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kolin77

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hallo ihr lieben

nachdem ich einige zeit in diesem forum gelesen habe und vieles sehr hilfreich
fand, habe ich mich heute entschieden mich auch an euch zu wenden.
denn mittlerweile bin ich an einem punkt angelangt, an dem ich einige gefühle einfach nicht mehr aushalte und ich große angst habe, dass es sich nie wieder ändern wird.

ich bin 28jahre alt (w) und merke immer mehr (auch durch die therapie), dass die sachen die ich zu anfang nur für macken hielt, ernsthafte störungen sind, mit denen ich mich selber und auch menschen um mich herum kaputt mache.
mir ist seit tagen nur noch nach weinen zumute, weil all die gedanken und ängste sich auch körperlich äußern. wenn solche momente auftreten schnürt es mir die kehle zu, es zieht durch den ganzen körper und ich habe das gefühl weinen zu müssen, kann aber nicht. es ist ein unangenehmes gefühl, von dem ich nur weg will und das schaffe ich dann meist, indem ich mal wie immer fliehe.

um was es geht?
angst vor nähe. angst vor dem verletzt werden.
und es ist so ausgeprägt mittlerweile, dass ich meine reaktionen kaum noch kontrollieren kann. damit meine ich das fliehen, das wegstoßen.
am schlimmsten ist das so bei dem anderen geschlecht.
lerne ich einen mann kennen ist alles super. ich kann ich sein, genieße es,
bin glücklich. man verliebt sich, es ist alles gut.
und auf einmal, sei es durch einen minimalen auslöser, geht bei mir eine klappe zu.
plötzlich ist dieses gefühl da. diese angst, dass man doch verletzt wird.
dass der andere seine worte nicht so meint.
meine reaktion darauf sieht so aus, dass ich von heute auf morgen anders werde.
ich melde mich nicht mehr und wenn ich reagiere, dann sachlich, abgeklärt kühl.
wieso? weil ich das irre gefühl habe, mit jedem netten wort zu viel zu geben und leichter verletztbar zu sein.
dann zeige ich lieber das gegenteil, auch wenn mein herz innerlich zerspringt.
ich will mich damit sicherlich nicht interessanter machen.
interessant wird man durch mein verhalten ganz und gar nicht.
die männer wissen in dem moment gar nicht was los ist.
wieso ich plötzlich so desinteressiert bin und keine zeit mehr habe.
ihnen tut das natürlich auch weh und sie reagieren dementsprechend.
diese reaktionen bestätigen dann widerrum nur meine ängste und ich
entferne mich noch mehr.
irgendwann halten es die männer verszändlicherweise nicht mehr aus und
verlassen mich. oft auch merhmals, in der hoffnung, dass ich mich dann endlich ganz für die entscheide.
aber ich kriege es einfach nicht hin, auch wenn es mich innerlich kaputt macht.

ich habe vor 5jahren durch diese art, nach fast 2jahren hin und her, meine ganz große liebe verloren. das war der mann meines lebens.
diese erfahrung hat mich gebrochen (naja gebrochen hat mich meine mutter und mein längjähriger freund) und es dauerte 3jahre bis ich wieder jemanden in mein herz ließ. habe ihm versucht von anfang an zu sagen, dass ich in einigen punkten probleme habe. ich habe sogar gesagt, dass ich nicht in der lage bin etwas einzugehen, aber es kam wie es kommen musste und wir haben uns verliebt.
kaum waren meine gefühle stark genug, zog sich wieder die mauer bei mir hoch. das hin und her ging dann 1 1/2jahre. beendet hat er die sache dieses jahr im september. vor zwei wochen schrieb er mir, dass er mich liebt.
aber anstatt mich zu freuen wurde mir fast schlecht. mir war nach weinen zumute und die ängste kamen mit einem schlag wieder hoch.
ich reagierte dementsprechend abweisend und jetzt ist der kontakt ganz hin.

