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Hallo maddog32, ich kenne drei Paare, die schon über 25 Jahre verheiratet sind und immer noch glücklich zusammen sind, bei zwei Paaren ist es für beide die erste Ehe, bei dem dritten für beide die zweite. So was gibt es also, das kann funktionieren. Was sie alle gemeinsam haben, ist die Bereitschaft, an der Beziehung zu arbeiten. Eine fatalistische Einstellung ("früher oder später trennen wir uns doch sowieso") würde dabei nicht gerade helfen, denke ich. Das würde ich ebenfalls als Abwehrmechanismus sehen, also wenn es letztendlich eh nichts wird, brauchst du auch nicht so viele Gefühle und Hoffnungen zu investieren und kannst damit wiederum deine Angst vor Verlusten umgehen.

Als Lösung würde ich an der Wurzel des Problems arbeiten, also dich mit den Ängsten konfrontieren und sie aufarbeiten, und vermeiden einer Kontrollillusion hinterherzuhängen. Niemand kann die Zukunft vorhersagen oder vollständig kontrollieren. Sogar wenn du die Partnerin fürs Leben findest und alles gut läuft, könnte sie unerwartet sterben oder ähnliches. Von daher würde ich mich darauf konzentrieren, meine Beziehungsfähigkeit im Jetzt zu verbessern. Der Rest kommt dann eben so, wie er kommt. Aus Angst und Vermeidung komplett auf Beziehungen zu verzichten würdest du glaube ich später eher bereuen.

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  22.11.2017 09:25  
PhoenixG hat geschrieben:
Als Lösung würde ich an der Wurzel des Problems arbeiten, also dich mit den Ängsten konfrontieren und sie aufarbeiten, und vermeiden einer Kontrollillusion hinterherzuhängen.


Du weißt aber schon dass man Ängste nur lösen kann, wenn man sie aus dem unbewussten* dem Bewussten zugänglich macht? Ängste äußern sich doch meistens in Träumen, anhand meiner Träume kann ich derzeit keine Verbindung dazu sehen.

* so wie ich meinen Lieblingsautor (Psychoanalytiker) verstanden habe, geht es gar nicht darum was in unserer Kindheit passiert ist, sondern darum, um welche Gefühle es sich dabei gehandelt hat, z.B. hatte ich eine beste Freundin die vom Vater als Kind oft geschlagen worden ist (sie entwickelte Bindungsangst), wenn der Vater des Mädchens die erste männliche Bezugsperson des Mädchens ist, spielen dabei: Angst vor unerwiderte Liebe eine Rolle, Angst vor Zurückweisung.

Und tatsächlich ist es so gekommen, dass die Verhaltensweisen meiner besten Freundin dahin abzielten diese Ängste zu kompensieren: die Angst vor Zurückweisung kompensierte sie damit, in dem sie sich Männer suchte die weiter weg lebten und mit ihnen Webcam Sessions per Skype machte, bei denen sie teilweise vor den Männern "entblößte", um so sich einmal die Bestätigung zu holen, und zweitens: hatte sie tausende Fotos - ich meine jetzt keine "anzüglichen - von sich auf dem Rechner gehabt.

Da fragte ich mich im Nachhinein: wozu braucht eine Frau tausend Fotos von sich aufm Rechner? Nun ich glaube sie war ihr leben lang von der Bestätitung durch die Männer abhängig und wird es noch lange bleiben.

Fazit: Fehlende Bindung in der Kindheit kann in Männern und Frauen Symptomatiken im Verhalten auslösen, verdrängte Ängste bestimmen unser Verhalten so lange, bis wir der Ängste bewusst werden und ihnen entgegentreten.





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  22.11.2017 09:43  
Edit: Das Primäre Problem sind nicht die Ängste sondern die Fähigkeit zu Lieben! Man liebt doch nicht mit der Angst sondern durch Empathie, Liebe, Anteilnahme, auch durch die Fähigkeit "zuzuhören", so banal es auch klingen mag, kurz: Liebe ist die Bezogenheit auf den anderen und nicht nur auf sich selbst!

Das Klischee der romantischen Liebe

Es gibt kaum eine Aktivität, die mit so ungeheuren Hoffnungen begonnen wird und mit einer solchen Regelmäßigkeit fehlschlägt wie die Liebe, schreibt Erich Fromm. Obwohl die Menschen in unserer modernen westlichen Gesellschaft geradezu nach Liebe hungern, ist die Fähigkeit zu lieben nur selten voll entwickelt. Kaum einer geht davon aus, dass man sich anstrengen muss, die Liebe zu lernen. Die meisten Menschen sehen das Problem in erster Linie darin, selbst geliebt zu werden, statt zu lieben und lieben zu können. Dieser Gedanke entspringt den Vorstellungen von der romantischen Liebe, wie wir sie aus Hollywoodfilmen kennen. Fromms Meinung nach fördert die Gesellschaftsstruktur der westlichen Zivilisation und der aus ihr resultierende Geist die Entwicklung von Liebe nicht. Im Gegenteil: an ihre Stelle sind Formen der Pseudoliebe getreten. Was sind die Gründe für den Verfall der Liebe?


