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Cowboy

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Moin zusammen,

ich befinde mich seit einem Dreiviertel Jahr in meiner ersten Beziehung und das obwohl ich schon Mitte 30 bin. Ich war also, bis ich meine Freundin kennen lernte sehr unerfahren, nicht nur was partnerschaftliche Beziehungen sondern das andere Geschlecht angeht generell, also klassischer AB.

Entsprechend habe ich mir hier gewiss unbewusst einen hohen Erwartungsdruck aufgebaut.

Wie dem auch sei, schon nach 2 Monaten schlichen sich in die junge Beziehung irgendwelche Ängste bei mir ein, bei denen ich mir bis heute nicht sicher bin, ob es irgendwelche Bindungsängste sind oder eine Urangst vor Nähe ist. Ständige Grübeleien über Dinge, die mich an ihr störten, verursachten plötzlich Angstzustände. Diese machten sich in Form von Panikattacken, ständiges Kloßgefühl im Hals etc bemerkbar. Es fühlte sich so an, als wollte mir eine innere Stimme bzw. ein Teil von mir die Beziehung ausreden. Die Angstzustände haben in ihrer Intensität nun nachgelassen, die beziehungskritischen Gedanken sind aber immer wieder da. Habe mich hier auch viel belesen (Literatur zu Bindungsangst, viel in solchen Foren gegoogled etc.)

Da es sich um eine Wochenendbeziehung handelte fiel mir auch die Aufwärmphase freitags oft sehr schwer. Ich konnte es dann oft nicht fassen, dass ich mit diesem Menschen am letzten Sonntag bei meiner Abreise noch so intim war. Bis zum Sonntag hatte sich das in der Regel immer wieder "normalisiert".

Was mich auch sehr wundert: Bin mir bis zum heutigen Tage nicht sicher, ob ich sie wirklich attraktiv finde. Auch mein Attraktivtätsempfinden ihr gegenüber schwankt stark. Morgens verstehe ich die Welt oft nicht mehr und finde sie so gar nicht attraktiv (das bereitet mir dann Panik). Kann sowas allein von Frisur, Lichtverhältnissen, Kleidung abhängen? Irgendwie bin ich hier auch zwanghaft geworden und versuche im Laufe des Tages ständig ihr Äußeres zu bewerten bzw. zu kritisieren. Bin dann auch oft nicht bei der Sache und höre ihr nur halbherzug zu. Gegen Abend gefällt sie mir fast immer sehr viel besser und da passt es dann wieder und bin glücklich mit ihr und kann dann die "dunklen Momente" nicht verstehen. Auch dann ist sie für mich objektiv natürlich nicht "perfekt" aber durchaus (sexuell) anziehend.
Ein ähnliches Phänomen konnte ich auch auf ihre Stimme feststellen. Diese klingt für mich mitunter auch "anders". Alles sehr merkwürdig....

Vom Naturell sind wir schon sehr verschieden, ich der eher ruhige introvertierte, sie doch deutlich gesprächiger als ich. Außerdem ist sie fast 10 Jahre jünger als ich. Das ist sicher schon eine Herausforderung, die man aber sicher meistern kann. Wir können übrigens über alles reden, auch über meine ambivalenten Gefühle ihr Gegenüber.

Hat soetwas schon mal jemand erlebt, gerade was die Wahrnehmung angeht? Wenn ich z.B. an andere Menschen in meinem Umfeld denke habe ich z.B. ein klares Bild von dem Menschen im Kopf. Bei meiner Freundin nicht. Hier habe ich sehr unterschiedliche.

Hatte wegen der Sache im letzten halben Jahr auch schon zweimal 5 probatorische Sitzungen bei zwei Therapeuten. Wegen finanzieller Ebbe kann ich hier erstmal nicht weitermachen.
Da wir in 1 Monat zusammenziehen (in eine recht große Wohnung mit eigenem Zimmer für mich), sehe ich das nun auch als große Herausforderung. Natürlich stets mit gemischten Gefühlen.

Bin mal gespannt auf eure Kommentare.

