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201728.01




Hallo, ich habe seit einigen Jahren schwere Depressionen mit generalisierter Angststörung. Zur Zeit kann ich meine Wohnung kaum noch verlassen. Der jahrelange Kampf gegen die Krankheit hat mich sehr geschwächt. Viel Lust noch weiter zu machen hab ich eigentlich nicht mehr.

Mittlerweile hab ich schon alle Anti Depressiva und Neuroleptika durchpropiert. Auch Elektrokranpftherapie hab ich schon hinter mir. Insgesamt 7 oder mehr Krankenhausaufenthalte oder so. Therapien natürlich auch gemacht. Es ist ein täglicher Höllenhorror. Nichts geholfen

Die meisten klagen bei Depressionen wohl über Gefühllosigkeit. Bei mir ist das umgekehrt. Ich bin hypersensibel und weine täglich mehrere Stunden, weil sich bei mir immer so ein Druck im Kopf aufbaut, der nur durch weinen weggeht. Sport und so hat auch nicht geholfen. Im Gegenteil. Wenn ich geweint habe, kommt Erleichterung, aber der Druck baut sich nächsten Tag wieder von neuem auf und das Spiel beginnt von vorn. Sehr anstrengend. Psychiater sind auch mittlerweile ratlos. Über Emotionen kann man mit denen sowieso nicht reden.

Meine Medikamente sind Lyrika, Tavor und seit 2 Tagen neu Sertralin. Obwohl ich das auch schon mal hatte vor jahren. Hab aber die Wirkung vergessen. Bei Anti Depressiva hatte ich immer das Gefühl, dass sie bei mir nicht die Ursache für die Traurigkeit beseitigen, sondern sondern nur so eine Art Deckel drauf setzen. Ich spüre, dass sie noch da ist im Untergrund sozusagen.

Da ich absolut nicht mehr weiter weiß, wollte ich mal fragen, ob jemand eine ähnlichen Verlauf hat und ob das unterdrückende Gefühl bei Sertralin irgendwann verschwindet. Für alle Tipps bin ich dankbar.

Gruss fabian

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4 Antworten ↓



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  29.01.2017 16:28  
Hallo Fabberlin,

das tut mir wirklich sehr Leid für dich. Das klingt arg verzweifelt. Das ist auch völlig nachvollziehbar.

Über viele Jahre, viele AD, sieben mal stationär - das ist eine Menge.
So eine Symptomatik kommt nicht aus heiterem Himmel.
Ich nehme mal an das neben psychischen Ursachen auch physische untersucht wurden, wie beispielsweise Hormonspiegel (Schilddrüse, Nebenniere etc.)?

Grob gesagt wirken AD, unter anderem, wie ein abkappen der Emotionsspitzen.
Was hast Du an Methoden gelernt um mit Stressleveln umzugehen (Skills/Streßtoleranz)?
Liegt bei dir ein oder mehrere Trauma zu Grunde?
Kennst Du Begriffe wie Imaginationstechniken oder Neurofeedback?

Gruß
Cube



  29.01.2017 19:38  
Hallo danke. Bin sehr verzweifelt jeder Tag ist ein Kampf . Vielleicht lass ich die Schilddrüse mal testen. Auf die Idee kam ich auch schon. Für Imaginationstechniken hab ich die Ruhe nicht Ich hab 10 Jahre primärtherapie gemacht. Da hab ich meine verkorkste Kindheit aufgearbeitet. Hat aber noch mehr kaputt gemacht. Ich hab immer gedacht; dass man psychische Erkrankungen irgendwie wieder rückgängig machen kann. Aber wenn man einmal krank ist hat man die a.. karte.



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  30.01.2017 01:21  
Also man kann das in dem Sinne nicht rückgängig machen. Aber man kann die traumatischen Situationen auflösen. Also die Emotionen die mit der Erinnerung gekoppelt sind entmachten und die gespeicherte und eingefrorene Energie kontrolliert entweichen lassen.
Das geht in einer Traumatherapie mit Skills, Imaginationsverfahren und wenn man stabil genug ist auch mit EMDR.
Und da geht wirklich viel - glaube mir.

Sich dem stellen sollte man nur, wenn man zu aller erst einen guten Satz an Werkzeugen zur Hand hat, eine halbwegs stabile Lebenssituation und einen Therapeuten zu dem man Vertrauen hat. Und zwar so ein tiefes Vertrauen, dass er einen aus der Situation wieder herausholen kann, wenn die "Konfrontation" mit der Vergangenheit einen beginnt emotional zu überfordern.
Wenn man sich dem zu stark stellt und man emotional überfordert wird, kann ein weiteres Trauma entstehen.

Bei jahrzentelangem emotionalem Stress kann die Körperchemie in ein ungleichgewicht kommen. Der Körper wird ja auch ständig mit Stresshormonen überflutet. Auf Dauer ist das schlecht.
So wie Du eine Situation beschreibst wird es vermutlich nicht komplett weggehen. Aber vielleicht tritt eine Verbesserung der Lebensqualität ein.

Hast Du jemals eine wirklich richtige Traumatherapie erhalten? Also von jemanden der wirklich sehr kompetend ist?
Warum fühlt es sich für sich so an, das eine Aufarbeitung deine Symptomatiken noch verschlimmert hat?
Wie wurde das behandelt?
Wie wurdest Du vorbereitet?



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  13.06.2017 00:42  
Hi Fabian! Bei mir ist es ähnlich.. Ich nehme zwar schon seit gut 10 Jahren sertralin, trotzdem war es in letzter Zeit bei mir oft so dass ich nur mehr heulattacken hatte, ständig gereizt und von allem genervt.. Überempfindlich.. Besonders Lärm könnte ich gar nicht mehr ausstehen, der machte mich regelrecht aggressiv. Allen Übels hab ich mich dazu entschlossen meine dosis auf 75 mg zu erhöhen.. Nun fühlt es sich an wie ein Gedankenstop, eine absplitterung von den Emotionen anderen, also früher war ich total offen und hab mit jmd gleich geredet.. Nun bin ich distanziert und sehe auch keinen Grund oft zu sprechen. Irgendwie ist alles so wurscht und belanglos geworden; früher hat mich vieles gekränkt, jetzt ist mir fast alles egal. Trotzdem fühl ich mich irgendwie gefangen in meinen Emotionen. Ich hab das Gefühl auch so wie du sagst irgendwie sind die gefuhle nur erstickt.. Im Ansatz sind sie da und die ursprünglichen Probleme aber irgendwie lösen sie sich dann in Luft auf. Einerseits fühl ich mich frei, aber dann doch wieder nicht.. Ich würd es mal so beschreiben.. Als wäre man im Raum Zug im All ausgesetzt.. Frei aber irgendwie doch nicht frei.. Also irgendwie so unendlich gleich und man kann irgendwie nicht raus aus dem Anzug, seinen Gefühlen.. Das einzige was positiv auffällt ist dass ich körperlich mehr Energie habe.. Doch diese wurschtigkeit lässt mich ziemlich passiv erscheinen



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser

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