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Hallo,
Ich bin Alleinerziehende einer mittlerweile 25 jährigen wunderbaren jungen Frau. Ich bin 52 Jahre alt und stelle erst jetzt fest, dass ich beziehungsunfähig bin. Ich weiss garnicht, was ich denn die ganze Zeit geglaubt habe? Ich war echt der Meinung, dass es bisher einfach nicht den Richtigen für mich gab. Ich bin völlig verzweifelt, denn jetzt, wo ich mich mit dem Thema Bindungsängste und Beziehungsunfähigkeit beschäftige, wird mir klar, dass das alles nur Ausreden sind und waren.

Wenn ich so zurückschaue, hätte ich doch schon viel früher merken müssen, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich hatte noch niemals eine Beziehung, die länger als 1,5 Jahre anhielt und ich war auch noch nie verheiratet. Schon bevor ich schwanger geworden bin, waren Beziehungen für mich nur zeitlich begrenzt eine schöne Sache. Ich war halsüber Kopf verknallt und schwebte auf Wolke sieben, völlig aufgekratzt und überzeugt, dass ER jetzt der richtige ist. Aber das hielt nicht lange an. Ich entliebte mich auch genauso schnell wieder. Ich hatte viele kurze Beziehungen und ich hatte immer das Gefühl etwas zu suchen, aber es nie zu finden.

Als ich dann schwanger wurde, hat mein damaliger Freund das Weite gesucht. Ich war am Boden zerstört, aber, es blieb mir nichts anderes übrig, ich meisterte die Situation ganz gut. Zu meinem Kind habe ich auch heute noch das wunderbarste Verhältnis, was man nur haben kann. Sie bekam meine ganze Liebe und die Nähe meines Kindes wurde mir nie zuviel. Im Gegenteil!
Ich hatte dann zwar noch Beziehungen, aber das meiste hinter dem Rücken meines Kindes. Da war ein Mann, der Quartalsalkoholiker war - ich war froh, dass ich einen Grund zur Beendigung der Beziehung hatte. Dann einer, der 12 Jahre jünger war - für eine offizielle Beziehung indiskutabel. Dann kam jemand, der es wirklich ernst mit mir meinte und bei dem hatte ich das erste Mal so ein panisches Gefühl. Ich war echt gemein zu ihm, bis er mich in Ruhe ließ und ging. Es kamen noch so 2 oder 3 kurze Beziehungen, die alle nicht funktionierten. Bei den letzten zwei haben sogar meine Partner Schluss gemacht - sie kamen mir quasi zuvor.

Ich möchte euch sagen, dass meine Gefühle zu den Männern meist echt waren. Tiefe Verliebtheit und ganz oft war es auch so, dass, wenn ich mich getrennt hatte, es mir zuerst viel besser ging und ich erleichtert war. Aber nach einer gewissen Zeit habe ich den Mann vermisst und wollte ihn zurück. Es waren manchmal richtige Dramen, die sich da abgespielt hatten.

Ich bin jetzt seit ca. 10 Jahren alleine und komme mehr oder weniger gut zurecht. Meine Freunde und mein Umfeld können es nicht verstehen, dass ich keinen Partner finde bzw. habe. Ich bin ziemlich hübsch und habe eine starke Ausstrahlung (so sagt man).
Jetzt ist es so, dass ich vor ein paar Wochen jemanden kennengelernt habe, bei dem ich mir fest vorgenommen habe, es nicht wieder zu vermasseln. Es ist ein toller Mann, groß, schlank, sehr attraktiv (wenn auch nicht mein typ). Er ist eine absolute Ausnahmeerscheinung, hat sehr viel Geld und einen gigantisch guten Job. Und das Beste ist: er ist völlig vernarrt in mich. Da er sich erst vor ein paar Monaten getrennt hat, sind wir überein gekommen, dass wir uns erst kennenlernen und es ganz langsam angehen lassen wollen. Wir gehen zusammen aus, telefonieren und schreiben uns den ganzen Tag sms. Er schickt mir Blumen und führt mich in die teuersten Restaurants aus, aber es ist bisher noch nicht einmal ein Kuss gefallen. Und das ist gut so, denn seit heute habe ich völlig grundlos wieder diese Panik, dass ich ihn nicht will. Er soll aus meinem Leben verschwinden - ich habe Angst. Ich weiß aber nicht wovor. Ich würde mich am liebsten in eine Ecke verkriechen, damit mich niemand findet
Hilfe, was ist das denn? Ich möchte so nicht sein. Ich möchte eine glückliche Beziehung führen können, denn ich sehne mich schon nach einem Partner. Aber wenn er da ist, ist mir alles zu nah. Ich möchte dann, dass er weg geht, ich möchte dann alleine sein. Aber eigentlich möchte ich nicht alleine sein. Oh Mann, was für ein Chaos!

