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Ich habe bereits über mein eigenes Thema berichtet. Nach einigen Treats, die ich durchgelesen habe, machte ich mir vielerlei Gedanken über meine eigene Situation.

Ich denke, dass der Mann, den ich in mein Leben gelassen habe, Beziehungsunfähig zu sein scheint.
Wenn wir uns etwas näher stehen, folgt meist ein Rückzug seinerseits. Unerklärt, sehr oft. Er kann nicht eruieren, was ihn dann so beschäftigt. Er geht einfach auf Abstand und wird sehr kalt. Darauf folgt - wie so oft - Funkstille. Bis er wieder eine Annäherung bezweckt.

Was so oft und wiederholt vorkam, macht allmälich "Sinn". Evtl. ist dieser Mann tatsächlich beziehungsunfähig.
Was ich bereits schon oft gelesen habe - diese Menschen tuen einem nicht gut UND man kann sie nicht "heilen". Sie müssen es selbst wollen.

Was nun, wenn man solch einen Menschen nicht einfach aufgeben möchte?

Versteht mich bitte nicht falsch. Aber wir alle haben doch unser ganz eigenes Problem, dass es zu bewältigen scheint.
Wenn uns dabei jemand mit Geduld begleitet und unterstütz, anstelle von "aufgeben" weil es so unendlich "mühsam" ist, ist dies meiner Meinung nach viel Wert. Denn die einzelnen Schritte und das Aufarbeiten gehen nicht von heute auf morgen. Und da mir dieser Mann am Herzen liegt, möchte ich den Versuch starten, Geschichten zu hören, in denen nicht die Opfer von sich sprechen, sondern die Betroffenen "Täter".
Gibt es unter euch ehemals "Beziehungsunfähige", welche nach immer dem selben Muster (Abstand, Rückzug, wieder Kontakt aufnehmen usw.) den wichtigen Absprung geschafft haben? Wie habt ihr das erlebt? Wie seid ihr vorgegegangen? Weshalb wart ihr beziehungsunfähig? Was war ausschlaggebender Wendepunkt bei euch im Leben?

Gerne dürfen sich natürlich alle angesprochenen Personen melden. Auch solche, die über zweite oder dritte Instanz eine solche Erfahrung miterlebt haben.

Ich danke euch bereits im Vorfeld und erhoffe mir dadurch, meinem Anliegen (für mich selbst) mehr Klarheit zu verschaffen.

16.06.2019 22:00 • 05.04.2020 #1


32 Antworten ↓


FeuerWasser
Wenn es einen Täter gibt gibt es auch ein Opfer und wer sich zum Opfer machen lässt der kann ebenfalls nicht stabil sein.

Zitat von Yalah:
Was nun, wenn man solch einen Menschen nicht einfach aufgeben möchte?

Leiden, leiden und nochmals leiden bis es einem irgendwann zu bunt wird oder sich selbst hinterfragt warum er nicht loslässt, bei jemandem, der keine engen Bindungen leben kann bzw. will.

Das was deiner Meinung nach viel Wert ist ist das was bei ihm Panik auslöst. Er will nicht begleitet und unterstützt werden, er will keine enge Bindung eingehen, er will nicht sein Gefühlsleben ausbreiten - auch kein kleines bisschen. Jedes intervenieren führt dazu das er sich immer mehr und mehr distanziert bis es zum endgültigen Bruch kommt.

16.06.2019 22:07 • x 2 #2



Hallo Yalah,

Beziehungsunfähig - gibt es "Täter" unter euch?

x 3#3


Es ist immer schwieg zu erkennen ob jemand Beziehungsunfähig ist, oder nach der oder dem Richtigen sucht.

Es gibt da einen Spruch - Prüfe was sich ewig bindet , ob sich nicht was besseres findet

16.06.2019 22:15 • #3


Gaulin
Zitat von Yalah:
Was nun, wenn man solch einen Menschen nicht einfach aufgeben möchte?

Da ist natürlich die Frage, warum nicht? Ein Mensch tut einem nicht gut und ich will ihn trotzdem behalten? Dort kannst du ansetzen. Denn: zuallererst solltest du dich selbst verstehen lernen. Stattdessen willst du ihn verstehen lernen... du selbst solltest dir am wichtigsten sein. Und vielleicht refkektiert er dich... das passiert nicht grundlos.

