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Zitat von Verrückte:
Moin,Das Thema ist mittlerweile alt, aber ich bin eine Täterin und würde gerne etwas dazu sagen, falls hier nochmal jemand was liest.Was hier bisher geschrieben wurde sehe ich grundsätzlich auch so. Dennoch möchte ich gerne differenzieren und gegen eine grundsätzliche verteufelung plädieren. Wir sind nicht alle schlimm. Es gibt Beziehungsunfähig, heißt: es ist keine Beziehung möglich UND auch nicht gewünscht.Und es gibt Bindungsangst: es ist ein (oft großer) Bindungswunsch vorhanden, aber die Nähe/Bindung kann nicht ausgehalten werdenIch bin Bindungsängstlich und theoretisch eine ...


Vielen Dank für diese Nachricht. Ich empfinde es als äusserst Stark, wie du dich diesem Thema gegenüber äusserst. Denn es ist etwas, dass dich selbst betrifft.
Durch deine Antwort wurde mir Hoffnung geschenkt, dass sich solche Menschen tatsächlich auch helfen lassen können und vor allem auch helfen lassen wollen. Ich bin sehr froh, dass du diese Erkenntnis hast und sie zu deinen Gunsten nutzt.
Ich kann verstehen, dass ein Täter auch Liebe benötigt, Nähe braucht und eine Beziehung führen möchte. Nur ist es verheerend, was mit dem Partner angerichtet wird. Nicht selten mutiert ein Partner nach einer solchen Tortur selbst zu eine Bindungsphobiker! Und das ist nicht fair... Es ist egoistisch.
Ich habe dies durchlebt und bei weitem nicht solche Geschichten zu erzählen, die man hier in den Foren lesen kann.
Trotzdem wurde viel in mir angerichtet und zerstört!
Der Rat trenn dich von diesem Mann wollte ich vorerst nicht annehmen, ich wollte nicht wahrhaben, dass ich seelisch zerstört werde und mich schützen muss, mir zu liebe!
Und dann, liebe Leute, habe ich diesen schweren Schritt begangen und den Kontakt abgebrochen! Und es ging mir schon lange nicht mehr sooo gut wie nach diesem - für mich sehr schwierigen Schritt. Ich bereue es keine Sekunde! Ich habe viel zu lange gewartet. Jedoch bin ich es mir wert und genau deshalb musste ich wohl eine gewisse Schmerzgrenze überschreiten, um von dieser ungesunden Bindung abzuspringen und die Augen geöffnet zu erhalten!
Danke für den Support eurerseits! Und Danke @Verrückte für deine Ehrlichkeit und die schönen Worte <3

24.01.2020 19:29 • x 1 #21


Zitat von klaus-willi:
Hallo YalahHast du den Mann denn mal direkt darauf angesprochen wie er sich die Beziehung vorstellt und was du möchtest?Habe das Gefühl hier sind auch viele Mißvertändnisse zu klären.Ich finde eine offene und ehrliche Aussprache muß sein auch wenn die Konsiquenzen nicht das erhoffte sind.Da weis man wenigstens wo man gegenseitig drann ist.Lg


@klaus-willi
Dieser Mann hat mir immer wieder Illusionen geschaffen, hat mir vorgegaukelt, was wir noch alles gemeinsam schaffen können, was wir erleben können, hat die Zukunft mit Träumen gefüllt und ein Versprechen nach dem anderen gegeben!
Diese Versprechen wurden oft in seinen Hochs gemacht. Es waren solche wie komm wir fahren an einem Wochenende ins Wellness oder Wir könnten zusammen wieder mal ins Kino gehen oder ich möchte unbedingt mit dir so bald als möglich in einem Cafe Frühstücken gehen bis zu Tagesausflügen oder Kurztrips und und und! Glaub mir, es waren keine unrealistischen Versprechen sondern eher ganz normale Dinge eben... Dinge, die nie umgesetzt wurden. Weil er gerade keine Zeit dafür hatte, oder nicht mehr so Lust auf Wellness... Oder gerade knapp bei Kasse war... Oder oder oder...
Ich hab dies immer akzeptiert.
Er konnte solche Dinge mit anderen machen, was mich noch viel mehr verletzt hat! Ich dachte nach meinem Kontaktabbruch eine zeitlang auch, dass er gewisse Dinge bewusst gemacht hat, um mich zu ärgern! Oder wie erklärt man sich das, wenn er mit jemand anderem ein Wellnessweekend macht?! Nur nicht mit mir?!