Kann mir jemand einen Rat geben?

Danke

14.02.2015 22:27 • 13.10.2015 #1


20 Antworten ↓


Atalja
Liebe Silbermond,

du gibst dir die Antwort ja schon selber. Du möchtest es dieses Mal nicht wieder vermasseln und du strebst eine ernsthafte Beziehung an. Das sind schon mal gute Grundvoraussetzungen. Hast du schon mal in deiner Vergangenheit gekramt und reflektiert, woher deine Beziehungsunfähigkeit kommt? Ich habe es so verstanden, dass du nach der ersten grossen Verliebtheit das Handtuch wirfst. Wovor hast du dann Angst? Was meinst du könnte schlimmstenfalls passieren, wenn du dann in der Beziehung bleibst? Du hast Angst vor zu viel Nähe und wünscht sie dir auch gleichzeitig, ist es so?
Also ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass mir Nähe auch schnell zu viel wird. Das ist mir gerade aktuell wieder passiert. Ich habe letzten August einen Mann kennengelernt und wir haben uns schnell ineinander verliebt. Da er weiter weg wohnt, kam nur eine Fernbeziehung in Frage. Er kommt mich regelmässig besuchen und das bedeutet, dass er dann gleich mehrere Tage bleibt. Anfangs war es schwierig für mich seine Nähe auszuhalten. Ich hätte ihn ein paar Mal fast nach Hause geschickt. Dann mit der Zeit habe ich bemerkt, dass es besser wurde. Je besser ich ihn kannte um so besser konnte ich seine Nähe ertragen. Ja mehr noch, ich konnte sie geniessen. Wichtig waren allerdings auch Gespräche mit ihm über dieses Thema. Eine zeitlang habe ich auch ernsthaft angenommen, ich sei beziehungsunfähig. Doch mittlerweile bin ich der Auffassung, dass das nicht stimmt. Das A und O ist das Reden darüber. Du solltest mit ihm über das Thema sprechen. Ich denke nur so kann dir geholfen werden. Im Dialog bleiben ist das wichtigste. Lass die Beziehung zu dem Mann sich doch erst Mal entwickeln und dann schaue weiter. Das ist kein Grund zu verzweifeln. Du weisst ja, wo der Hund begraben liegt. Du kannst es schaffen. Und glaube mir, bei jedem verfliegt die erste grosse Verliebtheit und an deren Stelle kann eine grosse Verbundenheit und Innigkeit wachsen. Das ist meiner Meinung nach auch viel wichtiger. Das hat aber mit - sich entlieben - nichts zu tun. Hast du es schon mal so gesehen? Ich wünsche dir viele Erkenntnisse und viel Erfolg.

15.02.2015 08:45 • x 2 #2



Hilfe , ich bin beziehungsunfähig

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Guten Morgen Atalja,
vielen Dank, für Deine hilfreiche Antwort. Du hast mir wirklich Mut damit gemacht und ich fühle mich nicht mehr ganz so hilflos. Trotzdem sitze ich hier und könnte echt weinen, weil mich diese Erkenntnis, nicht beziehungsfähig zu sein, wie ein Schlag getroffen hat. Denn das würde für mich ja bedeuten, für immer alleine sein zu müssen. Diese Vorstellung ist sooo schrecklich für mich

Nein, ich weiß leider nicht woher das kommt. Ich habe meine vergangenen Beziehungen und das drum und dran gedanklich auf den Kopf gestellt, aber ich finde den Schlüssel nicht. Es war immer das gleiche Muster: zuerst eine unglaublich euphorische Verliebtheit, bei der ich mir sicher war, dass ER es jetzt für immer ist........dann ein regelrechtes Erwachen und flüchten.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann war es immer so, dass meine Partner nie stark genug für mich waren. Ich bin eine sehr selbstbewußte Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und weiß, wo es lang geht - außer in Beziehungen , da bin ich so unsicher. Ich habe mir immer jemanden gewünscht, der mir auf Augenhöhe begegnet, aber das ist nie passiert. Entweder es waren Partner, die mir völlig unterlegen waren und sich von meinem Selbstbewußtsein haben einschüchtern lassen oder es waren welche, die meinten, mich zähmen zu müssen. Das eine ging genauso wenig, wie das andere.
Ich weiß aber nicht, woher diese Panik kommt. Es ist ein schreckliches Gefühl, das ich in diesem Moment nicht kontrollieren kann. Es überfällt mich und dann habe ich das Gefühl, weglaufen zu müssen. Weit weg. Ich möchte dann nur noch, dass er weggeht und mich in Ruhe lässt. Ich kann mich in dieser Situation auch nicht anfassen lassen, ich ertrage es einfach nicht. Es ist eine regelrechte Panik . HILFE !