17.03.2015 11:58 • 02.09.2019 #1


29 Antworten ↓


Flocke_79


Huhu


Ich hatte das, was du beschreibst früher öfters. Im Nachhinein weiß ich, das ich damals nie verliebt war in denjenigen. Niemand ist perfekt. Musst ma mich sehen...morgens mit Sturmfrisur

Mein Freund grinst dann und findet mich trotzdem oder gerade wegen des "Nicht-perfekt-Seins" toll. Wer liebt, der sieht die Macken garnicht bzw.Ich sehe die Macken aber ich liebe auch diese

Weder stößt es mich ab, noch "suche" ich nach ihnen.

Liebst du deine Freundin ?

17.03.2015 12:20 • x 1 #2


Cowboy


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Ja, die Sache mit der Liebe.
Da frag ich mich auch immer was das sein soll bzw. wie sich das anfühlt. Gibt sicher keine allgemeingültige Definition und das empfindet jeder anders. In der Tat gehen mir Worte wie "ich liebe dich" schwer über die Lippen.

Verliebtheitsgefühle, da bin ich mir sicher, waren aber da und tauchen auch immer wieder auf. Liebe ist vermutlich ein deutlich unspektakuläreres (aber dennoch größeres) Gefühl. Viele behaupten, dass Liebe erst entsteht und nicht einfach da ist....Liebe wächst.

Aber ich überlege natürlich eigentlich auch immer wieder: Ist es Liebe oder mach ich mir vielleicht doch nur was vor? Gibt bei ihr ja auch 'ne Menge Eigenschaften die ich mir anders wünschen würde. Aber wie gesagt, "wer ist schon perfekt?". Und wenn es doch keine Liebe ist, "darf" ich die Beziehung überhaupt weiterführen? Welche "Legitimation" ist nötig um eine Beziehung zu führen? Wo ist es Liebe und wo hat man einem Menschen nur "gern"? Und all das kann man sich eigentlich nur selbst beantworten....

17.03.2015 15:26 • #3


eclipse-86

eclipse-86


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Hattest du denn vorher schon diese Angststörung oder kam die erst mit deiner Freundin?

17.03.2015 15:35 • #4


Cowboy


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Ich hatte vorher auch schon mal mit div. Angst- und Panikstörungen zutun, die ich aber alle selbst überwinden konnte. Darunter allgemeine Ängste, die Kontrolle zu verlieren (ich könnte laut schreien, etwas schlimmes oder was peinliches tun). Vor 7 Jahren hatte ich mal so eine Errötungsangst, will heißen, ich bin ständig rot angelaufen (ohne Grund aber da wo man es besonders peinlich ist). Dazu kam dann auch eine Angst vor dem Zugfahren (da bekam ich auch Angstzustände).
Generell wurde das alles wohl getriggert durch meine Abnehmphase. Da wurde mir dann bewusst, dass man sich kontrollieren muss um schlank zu bleiben. Befand mich hier wohl auch am Rande einer Essstörung.

Habe es auch oft, dass wenn ich meine, dass ich den nächsten Tag ausgeschlafen sein möchte, ich gerade dann nicht oder nur sehr wenig schlafe (self-fulfilling prophecy).

Das sind aber alles keine Probleme mehr für mich. Nur eben die Beziehung bzw. der Umgang mit dieser nicht perfekten Beziehung (bzw. meine Gedanken dazu).

17.03.2015 15:52 • #5


eclipse-86

eclipse-86


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Hey das ist ja wahnsinn .... das ist ja so ähnlich wie bei mir. Hatte, unbewusst, auch schon immer mit Ängsten zu kämpfen.
Hab dann 2006 angefangen mit Abnehmen, hab ich 70 kg geschafft ... war mal übelst dick <- daher wohl auch die Ängste.
Jedenfalls hab ich mich da so dermaßen reingesteigert bloß nicht wieder was zunehmen das wohl im August 13 der große Ausbruch kam. Seitdem leb ich mit Angststörung.

Jedenfalls auf was ich raus will: Mir fällt an mir selber auf dass ich mir unterbewusst alles madig mache ... geht schon automatisch und meist ohne dass ich es merke!
An manchen Tagen kuck ich meinen Partner an und denk mir "OMG wie sieht der eigentlich blöd aus mit seiner Jogginghose ... so geh ich mit dem nich raus!" ... Abends dann z.b. tut es mir leid das ich so fies denke.
Das ist jetzt nur ein Beispiel, andere Beispiele sind: Ich denk allein wär ich besser dran, such unterbewusst mit voller Absicht nach Fehlern damit ich vor Eifersucht austicken kann, such gezielt nach Dingen die mich in Rage bringen usw usw.

