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Sunshine0800
Mitglied

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Hallo zusammen,

ich wende mich an dieses Forum, weil ich mich aktuell innerlich völlig verloren fühle und hoffe, dass jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

Ich bin seit über 2 Jahren in psychoanalytischer Therapie. Seitdem habe ich mich zunehmend sozial zurückgezogen, bin sehr stark nach innen gegangen und habe immer mehr den Kontakt zu mir selbst verloren. Früher hatte ich trotz Probleme ein Gefühl von „ich bin ich“ – heute fühlt sich meine Identität instabil, fremd oder wie ausgelöscht an.

Was mich aktuell extrem belastet:
Ich habe plötzlich aufdrängende Gedanken, ob ich „eigentlich ein Junge sein könnte“.
Diese Gedanken fühlen sich nicht wie ein Wunsch, sondern wie eine massive Angst an. Sie kamen sehr plötzlich, haben mich komplett destabilisiert und lösen Panik, Selbsthass und Identitätszweifel aus. Ich erkenne mich zeitweise nicht mehr im Spiegel, mein Name fühlt sich fremd an, als hätte ich keinen inneren Kern mehr.

Wichtig:
Ich hatte vorher nie Geschlechtsdysphorie, nie Zweifel an meinem Geschlecht, nie den Wunsch, jemand anderes zu sein. Genau deshalb machen mir diese Gedanken so große Angst.

Zusätzlich habe ich:

starken inneren Rückzug seit der Analyse
kaum noch Zugang zu positiven Gefühlen
das Gefühl, „zeranalysiert“ zu sein
Angst, meine Identität verloren zu haben
große Probleme mit Alleinsein


Meine Fragen:

Hat jemand erlebt, dass Psychoanalyse zu Identitätsauflösung, Rückzug oder Entfremdung geführt hat?
Kennt jemand intrusive Identitätsgedanken (z. B. „bin ich jemand anderes?“), die sich extrem real anfühlen, aber angstgetrieben sind?
Hat jemand nach einem Therapie‑Wechsel (z. B. Schema‑ oder Verhaltenstherapie) wieder zu sich zurückgefunden?
Wie kommt man wieder ins Spüren, ins Leben, ins Selbst zurück?


Ich suche keinen schnellen Rat, sondern Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben.
Danke fürs Lesen.

02.01.2026 #1


5 Antworten ↓


S
Ich mache seit über 2 Jahren Psychoanalyse, aber ich habe das Gefühl, dass es mir immer schlechter geht. Während dieser Zeit habe ich zunehmend meine Identität verloren, fühle mich innerlich fremd, leer und entfremdet, erkenne mich im Spiegel kaum noch. Besonders nach einem Traum, in dem ich dachte, ich wäre ein Junge, habe ich starke Angst- und Selbstzweifelsgedanken, die mich extrem verunsichern. Seitdem zweifle ich an mir selbst und habe negative Gedanken gegen mich.

Während der Psychoanalyse habe ich zusätzlich Fluvoxamin für 11 Tage eingenommen. Anfangs fühlte ich mich klarer und etwas stabiler, dann bekam ich starke Zwangsgedanken, suizidale Gedanken, Depersonalisation und das Gefühl, mein inneres Ich zu verlieren. Es fühlte sich fremd, fast „wie ein anderer Mensch zu sein“, an. Daraufhin habe ich das Medikament abgesetzt, aber die Verwirrung, Angst und Identitätsprobleme bestehen weiterhin.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich mein inneres Kind fast immer als Jungen deute, was mir mein Therapeut als ungewöhnlich erklärte. Dieser Anteil ist lebendig, wild und impulsiv, zeigt viel Energie und Aufgeregtheit, gleichzeitig löst er Angst und Unsicherheit aus, weil er so stark von meinem äußeren Ich abweicht.

Ich bin sehr sensibel für Hormone, meine Zyklusphase verstärkt Symptome, ich habe Schwierigkeiten, alleine zu sein, und fühle mich schnell überwältigt von meinen Gefühlen. Ich habe das Gefühl, dass mein inneres System zwischen Extremen schwankt, was Zwangsgedanken, starke Stimmungsschwankungen und depressive Episoden auslöst.

Ich suche Unterstützung bei der Stabilisierung meiner Emotionen, Identität und Zwangsgedanken, und möchte wissen, welche Therapieansätze und Medikamente realistisch helfen könnten, da Psychoanalyse und Fluvoxamin bei mir bisher nicht die gewünschte Stabilität gebracht haben.

#2


A


Nach 2 Jahren Psychoanalyse massiver Identitätsverlust

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Darkshadow
Hallo Sunshine0800,

ich habe schon häufiger gehört, dass Patienten in/nach einer psychoanalytischen Therapie Probleme bekommen haben.

Zunächst zu dem anderen Thema: Ich kann nur sagen, dass ich es nicht ungewöhnlich finde, dass man als Frau auch männliche Anteile in sich trägt und umgekehrt. Ob noch mehr dahintersteckt, kannst natürlich nur du wissen. Ich kann nur sagen, dass ich (weiblich) auch männliche Anteile in mir habe, auch jüngere. Bei mir bedeutet es aber nicht mehr als das. Und von vielen Mitpatienten kenne ich das auch.
Wie gesagt, natürlich kann es sein, dass da noch mehr hintersteckt, aber für den Moment würde ich mir da keine allzu großen Gedanken machen, das ist mMn alles andere als ungewöhnlich.