Ich würde gerne mit ihm reden, aber was wird er sagen? Es ist verdammt viel von jemandem verlangt, sich auf so jemanden wie mich einzulassen, wo man noch nicht einmal weiß, ob sich aus uns überhaupt eine Beziehung entwickelt. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich wirklich in ihn verliebt bin. Bis gestern hätte ich noch gesagt, ja, das bin ich oder ich bin auf dem besten Weg dazu. Aber während dieser Panik erlebte ich eine regelrechte Antipathie und ich fragte mich, was ich denn von ihm überhaupt möchte? Er passt ja überhaupt nicht zu mir und als ich sein Bild angeschaut habe, kam er mir so meilenweit weg vor, so sehr fremd. Heute hat sich das wieder gelegt und ich glaube, dass er mir in einer Beziehung wirklich gut tun würde und ich bin bereit, für diese Beziehung an mir zu arbeiten. Ich glaube, dass er stark genug ist, ich möchte ihn aber auch nicht verletzen. Vor allem spürt er, dass etwas nicht stimmt - er hat mich gefragt, ob es etwas gibt, über das ich reden möchte. Ich weiß nicht, was ich sagen soll....

Was kann ich bloß gegen diese Panik machen?

15.02.2015 09:43 • #3


Atalja
Wegzulaufen ist immer die einfachste Lösung. Nur leider löst es das Problem nicht. Kann es sein, dass dein Erleben was die Beziehungsunfähigkeit betrifft mit deinem Vater zusammenhängt? Also bei mir war es auf alle Fälle so. Ich hatte einen sehr dominanten Vater und es war keine einfache Vater-Tochter Beziehung. Auch das eher devote Verhalten meiner Mutter meinem Vater gegenüber hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Ich wollte nie so werden wie meine Mutter und habe mir schon früh angewöhnt, selbstbewusst und autonom aufzutreten. Im Job hiess es später Die weiss was sie will. Dieses Verhalten und diese Einstellung habe ich dann auch in meinen Beziehungen gelebt, was verständlicherweise früher oder später zu Problemen führte. Auch bekam ich schnell das Gefühl, dass ich den Männern überlegen bin. Aus dieser Zeit stammt wohl auch meine Überzeugung, beziehungsunfähig zu sein.
Wie gesagt, dieses Muster hat sich bei meinem jetzigen Freund anfangs wiederholt. Es fanden böse Machtspielchen statt und der Arme wusste nicht, wie ihm geschah. Ich bin mir sicher, diese Beziehung wäre zerbrochen, hätte ich nicht die Notbremse gezogen. Ausschlaggebend dafür war, dass er mich wirklich liebt und mich das auch ständig hat spüren lassen. Ich wollte ihn und die Beziehung nicht aufgeben und bin in mich gegangen. Dann kam ich zu dem Schluss, dass ich diese Beziehung an der mir viel liegt nur retten kann, indem ich mit ihm spreche. Und ich habe es getan. Zum Glück. WIr haben lange darüber gesprochen und machen es mitunter heute noch. Immer wenn ich das Gefühl hatte, ich möchte ihn loswerden, ich halte seine Anwesenheit nicht mehr aus, habe ich mit ihm gesprochen. Das wirkte Wunder.
Ich denke, das kann auch für dich eine Lösung sein. Du glaubst ja auch, dass er das aushält und wie du schreibst, ist er regelrecht vernarrt in dich. Er bzw. ihr habt eine Chance verdient. Er hat ja auch schon Andeutungen gemacht, dass du dich öffnen und dich ihm mitteilen kannst. Mach es. Gerade wenn dich wieder Panik überfällt suche das Gespräch mit ihm. Du brauchst keine Angst zu haben. Du hast das Problem erkannt und es gibt einen Weg aus der Sackgasse. Du musst ihn nur gehen.

