Pfeil rechts
7

honiglama
Guten Tag,
Ich bin 16 Jahre alt und war schon immer eher von der schüchternen Sorte. Trotzdem war ich in der Grundschule und auch teilweise noch auf dem Gymnasium sehr beliebt. Mir fiel es leicht Freundschaften zu knüpfen. Ich hatte keine großen Probleme, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Meine Gefühle habe ich schon als Kleinkind nicht gern offen gezeigt, weshalb die meisten Freundschaften oberflächlich waren, was ich früher bestimmt anders sah.

Ab einem gewissen Zeitpunkt änderte sich das plötzlich. Mir bereitete es Probleme, Freundschaften aufrechtzuerhalten. Ich war nicht mehr ordentlich in der Lage, Bindungen einzugehen, wollte keine Nähe mehr. Ich habe mich nicht nur von sämtlichen Freunden distanziert, sondern auch von meiner Familie. Mir blieb nur noch meine Schwester, die mir immer am nähesten stand. Ihr habe ich manchmal Gefühle anvertraut, aber auch nur per SMS, weil ich Gefühle anders nicht ausdrücken kann. Ich habe mich also extrem zurückgezogen und wollte lange auch gar keine Freundschaften mehr eingehen, wusste auch nicht wie.

Ich wurde unsozial, wofür mich meine Mutter immer kritisierte. Sie meinte immer Zeugs wie, dass ich unbedingt Smalltalk lernen muss und ich der einzige Mensch sei, der nicht versteht, wieso Menschen sich unterhalten, dass sie verstehen kann, dass ich keine Freunde habe und solche verletzenden Dinge.
Dies führte dazu, dass ich mich noch mehr isolierte.

Ich muss ehrlich sein, dass ich meine Trauer oft mit Wut ausdrücke. Zumindest ist das Zuhause so. Außerhalb kann ich Wut, Angst und Trauer gar nicht zeigen, genau wie Empathie, was mir in der Schule oft an den Kopf geworfen wird.

Ich war mit 14 in Therapie. Da wurde mir mehr oder weniger bestätigt, dass ich nicht gut mit anderen Menschen kann und da Schwierigkeiten habe. Angeblich sei ich Zuhause emotional vernachlässigt worden. Auf jeden Fall wurde aus der Therapie nichts, weil ich auch nach einem Jahr keine enge Bindung zu meiner Therapeuthin aufbauen kommte und kaum gesprochen habe. Mir fiel das Sprechen schwer, ich wusste nie was ich sagen sollte.

Seit einiger Zeit spreche ich nicht mal mehr mit meiner Schwester über Sorgen. In der Schule hat sich das ein bisschen gelegt. Ich kann mittlerweile wieder halbwegs normal sprechen, bin aber sehr nervös dabei. Aber ich rutsche immer in die Isolation und bekomme es nicht auf die Reihe, mich zu sozialisieren. Ich habe keine Lust mehr, mich nicht mitteilen zu können oder wollen. Aber ich weiß auch verdammt nochmal nicht, was mir helfen könnte. Noch eine Therapie und was dann? Es wird wieder genauso sein.

An der Sprache liegt es nicht. Ich verfüge über ein solides Sprachvokabular. Es ist so, als hätte ich eine Sperre, mit anderen jeglicher Art zu kommunizieren. Ich dachte damals immer, ich müsse mich nur überwinden und nach einiger Zeit werde ich offener. Dem ist aber nicht so. Ich muss immer wieder von vorn anfangen.

Kann mir jemand sagen, was ich denn noch tun könnte und ob eine erneute Therapie eurer Meinung nach Sinn ergeben würde? Ich bin echt am Verzweifeln. Ich würde so gerne wie alle anderen Gleichaltrigen raus gehen und Spaß haben.

Viele Grüße und einen schönen Tag noch

10.10.2021 15:31 • 10.10.2021 #1


8 Antworten ↓


portugal
Hallöchen,

Deine Mutter macht sich nur Sorgen, die meint das nicht so. Sie bekommt ja aber mit, dass Du leidest, das meint sie nicht böse.

Da Du mit niemandem sprichst außer mit Deiner Schwester, hast Fu viel mit Dir rumzuschleppen und ich merke, dass Du Dich mitteilen möchtest.

Suche Dir eine Therapeutin (oder Therapeuten), der/die Dir mehr zusagt, wenn Du nicht redest, dann kann sie schlecht irgendwo absetzen.

Manchmal passt es einfach nicht; ich hatte auch mal eine, die ich sprichwörtlich gehasst habe!