Ich hab vor ner Weile angefangen Johanniskraut zu nehmen, seitdem steht mein Kopf Kreisel still und ich seh die Dinge klar. Mir ist bewusst geworden was ich doch eigentlich für ein rießen Glück habe! Ich hab einen Partner der die teuflischen Ängste mit mir durchsteht, der mir zu hört, der mir Frühstück macht, der mit mir alles unternimmt was ich mir wünsche usw usw.
Aber undankbar wie irgendein Teil von mir ist versuch ich mir das selber kaputt zu machen! Das ist einfach NUR DUMM!

Ich denke bei dir ist es genauso, du schreibst ja selber wie viele Ängste du schon überwunden hast! Ich denke ein Teil von dir gönnt dir dieses Glück nicht und will es deshalb schlecht reden!
Zähl doch mal die ganzen guten Dinge eurer Beziehung auf, das wird deinen Blick richtig lenken
Nimm dir mal einige ruhige Minuten und überlege ganz genau ob du WIRKLICH alleine leben möchtest, ohne sie?

Naja und wenn du wieder einen akuten Fall von "OMG wie eklig" hast dann mal dich mit schminke an, schmier dir Butter ins Gesicht Lieber zusammen hässlich als gemeinsam einsam
Weißt ich glaub ganz fest manchmal muss man IRRE sein um seinen eigenen Blick wieder auf die richtige Bahn zu lenken.

Im Moment guckst du sehr viel in dein innerstes anstatt die Zeit einfach zu genießen mit ihr ... piepegal wie sie für dein inneres "Biest" aussieht, sie liebt dich anscheinend von ganzem Herzen

17.03.2015 16:03 • #6


eclipse-86

eclipse-86


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Und übrigens beantwortest du dein Problem grade selber: Mit dieser NICHT PERFEKTEN Beziehung ....
Du selber willst unbedingt dass sie perfekt ist, was ein Teil von dir aber nicht versteht: Meist ist es schon perfekt (für jeden anders) nur merkt man es nicht weil der Blick fehlgelenkt ist.

Wie stellst du dir denn "PERFEKTE Beziehung" vor? Ich konnte damals immer ne ewig lange Liste aufzählen Aber erst dieses Jahr hab ich kapiert dass perfekt eine sichtweise ist und kein Plan

17.03.2015 16:06 • #7


Cowboy


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Jepp, so ist es. Andere Personen schlecht reden um ihnen "bloß nicht zu nah zu sein" oder sich selbst aufzuwerten aus Mangel an Selbstbewusstseen. Solche Tendenzen kann ich bei mir schon irgendwie erkennen.

Für die, die des englishen mächtig sind, fand ich dazu auch diesen Artikel bzw. diese Seite ganz interessant.
http://www.psychalive.org/critical-inner-voice/

17.03.2015 16:45 • #8


Cowboy


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Stichwort "perfekte Beziehung":

Auch diesen Artikel fand ich sehr interessant.
http://www.psychalive.org/perfect-imper ... ationship/

17.03.2015 16:57 • #9


Mariposa56

Mariposa56


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Cowboy, was ist schon perfekt? Perfekt ist langweilig und ist absolut kein Garant für eine glückliche und lange Beziehung. Ich kann das beurteilen, weil ich mit meinem Partner schon 35 Jahre verheiratet bin und keiner von uns ist perfekt, noch führen wir eine perfekte Beziehung im Sinne von "uns stört nichts an dem anderen".

Perfekt ist für mich immer füreinander da sein, sich auch nach vielen Jahren "schön" finden und gemeinsam den Alltag meistern.

17.03.2015 18:15 • #10


Cowboy


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Irgendwie hat sich die Tatsache, dass meine erste Beziehung (nach 20 Jahren Verspätung) perfekt sein wird bzw. muss wohl tief in meinem Unterbewusstsein verankert. Alles andere fühlt sich nicht echt an und lohnt es nicht weiter verfolgt zu werden. Mein Verstand sagt mir natürlich auch, dass dies nicht so sein muss. Es ist wohl auch eine Angst vor Konflikten, Angst sich mit einem gänzlich anderen Menschen auseinanderzusetzen.

