betrieb. Leider hat diese Frau sich mittlerweile auf mich eingeschossen und ihr Mann damit auch. Sie behandelt mich seit einiger Zeit wie einen kleinen Jungen, lässt mich ins Leere laufen und mobbt mich im klassischen Sinn (nennt mich Schnucki, macht kleine Anspielungen usw.) Leider kann ich mich ihr gegenüber nicht wehren und schlucke alles runter. Mittlerweile ist alles was ich mache nicht mehr genug, ich bin zu wenig aktiv, agiere nur wenn es sein muss, bin viel zu teuer und soll mir doch mal überlegen, ob ich der richtige für diesen Job bin.

In den letzten Monat wurde ich dadurch immer stiller und unglücklicher. Ich fing an, an mir selbst zu zweifeln, wurde unsicher und machte wahrscheinlich wirklich manchen Fehler. Gleichzeitig merkte ich, dass ich das Leben nicht mehr aushalten kann. Bei jeder Gelegenheit stiegen mir Tränen in die Augen und oft saß ich alleine im Büro und konnte nur noch weinen. Vor 8 Wochen war es so schlimm, dass ich morgens nicht mehr ins Büro gehen konnte - es ging einfach nicht. Gleichzeitig wusste ich aber, dass wenn ich jetzt daheim bleibe, ich nie mehr zurück kann.
Also habe ich mich nach einer weiteren schlaflosen Nacht Anfang September, zum ersten Mal seit über 5 Jahren, krank gemeldet. Ich ging zu meiner Ärztin und von dort aus direkt zum Psychiater - Diagnose: depressive Episode!

Nun bin ich seit mittlerweile 8 Wochen krank und eigentlich wird alles jeden Tag ein bisschen schlimmer.
Ich bin total alleine - keine Freunde und mein Mann (ja ich bin gleichgeschlechtlich) arbeitet unter der Woche auswärts. Gleichzeitig kommen die Sorgen wie es weiter gehen soll. Ich musste mittlerweile meinen Firmenwagen und die Schlüssel zur Firma abgeben. Mein Chef erwartet ein persönliches Gespräch um die Zukunft planen zu können und ich habe Angst...
Ich weiss einfach nicht, wie es weitergehen soll. Mein ganzes Leben ist zerbrochen und ich bin auch noch selbst schuld. Wie soll es nur weitergehen?

Gleichzeitig habe ich das Gefühl an einem Abgrund zu stehen. Ich sehe ihn nicht, aber ich weiss, er ist ganz nah. Und egal wohin ich mich bewege, es könnte die falsche Richtung sein. Also will ich am liebsten einfach nur stehen bleiben - aber jeder sagt: beweg dich. Nur leider sagt jeder eine andere Richtung . Mein Therapeut meint, ich müsse erst mal zur Ruhe kommen, meine Hausärztin ich solle mich gleich wieder wo anders bewerben und meine Psychiaterin will, dass ich einen Reha-Antrag mit Belastungserprobung mache, um möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen. Und ich? Ich habe einfach nur Angst! Angst, dass ich unser Leben zerstört habe - Angst, nie mehr einen Job zu finden, weil ich eigentlich nix kann - Angst, dass jemand sagt, ich bilde mir das alles nur ein - und vor allem Angst, dass ich eigentlich schon längst abgeschrieben bin. Wer braucht mich schon? Wenn ich nicht mehr da bin, würde mich echt keiner vermissen.

Ich fürchte, hier kann mir auch niemand helfen. Aber es hat gut getan einfach mal die Gedanken laufen zu lassen und vielleicht findet sich ja doch jemand, der ähnliche Probleme hat.
Entschuldigt bitte, falls meine Geschichte etwas wirr zu sein scheint, aber es fällt mir momentan sehr schwer, mich zu konzentrieren...