15.02.2015 10:27 • x 1 #4


Hallo Silbermond,

kennst Du das Buch Jein! von Stefanie Stahl? Sie beschreibt verschiedene Formen von Bindungsangst, ja BindungsPHOBIE in all ihren Auswirkungen. Ich bin darauf gestoßen, als ich mich vor Jahren in einen Mann verliebt hatte, der eben diese regelrechte Phobie hatte.

Lt. Klassifizierung hört sich dies bei Dir nach einer aktiven Bindungsangst an - aber das schreibe ich mal unter Vorbehalt.

Für mich ist es bis vor wenigen Jahren auch ein bisschen verlaufen, wie bei Dir, wenn aber auch nur in Ansätzen: Ich hatte mich immer schnell verliebt, das Gefühl hielt dann wenige Monate an und dann war der Mann uninteressant für mich. Das da i-was nicht stimmte, war mir klar, aber ich wusste nicht was es ist. Panik habe ich nicht gekriegt, aber eben dieses Desinteresse, Langeweile setzte schnell ein. Ich wollte dabei immer eine Beziehung, Liebe, Nähe, aber nach relativ kurzer Zeit wurde ich lustlos.

Ich weiß gar nicht, wie das passiert ist und warum, aber ES hat i-wann vor Jahren aufgehört, einfach so, zumindest ohne Therapie. Ich war plötzlich in der Lage, wirklich tiefe Beziehungen eingehen zu können; aber was dann passiert ist: Ich traf niemanden mehr, der auch dieses wollte. Ich traf nur noch auf Männer, die ihrerseits nicht konnten oder wollten: Eben diesen besagten aktiven Bindungsphobiker, Workoholiker, Männer, die vergeben waren, Männer, die weit weg wohnten und so.

Liebe Grüße, Maja

15.02.2015 12:33 • #5


Hallo Atalja,

Du hast absolut ins Schwarze getroffen! Genauso war es auch bei mir: mein Vater war sehr streng und dominat, meine Mutter sehr unterwürfig. Er hat mehr als einmal die gesamte Familie terrorisiert. Sie hat alles gemacht, damit er zufrieden und der Herr im Haus ist. Ich habe mich und sie so oft gefragt, warum sie sich das gefallen lässt. Meine Mutter sagte immer nur: was soll ich denn machen? Ich komme ja doch nicht von ihm weg. So ist das auch heute noch. Und auch ich wollte niemals wie meine Mutter sein oder so werden, das habe ich mir schon früh vorgenommen. Manchmal habe ich rebelliert und habe Widerworte gegeben - das hat einen riesen Ärger ausgelöst. Und weisst du was? Ich habe die ganzen 52 Jahre meines bisherigen Lebens noch kein einziges Lob von meinem Vater bekommen. Wenn er nur ein einziges Mal gesagt hätte: das hast Du gut gemacht oder ich bin stolz auf dich. Gerade als Kind wäre das so wichtig für mich gewesen. Aber nein, er wollte immer nur (be-)herrschen. Natürlich hat er gut für uns gesorgt, es hat uns an nichts gefehlt. Ausser an Liebe. Und die konnte er nicht geben, weil er es wohl selbst nie gelernt hatte.

Im Job war ich auch sehr schnell als toughe Frau bekannt, die ihren Weg geht. Es ist alles so ähnlich wie bei Dir. Ich habe mir nie etwas gefallen lassen, bin auf die Barrikaden und fiel durch mein selbstsicheres Auftreten auf. Meine Mutter fand das natürlich toll, mein Vater findet es heute noch ein unmögliches Benehmen.

Ich bin mir sicher, Du hast Recht. Ich sollte reden. Wir haben eine Chance verdient - danke, das hast Du schön gesagt . Ich weiss nur noch nicht, wie ich anfangen soll. Und vor allem brauche ich den Mut, mich zu öffnen und zu zeigen, dass ich ja garnicht so tough bin, wie immer alle glauben.

Hab vielen Dank, dass Du mir Mut gemacht und mir einen Weg gezeigt hast.

Liebe Grüße

Silbermond

15.02.2015 19:40 • #6


Atalja
Liebe Silbermond,

das ist schon verblüffend, welche Parallelen es in meiner Familie gab. Meine Mutter hat mich wie deine bewundert, dass ich so selbstbewusst auftrete und meine Meinung vertrete. Die einzige Ausnahme zu deiner Geschichte ist, dass mich mein Vater tatsächlich loben konnte. Aber auch nur dann, wenn ich seine Vorstellungen von Leistung erfüllt habe. Diese waren besonders auf Schule und später Beruf ausgerichtet. Persönliche Leistungen wurden von ihm höchstselten honoriert.
Du wirst den Mut aufbringen. Du musst es dir nur ganz fest vornehmen. Du büsst auch deine toughe Haltung deswegen nicht ein. Ganz im Gegenteil. Dadurch zeigst du, dass du auch Schwächen hast und die gehören dazu. Kein Mensch hat nur Stärken.