17.03.2015 20:53 • #11


Primula


Hallo Cowboy,
meine erste Beziehung hatte ich auch recht spät, mit Ende 20, und war dementsprechend sehr unsicher. Seither hatte ich noch weitere Beziehungen, jetzt bin ich wieder Single.
Ich habe auch viel an mir selber gezweifelt, wenn es in der Beziehung gehakt hat.
Aber: Im Nachhinein und mit therapeutischer Begleitung ist mein Fazit: Ich muss auf meine Gefühle hören! Dass ich die Probleme auf eine wirklich vorhandenen Angst vor Nähe geschoben habe, war Quatsch. Im Gegenteil. Im Nachhinein musste ich feststellen, ich habe zu viele Kompromisse gemacht.
Mein Rat wäre: Es ruhiger angehen lassen!

17.03.2015 21:36 • #12


Primula


Aber das Problem mit der Nähe kenne ich auch!
Meine letzte Beziehung war auch eine Wochenendbeziehung, und auf Grund der Entfernung fand ich es auch schwieriger als Beziehungen zu Partnern, die in der Nähe wohnten.
Wie Du war mir mein Partner am Anfang des Wochenendes auch erst einmal wieder fremd, und ich brauchte Zeit, mich wieder an ihn zu gewöhnen.
Einmal war er beim Frisör, und da war er mir noch fremder als sonst. Das war richtig unangenehm.
Für mich war diese Form Wochenendbeziehung sehr schwierig, durch diese plötzliche intensive Nähe. Die ganze Woche sieht man sich nicht, und dann auf einmal 2 Tage nonstop.
Aber mir ist dadurch ganz klar geworden: Wenn ich so ein komisches Gefühl habe, muss ich das ernst nehmen. Wenn mir die Nähe zuviel ist, nehme ich mir Abstand!

Dieser Mann ist zu Beginn dermaßen auf mich zugeprescht - gleich von Liebe gesprochen, alles super. Ich hatte wirklich das Gefühl, es ist ihm ernst, er meint es gut mit mir, und ich könnte mich auf ihn verlassen. Aber irgendwie hatte ich auch ein komisches Gefühl. Es war mir eigentlich etwas zuviel. Da suchte ich den Fehler bei mir. Redete mir ein, ich hätte ein Problem mit Nähe. Die es zu überwinden gälte. Ich ließ mich auf die Beziehung ein.
Als ich aber nach 3 Monaten (!) noch nicht in seine Nähe ziehen wollte, ist er höchst komisch geworden, völlig kalt und abweisend, wollte mich nicht mehr sehen und nicht mehr mit mir reden. Keine Rede mehr von der großen Liebe.
Nach 3 Wochen beendete ich diese qualvolle Situation und trennte mich.
Mir ging es mit dieser Sache sehr, sehr schlecht.

Mein Fazit daraus: Mein "komisches " Gefühl zu Beginn hätte ich unbedingt ernst nehmen müssen! Mir nur das an Nähe zumuten, was sich gut für mich anfühlt. Mir nicht einreden, ich hätte ein Bindungsproblem, das ich überwinden müsse!

18.03.2015 09:35 • #13


Cowboy


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Hallo Primula, danke für deine Einschätzung. Um ein "ausgeglicheneres Maß" an Nähe herzustellen, war für mich auch der Hauptgrund zusammen zu ziehen. Hier hat man dann am Wochenende auch wieder mehr Freiraum für sich selber, man kann spontaner entscheiden was man macht. Man baut sich auch nicht so sehr einen Druck auf, dass das Wochenende nun super schön werden müsse.

18.03.2015 10:48 • #14


Flocke_79


Zitat von Cowboy:
Ja, die Sache mit der Liebe. Viele behaupten, dass Liebe erst entsteht und nicht einfach da ist....Liebe wächst.

Und wenn es doch keine Liebe ist, "darf" ich die Beziehung überhaupt weiterführen? Welche "Legitimation" ist nötig um eine Beziehung zu führen?


Zum 1. Teil:

Ganz klares JA von mir. Verliebtsein kommt oft so "wusch-artig". Aber Liebe entwickelt sich.