28.10.2015 07:48 • 28.10.2015 #1


7 Antworten ↓


Carcass
Hallo PH666,

doch ich kenne das alles sehr sehr gut , allerdings habe ich immer ein großes soziales Umfeld . Aber berufstechnisch so fertig zu sein fußt meistens in einem handfesten Burnout, in dem ich mich auch befand. Ich war ein Jahr krankgeschrieben und zu Hause und genau das würde ich dir auch empfehlen. Gaaaaaanz lange erstmal raus aus dem Betrieb und dich auf dich selber besinnen. Ratsam kann es auch sein sich in eine Klinik für Psychosomatik einliefern zu lassen um erst einmal wieder klar zu kommen. Auch anwaltlichen Rat würde ich mir einholen, denn Mobbing bzw. in deinem Fall Bossing ist kein Kavaliersdelikt in der Arbeitswelt.

Also ich kann dir nur das raten, denn heute vor einem Jahr saß ich in dem gleichen Loch, mit Angst, Depressionen, Versagungsängsten und Null Selbstwertgefühl. Meine Therapie und mein soziales und familiäres Umfeld haben mich aber gestützt um wieder einigermaßen hoch zu kommen und Bewerbungen zu schrieben. Ich zog mit dem ehemaligen Arbeitgeber vor Gericht und habe mir eine Abfindung und super Zeugnis geben lassen, was mir eben auch zustand. Jetzt habe ich wieder die Kraft mich gegen Mobbing und ähnliches zur Wehr zu setzen, was darin deutlich wurde, dass ich hier im neuen Betrieb kündigte, weil die Chefin eine Mobberin und Mistschleuder vor dem Herrn ist und habe mir was anderes gesucht. Und das kannst du auch schaffen! Erwarte nur nicht dass du Rom in einem tag erbauen kannst, es wird seine Zeit dauern und die solltest du dir und deiner Psyche auch gönnen!

Alles Gute!^^

28.10.2015 10:32 • x 1 #2



Depression nach Mobbing - und was nun?

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PH666
Lieber Carcass,

vielen Dank für Deine aufmunternden Worte. Es gibt mir Kraft zu sehen, dass ich nicht ganz alleine mit meinen Problemen bin.
Beim Anwalt war ich auch schon - leider benötige ich hierzu ein Mobbing-Tagebuch und an meinen alten Firmen-PC darf ich leider nicht mehr ran
Trotzdem werde ich versuchen stark zu sein und ein gutes Zeugnis und evtl. auch eine Abfindung zu erstreiten. Nur leider kostet mich auch das sehr viel Kraft und Anstrengung, zumal das Zeugnis, welches ich letzte Woche bekam sehr schlecht war und mein AG dies auf Nachfrage für angemessen hält.

Trotzdem nochmals vielen Dank und ich werde versuchen stark zu sein.

Liebe Grüße und auch Dir weiterhin alles, alles Gute. PH666

28.10.2015 16:07 • #3


Icefalki
Lieber PH66, auch ich kann mich hier zu dir Gestellen..

Habe das Gleiche erlebt. Und was bei mir auch sehr wichtig war, ich war auch sehr lange Zeit krankgeschrieben.

Auch ich habe mich über den Beruf definiert und da trifft es einen sehr hart.

Wie Carcass hatte ich ein stabiles Umfeld, das mich aufgefangen hat..und gleichzeitig war dieses Geschehen damals der Beginn meiner Gesundung..

Durch die verabreichten medis war ich erstmals ohne Angst und ohne Depressionen in der Lage, über mich nachzudenken..und auch meine eigenen Denkfehler zu finden, die mich in solch eine Lage überhaupt reingebracht haben.

Damals machte ich dann eine neue Ausbildung und war insgesamt 11 Jahre sehr glücklich. Auch diese Zeit wurde durch unvorstellbaren Verhalten seitens der Chefin von mir, rechtzeitig beendet.

Eigentlich wollte ich nie mehr arbeiten, aber selbst jetzt mit 56 Jahren bekam ich nochmals eine Stelle..


Also, jetzt gilt es erstmals gesundheitlich wieder auf die Beine zu kommen, und auch einen anwaltlichen Rat einzuholen.