Du kannst mir gerne berichten, wie es dir erging.
Alles liebe dir und viel Erfolg.

16.02.2015 06:50 • #7


Heute, auf dem Weg nach Hause, bekam ich wieder eine Panikattacke. So etwas überfällt mich ohne Vorwarnung......

Ich habe den ganzen Tag so sehr positiv über den neuen Mann in meinem Leben nachgedacht. Ich habe mich gefreut, dass wir uns für Freitag verabredet haben. Wir bleiben zu Hause und unterhalten uns ein wenig bei einem Gals Wein - so schlug er vor. Ich fand die Idee auch super und ich habe mir das so schön und vertraut vorgestellt. Das ist das erste Mal, dass wir uns nicht in der Öffentlichkeit treffen und für mich war das auch ok. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich meine Gedanken urplötzlich drehten. Ich hatte das Gefühl, ich muss laut NEIN schreien und wollte am liebsten weglaufen. Irgendwo hin, wo mich keiner kennt. Laufen, laufen laufen.......
Ich stellte mir plötzlich vor, dass er bestimmt versuchen wird, mich zu küssen. Nein, bitte nicht ! Das ist viel zu nah und ich weiß nicht, wie ich ihm ausweichen könnte. Alles in mir stellt sich auf Abwehr und er ist mir so furchtbar fremd. Plötzlich fand ich ihn garnicht mehr interssant, im Gegenteil. Alle äußeren Fehler fand ich an ihm - sein Verhalten und seinen Charakte hatte ich auch durchstöbert, aber da fand ich leider (bisher) nichts, was ich gegen ihn verwenden könnte. Ich entwickelte so eine Ablehnung gegen ihn, dass ich mich echt zusammenreissen musste, um nicht in Tränen auszubrechen. Ich dachte immer nur:geh weg von mir und lass mich allein. Ich war nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Panik!

Das ist doch so was von krank

17.02.2015 22:31 • #8


Atalja
Oh je Panikattacken kenne ich auch, wenn auch aus anderem Grund. Vor knapp zwei Jahren begann eine Spirale von Panikattacken beispiellosen Ausmasses. Zum Glück hatte ich vor einem Jahr die letzte. Geholfen hat mir eine Bewusstmachung und tiefenpsychologische Gespräche mit meinem Psychiater.

Liebe Silbermond, es ist Klasse, dass ihr euch am Freitag seht. Ich würde dir raten, dir nicht zu viele Gedanken zu machen. Lass alles auf dich zukommen. Ja und wenn er dich küssen will und du es aber nicht willst, SAG es ihm ! Du kannst ihm sagen, dass dir das alles zu schnell geht. Sprich mit ihm. Da ist wieder der Kern- und Knackpunkt Silbermond. Du musst mit ihm sprechen, anders geht es nicht. Hab Mut und kneife nicht. Du schaffst das. Ich habe es auch geschafft und glaube mir, ich hatte anfangs schlimme innere Widerstände.

Bin gespannt, was du berichtest.
LG
Atalja

18.02.2015 08:53 • #9


Liebe Atalja,
Es tut echt gut, dass das jemand verstehen kann.
Wenn Du nun sagst, dass Dir tiefenpsychologische Gespräche geholfen haben, glaubst Du, ich kann das ohne Therapie in den Griff kriegen?
Ich habe mir wirklich fest vorgenommen, mit ihm zu reden. Es tut mir jetzt schon leid, weil ich weiß, dass ich ihn verletzen werde....... . Er freut sich so sehr auf mich und ich werde ihm sagen, dass ich Panik vor seiner Nähe habe.

Und wenn er mir näher kommt, als ich möchte, dann werde ich dieses Mal ein klares NEIN aussprechen. Wenn Du wüsstest, was ich schon über mich habe ergehen lassen, nur um den Anschein zu erwecken, normal zu sein

Ok, und wenn ich ihm zu crazy bin, wird er gehen und nicht wiederkommen. Aber das ist immer noch besser, als eine Rolle zu spielen, die man nicht ist, oder? Denn diese Bombe geht früher oder später hoch. Warum habe ich nicht schon viel früher die Reissleine gezogen? Statt dessen habe ich den Kopf in den Sand gesteckt und habe verdrängt, dass ich ein Problem habe. Eigentlich garnicht meine Art........