Zum Teil 2:

Ich denke schon, das Beziehungen ohne das volle Paket an romantischer Liebe sein dürfen. Nicht ohne Grund werden statistisch gesehen Zweckehen deutlich seltener geschieden als Liebesehen. Doch was ich da sehr wichtig finde, ist das du es ihr sagst. Sie muss die Chance haben sich wissend für eine Beziehung mit jemandem zu entscheiden, der sie vllt nicht liebt. Ich würde das verlangen. Und ich würde meinen Partner dafür hassen, würde er mir irgendwann mal stecken, das er immer Zweifel an seinen Gefühlen hatte. Das ist erniedrigend.
Lg

18.03.2015 12:35 • x 1 #15


Primula


Hallo Cowboy,
Zitat von Cowboy:


Um ein "ausgeglicheneres Maß" an Nähe herzustellen, war für mich auch der Hauptgrund zusammen zu ziehen. Hier hat man dann am Wochenende auch wieder mehr Freiraum für sich selber, man kann spontaner entscheiden was man macht. Man baut sich auch nicht so sehr einen Druck auf, dass das Wochenende nun super schön werden müsse.


Klingt sehr vernünftig, finde ich .
Wenn das Zusammenwohnen für Dich auch Freiräume bieten kann.
Ich wohne seit 14 Jahren alleine, weil mir die Nähe des Zusammenwohnens zuviel ist. Auch in einer Beziehung.

Ich denke, Deine Legitimation für diese Beziehung ist, dass Du diese Beziehung wirklich willst! (Und natürlich, dass Du keine bösen Absichten hast.)
Das darf kein anderer entscheiden, wie sehr Du Deine Partnerin zu lieben hast oder welches Maß an gelegentlicher Abneigung noch okay ist.

18.03.2015 21:54 • #16


Hoffnungsfroh

Hoffnungsfroh


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Hallo Cowboy,

ich kenne die von dir beschriebenen Angst- und Unruhezustände innerhalb einer Beziehung sehr gut. Das alles hatte ich früher auch ganz regelmäßig in meinen Beziehungen. Es war schlimm und am allerschlimmsten die ständigen Grübeleien darüber, ob ER nun doch wirklich zu mir passt oder eben nicht. Und die Unsicherheiten, alles richtig machen zu wollen und "es bloß nicht zu verkacken", waren eigentlich mehr beziehungstötend, als hilfreich

Deine Frage nach einer evtl. vorhandenen Beziehungsangst ist also gar nicht sooo verkehrt. Dort hinein passen auch alle anderen deiner Angststörungen! Denn die Grundursache für alle Ängste, Unsicherheiten etc. ist ja, dass wir unter einem total verschobenen Selbstwert leiden. Soll heißen, wir nehmen uns anders wahr, als es andere tun. Wir haben Angst Fehler zu machen, zu versagen, nicht angenommen zu werden usw. Das führt irgendwann zu allerlei Panikattacken, Errötungen (hatte ich auch ne zeitlang ganz fies) oder Grübeleien. Mir haben dann Gespräche mit meiner Therapeutin, die sich auf Bindungsangst spezialisiert hat, geholfen. Die gibt auch Seminare rund ums Thema Bindungsangst und Selbstwertgefühl. Ihre Praxis ist in Hannover und wenn du magst, schicke ich dir gerne den Link zu ihrer Homepage.

Grundsätzlich kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass ich damals auch ganz oft dachte, dass der Partner einfach nicht passt und ich deswegen ständig so gegrübelt habe und ein ungutes Gefühl hatte. Heute kann ich dir verraten, dass sich dieses Schauspiel wirklich durch JEDE Beziehung zog. Es lag also nah, dass ich BA habe, bzw. mich mit meiner Selbstunsicherheit auseinandersetzen sollte. Das habe ich dann auch getan und führe heute ein ganz anderes Leben

19.03.2015 08:05 • #17


spaghetti


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Zitat von Cowboy:
Was mich auch sehr wundert: Bin mir bis zum heutigen Tage nicht sicher, ob ich sie wirklich attraktiv finde. Auch mein Attraktivtätsempfinden ihr gegenüber schwankt stark. Morgens verstehe ich die Welt oft nicht mehr und finde sie so gar nicht attraktiv (das bereitet mir dann Panik). Kann sowas allein von Frisur, Lichtverhältnissen, Kleidung abhängen? Irgendwie bin ich hier auch zwanghaft geworden und versuche im Laufe des Tages ständig ihr Äußeres zu bewerten bzw. zu kritisieren. Bin dann auch oft nicht bei der Sache und höre ihr nur halbherzug zu. Gegen Abend gefällt sie mir fast immer sehr viel besser und da passt es dann wieder und bin glücklich mit ihr und kann dann die "dunklen Momente" nicht verstehen.