Wie gesagt, auch ich kam auch aus dem tiefsten Loch wieder raus. Lass die Krankmeldung laufen und kümmere dich um dich. Alles andere ist erstmals egal.

28.10.2015 16:47 • x 1 #4


Hallo,
kenne ich auch alles.
Die Entscheidung, welchem fachlichen Rat du folgen solltest, ist abhängig von der schwere der Depression. Meine Erfahrung ist, daß Hausärzte es zwar gut meinen, aber bei Depression nicht wirklich besser informiert sind, als natürlich ein Psychiater. Zur Ruhe kommen ist eine Meinung, die verschiedene Herangehensweisen meint. Für den einen kann es bedeuten, alles hinter sich zu lassen und schnell eine neue Arbeit zu beginnen und wieder für andere bedeutet es, eine Zeit lang ihren Seelenschmerz zu pflegen und dann gibt es noch die, die um das bisherige Leben, das Ungeklärte kämpfen, da sie anders nicht zur Ruhe kommen können.
Zu einer Reha würde ich dir raten, wenn du bereit dazu bist. Aber gleich in eine andere Arbeit zu wechseln, wo du die Gelegenheit einer Reha hättest, würde ich nicht machen. Von einer Reha wirst du arbeitsfähig oder nicht arbeitsfähig entlassen. Daraus ergeben sich also Möglichkeiten oder Konsequenzen und die solltest du vor Antritt einer neuen Stelle genau für dich abstecken. Dabei wirst du Kontakt zu vielen Menschen haben, mit eben auch diesen Problemen. Das kann sehr hilfreich sein, sich nicht so auf sich gestellt zu betrachten.

Grüße

28.10.2015 17:04 • x 1 #5


guteFee
Hallo PH666,

siehst Du, alleine damit bist Du auf gar keinen Fall!
Auch ich bin betroffen und mich macht das so wütend, wenn ich sowas lese.

Was bilden sich diese Kreaturen eigentlich ein, die so mit Menschen umgehen?
Sie können damit ein ganzes Leben zerstören und das nur, weil sie unzufrieden mit deren eigenes Leben sind!
Eigentlich gehören sie in Therapie! Aber was machen sie? Sie fühlen sich besser, wenn sie jemanden finden, an denen sie ihren Frust ablassen können. Wenn sie dann merken, dass die anderen mitziehen und das Opfer leidet, geht es ihnen tatsächlich besser.

Ich glaube nicht, dass es an uns liegt. Wir sind halt auserwählt weil wir zu gutmütig sind. Das ist für sie ein gefundenes Fressen!

Was meinst Du, wie die gucken würden, wenn Du auf einmal aufrecht und selbstbewusst vor ihnen stehst?
Sowas machen die niemals mit selbstbewussten Menschen.

Daran müssen wir arbeiten....Nicht an unserem Charakter, denn der ist absolut in Ordnung!

Wir dürfen ihnen nicht mehr die Angriffsfläche bieten, sondern aufstehen und stolz zeigen, wer wir sind!

Brust raus, Kopf hoch.....die sind ärmer dran als wir !

Puhhhh....das musste jetzt raus!

28.10.2015 17:43 • x 1 #6


PH666
Hallo gute Fee,

Deine Nachricht hat mich nach langer Zeit mal wieder lächeln lassen.

Ich hoffe das wir beide - und auch alle anderen, denen das gleiche passiert ist - die Kraft haben uns zu akzeptieren wie wir sind.
Denn nicht der Gemobbte ist ein schlechter Mensch, nur der Mobber!

Kämpfe weiter - ich werde es auch versuchen, sobald ich wieder die Kraft dazu habe

28.10.2015 18:05 • x 1 #7


Lieber PH666,

was Dir widerfährt, ist eine echte Dreckssauerei!

Zitat:
Mein ganzes Leben ist zerbrochen und ich bin auch noch selbst schuld.


