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201816.02




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Hallo zusammen. Ich bin neu hier und ziemlich verzweifelt. Vielleicht kann mir der ein oder andere hier ein paar Erfagrungswerte mitteilen? Ich war 6 Jahre mit meinem Partner zusammen. Er war immer unnahbar, distanziert aber auch liebevoll und zuverlässig. Erst spät habe ich gemerkt, dass er ein Nähe Distanz Problem hat. Ich selbst mag auch nicht zu viel Nähe, daher war es vielleicht anfangs nicht direkt so klar für mich. Immer wenn wir einen Schritt in der Beziehung weiter gegangen sind ( damals zusammenziehen) zog er sich von heute auf morgen emotional komplett zurück. So sehr, dass ich wieder auszog. Nach ein paar Wochen völliger Funkstille und ohne klärendes Abschlussgespräch nahm er wieder Kontakt auf. Wir kamen irgendwann wieder zusammen. Innerhalb der weiteren Beziehung gab es immer wieder solche Rückzüge, aber da wir dann zusammen wohnten kam er nach 1 bis 2 Wochen immer von selbst wieder auf mich zu. Ich arrangierte mich damit. Nach 5 Jahren wollte er plötzlich ein Haus bauen. Unser Traum schon lange. Wir taten es. Kaum eingezogen, wieder der Rückzug. Diesmal in voller Wucht, obwohl wir eigentlich sehr glücklich waren endlich unseren Traum zu verwirklichen. Immer wenn es enger wurde kam bei ihm die Flucht. Nach 3 Monaten im neuen Haus zog ich erneut aus. Er ersetzte mich nach 4 Wochen gegen eine andere Frau. Ich war am Ende mit der Welt, hab nichts mehr verstanden. Mit viel Mühe fand ich nur schwer zurück in mein normales Leben. Ich erfuhr über andere, dass diese neue Person sehr schnell in das Haus einzog, doch genau wie bei mir zog sie nach 3 Monaten wieder aus. Es war ihm zu eng geworden. Daraufhin versuchte er mich zurück zu bekommen. Mit allen Mitteln. Ich war sicher, es nie mehr zu tun da es mich fast zerstört hätte. Aber er gab nicht auf, erklärte mir dass aufgrund seiner Ängste die andere Frau nur eine weiterer FluchtOption war. Nach 7 Monaten wurde ich weich und gab ihm eine 2. Chance. Er wollte dass ich sofort wieder zurück zu ihm ziehe, ich bestand aber auf meine Wohnung und darauf, erst mal zu sehen ob er wirklich ernst meint. Er gab sich wirklich viel Mühe, jedoch merkte ich schon bald wieder einen Rückzug. Es ging auf und ab. Dann wollten wir zusammen eine schöne Reise machen. Taten wir auch. Es war wunderschön und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, wir schaffen das. Dann der Schock. 3 Tage nach dem Urlaub kein Lebenszeichen mehr. Keine Nachricht, kein Anruf, nicht erreichbar, einfach nichts mehr. Bei mir kamen all die früheren Gefühle wieder hoch, der Auszug aus dem Haus etc. Ich war sie gelähmt. Kein Hunger mehr, antriebslos, keine Kraft mehr. Die quälende Frage, ob er vielleicht wieder gleich eine neue hat. Genau wie damals. Ich weiss es nicht, wieder gab es kein klärendes Gespräch. Ich kann diesen Menschen einfach nicht vergessen, wir wollten mal heiraten, und ich habe noch nie jemanden so geliebt wie ihn. Deshalb hat es mich auch so zerstört. Ich weiss heute, dass es an massiver Bindungsangst leidet. Ist das wirklich behandelbar? Kann so etwas besser werden? Vielleicht gibt es hier ja Bindungsphobiker die mir das etwas erklären können oder betroffene Partner, die ähnliches erlebt haben. Bin für alle Beiträge dankbar. Das hilft. Danke fürs lesen, ist jetzt doch recht viel geworden. LG

Auf das Thema antworten

13 Antworten ↓



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  16.02.2018 17:17  
Jo das kann besser werden, aber nur wenn er bereit ist daran zu arbeiten. Die meisten Menschen möchten sich halt nicht mit ihren Ängsten und Schwächen beschäftigen, geschweige denn sich diese eingestehen. Also besser wirds nur wenn er es einsieht und bereit ist daran zu arbeiten, ansonsten wird sich wohl nicht viel ändern.





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  17.02.2018 20:03  
Danke für die Antwort. Das hilft mir, nicht allein mit dem Problem zu sein. Mich würde i interessieren, ob diesen Menschen bewusst ist, dass sie ihre Partner so sehe verletzten , oder ist es ihnen wirklich so gleichgültig. Von heute auf morgen so ein Meinungswechsel. Hochzeitsplänen zur Trennung. Ich ertrage das alles nur sehr schwer, es wird aber täglich etwas besser.