16.06.2019 22:27 • x 2 #4


Zitat von FeuerWasser:
.
Das was deiner Meinung nach viel Wert ist ist das was bei ihm Panik auslöst. Er will nicht begleitet und unterstützt werden, er will keine enge Bindung eingehen, er will nicht sein Gefühlsleben ausbreiten - auch kein kleines bisschen. Jedes intervenieren führt dazu das er sich immer mehr und mehr distanziert bis es zum endgültigen Bruch kommt.


Verstehe... Deine Antwort hat so einiges in mir ausgelöst. Bzw. es hat mich traurig gemacht
Ist es in dem Falle so, dass sich solche Menschen NIEMALS ändern können? Denn mir ist bewusst, dass dieses Verhalten einen Auslöser in der Kindheit hatte und sie selbst doch eig. auch nicht glücklich mit diesem Verhalten sind. Weisst du was ich meine?
Denn, er geht ja trotz allem immer wieder eine Beziehung mit einer Frau ein?!
Das wäre auch der Grund, weshalb ich gerne etwas von solchen Menschen gelesen hätte, die auch Mal so ein Verhalten aufgezeigt hatten.

@Gaulin
Ja da ist was wahres drann! Ich wurde vor einigen Tagen gefragt, ob ich das Gefühl hätte, im Leben bestraft werden zu müssen bzw. dass ich ein schlechtes Verhalten verdient hätte. Ich konnte jedoch abwinken, denn im Grunde möchte ich das ja auch nicht! Ist es mein Helfersyndrom?!

@Karl Hoffmeister
Wie meinst du das?

17.06.2019 05:37 • x 1 #5


FeuerWasser
Er wird sich ändern wenn er sich ändern will aber nicht weil du das voran treibst und ihm die Hand hinhältst.
Das ist grenzüberschreitend und penetrant sich jemanden so aufzudrängen.

Du wirst das Verhältnis zwischen euch nehmen müssen wie es ist oder du distanzierst dich von ihm konsequent.
Wenn er Beziehungen mit anderen Frauen eingeht ist das SEINE Sache. Das ist sein Privatleben. In das hast du dich nicht
einzumischen.

17.06.2019 08:41 • x 1 #6


Rosenroth_
Zitat von Yalah:

Ist es in dem Falle so, dass sich solche Menschen NIEMALS ändern können? Denn mir ist bewusst, dass dieses Verhalten einen Auslöser in der Kindheit hatte und sie selbst doch eig. auch nicht glücklich mit diesem Verhalten sind. Weisst du was ich meine?
Denn, er geht ja trotz allem immer wieder eine Beziehung mit einer Frau ein?!
Das wäre auch der Grund, weshalb ich gerne etwas von solchen Menschen gelesen hätte, die auch Mal so ein Verhalten aufgezeigt hatten.


Liebe Yalah,
Ich kenne beide Seiten, als Täter und als Opfer. Ich glaube, du reflektierst schon ganz gut, dass du weg musst. Es werden jedoch immer 1000 Gründe dagegen sprechen und es ist ein langer Weg und viel Arbeit. Als Opfer habe ich damals erkannt, dass dieser Mensch nie ganz für mich da sein wird. Das ist alles sehr aufregend, denn ich habe ständig etwas zum Kämpfen und erreichen, aber seit ich weiß, was bedingungslose Liebe für mich eher ist, erkenne ich, dass das keine war. Ich kenne Menschen, die seit 20 Jahren eine solche Beziehung haben und immer noch auf morgen und die Veränderung des Partners hoffen. Wäre es nicht schön, im Hier und Jetzt schon glücklich zu sein?

Ich empfehle die älteren Videos vom YouTube Kanal von Christian Hemschemeyer . Er vergleicht den Partner mit einer Dro., von der man lernen kann Abstand zu nehmen.