An diesem Punkt bin ich mittlerweile drüber hinweg. Es ist wie es ist und es war absolut schmerzhaft, so zurückgestossen zu werden und immer wieder an der langen Leine an ihn gewickelt zu werden, damit er mich dann wieder fallen lässt...
Das hat wenig mit Kommunikation zu tun und viel mehr mit Missbrauch meiner Geduld und Gutmütigkeit.
Ich bin dankbar, gibt es solch starke Täter wie @verrückte, jedoch gibt es noch unzählige Täter, die sich wohl nie helfen lassen werden und ihr Spiel und Muster immer weiterführen werden/können.
Ich musste mit vielem im Nachhinein klar kommen, dachte auch hey, du bist vielleicht einfach nicht DIE Richtige gewesen. Ich denke jedoch, ER war nicht der Richtige und ich bin dankbar für diese Erfahrung. Noch viel dankbarer bin ich jedoch, dass ich den Schritt mache konnte und mich vollkommen von ihm getrennt habe...

24.01.2020 19:43 • #22



Hallo Yalah,

Beziehungsunfähig - gibt es "Täter" unter euch?

x 3#3


Robinson
Wer natürlich die Vervollständigung seines Ich im Partner sucht, muss immer wieder scheitern.
Nur wer auch ohne Partner erstmal vollkommen ist, dem ist Liebe etwas, was ihm widerfährt und was er dann auch geniessen kann.
Man kann auch jemanden wirklich lieben, ohne seine persönlichen Nähebedürfnisse als Masstab zu nehmen und einzufordern.
Denn Liebe ist Bedingungslos.

Wer wirklich liebt, lässt den anderen, wie er ist.
Egoistisch ist es, wenn man jemanden braucht, der einem seine Bedürfnisse erfüllen muss um Defizite zu kompensieren.
Wer mit sich im reinen ist, kann lieben.
Den anderen Bedingungslos in seinem Sosein zu lassen.
Wenn er als Partner nicht taugt, dann eben nicht.

Beziehungsvermeider ahnen ja dass sie den Erwartungen in der Intensität und der Bestimmtheit nicht entsprechen können.
Jeder hat doch ganz eigen Grenzen.
Was dem einen zu schnell,zu intim ist, ist dem anderen nicht 'zu' genug.
Mann kann jemanden auch mit seiner "Liebe" erdrücken.
Dahinter steckt oftmals aber Angst und purer Egoismmus.
Dann entstehen beim Betroffenen "Täter" Schuldgefühle.
Schuldgefühle, die nicht sein müssen.
Kein Wunder, wenn der dann dicht macht.

Liebe "ist" einfach.

25.01.2020 00:35 • x 2 #23


Zitat von Robinson:
Wer natürlich die Vervollständigung seines Ich im Partner sucht, muss immer wieder scheitern.Nur wer auch ohne Partner erstmal vollkommen ist, dem ist Liebe etwas, was ihm widerfährt und was er dann auch geniessen kann.Man kann auch jemanden wirklich lieben, ohne seine persönlichen Nähebedürfnisse als Masstab zu nehmen und einzufordern.Denn Liebe ist Bedingungslos.Wer wirklich liebt, lässt den anderen, wie er ist.Egoistisch ist es, wenn man jemanden braucht, der einem seine Bedürfnisse erfüllen muss um Defizite zu kompensieren.Wer mit sich im reinen ist, kann lieben.Den ...