Auszug aus Erich Fromm "Die Kunst des Liebens", Quelle: https://www.sinndeslebens24.de/klassike ... rich-fromm

Lieben ist ein schöpferischer Prozess, (Schöpferisch, weil im "außen" etwas neues geschaffen wird), d.h. wer sich darin übt, lieben zu können, wird zum liebenden und gleichzeitig zum geliebten Menschen, anstatt immer darauf zu warten geliebt zu werden, denn das wäre ein Trugschluss welcher auf einer rezeptiven Charakterorientierung basiert, welche Fromm wie folgt beschreibt:

Des Menschen Glück besteht heute darin, seinen Spaß zu haben. Und man hat seinen Spaß, wenn man sich Gebrauchsgüter, Bilder, Essen, Trinken, Zig., Menschen, Zeitschriften, Bücher und Filme einverleibt, indem man alles konsumiert, alles verschlingt. Die Welt ist nur noch da zur Befriedigung unseres Appetits, sie ist ein riesiger Apfel, eine riesige Flasche, eine riesige Brust, und wir sind die Säuglinge, die ewig auf etwas warten, ewig auf etwas hoffen und ewig enttäuscht werden.



  22.11.2017 22:22  
maddog32 hat geschrieben:
Du weißt aber schon dass man Ängste nur lösen kann, wenn man sie aus dem unbewussten* dem Bewussten zugänglich macht? Ängste äußern sich doch meistens in Träumen, anhand meiner Träume kann ich derzeit keine Verbindung dazu sehen.


Weiß ich, ja. Die Wurzel des Problems überhaupt erstmal zu identifizieren und auszugraben ist ja ein erheblicher Teil der Heilungsarbeit. Oft ist auch die Angst letztendlich gar nicht das zugrundeliegende Gefühl. Bei deiner Freundin zB. dürfte sich unter der Angst ein Gefühl von Wertlosigkeit auffinden lassen und vielleicht noch andere tiefere Gefühle. Ängste äußern sich auch in vielerlei Weise, zB. nicht nur in Träumen, sondern auch als chronische Muskelanspannungen, verflachte Atmung usw. Es gibt also gute Möglichkeiten, an die tieferen Gefühle heranzukommen. Man muss im Kopf behalten, dass man nicht alles über sich selbst weiß, weil das Unterbewusstsein 90% der Psyche ausmacht und dort jede Menge Gefühle schlummern, die man nie vermutet hätte. Das Wichtige dabei ist, im Körperbewusstsein zu bleiben und sich nicht in die mehr oder weniger abgedriftete Gedankenwelt zu verlieren. Dann taucht auch oft die zugehörige Kindheitserinnerung bzw. das Verhaltensmuster automatisch in der Erinnerung auf und man kann beginnen sie aufzulösen.

Ich denke die Liebesfähigkeit wird durch Ängste eingeschränkt, von daher ist es schwer zu sagen, was das primäre Problem ist. Eine selbstlosere Orientierung anzustreben ist hilfreich und lobenswert, aber solange in deinem Inneren ein Anteil ist, der sich zu kurz gekommen oder ungeliebt fühlt, wird er wahrscheinlich bei deinen Anstrengungen dazwischenfunken und keine Ruhe geben, bis dieses Bedürfnis bzw. der Verlust richtig verarbeitet ist.





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  23.11.2017 09:46  
PhoenixG hat geschrieben:
Ängste äußern sich auch in vielerlei Weise, zB. nicht nur in Träumen, sondern auch als chronische Muskelanspannungen, verflachte Atmung usw.


speziell bei der Bindungsangst gibt viele Symptomatiken auch körperlicher Art, wie Herzrasen, das Gefühl keine Luft zu bekommen, nur um zwei Beispiele zu nennen.


PhoenixG hat geschrieben:
Ich denke die Liebesfähigkeit wird durch Ängste eingeschränkt, von daher ist es schwer zu sagen, was das primäre Problem ist. Eine selbstlosere Orientierung anzustreben ist hilfreich und lobenswert, aber solange in deinem Inneren ein Anteil ist, der sich zu kurz gekommen oder ungeliebt fühlt, wird er wahrscheinlich bei deinen Anstrengungen dazwischenfunken und keine Ruhe geben, bis dieses Bedürfnis bzw. der Verlust richtig verarbeitet ist.


- vollständigkeitshalber muss man dazu sagen, dass die Liebe ist das Gegenteil von Narzissmus ist (Narzissmus als das ausschließlich interesse an sich selbst), Liebe ist Überwindung von Narzissmus, und von Egoismus nur wer seinen eigenen Narzissmus überwinden kann, wird fähig sein zu lieben (das sind ebenso die Ansichten von Erich Fromm, Psychoanalytiker und Autor, er sagt auch das Narzissmus Gegenteil von Liebe ist).


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