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Hallo, ich leide wohl unter Bindungsangst und steh mir dadurch wohl selbst im Weg in der Liebe. Manchmal fühle ich mich wie ein hoffnungsloser Fall

Ich tue mir extrem schwer, Menschen an mich heranzulassen und mich ihnen zu öffnen. Hatte auch lange Zeit mit geringem Selbstwert bis hin zu Selbsthass zu kämpfen, was ich versuchte mit 18 im Ausland (jap weglaufen vor den Problemen) und durch S.uelle Abenteuer zu kurieren (jung und dumm). Blöderweise war ich quasi in der Zeit mit jemand zusammen, aber es hat auch vorher nicht wirklich in der Beziehung funktioniert. Bekam dann prompt die Rechnung präsentiert - Vorstufen zum Gebärmutterhalskrebs, dann kamen auch noch starke Unterleibsprobleme durch Endometriose mit Dauerschmerzen dazu. Diverse OPs und einige Erkenntnisse reicher, habe ich es auch mit meinem ersten Freund noch ein Paar mal versucht und es war auch schön und lehrreich, aber irgendwo sitzt noch der Wurm drin und jetzt bin ich also hier angelangt.

Mittlerweile bin ich 27 und habe gerade eine 7 monatige 'Beziehung' mit einem spannenden Mann hinter mir. Ich tue mir schwer, andere an mich heranzulassen und Emotionen zuzulassen und noch schwerer dabei, diese dann auszusprechen, ebenso wie Probleme ansprechen. Ich würde gerne mehr Nähe zulassen und konnte es körperlich bei diesem Mann auch sofort, aber trotzdem habe ich ihn immer irgendwie auf ner Armlänge Abstand gehalten. Aber ich hatte bei ihm einfach das Gefühl, dass wir uns auch ohne große Worte gut verstehen. Jetzt im Nachhinein denke ich mir, ich wünsche mir Tiefgang mit anderen aber tue auf der anderen Seite alles dafür, dass das dann doch nicht passiert, indem ich die Konversationen immer schön oberflächlich halte und eigentlich weiß ich wenig über ihn. Ich lasse dem Partner auch alle Freiräume (weil ich selbst gern allein bin und viel Zeit für mich brauche), aber schaffe es auch nicht Grenzen aufzuzeigen und iwie verliere ich mich dadurch schlussendlich selber und bekomme sowas wie Verlustängste.

Es gibt viele Männer, die vermutlich Interesse an mir hätten, aber ich such mir immer nur die etwas schrägen raus, die selber genug mit sich herumtragen. Also, hättet ihr irgendwelche Tips, wie ich meine Baustellen am besten angehen soll, um aus dem Hamsterrad auszusteigen? Wie schaffe ich es, mich auf jemand einzulassen und mich zu öffnen?

Danke

14.10.2017 12:20 • 20.10.2017 #1


10 Antworten ↓


Hotin
Hallo lillii,

willkommen im Forum.
Zitat:
Wie schaffe ich es, mich auf jemand einzulassen und mich zu öffnen?


Meiner Meinung nach schaffst Du Dich zu öffnen, wenn Du zuerst lernst, anderen klare
Grenzen zu setzen.
Da Du das, wie Du selbst sagst, noch nicht gut kannst, verstehe ich Dich.
Dann würde ich Menschen, auch Partner nicht zu nah an mich heran lassen.
Sobald Du aber weißt, wie es geht, "Halt", "Stopp", "Das will ich nicht", zu sagen,
kannst Du Menschen auch näher an Dich heranlassen.
Dann ist es nicht so gefährlich, weil Du weißt, wie Du die Nähe wieder beenden kannst,
falls Du das nötig findest.

Viele Grüße

Bernhard

14.10.2017 12:56 • x 1 #2



Nähe zulassen - Wie öffne ich mich?