Natürlich bist Du NICHT „schuld“. „Schuld“ sein ist eh ein so dummer Begriff. Millionen Faktoren kommen zusammen, daß diese Situation so ist wie sie ist – daß Du gemobbt wirst und diese Frau Dich mobbt. Das sage ich nicht, um diese Tussi zu entschuldigen – sondern es gibt eben keinen „alleinigen Grund“, warum es Dich „erwischt“ hat und sie „draufhaut“.

Du hast einen Partner, der braucht Dich! Und natürlich kannst Du was leisten in Deinem Arbeitsbereich.

Ich wurde als Kind und Teenager über Jahre hinweg gemobbt; ich weiß, wie hilflos und ausgeliefert man sich fühlen kann. Und erst vor einigen Jahren – noch eine Ausbildung gemacht – mobbte mich eine Mitauszubildende. (Ich dachte, ich wäre im falschen Film!) Aber immerhin war es kein „Bossing“.

DU BIST NICHT „SCHULD“!

Aus diesem Arbeitsverhältnis mußt Du raus. Einen konkreten Rat kann ich Dir leider nicht geben. Kannst Du mit Deinem Partner über diese ekelhafte Situation, in der Du steckst, reden? Was ist mit einem Betriebsrat? Dafür sind die Leute doch da, in solchen Situationen zu helfen.

Sorry, mir fällt gerade jetzt nicht so viel ein.

Vielen Menschen widerfährt Gemeines (von ihren Mitmenschen).

Kann Dir denn Deine Psychologin keine konkreten Tips geben, was Du auf die Unverschämtheiten dieser Frau antworten kannst? Wenn sie Dich z. B. „Schnucki“ nennt, könntest Du sagen: „Frau XYZ – mein Name ist Herr …!“ Ganz ruhig, aber bestimmt. Und wenn sie wieder „schnuckt“, das wiederholen, ganz ruhig, ohne erhobene Stimme. Auch im Beisein von Kollegen, damit die das mitbekommen (denn ich kann mir nicht denken, daß es im Sinne der Frau ist, daß allen ersichtlich ist, wie herablassend sie Dich behandelt).


Zitat:
Angst, dass ich unser Leben zerstört habe - Angst, nie mehr einen Job zu finden, weil ich eigentlich nix kann -
Du bist Prokurist! Das ist eine sehr, sehr verantwortungsvolle Position! Du kannst sehr viel!

Zitat:
Angst, dass jemand sagt, ich bilde mir das alles nur ein –


Das sagt doch aber z. B. weder Dein Anwalt noch Deine Psychologin, stimmt’s? Also, versuche, diese Gedanken in ihre Schranken zu weisen.

Zitat:
und vor allem Angst, dass ich eigentlich schon längst abgeschrieben bin. Wer braucht mich schon? Wenn ich nicht mehr da bin, würde mich echt keiner vermissen.


An allererster Stelle würde Dich Dein Partner sehr schmerzlich vermissen! Und mit Sicherheit sehr viele andere Menschen (von denen Du vielleicht gar nicht ahnst, daß sie Dich (im guten Sinne) wahrnehmen). Deine depressiven Gefühle werden womöglich in dem Maße abnehmen, indem Dir klar wird, daß diese Situation zwar sehr, sehr grausam ist – daß Du aber als Mensch enormen Wert hast! Versuche doch mal, diese Situation als Naturkatastrophe zu sehen – wenn ein Erdbeben oder ein Tsunami passiert, geben sich die leidenden Menschen doch auch nicht die Schuld („Mensch, ich bin schuld – ich habe am falschen Ort meinen Urlaub verbracht!“), sondern sie versuchen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen – auch mittels Hilfe von anderen Menschen.

Diese Frau und Dein Chef sind sozusagen „das Erdbeben/der Tsunami“. Und diese Situation mag vorübergehen! Du bist erst 43 Jahre alt! Du hast noch so viel (Schönes) vor Dir!

Ich wünsche Dir alles, alles Gute und nehme Dich mal gedanklich in den Arm!

Lieber Gruß von

Meise

28.10.2015 19:04 • x 1 #8




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