Liebe Grüße

Silbermond

18.02.2015 20:19 • #10


Atalja
Liebe Silbermond,

ich hätte es auch ohne tiefenpsychologische Gespräche geschafft. Eigentlich bin ich sogar selber darauf gekommen, was die Auslöser für die Panikattacken waren. Ich denke, du kannst das auch ohne schaffen. Du kannst dich ja gut reflektieren und das ist schon mal sehr wichtig.

Ich muss dir jetzt mal zum Thema Nähe und Distanz was erzählen. Also ich habe ja meinen jetzigen Freund Ende August 2014 kennengelernt. Er wohnt allerdings 200 Kilometer weit weg und daher ist es so, dass wir uns nicht so oft sehen. Dafür bleibt er dann aber auch ein paar Tage. Also bei unserem zweiten Treffen (er blieb dann gleich drei Tage), habe ich ihm gestanden, dass ich ein Problem mit zu viel Nähe habe und ihn um Verständnis gebeten, dass ich Rückzugsmöglichkeiten brauche. Im Klartext heisst das, dass ich ihn tatsächlich mehrere Male aus dem Haus geschickt habe. Er ging dann spazieren und kam so nach einer Stunde wieder. Zuerst habe ich gedacht, dass er das Wegschicken nicht akzeptiert. Doch das war nicht der Fall. Ich war beeindruckt. Wenn er mich jetzt besuchen kommt, schicke ich ihn zwar nicht mehr weg, aber wir verbringen mindestens einmal am Tag längere Zeit in getrennten Zimmern. Da sitzt dann jeder vor seinem Computer oder macht was anderes. Er hat meine Bedürfnisse Ernst genommen. Das war wichtig, sonst hätte das mit uns nicht funktioniert.

Liebe Silbermond, du kannst ganz ruhig mit ihm über deine Bedürfnisse und Ängste sprechen. Und es ist lange nicht gesagt, dass er verletzt ist oder schlimmstenfalls gleich geht. Er scheint dich sehr zu mögen, ja er möchte mehr von dir erfahren und sich mit dir austauschen. Mach dich nicht verrückt. Ich bin mir sicher, deine Horrorvorstellungen werden nicht eintreffen.
Wann trefft ihr euch denn am Freitag? Ich werde an dich denken.

GlG
Atalja

18.02.2015 20:39 • #11


Liebe Atalja,

der Mann in meinem Leben wohnt zwar nicht so weit von mir weg (ca. 50 km), aber durch seinen Job ist er immer einige Tage, manchmal auch über eine Woche weg. Ich glaube, das ist ganz gut so.

Du hast ihn echt für 1 Stunde weggeschickt? Das ist krass und ich ziehe den Hut vor Deinem Freund, dass er trotzdem zu Dir gehalten und versucht hat, Dich zu verstehen . Das macht mir Mut, für mein Gespräch am Freitag. Wir treffen uns um 19 Uhr bei mir zu Hause, er bringt eine Flasche Wein mit und wir kochen uns eine Kleinigkeit. Ich bin echt aufgeregt - aber jetzt ist das ein positives aufgeregt sein . Ich habe gerade mit ihm telefoniert und ich habe wieder so deutlich gespürt, wie gut er mir tut. Da ist etwas in seiner Stimme, das mich erreicht. Weißt Du, was ich meine? Ja, ich bin sicher Du weißt es

Liebe Atalja, ich weiß nicht, ob Du Dir im Klaren darüber bist, wie sehr Du mir bisher geholfen hast. Ich möchte Dir dafür eine liebevolle Umarmung schicken und ich bin mir sicher, Dein Freund hat ebenso erkannt, dass Du ein besonderer Mensch mit viel Empathie bist. Er hat klug gehandelt, dass er nach 1 Stunde spazierengehen wieder zurück gekommen ist.

Danke

Silbermond

18.02.2015 22:27 • #12


Atalja
Danke dir liebe Silbermond für deine Worte.