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Hey lilli,

ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es dir geht und in welcher Kriese du dich innerlich fühlst. Du willst und willst und fühlst dich doch wie in einem Hamsterrad... Ich kenne das, weil es mir genauso ergeht wie dir! Bindungsangst und als Selbstschutz Verlustangst. Ich habe, nachdem mir das Problem und das Außmaß dank meiner Ex Freundin ( Psychologin ) so richtigt bewusst wurde, mich aktiv damit auseinander gesetzt! In erster Linie geht es um dein eigenes Selbstwertgefühl und darum, sich mit seinen Glaubenssätzen auseinander zu setzen! Einer meiner Glaubenssätze ist z.B. Ich genüge nicht. Was das für einen Schaden in einem selber und auch in einer Paarbeziehung anrichtet, kann man sich ausmalen.
Empfehlen kann ich dir die Bücher von Stefanie Stahl Vom jein zum ja und Selbstwertgefühl ! Sie ist ein Pionier auf diesem Gebiet ist. Eine Schematherapie ist sehr hilfreich, doch leider noch nicht weit verbreitet! Beschäftige Dich aktiv mit dem Problem! Versuche deine Gefühle greifbar zu machen und rede mit deinem Partner darüber! Ich habe durch meine Bindungsangst und, weil ich meine Gefühle und Probleme nicht greifen könnte, sie nicht mit meinem Partner kommuniziert habe, eine sehr schöne Beziehung u einen tollen Menschen verloren!
Alles Gute

15.10.2017 09:42 • x 1 #3


Danke für eure lieben Antworten!

Zitat von Hotin:
Meiner Meinung nach schaffst Du Dich zu öffnen, wenn Du zuerst lernst, anderen klare
Grenzen zu setzen.

Danke besonders für die Anregung zum Grenzen setzen. Bin dadurch auf ein Video gestoßen über Grenzen setzen für Hochsensible und hatte danach die Erleuchtung: "Hey, du bist scheinbar hochsensibel".
Tja, ich wusste lange, dass ich anders bin und scheinbar Dinge anders wahrnehme als andere, aber ich dachte ich bin wohl einfach nur schräg. Nun gut, jetz bin ich nach knapp 27 Jahren endlich schlauer

Einfach mal nur darüber nachzudenken, was Grenzen für mich bedeuten, hat mir dann die Augen geöffnet.
Ich habe Grenzen einfach als unüberwindbare Mauern angesehen, die alles von mir fernhalten sollten. Aber das sind sie ja eigentlich gar nicht. Sondern sie dienen lediglich dazu, das abzugrenzen was meine Person ausmacht.

Zitat von Tjorven:
Einer meiner Glaubenssätze ist z.B. Ich genüge nicht.

Ja, das nicht genug sein habe ich auch noch tief in mir drinnen. Dadurch habe ich wohl lange immer nur die anderen gespiegelt, anstatt ich selber zu sein und mein eigenes ich komplett versteckt gehalten.

Und ich kann, denke ich keine Nähe zulassen, weil ich auf der langen Suche nach mir selbst und durch Leugnen und nicht akzeptieren meiner dunklen Seiten schon so viele Leute in meinen Sturm gezogen habe und ins "Verderben" gestürzt habe - bewusst und unbewusst - und Sachen gemacht hab, die mich im Nachhinein sehr erschüttert haben und die ich lange gut verdrängt habe. Und das wollte ich eigentlich nie wieder so weit kommen lassen.
Aber, gestern konnte ich mir endlich selbst vergeben und auch meine unschönen Seiten als Teil von mir akzeptieren. Ich dachte immer, dass da etwas falsch ist und geheilt werden muss, aber nein, es muss im Grunde nur beachtet und akzeptiert werden.

Jetzt fühle ich mich endlich wieder etwas näher bei mir angekommen

15.10.2017 11:09 • x 1 #4


kopfloseshuhn
Zitat:
Sobald Du aber weißt, wie es geht, "Halt", "Stopp", "Das will ich nicht", zu sagen,
kannst Du Menschen auch näher an Dich heranlassen.
Dann ist es nicht so gefährlich, weil Du weißt, wie Du die Nähe wieder beenden kannst,
falls Du das nötig findest.

