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Guten Abend,

mein Partner leidet stark an Beziehungs- bzw. Bindungsangst. Leider habe ich das erst letztes Jahr durch Recherchen im Internet in Erfahrung bringen können. Davor hatte ich immer gerätselt, warum er sich oft sonderbar verhält.

Ich suche hier Austausch mit anderen Betroffenen, wie sie damit umgehen bzw. was man versuchen kann, um die Situation zu verbessern.

Gruß
jenny

31.10.2013 20:22 • 01.11.2013 #1


8 Antworten ↓


Hallo Jenny,

Das mit dem sonderbaren Verhalten ist meinem Partner auch schnell aufgefallen. Bei mir ist es sehr wechselhaftes Verhalten zwischen Nähe suchen und körperlichem sowie mentalen Ausweichen der geliebten Person.
Wie äußern sich die Ängste denn bei deinem Partner.

Ich möchte dir noch nahelegen dass die Bindungsangst wohl kaum mit dir zusammen hängt und hoffe dass du dir dessen stets bewusst bist.

lg mal

31.10.2013 20:39 • #2



Beziehungsangst meines Partners

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Mein Mann ist quasi der "Klassiker", er hat sämtliche Symptome, die für eine Bindungsangst typisch sind.

Es ist für mich als Partnerin eine hohe Herausforderung, die ich bisher durch äußerst einfühlsames Verhalten meistern konnte. Allerdings ist der Kraftaufwand dafür sehr groß.
Mittlerweile weiß ich, dass das Problem nicht an mir liegt, sondern dass er der "Gefangene" ist, der sich selbst nicht helfen kann.

- er schwankt zwischen Nähe und Distanz
- manchmal versucht er durch Streit über Nichtigkeiten eine Distanz zu erzeugen
- andererseits ist er sehr liebevoll und aufmerksam
- er hat die Phase des Kennenlernens sehr in die Länge gezogen
- es kostet ihm viel Überwindung, über seine Gefühle zu sprechen, daher versuche ich immer, in die Stille hinein zu horchen, um seine Empfindungen wahrzunehmen
- er macht mir lieber Komplimente (also zeigt mir seine Gefühle auf indirektem Wege), anstatt Sätze zu formulieren wie: "Ich ... liebe dich" usw.

31.10.2013 20:43 • #3


also bis auf den letzen Punkt erkenne ich mich voll ung ganz in dem Verhalten deines Mannes wieder

Wielange seit ihr denn schon ein Paar wenn ich fragen darf?

Ich finde es übrigens total klasse dass du ihn nicht einfach sitzen gelassen hast. Ich sehe an meinem Partner was es für ein riesiger Kraftaufwand ist mit einem Menschen zusammen zu sein der Bindungsprobleme und Ängste hat.

Manchmal frage ich mich wie und wo mein Partner aus meinem Verhalten die Liebe heraus erkennen kann die ich für ihn empfinde....Wenn ich mich doch oft distanziere.

31.10.2013 20:51 • #4


Wir sind jetzt fast 8 Jahre zusammen.

Wir führen eine Fernbeziehung, d. h. wir sehen uns nicht jeden Tag.
Da ich selbst auch ganz gut für mich sein kann und das auch von Zeit zu Zeit brauche, ist das auch machbar.
Allerdings würde ich doch gerne mehr mit ihm unternehmen, möchte ihn aber nicht unter Druck setzen.

Ich bin selbst hochsensibel und kann daher bestimmte Gefühle und Stimmungen bei anderen Menschen "erspüren". Das ist natürlich hilfreich, wenn man so einen Partner hat. Ich versuche immer intuitiv das zu tun, was mir am besten erscheint.

Wenn ich merke, dass er Ruhe braucht, dann lasse ich ihn auch in Ruhe. Dann meldet er sich meist wieder von selbst. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Nähe und Distanz. Allerdings ist das emotional extrem anstrengend.

Anfangs gingen mir tausend Fragen durch den Kopf, z. B. warum er so ist, ob eine andere Frau dahinter steckt usw.