Hallo Cowboy

Mich hats fast vom Hocker gehauen als ich deinen Text gelesen habe. Was du beschreibst ist bei mir genau gleich. Ich muss meinen Partner auch ständig anschauen, um zu beurteilen, ob ich ihn nun gerade attraktiv finde oder nicht. Je nach Situation ist das ganz verschieden. Hätte nicht gedacht, dass es einen zweiten Menschen gibt, der sich über Lichtverhältnisse Gedanken macht

Mein Partner ist ebenfalls einiges jünger als ich, was mir ab und zu auch grossen Kummer bereitet. Und, wir möchten auch zusammenziehen... und ich krieg mal wieder Panik.

Nach zwei Jahren kann ich aber sagen, dass sich das mit der "unterschiedlichen Wahrnehmung" etwas normalisiert hat. Ich kenne langsam all seine "Gesichter" in und auswendig. (Klingt fürchterlich ich weiss) Und trotzdem hat das Beobachten noch nicht aufgehört. Zu Beginn unserer Beziehung konnte ich mir aber auch nie ein richtiges Bild vom ihm machen, wie du das auch beschrieben hast. Nicht so wie bei anderen Menschen, die man gut kennt.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Problem darin liegt, dass ich mich noch nicht richtig auf ihn einlassen konnte. Mein Beziehungsmuster deutet eindeutig darauf hin, dass ich etwas beziehungsschwierig bin. Das Buch "Jein" hat mir sehr geholfen.

Bei mir ist es auch immer so, dass ich mich wieder an ihn "gewöhnen" muss wenn wir uns eine Weile nicht gesehen hatten. Aus diesem Grund ist das Zusammenziehen vielleicht gar nicht so schlecht... obwohl sich bei mir sofort der Fluchtinstinkt breit macht. Die Vorstellung in einer gemeinsamen Wohnung zu leben ist aber auch wunderschön... ich bin hin und her gerissen. Habt ihr denn schon eine Wohnung?

19.03.2015 21:46 • #18


spaghetti


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Zitat von Hoffnungsfroh:
Grundsätzlich kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass ich damals auch ganz oft dachte, dass der Partner einfach nicht passt und ich deswegen ständig so gegrübelt habe und ein ungutes Gefühl hatte. Heute kann ich dir verraten, dass sich dieses Schauspiel wirklich durch JEDE Beziehung zog. Es lag also nah, dass ich BA habe, bzw. mich mit meiner Selbstunsicherheit auseinandersetzen sollte. Das habe ich dann auch getan und führe heute ein ganz anderes Leben



Hallo Hoffnungsfroh

Das klingt sehr interessant! Was mich interessieren würde: Lebst du heute in einer Beziehung? Und würdest du sagen, dass du deine Ängste und Zweifel zu 100% beseitigen konntest? Oder gehst du einfach anders damit um?

19.03.2015 21:50 • #19


Cowboy


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Hallo Spaghetti, bin ich also doch nicht der einzige dem das so geht. Diese Eigenart ist insbesondere dann besonders schlimm, wenn man gerade das schönste Gesicht des Partners vor sich hat (zum Beispiel kuschelnd auf der Couch liegend), dann aber aufstehen muss und Angst hat, welches Gesicht man dann auf Grund des Perspektivwechsels dann wahrnimmt...

Hab das zweite Buch von Frau Stahl auch gelesen ("Vom Jein zum Ja!: Bindungsangst verstehen und lösen"), fand es auch sehr lehrreich....bin eine Frühgeburt per Kaiserschnitt und wurde direkt nach der Geburt in einen Brutkasten verfrachtet. Wer weiß, welches Säuglingstrauma ich da hab erleben müssen und mich nachhaltig geprägt hat.

Wir ziehen in zwei Wochen in unsere 4-Zimmer-Wohnung.

19.03.2015 22:07 • #20




Dr. Reinhard Pichler