Ähm kommt drauf an ... ob das dann besser geht...
Wenn man den anderen Menschen aus irgendeinem Grund ebenfalls nicht vertrauen kann weil...*Gründe einfügen
Wie: nie gelernt, oft enttäuscht worden, Trauma erlebt.....
Dann hilft das eigene vermögen "Stop" zu sagen erstmal und allein kaum weiter.

Hier hiflt nur eine konsequente Therapie, erstmal die Gründe zu finden (auch warum man sich auf anderen Ebenen erniedrigt und "billig verkauft") und einen Realitätscheck zu machen.
"Kann ich diesem Mensch vertrauen?"
Meistens findet man dann Hinweise darauf, ob einen ein Gefühl nur warnen will oder ob es nciht doch Hinweise gibt, dass man vertrauen können sollte aber es aus einem selbst unmöglich ist.

Ich hab zwar das Gefühl mich gerade um Kopf und Kragen geschireben zu haben. Aber besser kann ichs grad nicht beschreiben.
Ich hoffe, man kann damit was anfangen

15.10.2017 11:09 • x 1 #5


Hotin
Hallo lillii,
Zitat:
Danke besonders für die Anregung zum Grenzen setzen.


Grenzen richtig setzen zu können erscheint mir besonders wichtig zu sein. Dies ist ein
ganz weit verbreitetes Problem.
Sich abgrenzen zu können gibt Sicherheit und Sicherheit verringert Angst.
Abgrenzen kann sehr viel bedeuten. Es reicht vom freundlichen "Nein, das möchte ich nicht,"
bis zur aggressiven Verteidigung gegen eine Person und eventuell auch völlige Ablehnung.
Sehr hilfreich ist es, wenn Du Deinem Gegenüber auch erklären kannst, warum Du eine Grenze aufstellst.
Aber nicht alle Grenzen musst Du begründen. Es reicht durch aus auch zu sagen, "Das will ich nicht".
Um Grenzen gut setzen zu können, ist eine Voraussetzung ganz wichtig. Du musst möglichst
gut für Dich herausfinden, was Du willst, und was nicht. Und eventuell herausfinden, welche
Nachteile Du für welche guten Gefühle in Kauf nimmst.
Zitat:

Ich habe Grenzen einfach als unüberwindbare Mauern angesehen, die alles von mir fernhalten sollten.
Aber das sind sie ja eigentlich gar nicht. Sondern sie dienen lediglich dazu, das abzugrenzen was meine Person ausmacht.


Kompliment, das hast Du wunderbar beschrieben. Genau so ist es. Grenzen sind meistens
keine Mauern, sondern Leitlinien, die dem anderen, z.B. dem Partner zeigen, was Du erlaubst und was nicht.
Das ist fast immer positiv. Deshalb sind klare Grenzen für andere Menschen oft sehr hilfreich.
Du zeigst ihnen, was sie bei Dir dürfen, und was nicht.
Dies erleichtert Dir, mit anderen Menschen gut auszukommen.

Bernhard

15.10.2017 11:48 • #6


Hotin
@kopfloseshuhn
Zitat:
Ähm kommt drauf an ... ob das dann besser geht...


Natürlich, es kommt immer darauf an. Das sehe ich genauso.
Zitat:
Wenn man den anderen Menschen aus irgendeinem Grund ebenfalls nicht vertrauen kann weil...*Gründe einfügen
Wie: nie gelernt, oft enttäuscht worden, Trauma erlebt.....
Dann hilft das eigene vermögen "Stop" zu sagen erstmal und allein kaum weiter.