Aber da du ja den Blickwinkel der Täter wolltest: Als Täterin war es bei mir so, dass ich mich eine längere Zeit innerlich verschlossen habe, aber eigentlich dachte, dass ich offen bin für eine neue Beziehung. Es fühlte sich jedes Mal aufs Neue aufregend an, als würde ich auf die richtige Person treffen, nahm dann aber wieder Abstand, da sie etwas an sich hatte, mit dem ich nicht konnte. Ich weiss, dass das nicht besonders nett ist, aber es war kein Mensch dabei, auf den ich mich tiefer einlassen wollte, sondern ich wollte eigentlich die Unverbindlichkeit, die nicht weh tut. Nach den Gesetzen von Anziehung und Abstoßung macht dieses Spiel die anderen leider sehr viel abhängiger (bewirkten also das Gegenteil). Sie machten sich tiefergehende Gedanken um mich, erzählten mir, dass sie mir Freiheit lassen, aber ich spürte, dass ein riesiger Erwartungsdruck von der anderen seite da war.

Ich würde dir deshalb raten: lass ihn frei und arbeite an deiner Unabhängigkeit. Wenn er zurückkommt, gut. Wenn nicht, hast du dich wenigstens nicht selbst verloren. Ich verstehe, wenn man an so etwas festhalten will, doch die Welt hält eigentlich so viele andere potentielle gesunde Partner für dich bereit, die schon über diese Phase hinweg sind.

17.06.2019 09:04 • x 3 #7


Zitat von Rosenroth_:
Ich empfehle die älteren Videos vom YouTube Kanal von Christian Hemschemeyer . Er vergleicht den Partner mit einer Dro., von der man lernen kann Abstand zu nehmen.

Aber da du ja den Blickwinkel der Täter wolltest: Als Täterin war es bei mir so, dass ich mich eine längere Zeit innerlich verschlossen habe, aber eigentlich dachte, dass ich offen bin für eine neue Beziehung. Es fühlte sich jedes Mal aufs Neue aufregend an, als würde ich auf die richtige Person treffen, nahm dann aber wieder Abstand, da sie etwas an sich hatte, mit dem ich nicht konnte. Ich weiss, dass das nicht besonders nett ist, aber es war kein Mensch dabei, auf den ich mich tiefer einlassen wollte, sondern ich wollte eigentlich die Unverbindlichkeit, die nicht weh tut. Nach den Gesetzen von Anziehung und Abstoßung macht dieses Spiel die anderen leider sehr viel abhängiger (bewirkten also das Gegenteil). Sie machten sich tiefergehende Gedanken um mich, erzählten mir, dass sie mir Freiheit lassen, aber ich spürte, dass ein riesiger Erwartungsdruck von der anderen seite da war.

Ich würde dir deshalb raten: lass ihn frei und arbeite an deiner Unabhängigkeit. Wenn er zurückkommt, gut. Wenn nicht, hast du dich wenigstens nicht selbst verloren. Ich verstehe, wenn man an so etwas festhalten will, doch die Welt hält eigentlich so viele andere potentielle gesunde Partner für dich bereit, die schon über diese Phase hinweg sind.


Vielen Dank für deine ehrliche und offene Antwort und die lieben Tipps. Auch das mit dem Video werde ich mir mal ansehen.

Weshalb ist es nur so schwer? Ich habe so viel Hoffnung und halte daran fest, als würde ich im Leben etwas wichtiges verlieren oder verpassen. Es macht es natürlich nicht leichter, eine Selbsterkenntnis darüber zu bekommen und vom Gegenüber "ignoriert" zu werde. So in der Art "macht er sich denn keine Gedanken, wie es mir dabei geht? Bin ich ihm nichts wert?"

Wir kennen uns schon einige Jahre, das macht alles nicht einfacher. Denn er hat mich schon in so mancher Lebenslage erlebt und mir Unterstützung und Kraft gegeben.

Nun alles fallen zu lassen und niemanden an der Seite zu haben, der einem auffängt, beängstigt mich dermassen fest, dass ich das Gefühl habe, rückfällig zu werden. Irgendwas hält mich an ihm fest?! Und vor allem der Glaube und die Hoffnung, dass es ein Happy End geben könnte.
Ich werde nicht schlau aus der Sache und bin verzweifelt. Das alles summiert sich in meiner Situation zu einem grossen Haufen, an dem ich irgendwie scheitere.