und so ist das immer wieder. mich macht das einfach nur noch fertig und die männer, die betroffen sind, auch.
ich kann in soclhen momenten nicht mehr normal denken. habe einen tunnelblick und versuche in erster linie, auf teufel komm raus, nicht verletzbar zu sein.
sobald es um gefühle, vertrauen etc. geht, setzt bei mir der fluchtmodus ein.
und das meine ich so.
mein therapeut sagte, dass wir das aus der steinzeit haben.
damals, bei gefahr, musste man irgendwie agieren. entweder kämpfen oder fliehen.
heutzutage haben wir all diese gefahren nicht mehr. wir kämpfen nicht gegen tiger etc.
aber der körper hat noch diesen modus drin. bei gefahr etwas tun. das herz rast schneller etc.
und so ist das bei mir. für mich ist es direkt eine gefahr, wenn mich jemand mag und ich jemanden mag. ich kriege angst und meine flucht ist der abstand oder gar der kontaktabbruch.
da ich die andere person aber eigentlich mag, bringt mich dieser konflikt um den verstand.
ihr könnt euch das so vorstellen:
ich sage eine verabredung ab, bin erleichtert, 10minuten später "heule" ich rum, dass ich mal wieder so doof war.

und ich weiß nicht was ich tun kann. natürlich gehe ich zur therapie. mittlerweile die 15te stunde.
aber in meinem leben gab es so viele faktoren, dass wir diesen teil erst seit 2std aufarbeiten.

ich bin einfach verzweifet und frage mich, ob das jemals wieder gut wird.
ich mache mir damit alles kaputt und anderen tue ich auch weh.

bei freunden bin ich nicht ganz so mißtrauisch. aber auch da kann ich von jetzt auf gleich umschalten und dann ist die mauer wieder oben.

diese ängste verändern mich auch sehr. damals war ich noch total lebenslustig. immer am grinsen, gerne mit menschen unterwegs etc.
und heute bin ich eher kühl. habe zwar auch noch oft gute laune, aber
ich bin auch oft zynisch. meine einstellung zu vielen dingen hat sich geändert.
ich wirke unnahbar und desinteressiert. dabei sieht es innerlich ganz anders in mir aus.
und ich will diese mauer die sich aufgebaut hat endlich wegkriegen.

ohje, bitte enschuldigt, dass ich so viel geschrieben habe. aber heute ist wirklich so ein tag, an dem ich das gefühl habe zu platzen.
es ist für menschen, die das nicht kennen, auch ganz schwer nachzuvollziehen.
ich selber habe damals einen freund für bekloppt erklärt, als er sagte,
dass er zwar liebt, aber erleichtert ist, wenn er dann mal wieder flieht.
das waren für mich ausreden.
wenn ich liebe, dann will ich diesen menschen doch bei mir haben.
dann ist dieser mensch mein glück, meine bereicherung.
so sollte es sein.
ich will lieben. besser gesagt, ich will liebe ausdrücken, zeigen, leben können.
ich kann aber nicht. ich kann einfach nicht.

es würde mich freuen, wenn ihr mir vllt eure sicht mitteilen könntet.
oder wenn ich vllt sogar selber erfahrungen einbringen könnt.
vllt kann mir ja auch jemand, der selber mit sowas leben musste, einen
hoffnungsschimmer geben, dass es mal vergeht.

ich möchte mich doch einfach nur mal fallen lassen können...

danke für eure geduld beim lesen.

19.11.2011 17:18 • 15.10.2013 x 1 #1


5 Antworten ↓


Maria38


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Hallo kolin!!

Ich kann das alles ziemlich gut verstehen,ich denke das kann auch wirklich nur jemand der das alles selbst erlebt!!