Ich kann mich deiner ausgiebigen Antwort nicht gänzlich anschliessen. Denn was du hier verkündest, sollte klar sein, wenn man eine harmonische Beziehung führen möchte. Von was ich und viele hier erzählen ist vielmehr die traurige Tatsache, dass wir nicht (nur) auf der Suche nach Erfüllung seitens eines Partners sind. Sondern dass unser Selbstbewusstsein sehr arg auf Probe gestellt wird. Wegen Menschen, welche keine Beziehung führen möchten oder können. Und anstelle dass solche Menschen ehrlich zu sich selbst und ihrem Umfeld sind, ziehen sie einen Partner in ein düsteres Schicksal. Denn hier beginnt wieder der Ursprung dessen, was du angesprochen hast:
Ein Partner kann einem erfüllen. Wir können Liebe geben und nehmen. Nichts sollte selbstverständlich sein! In einer normalen Beziehung.

Doch was hierbei entsteht ist vielmehr eine Abhängigkeit, in die ein Opfer oft gerät. Und das sieht man nicht auf den ersten Blick, ansonsten müssten nicht solche Gespräche geführt werden...
Die Abhängigkeit entsteht oft auf beiden Seiten, deshalb melden sich die Täter auch regelmässig wieder, oder oft gerade dann, wenn sich das Opfer loslösen möchte!
Es entsteht eine ungesunde Abhängigkeit. Würde der Täter so aufrichtig wie @Verrückte sein, so könnte man eine Lösung suchen oder aber das Opfer kann sich gegen eine Beziehung entscheiden. Was jedoch oft geschieht sind falsche Versprechungen und Leugnungen! Das leite ich nicht nur von meiner Seite her sondern ich habe mich intensiver damit befasst und ein Muster erkannt bzw. das Muster wird immer wieder angesprochen. Dein Text ist also sehr schön, jedoch sagst du mit deinem Text einfach auch, dass jedes Opfer selbst Schuld ist weil es sich zu wenig liebt und den Täter doch so lassen soll wie er ist, weil er jetzt plötzlich zum Opfer wird?!

Ja, dass machen wir dann auch, in dem wir gehen und uns loslösen. Der Täter hingegen findet sein nächstes Opfer. Und sollte dieses sich mehr lieben wie wir es scheinbar machten, so wird sie dieses Spiel wohl gar nicht erst mitmachen. Bis der Täter sein nächstes Opfer findet. Verstehst du? Die Lösung liegt darin, sich zu lösen, weil man es sich Wert ist und sich selbst wieder von ganz unten aufraffen muss, nachdem man oftmals beinahe zerstört wurde...

26.01.2020 23:54 • #24


Moin,

@Hotin Na, da hat es mich doch direkt in die Flucht getrieben


Zitat von Hotin:
Weißt Du, wo das bei Dir herkommt? Und in welchem Alter hat das bei Dir angefangen?

Ja, ich weiß wo das her kommt. Es hat mit frühkindlichen traumatisierungen zu tun auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte. Das trifft aber ja letztendlich auf sehr viele Bindungsängstler zu, natürlich in verschiedenen Schweregraden, manche wissen davon, andere nicht.

Zitat von Hotin:
Ob das so sinnvoll ist, was Du hier beschreibst?
Muss nicht Dein eigenes Wohlergehen Dein intensivstes Bestreben sein? Und fast
gleichrangig, aber doch erst kurz dahinter das Wohlergehen Deines Partners stehen?

Ja, mein Wohlergehen ist natürlich betrachtet auf meinen Werdegang und mein Leben mein größtes bestreben. Innerhalb einer Beziehung aber, in der ich in der Position bin anderen Menschen (großen) Schaden zuzufügen, stelle ich im Zweifel dennoch meinen Bindungswunsch hinter dem Wohlergehen (in Bezug auf eben diese Bindung) des Partners an. Es gebieten Vernunft und Menschlichkeit da einen stop zu setzen um nicht großes Leid auszulösen.