17.06.2019 21:08 • #8


Zitat von FeuerWasser:
Er wird sich ändern wenn er sich ändern will aber nicht weil du das voran treibst und ihm die Hand hinhältst.
Das ist grenzüberschreitend und penetrant sich jemanden so aufzudrängen.

Du wirst das Verhältnis zwischen euch nehmen müssen wie es ist oder du distanzierst dich von ihm konsequent.
Wenn er Beziehungen mit anderen Frauen eingeht ist das SEINE Sache. Das ist sein Privatleben. In das hast du dich nicht
einzumischen.


Deine Worte sind sehr hart in meinen Ohren. Ich merke, wie ich mich dagegen zu sträuben versuche. Weisst du, wenn ich andere Treats durchlese, dann denke ich oft "ist doch Sonnenklar, vergiss den Kerl! Das KANN NICHT GUT gehen!"

In meiner Situation fühle ich mich so verletzt und suche X Ausreden, weshalb es NICHT SO ist. Ich denke mir dann "du weisst doch nicht, was für ein guter Mensch er eig. ist! Vielleicht bin ich einfach zu kompliziert!? Erwarte zu viel?! Mache mir zu viele Gedanken!?"

Und dann kreisen meine Gedanken ein weiteres Mal mit unaufhörlichen Fragen und Vorstellungen.
Ich habe das Gefühl - und ja das klingt dumm - ich werde nie jemanden finden! Zu "lange" bin ich nun schon singel und "der Richtige" ist noch nicht aufgekreuzt. Was mach ich bloss falsch?

17.06.2019 21:12 • #9


Was ich damit meine - der Mann weiß nicht ob er kalt oder warm ist.

Du mußt selbst entscheiden was gut für dich ist, aber das was du jetzt hast ist bestimmt nicht gut.

Ein Partner muß mich ernähren können mit seiner Liebe und seinem Vertrauen in mir !

17.06.2019 21:24 • #10


Zitat von Karl Hoffmeister:
Was ich damit meine - der Mann weiß nicht ob er kalt oder warm ist.

Du mußt selbst entscheiden was gut für dich ist, aber das was du jetzt hast ist bestimmt nicht gut.

Ein Partner muß mich ernähren können mit seiner Liebe und seinem Vertrauen in mir !


Das verstehe ich - denke ich zumindest. Nur, es ist so ver*** schwer, wenn er mich mit genau diesen Dingen immer und immer wieder nährt, in den guten Phasen. Denn da stimmt absolut alles und er himmelt nich beinahe schon förmlich an. Dann gibt er mir das Gefühl, einen enorm hohen Stellenwert in seinem Leben einzunehmen!?

17.06.2019 21:49 • #11


FeuerWasser
Zitat von Yalah:
In meiner Situation fühle ich mich so verletzt und suche X Ausreden, weshalb es NICHT SO ist. Ich denke mir dann "du weisst doch nicht, was für ein guter Mensch er eig. ist! Vielleicht bin ich einfach zu kompliziert!? Erwarte zu viel?! Mache mir zu viele Gedanken!?"

Zitat von Yalah:
Deine Worte sind sehr hart in meinen Ohren.


Ich kenne dein Denken nur allzu gut und deswegen schreibe ich so wie ich es tue. Ich weiß wie schmerzhaft solche Verbindungen sein können und ich kenne ebenfalls die andere Seite wenn man selbst zum Flüchtling wird.
Es kommt nicht selten vor, dass die Partner oder "Liebschaften", wie auch immer, völlig zerstört beim Therapeuten sitzen weil sie nervlich fertig sind. Das Internet ist voll von Erfahrungsberichten diverser Männer & Frauen zu diesem Thema.

Du musst verstehen, dass ein Mensch der keine Änderung möchte sich auch durch dich nicht verändern wird. Du verstrickst dich in Illusionen und überidealisierst diesen Menschen.
Er will sich nicht professionell helfen lassen, verlangt aber implizit von Frauen, dass sie sich seinen Verhaltensweisen fügen.