Ich würde dann halt auch sagen, dass Du eher introvertiert bist, manchmal kann man es aufschreiben und dann wird halt so drüber geredet.

10.10.2021 15:38 • x 1 #2



Störung in Kontakt mit Menschen?

x 3


Mylenix
Zitat von portugal:
Deine Mutter macht sich nur Sorgen, die meint das nicht so. Sie bekommt ja aber mit, dass Du leidest, das meint sie nicht böse.

Das glaube ich in diesem Falle nicht.
Du warst 14 und wurdest wegen sowas schon in Therapie geschickt? ich schätze nicht ganz freiwillig oder?
Ich interpretiere das als ein eindeutigen typischen Fall von 'Hab ich nichts mit zu tun'.
Es reicht nicht einfach kritisiert zu werden, denn das ist sehr einfach, aber dir zu sagen wie du es besser machen kannst und dir tatsächlich auch bei zu helfen indem man auch herausfindet woher es kommt ist die große Kunst.
Inwiefern ist das überhaupt ein kritisierbarer Fehler? Dann distanzierst du dich nunmal, hat ja irgendwo auch seinen Sinn, man muss sich nicht immer der Welt öffnen wenn man eigentlich nicht der typ dafür ist und man ist nicht gleich psychisch krank deswegen und muss behandelt werden.

10.10.2021 16:02 • x 2 #3


honiglama
Zitat von Mylenix:
Das glaube ich in diesem Falle nicht. Du warst 14 und wurdest wegen sowas schon in Therapie geschickt? ich schätze nicht ganz freiwillig oder? Ich ...


Doch, ich habe mich freiwillig in Therapie begeben. Allerdings aus einem anderen Grund und nicht weil ich introvertiert bin.

Ich würde es auch gar nicht als Krankheit oder Fehler bezeichnen. Ich akzeptiere, ein Einzelgänger zu sein und das bin ich größtenteils auch sehr gern. Es macht für mich bloß einen Unterschied, introvertiert zu sein und sich komplett zu isolieren. Ich würde mir wünschen, mit anderen in Kontakt treten zu können, wenn mir danach ist. Aber wenn ich dann mal das Verlangen nach Gesellschaft habe, schaffe ich es nicht. Das ist mein Problem.

10.10.2021 16:36 • x 2 #4


portugal
Woran scheitert es genau? Weil Du keine Naehe magst?

10.10.2021 16:42 • #5


Icefalki
Gibt es irgendein Hobby, das dir Spass macht und du mit anderen Menschen ausüben könntest? Es fällt viel leichter mit anderen zu kommunizieren , wenn man gleiche Interessen hat.

10.10.2021 16:42 • #6


honiglama
Zitat von portugal:
Woran scheitert es genau?


Es ist wie eine Blockade. Ich kann mich wie gesagt nicht mitteilen. Weder Gefühle noch tiefere Gedanken. Es ist denke ich die Angst vor Ablehnung. Wenn ich anderen näher komme, könnten sie mich verletzten. Resultat ist, dass ich für mich bleibe. Tu ich meistens ja gern, aber nicht immer und auf Dauer.

10.10.2021 16:49 • x 1 #7


honiglama
Zitat von Icefalki:
Gibt es irgendein Hobby, das dir Spass macht und du mit anderen Menschen ausüben könntest? Es fällt viel leichter mit anderen zu kommunizieren , ...


Ich löse Zauberwürfel, häkel und lese...also ich schätze mal nicht.

10.10.2021 16:52 • x 1 #8


Mylenix
War es denn vorher anders mit dem Kontakt knüpfen? beziehungsweise musstest du es je tun?
Du hattest eher von Probleme mit Bindung und sich öffnen gesprochen, aber das ist jetzt wieder eine Andere Sache.
Ich kann dir aber dazu sagen dass sehr vielen das nicht leicht fällt, mir geht es exakt genauso.
Und ist das mit den isolieren denn nun etwas was du nicht willst?
Da wäre es natürlich erstmal wichtig herauszufinden warum du das machst oder wie das entstanden ist.
Wenn du Abends im Bett liegst, kannst du ja mal darüber nachdenken, ich denke das würde dir helfen wenn du wieder in Therapie gehen möchtest, ohne sich selbst darüber klar zu machen ist es auch schwierig das zu beschreiben.
Zu Therapeuten braucht man auch übrigens keinerlei Bindung, ich glaube das sollte man auch nicht haben.

Edit: Das hier wurde noch vor den neuen Beiträgen geschrieben. Ein paar der Fragen hast du nun beantwortet.

10.10.2021 17:00 • #9





Dr. Reinhard Pichler