Zitat von Hotin:
Aber wir tragen ein ziemlich schädliches und verletzendes Verhaltensmuster mit uns rum und
ich finde es durchaus wichtig, Verantwortung dafür zu übernehmen und uns bewusst zu sein, dass wir
absichtlich durchaus Täter sind.


Zitat von Hotin:
Von wem gelernt? Hast Du Dir das nicht ganz alleine gelernt? Welchen Vorteil
hattest Du davon, Dir das so beizubringen?


Hier kann ich dir leider überhaupt nicht zustimmen. Es geht um so grundlegende Wirkungsmechanismen mit so heftigen Reaktionen, das hat nichts mit Absicht zu tun und es ist absolut nichts, was ''einfach'' ein falsches Verhalten und abstellbar ist.
Es sind Menchanismen die mir mal das Leben gerettet haben und es ist alles was ich darüber weiß wie Menschen, die sich vermeindlich lieben miteinander umgehen (wenn sie grad n netten Tag haben).

Zitat von Hotin:
Nur am Anfang erscheint das schwierig zu sein. Wenn Du das willst, kriegst Du das
bestimmt bald hin. Im Grunde weißt Du schon genau, was Du besser machen kannst.

Und das ist auch überhaupt nicht nur am Anfang schwierig. Es ist ein so großer Haufen Sch. der nunmal Zeit und Arbeit braucht, für und mit allen Beteiligten, in der Vergangenheit, im jetzt und in der Zukunft.
Nur weil etwas desaströses besser wird heißt das nicht, dass es dann gut ist.

Aber ich möchte das jetzt hier nicht so negativ beenden. Es gibt natürlich Auswege und Behandlungsmöglichkeiten etc und dann kann man das alles lernen. Nur muss bis dahin eben Zeit vergehen und eine Menge Selbstreflektion und Arbeitsbereitschaft beim Betroffenen vorliegen.
Ich persönlich bin ja inzwischen bereits ein gutes Stück von diesem Weg gegangen und blicke da optimistisch in die Zukunft, dennoch ist es einfach ein sensibles Thema und ich finde es wichtig darüber zu sprechen, sowohl mit potentiellen Opfern als auch mit anderen potentiellen Tätern.


LG
Verrückte

30.01.2020 15:36 • x 1 #25


@Yalah Vielen Dank für deine lieben Worte.

Es freut mich, dass du dich getrennt hast und das es dir nun besser geht!
Es freut mich auch, dass ich dir Mut gemacht habe, dass wir an uns arbeiten und uns bessern können. Ich möchte dich trotzdem nocheinmal daran erinnern, dass das von uns ausgehen muss. Alles Verständnis und Empathie nützt dir leider garnichts, wenn dein Bindungsscheuer Partner sich nicht helfen lassen kann oder will und auch dann kann so eine Beziehung noch sehr anstrengend und frustierend sein, also - bitte achte auf dich!

LG

30.01.2020 16:23 • #26


Robinson
Zitat von Yalah:
Die Abhängigkeit entsteht oft auf beiden Seiten, deshalb melden sich die Täter auch regelmässig wieder, oder oft gerade dann, wenn sich das Opfer loslösen möchte!


Nunja, eigentlich haben beide Angst.
Der eine vor zu viel Nähe, (Erdrückt werden) und der andere vor zu wenig Nähe.

Von Täter und Opfer sprechen halte ich da aber für etwas Krass.
Wir sind ja hier nicht bei der Polizei.
Täterschaft setzt Vorsatz voraus.
Wer aber aus Angst nähe vermeidet, tut das ja nicht um den anderen bewusst zu Schaden.
Solche Schuldzuschreibungen verunsichern den Bindungsänstlichen noch mehr.

Bindungsangst entsteht früh in der Kindheit.
Da haben sie schon einen Schlag wegbekommen, waren also "Opfer".

Ausser, er ist ein Narzisst und gebraucht diese Spielchen als Machtmittel.

30.01.2020 16:58 • x 2 #27




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