Dann gibt es Frauen die sich in eine Abhängigkeit begeben und meinen sie müssten dem armen, leidenden Kerl helfen der so emotional hilflos durchs Leben stolpert. ER ist aber derjenige der Leiden auslöst, der dich am ausgestreckten Arm verhungern lässt, dessen ist er sich bewusst! und die Frau rutscht in eine Mutti-Beschützerrolle und in der Position musst du dich selbst hinterfragen welche Anteile DU mitbringst denn die "Partner" von Bindungsphobikern habe oft selbst ein ganz großes Problem mit Nähe.

Ich kann dir wärmstens zwei Bücher von Stefanie Stahl empfehlen:
1. Das Kind in dir muss Heimat finden
2. Vom Jein zum Ja! Bindungsangst verstehen und lösen.

Ich bin mir sicher du wirst einige Aha Erlebnisse in Bezug auf dich selbst haben.
Das ist reine Übertragung die da stattfindet. Er überträgt seine Lebenserfahrungen auf dich und umgekehrt. Das ist eine toxische Verbindung aus der nichts Gutes erwachsen kann.

19.06.2019 11:02 • x 3 #12


Zitat von FeuerWasser:
Ich bin mir sicher du wirst einige Aha Erlebnisse in Bezug auf dich selbst haben.
Das ist reine Übertragung die da stattfindet. Er überträgt seine Lebenserfahrungen auf dich und umgekehrt. Das ist eine toxische Verbindung aus der nichts Gutes erwachsen kann.


Ich habe mich tiefer mit der Thematik befasst. Auch die empfohlenen Videos habe ich mir in Ruhe angesehen und Notizen dazu gemacht. Ich rutsche allmählich in einen positiven Prozess des Verständnis über meine eigene Situation.
Darüber zu schreiben und eure Antworten zu lesen trägt zu einem grossen Beitrag dazu bei.

UND du hast absolut recht mit dem was du schreibst. Es ist an der Zeit, mein eigenes Leben in Hände zu nehmen und etwas zum Positiven für mich zu ändern. Auch wenn es schwer und mühseelig ist. Ich denke, dass er an diesem Punkt bleiben wird und hoffe natürlich trotzdem, dass er Einsicht erfährt. Jedoch kann und will ich nicht mehr abwarten und leiden. Es kostet mich zu viel Kraft und Energie und ich bewege mich dadurch in einer Abwehrspirale bis ganz tief unten, ohne dass er es bemerkt oder es ihn kümmert. 1000 Ausreden meinerseits können dieses von ihm ausgelöste Verhalten mittlerweile nicht mehr verantworten oder entschuldigen. Denn ICH bin die Person, die leidet und nicht mehr kann. Er lebt sein Leben ganz normal weiter, auch wenn es ziemlich verkorkst zu sein scheint. Aber ich merke, dass ich mich aufgebe - für keinen Profit. Nur für die Selbsterkennung. Diese Erkenntnis macht mich zum jetzigen Zeitpunkt mehr traurig als stark. Aber ich denke, ich muss da durch. Und genau solche ehrlichen Inputts verhelfen meiner Denkweise, mich nicht komplett auf meinem Weg zu verlieren.
Danke!

19.06.2019 20:54 • x 1 #13


Moin,

Das Thema ist mittlerweile alt, aber ich bin eine Täterin und würde gerne etwas dazu sagen, falls hier nochmal jemand was liest.

Was hier bisher geschrieben wurde sehe ich grundsätzlich auch so. Dennoch möchte ich gerne differenzieren und gegen eine grundsätzliche verteufelung plädieren. Wir sind nicht alle schlimm.
Es gibt Beziehungsunfähig, heißt: es ist keine Beziehung möglich UND auch nicht gewünscht.
Und es gibt Bindungsangst: es ist ein (oft großer) Bindungswunsch vorhanden, aber die Nähe/Bindung kann nicht ausgehalten werden

Ich bin Bindungsängstlich und theoretisch eine Täterin allererster Klasse. Denn ich WILL Bindung und ich BRAUCHE Liebe und ich habe selbst sehr viel davon zu GEBEN.
Und wenn ich das zulassen kann ist der Partner natürlich in den Himmel hoch gelobt und geliebt. - Dann wird es zu viel, beklemmende Ängste, ekel, abweisung. Aber halt, mochte ich den nicht eben noch? Also erstmal Abstand, Sicherheit, bis es wieder geht, denn ich will ja diese Bindung und weiß das mein Partner eigentlich toll ist. Dann Nähe zulassen und so dreht sich das Karussell. Für jeden Schritt den ein Partner auf mich zu geht springe ich 2 zurück.