Er stürzt sich auch gerne in die Arbeit, obwohl ich nicht glaube, dass ihm das wirklich so viel Spaß macht. Es ist wohl auch eine Form von Fluchtverhalten.

Ich möchte hier noch anmerken, dass ich schon mal Mitglied in einem Forum war, wo sich Betroffene ausgetauscht haben. Dort rieten mir alle, ich solle mich von meinem Partner trennen, weil es eh nix bringt.

Da ich jedoch weiß, dass mein Partner mich über alles liebt, und ich generell nicht so hart gesotten bin, bringe ich das nicht übers Herz.

Wenn sein Verhalten durch Vertrauensbrüche entstanden ist, dann wäre jetzt eine Trennung genau eine Bestätigung dafür! Ich würde ihm quasi wieder eins reinwürgen. Es wäre eine self fulfilling prophecy. - Also eine sich krankhaft wiederholende Situation.

Gerade dass ich durchhalte, zeigt ja, dass ich es ehrlich mit ihm meine und dass mir wirklich etwas an ihm liegt. Jede andere hätte da längst das Handtuch geworfen.
Ich denke, jemand, der es mit einem Bindungsängstler aushält, der weiß, was Liebe ist!

31.10.2013 20:57 • #5


Darf ich dich mal was Persönliches fragen, da du ja selbst Betroffene bist?

Wie nimmst du die Bemühungen deines Partners wahr?
Was denkst du über ihn?

31.10.2013 21:04 • #6


Möchte noch ergänzen, dass mein Mann ein starkes Sicherheitsbedürfnis hat. Des weiteren neigt er zur Kontrolle.
Gleichzeitig hat er eine starke Verlustangst, will mich an sich binden, ist also sehr bindungsfreudig, hat allerdings gleichzeitig Angst vor zu viel Nähe. (was er als "zu viel" empfindet, ist eigentlich das Normale).

01.11.2013 11:55 • #7


Es tut mir oft weh zu sehen wie sehr er versucht mir alles recht zu machen und ich schaffe es einfach trotz allem nicht ihm Nähe zu schenken. Ich fühle mich dann oft schlecht und mache mir selbst große Vorwürfe für mein Verhalten.... Ihn zu sehen wie sehr er sich um mich bemüht, ich habe da schon auch Angst dass er durch mein Verhalten sehr verletzt ist

01.11.2013 14:13 • x 1 #8


Die Verletzungen entstehen in erster Linie dann, wenn der Betroffene weniger Nähe möchte bzw. die Nähe nicht erträgt und den anderen dann zurück weist.

Diese Verletzungen kann man ganz einfach vermeiden, dadurch, dass man es offen und ehrlich sagt, anstatt den anderen zu kränken oder einen Streit (wegen eines anderen Grundes) anfängt.

Mein Mann wird manchmal wegen Kleinigkeiten grantig, da weiß ich dann, dass er etwas Abstand braucht.
Mir wäre es lieber, wenn er offen sagen würde: "Schatz, ich möchte mich jetzt etwas zurück ziehen."

Das wäre dann nicht so verletzend. Leider ist es für ihn schon schwierig, seine Empfindungen, die gerade in ihm vorgehen, richtig in Worte zu fassen, also in sogenannte "Ich-Botschaften", wie es in der Psychologie heißt ...

Vielleicht wäre das auch ein Ansatz für dich, dass du einfach anstatt: "Lass mich in Ruhe" sagst: "Ich brauche heute etwas Ruhe."

Das Schwierigste für den Partner ist immer, zu erraten, was im anderen gerade vor geht. Man kann ja nicht hellsehen. Also ist es hilfreich, wenn jeder seine Bedürfnisse oder Wünsche klar formuliert.

Am schlimmsten sind Wünsche, die man als Vorwurf formuliert, z. B. "Ständig bedrängst du mich!" - Das ist für den anderen, der sich sehr bemüht, ein Schlag in die Magengrube.

Besser: "Ich fühle mich manchmal durch deine Nähe bedrängt."

Man könnte sich mit dem Partner auch ein Zeichen ausmachen, das man immer dann aktiviert, wenn man etwas Abstand braucht.

01.11.2013 15:17 • #9




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