Ich bin mir sicher, dass er dich verstehen wird. Er scheint auch sehr empathisch zu sein. Und wenn du nicht mit der Holzhammermethode kommst (und das wirst du sicher nicht *grins*), wird er vernünftig mit der Problematik umgehen. Du freust dich auf ihn, bist aufgeregt ihn zu sehen und du spürt, wie gut er dir tut. Das sind sehr gute Zeichen. Ich weiss, übrigens was du meinst. Mir geht es genauso. Wenn ich mit meinem Freund telefoniere, geht die Sonne auf. Allein schon seine Stimme tut mir gut. Du schreibst, dass er dich - erreicht -, das ist wunderbar. Ich finde, ihr habt sehr gute Chancen. Mit ihm gemeinsam hast du die Möglichkeit, dein Verhalten, deine Ängste, Befürchtungen und deine ab und zu eintretende Panik zu bearbeiten. Miteinander reden ist das Schlüsselwort.

Du musst mir dann aber unbedingt berichten, wie es war.

Ich grüsse dich lieb.
Atalja

19.02.2015 07:59 • #13


Hallo Atalja,

Ich glaube, ich habs vermasselt
Zuerst war alles noch ok, wie haben eine Kleinigkeit zusammen gegessen und uns dabei unterhalten. Dabei kamen wir unter anderem auf unsere früheren Beziehungen zu sprechen und wie es uns heute so geht. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn so sehr vermisse, wenn er nicht da ist und ich es dann so geniesse, mit ihm zu telefonieren. Seine Stimme findet einen Weg zu mir, wie es mir noch nie passiert ist. Er spürte, dass da noch einaber kommt und ich habe ihm gesagt, dass ich Angst habe. Er verstand es nicht und ich habe es versucht zu erklären. Nach 2 Stunden Gespräch waren

wir noch nicht viel weiter oder er wollte es eben nicht verstehen. Keine Ahnung - ich weiss nur, dass ich mit meiner Vorahnung Recht hatte. Er kam mit dem Plan, die Beziehung mit einem Kuss (oder mehr ) fest zu machen. Ich bin aber ans andere Ende der Couch gerutscht und er war dann etwas verunsichert und aber auch sichtlich enttäuscht.
Er ist gegangen, ohne dass wir etwas ausgemacht haben.

Ich glaube, das Thema ist durch. Auf der einen Seite bin ich froh und trotzdem ist das nicht die Lösung der Dinge. Aber mal ganz ehrlich: wer tut sich das denn mit mir an? Eine, die jetzt schon so alt ist und immer noch nicht weiss, was sie will? DAS ist es nämlich, wie es andere sehen.........

Ich muss jetzt mal ne Runde weinen - morgen gehts hoffentlich wieder besser

20.02.2015 23:41 • #14


Atalja
Liebe Silbermond,

abwarten. Es ist lange nicht gesagt, dass er sich nicht mehr meldet. Er muss das Gesagte jetzt erst mal sacken lassen. Er wusste ja nicht, was auf ihn zukommt und das ist eine neue Situation für ihn. Wichtig war, dass du ihm auch gesagt hast, dass du ihn vermisst und du es liebst, mit ihm zu telefonieren. Er wird jetzt den Abend erst noch mal Revue passieren lassen und ihn verarbeiten. Übrigens, so ganz stimmt das nicht, wenn du sagst, du wärst jetzt schon so alt und wüsstest nicht, was du willst. Ich sehe das ganz anders. Endlich weisst du was du willst, was deine Bedürfnisse sind und kannst sie artikulieren.

Kopf hoch liebe Silbermond. Sei nicht mehr traurig. Du hast alles richtig gemacht. Bestimmt wird er sich wieder melden, denn ihm liegt viel an dir.

Übrigens, du kannst mir auch gerne hier PNs schreiben wenn du magst. Da wären wir noch mehr interaktiv unterwegs. Keine Scheu, mach es einfach, ich bin für dich da. Es gibt doch das ein oder andere, was man hier nicht öffentlich schreiben möchte.

Ich grüsse dich ganz lieb und wünsche dir einen schönen Samstag.
Atalja

21.02.2015 07:06 • #15


Hallo Silbermond!

Du glaubst, Du seist beziehungsunfähig? Das bist Du nicht! - Du bist eine charismatische Frau in den besten Jahren, die einfach einen hohen emotionalen Anspruch hat. Der richtige Mann für Dich ist Dir emotional und intellektuell nicht unterlegen und wird niemals versuchen Dich zu zähmen. Er wird einfach nur da sein, Dich bestaunen und Dir alle Zweifel nehmen! - Beuge Dich niemals gesellschaftlichen Zwängen und rechtfertige Dich nicht vor Deinen Freunden und Bekannten. - Eine Frau wie Du muss einfach nur auf ihr Herz hören!