Ich denke es kommt auf den Umgang damit an. Ich persönlich kenne und reflektiere mein Muster und ich will es ändern. Ich bin mir darüber bewusst wie schlimm das für den Partner ist und versuche deshalb Beziehungen im allgemeinen zu vermeiden.
Ich kann das nicht ewig und immer tun - ich verliebe mich schließlich auch.
Ich denke der Trick und die Frage nach Hoffung für solche Beziehungen liegt in der Fähigkeit und dem Willen der Täter an den eigenen Problemen (mit Therapeutischer Hilfe) zu arbeiten und in die Kommunikation mit dem Partner zu gehen. Das heilt nicht alle Probleme, aber es gibt die Möglichkeit Vereinbarungen zu treffen und den Partner nicht zu zerstören.
Als potentielle Täterin ist mein höchstes gut das wohlergehen des anderen und unter diesen bedingungen ist es möglich, wenn auch anstrengend und mit viel viel Arbeit verbunden.

Das sind allerdings Dinge die vom Täter ausgehen müssen. Wenn er/sie nicht soweit ist massiv SELBST AN SICH zu arbeiten, dann sehe ich leider keine Chance.

Alles liebe, jedem der das liest!

19.01.2020 00:06 • x 5 #14


FeuerWasser
Zitat von Verrückte:
Als potentielle Täterin ist mein höchstes gut das wohlergehen des anderen

Gut wenn du das so handhabst nur gibt eine ganze Reihe anderer Bindungsscheuer die nur Schmerz, Tränen, Ratlosigkeit und verbrannte Erde zurücklassen und die sich erst gar nicht binden können/wollen. Partner die selbst beim Psychotherapeuten sitzen während der Bindungsphobiker über alle Berge ist. Das isf fatal. Wer diese Erfahrung einmal machte der wird sich auf so ein Experiment nicht so schnell ein 2. mal einlassen. Natürlich gibt es immer eine Spannweite Von Bis. Nicht jeder ist gleich schwer betroffen, es handelt nicht jeder gleich und trotzdem muss auch ein Bindungsscheuer erst einen Partner finden der die Geduld aufbringt diese Spielchen mitzumachen.
Grundsätzlich ist jeder für sich selbst verantwortlich und ein Partner ist kein Therapeut der tiefsitzende Ängste bearbeiten kann oder muss. Meines Erachtens ist es schon eine Minderzahl von Bindungsscheuen die die Einsicht haben und überhaupt zum Therapeuten gehen und wie viele gibt es die trotz Therapie immer noch nicht beziehungsfähig sind...

19.01.2020 10:25 • x 3 #15


Robinson
Beim Bindungsphobiker werden bei jeder Beziehung alte Bindungsmuster (meist zur Mutter) oft unbewusst reaktiviert.
Der Bindungsphobiker ist zerrissen zwischen Liebessehnsucht und Angst, die alten Erfahrungen wieder zu erleben: Ablehnung, Verletzung und Verlassenwerden.
Vereinnahmung und somit Angst vor Ich-Auflösung.
Heisst, seine eh schon brüchigen Grenzen ganz zu verlieren.
Er sieht sich hilflos in einer wehrlosen Abhängigkeit und Selbstaufgabe.
Grade sehr sensible Menschen sind es, und keine Täter !
Denn es ist nie böse Absicht oder Spiel.
Da hilft es beiden Seiten nur, die Nähebedürfnisse vorsichtig auszuhandeln, denn jedes Brachiale Fordern bringt nur das Gegenteil.
Verwirrung und Angst beim einen, Frust und Wut beim anderen.
Und nicht jeder hat das gleiche Nähebedürfnis, und nicht zu jedem Zeitpunkt.
Der Bindungssüchtige und der Bindungsflüchtige auch nicht.