Ich habe dieses Problem auch schon etwas länger aber war immer der Meinung das ich das irgendwie,irgendwann in den Griff bekomme!!
Ich habe eine langjährige Beziehung hinter mir aber da hatte ich das Problem nicht,weil er und ich irgendwie gleich waren wir suchten beide nicht so nach Nähe usw

Das Problem fing an als ich meinen letzten Partner kennenlernte anfangs war auch alles gut
Er ist ein total netter Mann eigentlich einer den sich jede Frau wünschen würde,lieb,nett ,verständlich und fürsorglich !!
Er und ich wohnten etwas weit entfernt voneinander so sahen wir uns natürlich nur meist Wochenends
Ich freute mich immer zu ihm zu fahrn und er gab einem sehr viel Liebe und Nähe ,für mich war dieses Gefühl aber unangenehm ,und wenn ich länger als 4 Tage bei ihm war,änderte sich meine Stimmung ganz plötzlich und ich fing mit Ausreden an das ich unbedingt heim muss usw das ging in den 2Jahren aber dauernd so ich beendete es und dann wollte ich doch nicht ohneihn sinn,ich erklärte ihm sogar das ich nicht weiter mit ihm zusammen sein kann weil ich ihm immer nur weh tu und irgendwas mit mir nicht stimmt,er sagte immer nein wir bekommen das schon in den Griff du brauchst einfach nur Zeit ,aber so war es nicht ,er tat mir total leid weil er das immer und immer wieder mitmachen musste,oft meldete ich mich 14 Tage nicht mehr ,aber er hatte dafür immer Verständnis!!
Es war sogar so heftig das ich dauernd nach Gründen suchte um mich nicht mit ihm treffen zu müssen und ich gab ihn oftmals die Schuld an allem das er der Grund war
Und nach Tagen oder Wochen tat mir alles so leid und ich weinte nur was ich mit ihm mache,weil ich das gar nicht will aber ich kann einfach nicht anders!!
Und dann hab ich die Beziehung beendet mit den Worten das es mit uns nicht geht und ich ihm immer nur immer weh tun würde !!
Aber dadurch geht es mir heute auch nicht besser!!!

Liebe Grüsse und alles Gute für Dich

09.02.2012 12:43 • #2


zelot


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Hallo kolin77,
bei mir war es zwar nicht so ausgeprägt wie bei dir, aber im Ergebnis habe ich auch immer meine Partnerinnen in die Wüste geschickt. Bei mir war es nicht unbedingt die Nähe, sondern sobald Probleme in der Beziehung erkennbar wurden. Also für mich erkennbar nicht wirklich real, nur in meinem Kopf. Sei es das ich dachte sie liebt mich nicht mehr, oder die Mutter/Vater meiner Partnerin mag mich nicht egal. Alles total daneben. Bin auch seit einigen Wochen in Therapie und bei mir liegt die Ursache wahrscheinlich im frühen Tot meines Vaters begründet. Also totale Verlassensangst und dadurch "verkürze" ich mein "Leiden" durch Handeln, auch wenn ich damit meistens schlecht klar kam. Naja eine wirkliche Hilfe ist es dir wahrscheinlich nicht aber mir persönlich geht es schon besser, dadurch das ich überhaupt so ungefähr weiß was mit mir los ist. Kann mich dann öfter damit beruhigen wenn es bei mir losgeht, dass es eben kein wirkliches Problem gibt, sondern eben nur in meiner Fantasie. Außerdem bin ich auch noch sehr eifersüchtig, du auch? Wäre auch ein Thema für deinen Therapeuten hängt vielleicht alles zusammen.
Alles Liebe
zelot

09.02.2012 22:24 • #3


Berit1992


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Hallo kolin77,

ich habe mich in deinem Text so oft wiedergefunden, dass ich fast darüber erschrocken bin. Ich kenne so vieles, von dem was du geschildert hast, z.B. "vor zwei wochen schrieb er mir, dass er mich liebt.
aber anstatt mich zu freuen wurde mir fast schlecht. mir war nach weinen zumute und die ängste kamen mit einem schlag wieder hoch.
ich reagierte dementsprechend abweisend"
Mir ist gestern etwas Ähnliches passiert. Nur mit dem Unterschied, dass mir nicht nur fast schlecht wurde, sondern richtig schlecht. Seitdem ist mir übel und ich konnte heute fast nichts essen, weil ich solche Angst davor habe, dass sich eine Beziehung entwickeln könnte. Ich habe auch geweint und bin total durcheinander. Ob es bei mir auch die Angst sein könnte, verletzt zu werden, weiß ich nicht, aber ich wollte dir nur sagen, dass du mit diesem Problem nicht alleine bist. Aber ich finde es gut, dass du in der Therapie schon soweit bist, dass du die Ursache deiner Angst kennst.