Silbermond, ich bin kein verrückter Träumer. Das, was Du im Forum geschrieben hast, spiegelt mein eigenes Problem bis ins Detail wider. Bin nun 46 Jahre alt und Vater einer 26jährigen Tochter. Meine 6jährige Ehe resultierte aus der Existenz dieses Sonnenscheins und dem Druck der Familie ihrer Mutter und meiner eigenen. Ich habe mich irgendwann davon frei gemacht und dann viele Jahre zwischen dem Gefühl meine Jugend nachholen zu müssen und dem Wunsch wirkliche Liebe zu erleben, bewegt. Dabei habe ich - vor allem in den letzen Jahren - oft den Fehler gemacht, meine Ertwartungen mehr oder weniger unbewusst mit dem Verstand auf die Partnerin (die ja so lieb und eigentlich so perfekt ist) zu übertragen. Das hat nie funktioniert - und meine gutsituierte Familie hat sich immer wieder gefragt, was denn mein Problem ist.

Wie auch immer, ich bin - auch wegen meines Berufes, der mich oft buchstäblich mit der Nase auf den den Wert des menschlichen Lebens stößt - nicht bereit Kompromisse zu machen. Wenn Dir - Silbermond - Dein Mann begegnet, wird alles ganz einfach sein!
Liebe Grüße,

R.

22.02.2015 05:43 • x 1 #16


Atalja
Hallo wiro 0101,
.....und das von einem Mann. Chapeau !
Deine Antwort ist Klasse, ich bin beeindruckt. Du scheinst sehr empathisch zu sein und viel emotionale Intelligenz zu haben. Super, dass du dich hier eingebracht hast.

LG
Atalja

22.02.2015 07:10 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Guten Morgen wiro,

Männer wie Du, sind leider rar gesät. Eigentlich muss ich schreiben: Menschen, wie Du und Atalja sind rar gesät, denn dieses Problem ist ja nicht nur auf Männer geschneidert.

Ja, das Thema mit Familie und Freunden kenne ich zu gut . Mein Umfeld versteht nicht, was mein Problem ist. Wo man doch SO GUT zu dem anderen passt (können das Außenstehende wirklich beurteilen?). Aber wenn man natürlich solch hohe Ansprüche hat wie ich, quasi ZU hohe Ansprüche hat, dann kann das ja nix werden. Klar hinterlässt das bei mir auch irgendwann eine Spur von Schuld und das Hinterfragen, was mit mir eigentlich nicht stimmt.

Natürlich wollte ich dann auch normal sein und habe auf biegen und brechen versucht, meine Ansprüche herunter zu schrauben, was zur Folge hatte, dass ich irgendwann aus diesen Beziehungen regelrecht ausgebrochen bin. Denn der andere konnte mich ja gar nicht verstehen, weil wir uns auf völlig unterschiedlichen Levels befunden haben. Und wenn Du Dich über Monate unverstanden fühlst und Dich verstellen musst, damit eine Beziehung hält und einigermaßen funktioniert, kann das nicht gut gehen.

Er wird einfach nur da sein, Dich bestaunen und Dir alle Zweifel nehmen! - Beuge Dich niemals gesellschaftlichen Zwängen
Das ist ein schöner Satz, der bringt mich zum träumen und wünschen

Vielleicht bleibe ich tatsächlich den Rest meines Lebens alleine. Aber dann weiß ich wenigstens, dass ich nicht so völlig abnormal (ok, vielleicht ein bisschen ) bin. Und dass es Menschen gibt, die mich verstehen.

Liebe Grüße

Silbermond

22.02.2015 09:49 • #18


hallo zusammen ich kehne eine frau sie sagt das sie mich liebt und inerhalb von einer stunde sagt sie sie verascht mich ich frage mich daher wie soll ich eine frau vertrauen ich tuhe mir da eh schwer weil ich selber gerade nicht gut ausehe aber ich habe auch gefühle und ein herz ich kann echt nicht mehr und imer wenn ich denke ich kann eine frau vertrauen dann bekomme ich angst gruß oli

22.02.2015 11:33 • #19


halo zusammen
ich habe angst eine frau zu vertauen da ich imer wider verascht werde ich komm einfach nicht mehr weiter wer kann mir helfen ? gruß oli
hir noch meine nr 0176-52085286 wäre toll wenn sich jemand melden würde

06.10.2015 12:01 • #20



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Dr. Reinhard Pichler