Ich bin auch Bindungsflüchtig.
Ich habe neben einer Mutter, die mich nie lieben konnte und dadurch die Prägung nicht liebenswert zu sein, auch massive Grenzverletzungen erlebt, sprich, ich konnte mich nicht wehren und wurde ausgenutzt.
Jede nähere Beziehungen reaktivieren alte Muster in mir, ohne dass ich mich beruhigen kann.
Google mal nach Schizoid.
Finde heraus, was deinem Partner hilft, ohne dass er sich zu stark unter Druck gesetzt fühlt.
Einfach da sein zum Beispiel.

Denn Liebe ist Bedingungslos und kein Tauschgeschäft.
Wer unbedingt jemanden braucht, um mit sich und dem Leben klar zu kommen, liebt nicht, ist eher Egozentrisch.
Der Gegenpart zum Bindungsphobiker (schizoide) ist der Depressive Charakter, der sagt, Mensch, ich kümmer mich sooo um dich, und was ist der Dank?

Der eine hat Angst sich zu verlieren, der andere, jemand zu werden.
Falls dich das Thema wirklich interessiert und du nicht nur an ein paar oberflächlichen Tipps a la "trenn dich von dem Ar.",liess mal den Riemann, Grundformen der Angst.
Aber ich glaube ! nicht, und das ist das Schizoide in mir (smile), dass sich andere wirklich die Mühe machen zu Verstehen.
Denn der Markt gibt ja noch mehr Partner her ! (Sorry)

Ach, noch was:
Natürlich muss bei dem Vermeidenden ein Bewusstsein seiner Probleme da sein, nur so kann er sich seiner Angst stellen.

Über ein Feedback würde ich mich freuen, um das Gefühl zu haben, richtig verstanden worden zu sein und dich richtig verstanden zu haben.

-Robinson
Und noch was:
Bestimmt hast du schon bemerkt, dass er dir auch Zuwendung zeigt.
Nicht mit Blumen oder Worten, eher mit Taten.
Es lohnt sich, einen Bindungsängstlichen zu gewinnen, denn meist sind sie dann sehr Dankbar und Loyal.

19.01.2020 13:04 • x 2 #16


Moin,

Danke Robinson, du hast das ausgeführt, was ich nur angeschnitten habe und dementsprechend kann ich dir nur zustimmen.
Wir sind keine schlechten Menschen, wir meinen es nicht böse, tun es nicht absichtlich und es ist uns nicht egal, im Gegenteil.

Aber wir tragen ein ziemlich schädliches und verletzendes Bindungsmuster mit uns rum und ich finde es durchaus wichtig, Verantwortug dafür zu übernehmen und uns bewusst zu sein, dass wir (unabsichtlich) durchaus Täter sein können. Weil wir das so gelernt haben. Und gerade weil wir wissen wie schlimm das ist sollten wir acht geben auf die die uns wichtig sind. Bei mir schließt das zum Beispiel auch Freundschaften ein.
Und wenn wir uns noch nicht bewusst über unser Muster sind oder versuchen das eigentliche Problem zu ignorieren, dann hat ein potentieller Partner (der vielleicht auch noch eigene Probleme mitbringt) echt schlechte Karten und ich kann wirklich nur jedem raten sich solchen exemplaren nur mit größter Vorsicht zu nähern.

Dennoch lohnt es sich uns eine Chance zu geben, wenn wir bewusst und gewillt sind daran zu arbeiten und ja, wir können das irgendwann irgendwie überwinden, aber wir brauchen dafür eben Hilfe.

Und Robinson, ich hatte nun schon mehrfach das Glück Menschen kennen zu lernen, die das aushalten und damit arbeiten können, seit ungefähr 1,5 Jahren weiß ich, wie sich eine vernünftige Bindung anfühlt und lerne und heile sehr viel daran. Es ist immernoch nicht leicht, aber wir kriegen das hin. Es gibt diese Menschen.