Liebe Grüße und alles Gute,

Berit

Noch eine Frage an alle hier: Kann man diese Beziehungsangst "heilen", d.h. sie durch Therapie ganz verschwinden lassen? Wie hoch sind die Chancen?

25.02.2012 17:35 • #4


Eliris


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Hallo Kolin77,

ich sehe, Dein Beitrag ist schon 2 Jahre alt. trotzdem möchte ich Dir antworten, hoffe, in Deiner Therapie bist Du vielleicht schon genau so weit gekommen.
Dein Verhalten hängt mit früheren Verletzungen zusammen, die Dir nicht bekannt sind und die du daher nicht aufarbeiten kannst. Ich kenne dieses Verhaltensmuster, ehe mir jemand weh tun kann, mache ich lieber dicht und geb Fersengeld. Am besten noch sehr garstig sein, damit er auch ja nicht hinterher kommt.

Verlassenängste, Angst vor Einsamkeit, in der Liebe zurückgestoßen werden. All das ist gelernte Angst aus der Kindheit. Man hasst sich dafür, weiter bringt einen aber nur, diese Verletzungen anzunehmen und als Teil Deines Selbst zu akzeptieren. Du bist nicht schuld und deine Ängste gehören zu Dir. Sobald Du sie akzeptierst, passiert was unglaubliches, sie werden kleiner und kleiner, irgendwann verschwinden sie. Diese Erfahrung mache ich - leider erst - mit 54 Jahren. Gleichzeitig scheint meine ausgeprägte Höhenangst zu verschwinden, verblüffend.

Ich wünsche Dir alles gute und eine angstfreie Zukunft in der Liebe.

Antwort an Berit, ja, das ist therapierbar. Bei mir waren es Selbstaufstellungen (im Rahmen von Systemaufstellungen). Hier fühlen sich Leute zu Hause, denen Psychotherapien nicht zusagen. Es wird weniger auf Dich fokussiert als psychisch gestörtem Menschen, sondern hier wird eher gesucht nach Wechselwirkungen innerhalb bestimmter Beziehungen mit Aufstellungen des Selbst und Deiner eigenen Person. Funktioniert. Auch wie in meinem Fall mit uralten Ängsten.

22.09.2013 21:24 • #5


TintenKuss


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Hallo Kolin77,
wie schon erwähnt wurde ist dein Beitrag schon einige Zeit her.Ich hoffe dir geht es heute besser
und du hast geschafft an deiner Angst zu arbeiten.
Ich fand mich sehr in deinem Geschilderten wieder und wollte mal unterstreichen
dass du nicht unverstanden/alleine damit bist.

Die frage ob diese Bindungs/Beziehungs/Gelernte Angst aus der Kindheit/Verlassenangst ,
oder besser die "Angst etwas an sich hernzulassen" heilbar ist, habe ich mir ebenfalls oftmals gestellt
und bin zu dem Entschluss gekommen dass man sich einzig und allein selbst dabei "therapieren" kann,
indem man fokussiert versucht sich auch mal nicht so zu verhalten wie es uns Betroffene unsere Intuition im
Falle des Falles vorschreibt. Ich denke der Beitrag über mir enthält schon soweit alles was ich dir dazu
schreiben könnte. Ich wünsche dir alles Gute ! Gib niemals auf an dem zu arbeiten was dich blockiert.

15.10.2013 04:39 • #6



Dr. Reinhard Pichler


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