Aber zurück zur Psychoanalyse:
Ich kenne tatsächlich einige Patienten, die sich in der Psychoanalyse völlig verloren haben und massive Probleme bekommen haben. In der Klinik habe ich mehrere Mitpatienten kennengelernt, denen das passiert ist. Einige von denen haben ganz deutlich gesagt, dass sie Analyse für alles andere als hilfreich halten. Die Erfahrungen dieser Patienten waren teilweise so extrem, dass ich für mich beschlossen habe, keine Analyse zu machen, obwohl ich schon seit sehr langer Zeit in Therapie bin, sowohl tiefenpsychologisch fundierte Therapie als auch Verhaltenstherapie gemacht habe und somit Analyse eigentlich die nächste logische Wahl wäre, aber da ich jetzt schon mehrfach von solchen Erfahrungen gehört habe, lasse ich lieber die Finger davon.
Zu deiner Frage: Diese Patienten haben auf Verhaltenstherapie gewechselt und sich dadurch recht schnell stabilisiert. Auch ein Wechsel auf Tiefenpsychologie war kein Problem.
(Ich persönlich habe von Tiefen- auf Verhaltenstherapie gewechselt.)

Ich glaube, dass es schon einen Grund dafür gibt, dass sich in der heutigen Zeit nur so wenige Psychotherapeuten dazu entscheiden, heute noch Analytiker zu werden und sich stattdessen entweder für Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie entscheiden, obwohl die Krankenkassen für Psychoanalyse deutlich mehr Stunden genehmigen als für die anderen Therapieformen.
Es scheint, als wären die anderen Therapieformen eher an neuere Erkenntnisse und Entwicklungen in der Psychologie angepasst als die Analyse, die zwar der Ursprung der Psychotherapie ist, aber vielleicht hier und da etwas in die Jahre gekommen ist (das ist aber nur eine Vermutung).

Ich denke, dass es auch einiges damit zu tun haben könnte, dass der Therapeut in der analytischen Therapie ja sehr zurückgenommen ist, wenig in Erscheinung tritt und der Patient deutlich mehr sich selbst überlassen wird mit seinen Gedanken als in den anderen Therapieformen, in denen der Therapeut einfach „sichtbarer“ ist und dadurch mehr Sicherheit vermittelt.

Deine Erfahrungen sind also alles andere als ungewöhnlich. Viele Patienten haben mit Analyse solche schlechten Erfahrungen gemacht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dir ein Wechsel auf eine andere Therapieform durchaus helfen könnte, wieder stabiler zu werden.

Persönlich denke ich eh, dass es durchaus sinnvoll sein kann, die Therapieform mal zu wechseln. Aus persönlicher Erfahrung und den Erfahrungen vieler Mitpatienten denke ich inzwischen, dass eine Mischung aus Verhaltens- und tiefenpsychologisch fundierter Therapie eine gute Kombination ist, die einem sowohl tiefe Erkenntnisse in die eigene Psyche als auch konkrete Hilfen für das alltägliche Leben und die Zukunft bringt.

Alles Gute ! LG

x 3 #3


S
@darkshadow
Ich bin verheiratet, habe ein Kind und muss funktionieren, aber innerlich bin ich gerade völlig am Ende. Seit einiger Zeit habe ich extrem belastende Gedanken, dass ich vielleicht ein Mann sein könnte. Diese Gedanken machen mich so fertig, dass ich suizidale Gedanken bekomme, mich selbst nicht mehr erkenne und mich regelrecht hasse. Das ist für mich unfassbar, weil ich das in 25 Jahren noch nie hatte. Ich hatte nie das Gefühl, im falschen Körper zu sein. Ja, ich habe als Kind gern mit Autos gespielt und war eher wild, aber ich habe mich immer als Frau erlebt. Umso schlimmer ist es jetzt, dass dieser Gedanke plötzlich so massiv da ist und alles zerstört, was ich über mich zu wissen glaubte.

Ich weiß nicht was ich machen soll weil ich alles in Frage stelle.. ich habe sogar suizidale Gedanken entwickelt… durch diese Situation

#4


Abendschein
Zitat von Sunshine0800:
durch diese Situation

Deine Gedanken, die sich in Deinem Kopf abspielen, warum? Bist Du nicht ausgelastet, mit Deinem Kind und Deinem Mann? Warum hast Du aufeinmal die Gedanken? Ich habe auch als Kind mit Autos gespielt und viele Freunde gehabt, die Jungens waren. Aber Du hast ein Kind bekommen, noch mehr Frau geht doch nicht. Was steckt wirklich dahinter?

#5


S
@Abendschein Ich weiß es ehrlicherweise nicht… ich habe mit der Einnahme von Fluvoxamin gestartet mein Psychoanalytiker meinte es wäre gut für Zwänge und Zwangsgedanken..
Dann habe ich eines Morgens geträumt, und den Angstgedanken entwickelt was ist wenn du ein Mann sein willst.. ich ging mit dem Gedanken in die Stunde und mein Analytiker meinte ja vielleicht sind sie Trans oder Non Binary, weil ich auch sagte mein inneres Kind ist ein Junge.. seit dem bin ich mir so unsicher es ist als hätte ich meine komplette Identität verloren…
Habe das Medikament auch direkt abgesetzt aber der Gedanke gedrückt mich so sehr…

#6





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