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  18.02.2018 00:54  
Also wenn wirklich Bindungsangst dahinter steckt, dann ist es diesen Menschen wohl nicht so ganz bewusst, also sie merken es vermutlich schon, aber im Vordergrund steht dann halt ihre Angst und sie möchten raus aus dieser Situation. Gleichgültig ist es ihnen sicher nicht, doch es ist angenehmer als sich mit der Angst zu konfrontieren. Versuche das ganze nicht persönlich zu nehmen, denn es hat wahrscheinlich wenig mit dir zu tun.



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Köln
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  19.02.2018 12:35  
Ich leide selber unter Bindungsangst und kann dir sagen, dass ich heute glücklich verheiratet und beziehungsfähig bin. Das war ein gutes Stück Arbeit, worauf ich mich zunächst einmal wirklich einlassen musste. Allein das hat ungefähr zwei Jahre gedauert, bis ich begriffen habe, dass die Veränderungen nicht nur begleitete Therapie, sondern auch ganz viel tägliche Arbeit an mir selbst bedeuten.

Wenn dein Partner "sich für sich" mit dem Thema Bindungsangst beschäftigen möchte, dann hat er gute Chancen, wenn er professionell begleitet wird, dass er irgendwann beziehungsfähig wird.

Danke1xDanke




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  19.02.2018 13:23  
Vielen lieben Dank für die Antwort. Vor unserem Urlaub wollte er das auch machen, also Hilfe in Anspruch nehmen. Nach dem Urlaub war ihm wieder alles zu eng geworden und er zog sich zurück. Haben jetzt seit 5 Wochen zur ganz sporadisch Kontakt und nur, wenn er es möchte. Auf meine Nachrichten antwortete er manchmal sofort, manchmal gar nicht. Deshalb bin ich so verunsichert, und lasse ihn momentan in Ruhe. Ich weiss nicht, wie ich weiter vorgehen soll, denn das Abtauchen und nicht mehr erreichbar sein ist ja ein typisches und mir gut bekanntes Symptom für seine Angst. Einfach nur abwarten? Das zermürbt mich so sehr. Oder sollte ich doch nochmal auf ihn zu gehen? Ich bin wirklich,obwohl ich das schon lange an ihm kenne, diesmal ziemlich mit den Nerven am Ende. Danke für Erfahrungswerte oder Tips. Mir hilft das sehr. LG



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  19.02.2018 14:31  
Genau. Etwas ändern kann nur er. Aber du kannst dich natürlich fragen, warum du auf solche Menschen anspringst. Dich dabei selbst zu beobachten und das kritisch zu sehen, ist ein Riesenschritt. Viele Menschen akzeptieren ihr Leben lang "Krümelbeziehungen", obwohl nichts gegen einen Kuchen mit allem drum und dran spricht.



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  19.02.2018 17:20  
Das ist genau die Frage, die sich mir auch beim Lesen Deiner Antwort aufgetan hat... Warum springst du ausgerechnet auf einen Mann an, der für dich unsicher als Partner ist? Normalerweise würde sich das ein "gesund bindender Mensch" überhaupt nicht antun. Was genau reizt dich also an diesem Kontakt?





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  19.02.2018 17:38  
Darüber habe ich schon oft nachgedacht, aber ich weiss es nicht genau. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte einfach loslassen. Es geht aber irgendwie nicht. Er ist der erste Mann, der wirklich gut zu mir war. Der ehrliches Interesse an mir hatte und auch sehr viel für mich getan hat. Wenn er dann nicht in seinen Angstphasen steckte. Ich hab sehr früh gelernt wie es ist, sich allein zu fühlen. Vielleicht hängeich deshalb so an ihm.



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Status: Online online
  19.02.2018 18:16  
Das lässt sich nicht so verallgemeinernd beantworten. Es ist von mehreren Faktoren abhängig ob eine Bindungsangst besser werden kann. Bindungsängste sind ja kein eigenständiges Erkrankungsbild sondern treten symptomatisch bei anderen Erkrankungen auf. Von dem her ist die Frage, was genau steckt dahinter, über welchen Zeitraum zieht sich das, will der Betroffene überhaupt etwas verändern. Eine Therapie kann helfen, muss aber nicht. Menschen die eine ausgeprägte Bindungsangst haben haben eine noch größere Angst vor emotionalen Aufdeckungen.

Bindungsphobiker sind nicht/kaum in der Lage wirklich an sich zu arbeiten, schwierige Phasen gemeinsam durchzustehen, auch einmal eigene Interessen zurückzustellen, etwas dem Partner zuliebe zu tun, eben alles was eine Beziehung erst wertvoll und stabil macht.
Dann sollte man auch die Konsequenzen ziehen und keine never ending Story unter dem Mäntelchen Beziehungsangst aufrecht erhalten - weil er ja nicht anders kann, weil er es ja nicht böse meint, wenn er dich wegstößt etc. Doch, er meint es böse. Und nein, man muss das nicht immer weiter so hinnehmen und sich von einem "Partner" demütigen lassen, der hinter dem Schutzschild Beziehungsangst sich Freiheiten herausnimmt, die man normalerweise nie tolerieren würde.
Offensichtlich hat er es in 6 Jahren nicht als notwendig erachtet an sich zu arbeiten, hat die Problematik überhaupt erst reflektiert und verarbeitet. Bei aller Liebe, aber man muss nicht alles erbarmungslos unterstuetzen, was jemand macht, den man sehr gerne hat.