So ist es. Was man nicht gelernt hat, das kann man meistens deshalb erst auch einmal nicht.
Aber man kann alles bis zu seinem Lebensende, zumindest teilweise, nachlernen, falls man das möchte.
Zitat:
Hier hilft nur eine konsequente Therapie, erstmal die Gründe zu finden (auch warum man sich auf anderen
Ebenen erniedrigt und "billig verkauft") und einen Realitätscheck zu machen.
Meistens findet man dann Hinweise darauf, ob einen ein Gefühl nur warnen will oder ob es nicht doch Hinweise gibt,
dass man vertrauen können sollte aber es aus einem selbst unmöglich ist.


Dies sehe ich genauso. Der von Dir beschriebene Realitätscheck ist eines der wichtigsten Dinge in einer Therapie.
Das schafft Klarheit, kann aber am Anfang auch sehr wehtun.

15.10.2017 12:02 • #7


Hoffnungsfroh
Zitat von Hotin:
Der von Dir beschriebene Realitätscheck ist eines der wichtigsten Dinge in einer Therapie.


Dem kann ich unbedingt zustimmen! Sobald sich Ängste, Zweifel, Magenschmerzen etc. zeigen, versuche ich zu fühlen UND parallel den Realitätscheck zu machen. Das habe ich in der Schematherapie gelernt und bin begeistert von dieser Form mich selbst analysieren und "sichern" zu können.

Die empfohlenen Bücher von Frau Stahl finde ich - im Vergleich zu den amerikanischen Pionieren (BA, Selbstwert, Inneres Kind & Co. werden dort bereits seit über 20 Jahren erfolgreich thematisiert und therapiert!) - nicht überzeugend. Da hat mir vieles gefehlt. Auch Therapie begleitend fand ich sie zu oberflächlich.

15.10.2017 18:40 • #8


Mhm sehr interessant!
Wie macht man denn so einen Realitätscheck? Davon habe ich noch nie gehört, bin aber auch mit klassischen Therapieansätzen jetzt nicht unbedingt vertraut (ich therapier mich ja iwie meistens selber hmm)

Hättet ihr vllt Tipps, wo ich da gute Infos herbekomme dazu? Würd mir das gern genauer anschauen

Danke!

16.10.2017 17:29 • #9


Hotin
Hallo lillii,
Zitat:
Wie macht man denn so einen "Realitätscheck"?


Du möchtest gern aus Deinem Hamsterrad austeigen und Deine Baustellen angehen.

Dann solltest Du versuchen, Dich selbst und Dein Verhalten gegenüber anderen Menschen, häufiger einmal von
außen zu betrachten.
Durch die eigenen Gefühle, vor allem auch Dein Angstgefühl, wird die Wirklichkeit im Kopf oft stark verschoben.
Dies führt dazu, das man Dinge sagt und macht, die man eigentlich gar nicht gut finden würde, wenn man das
selbst sachlicher sehen könnte.

Hilfreich ist, wenn Du versuchst Dich oft selbst zu reflektieren. Dies bedeutet, Du bemühst Dich, alles das, was Du
denkst und machst, realistischer, möglichst objektiver anzusehen.
Und weiter bedeutet das, dass Du zufriedener werden kannst, wenn Du es schaffst, Deine Gefühle häufiger zu
Deinem Vorteil zu steuern, also dadurch selbstbewusster und egoistischer wirst.
Damit Du Dich gut selbst reflektieren (einschätzen) kannst, solltest Du viel mit Menschen reden, denen Du vertraust.
Das sind Familienmitglieder, Partner, Kinder und Freunde. Manchmal auch Personen, zu denen man keinen näheren
Kontakt pflegt. Fast alle Menschen sind für uns wie Spiegel. Sie zeigen uns mehr oder weniger gut, wie wir uns verhalten.
Ein meistens besonders guter Spiegel ist der Psychologe, oder Therapeut. Er ist selten
gefühlsmäßig mit dem Hilfesuchenden verbunden und kann deshalb in vielen Fällen einen guten, neutralen Rat geben.

Bernhard

20.10.2017 08:02 • #10


Hotin
Hallo lillii,

herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag, alles Gute,
viel Gesundheit und persönlichen Erfolg


Bernhard

20.10.2017 08:10 • #11



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