Liebe Grüße
Die Verrückte

19.01.2020 17:02 • x 3 #17


klaus-willi
Hallo Yalah
Hast du den Mann denn mal direkt darauf angesprochen wie er sich die Beziehung vorstellt und was du möchtest?
Habe das Gefühl hier sind auch viele Mißvertändnisse zu klären.
Ich finde eine offene und ehrliche Aussprache muß sein auch wenn die Konsiquenzen nicht das erhoffte sind.
Da weis man wenigstens wo man gegenseitig drann ist.
Lg

19.01.2020 17:30 • x 1 #18


Hotin
@Verrückte

Hallo Verrückte,

willkommen hier im Forum. Bestimmt kann es Dir hier gelingen, ein wenig mehr darüber
zu erfahren, was Du in Deiner Kommunikation mit anderen Menschen verbessern kannst.

Zitat:
Es gibt Beziehungsunfähig, heißt: es ist keine Beziehung möglich UND auch nicht gewünscht.
Und es gibt Bindungsangst: es ist ein (oft großer) Bindungswunsch vorhanden, aber die Nähe/Bindung
kann nicht ausgehalten werden


Weißt Du, wo das bei Dir herkommt? Und in welchem Alter hat das bei Dir angefangen?

Zitat:
Ich denke es kommt auf den Umgang damit an. Ich persönlich kenne und reflektiere mein Muster und ich
will es ändern. Ich bin mir darüber bewusst wie schlimm das für den Partner ist und versuche deshalb
Beziehungen im allgemeinen zu vermeiden.


Dann beginne es zu verändern. Aber langsam und beobachte, was sich dadurch bei Dir und was sich
dadurch bei Deinem Partner verbessert.

Zitat:
Als potentielle Täterin ist mein höchstes Gut das Wohlergehen des anderen und unter diesen Bedingungen
ist es möglich, wenn auch anstrengend und mit viel viel Arbeit verbunden.


Ob das so sinnvoll ist, was Du hier beschreibst?
Muss nicht Dein eigenes Wohlergehen Dein intensivstes Bestreben sein? Und fast
gleichrangig, aber doch erst kurz dahinter das Wohlergehen Deines Partners stehen?



Zitat:
Aber wir tragen ein ziemlich schädliches und verletzendes Bindungsmuster mit uns rum und ich finde es
durchaus wichtig, Verantwortung dafür zu übernehmen und uns bewusst zu sein, dass wir (unabsichtlich)
durchaus Täter sein können.


Aber wir tragen ein ziemlich schädliches und verletzendes Verhaltensmuster mit uns rum und
ich finde es durchaus wichtig, Verantwortung dafür zu übernehmen und uns bewusst zu sein, dass wir
absichtlich durchaus Täter sind.


Wenn Du das so beschrieben hättest, würde ich Dir zu 100% zustimmen.

Zitat:
Weil wir das so gelernt haben.


Von wem gelernt? Hast Du Dir das nicht ganz alleine gelernt? Welchen Vorteil
hattest Du davon, Dir das so beizubringen?


Zitat:
Und wenn wir uns noch nicht bewusst über unser Muster sind oder versuchen das eigentliche Problem
zu ignorieren, dann hat ein potentieller Partner (der vielleicht auch noch eigene Probleme mitbringt) echt
schlechte Karten


Das sehe ich ganz genauso.
Zitat:

Es ist immer noch nicht leicht, aber wir kriegen das hin.


Nur am Anfang erscheint das schwierig zu sein. Wenn Du das willst, kriegst Du das
bestimmt bald hin. Im Grunde weißt Du schon genau, was Du besser machen kannst.

Viel Erfolg dabei, Deine Kommunikation mit Freunden und Partnern zu verbessern.

Viele Grüße

Bernhard

20.01.2020 12:15 • #19


Liebe ist nicht bedingungslos. Jedenfalls nicht in dieser Welt.
Das liegt daran, dass die meisten Menschen (noch) nicht fähig sind, echte Liebe zu empfinden.
Sie blickt vielleicht mal durch, wie die Sonne an einem trüben Tag,
aber sie ist sicher nicht von Dauer und bedingungslos.
Selbst die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist nicht bedingungslos.

20.01.2020 15:59 • x 2 #20





Dr. Reinhard Pichler