Versuche einen Mann kennenzulernen, der dir nicht das Letzte abfordert. Kannst Du annehmen, dass Du liebenswert bist, ohne dir Zuneigung erkämpfen zu müssen?



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  19.02.2018 18:31  
solaris99 hat geschrieben:
Ich hab sehr früh gelernt wie es ist, sich allein zu fühlen. Vielleicht hängeich deshalb so an ihm.


Das passt zumindest zu der These, die Therapeuten gerne von sich geben: wir suchen uns immer die Partner, welche die wunden Stellen in uns triggern, die noch nicht heile sind.
Denn wenn du es mal nüchtern betrachtest, ist dieser Mann nicht für dich da. Das kann er gar nicht aufgrund seiner Bindungsangst.

Bindungsangst ist durchaus therapierbar, wenn die Störung, die diese Bindungsangst verursacht, therapierbar ist. Bindungsangst ist ja nur ein Symptom einer der überstehenden Störung, bzw psychologischen Erkrankung. So kann Bindungsangst Teil einer Erkrankung wie zB

Narzissmus

Borderline

Co-Abhängigkeit

sein. Während Narzissmus und Borderline durchaus als Paarung auftreten können und dann fast nicht therapierbar sind, was die Bindungsangst angeht, kommt es aber beim Auftreten einzelner Erkrankungen oder Störungen immer auf die betroffene Person an, ob sie sich auf eine professionelle Unterstützung einlassen kann und eine Therapie trotzdem in Frage kommt.





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  19.02.2018 20:33  
Danke für deinen Beitrag. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr es mir hilft hierüber zu sprechen. Ich war so lange mit dem Thema alleine, und ich merke, drüberzu sprechen hilft. Also ich bin mit einem Vater aufgewachsen, der emotional nicht erreichbar ist. Meine Mutter hat sich völlig aufgegeben um ihm zu zeigen, dass er der Grösste ist . Hsb ich damalsschon nicht verstanden. So ist es bei mir jetzt nicht, dass ich meine Partner behandle wie einen König und sonst alles unwichtig wird, aber ich vermute( eigene Recherche), dass ich eine gewisse Form von Verlustangst haben könnte. Und dass ich immer an Männer gerate, ( wobei dieser Fall wie jetzt nochnie so extrem war) die emotional auch nicht richtig ticken, auf meine Kindheit zurückzuführen ist. Ich habe vor ein paar Jahren einmal mit einem Therapeutendarüber gesprochen, er meinte dann man könne nicht immer alles auf die verkorkste Kindheit schieben und es wäre ja meine eigene Schuld, wen ich als Partner wähle. Das hat mich so runtergezogen, dass ich mir mehr zu ihm hingegangen bin. Von daher weiss ich nicht ob meine Vermutung zutrifft. Und was ich tun kann um das zu ändern. Ich will eigentlich nur ein glückliches Leben führen.



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  19.02.2018 20:39  
Dann ist mein von Herzen kommen da und liebevoll gemeinter Rat, dass du dich jetzt erst einmal nur um dich kümmerst. Damals warst du vielleicht noch nicht soweit, dass du das was der Therapeut sagte, ertragen konntest. Aber wenn du nun ein Ziel hast, z.b. eine liebevolle stabile und gesunde Partnerschaft zu führen, dann kann eine Therapie hilfreich und heilsam sein.
So wie du es schreibst, vermute ich, dass du dir Partner suchst, die deinem Vater ähneln. Wie ich bereits sagte, ist dein jetziger Partner bzw den den du als Partner haben möchtest, emotional auch nicht erreichbar.





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  19.02.2018 20:48  
Bindungsangst ist durchaus therapierbar, wenn die Störung, die diese Bindungsangst verursacht, therapierbar ist. Bindungsangst ist ja nur ein Symptom einer der überstehenden Störung, bzw psychologischen Erkrankung. So kann Bindungsangst Teil einer Erkrankung wie zB

Narzissmus

Borderline

Co-Abhängigkeit

Er hat ja immer wieder davon gesprochen, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt. Er nicht richtig fühlen kann. Und das er etwas daran ändern muss. Da trifft der Satz: Die Hoffnung stirbt zuletzt...man will dann nicht alles wegwerfen. Fakt ist aber auch, er hat es bisher nicht getan. Hilfe in Anspruch genommen. Da bleibt vermutlich doch nur der Rückzug. Ausser ihn zu bitten, etwas dagegen zu tun kann ich meiner Meinung nach nicht. Das tut am meisten weh.

Danke1xDanke


Dr. Reinhard Pichler

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