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Sunshine0800
Mitglied

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Hallo zusammen,

ich wende mich an dieses Forum, weil ich mich aktuell innerlich völlig verloren fühle und hoffe, dass jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

Ich bin seit über 2 Jahren in psychoanalytischer Therapie. Seitdem habe ich mich zunehmend sozial zurückgezogen, bin sehr stark nach innen gegangen und habe immer mehr den Kontakt zu mir selbst verloren. Früher hatte ich trotz Probleme ein Gefühl von „ich bin ich“ – heute fühlt sich meine Identität instabil, fremd oder wie ausgelöscht an.

Was mich aktuell extrem belastet:
Ich habe plötzlich aufdrängende Gedanken, ob ich „eigentlich ein Junge sein könnte“.
Diese Gedanken fühlen sich nicht wie ein Wunsch, sondern wie eine massive Angst an. Sie kamen sehr plötzlich, haben mich komplett destabilisiert und lösen Panik, Selbsthass und Identitätszweifel aus. Ich erkenne mich zeitweise nicht mehr im Spiegel, mein Name fühlt sich fremd an, als hätte ich keinen inneren Kern mehr.

Wichtig:
Ich hatte vorher nie Geschlechtsdysphorie, nie Zweifel an meinem Geschlecht, nie den Wunsch, jemand anderes zu sein. Genau deshalb machen mir diese Gedanken so große Angst.

Zusätzlich habe ich:

starken inneren Rückzug seit der Analyse
kaum noch Zugang zu positiven Gefühlen
das Gefühl, „zeranalysiert“ zu sein
Angst, meine Identität verloren zu haben
große Probleme mit Alleinsein


Meine Fragen:

Hat jemand erlebt, dass Psychoanalyse zu Identitätsauflösung, Rückzug oder Entfremdung geführt hat?
Kennt jemand intrusive Identitätsgedanken (z. B. „bin ich jemand anderes?“), die sich extrem real anfühlen, aber angstgetrieben sind?
Hat jemand nach einem Therapie‑Wechsel (z. B. Schema‑ oder Verhaltenstherapie) wieder zu sich zurückgefunden?
Wie kommt man wieder ins Spüren, ins Leben, ins Selbst zurück?


Ich suche keinen schnellen Rat, sondern Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben.
Danke fürs Lesen.

25.01.2026 #1


59 Antworten ↓


S
Ich mache seit über 2 Jahren Psychoanalyse, aber ich habe das Gefühl, dass es mir immer schlechter geht. Während dieser Zeit habe ich zunehmend meine Identität verloren, fühle mich innerlich fremd, leer und entfremdet, erkenne mich im Spiegel kaum noch. Besonders nach einem Traum, in dem ich dachte, ich wäre ein Junge, habe ich starke Angst- und Selbstzweifelsgedanken, die mich extrem verunsichern. Seitdem zweifle ich an mir selbst und habe negative Gedanken gegen mich.

Während der Psychoanalyse habe ich zusätzlich Fluvoxamin für 11 Tage eingenommen. Anfangs fühlte ich mich klarer und etwas stabiler, dann bekam ich starke Zwangsgedanken, suizidale Gedanken, Depersonalisation und das Gefühl, mein inneres Ich zu verlieren. Es fühlte sich fremd, fast „wie ein anderer Mensch zu sein“, an. Daraufhin habe ich das Medikament abgesetzt, aber die Verwirrung, Angst und Identitätsprobleme bestehen weiterhin.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich mein inneres Kind fast immer als Jungen deute, was mir mein Therapeut als ungewöhnlich erklärte. Dieser Anteil ist lebendig, wild und impulsiv, zeigt viel Energie und Aufgeregtheit, gleichzeitig löst er Angst und Unsicherheit aus, weil er so stark von meinem äußeren Ich abweicht.

Ich bin sehr sensibel für Hormone, meine Zyklusphase verstärkt Symptome, ich habe Schwierigkeiten, alleine zu sein, und fühle mich schnell überwältigt von meinen Gefühlen. Ich habe das Gefühl, dass mein inneres System zwischen Extremen schwankt, was Zwangsgedanken, starke Stimmungsschwankungen und depressive Episoden auslöst.

Ich suche Unterstützung bei der Stabilisierung meiner Emotionen, Identität und Zwangsgedanken, und möchte wissen, welche Therapieansätze und Medikamente realistisch helfen könnten, da Psychoanalyse und Fluvoxamin bei mir bisher nicht die gewünschte Stabilität gebracht haben.

#2


A


Nach 2 Jahren Psychoanalyse massiver Identitätsverlust

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Darkshadow
Hallo Sunshine0800,

ich habe schon häufiger gehört, dass Patienten in/nach einer psychoanalytischen Therapie Probleme bekommen haben.

Zunächst zu dem anderen Thema: Ich kann nur sagen, dass ich es nicht ungewöhnlich finde, dass man als Frau auch männliche Anteile in sich trägt und umgekehrt. Ob noch mehr dahintersteckt, kannst natürlich nur du wissen. Ich kann nur sagen, dass ich (weiblich) auch männliche Anteile in mir habe, auch jüngere. Bei mir bedeutet es aber nicht mehr als das. Und von vielen Mitpatienten kenne ich das auch.
Wie gesagt, natürlich kann es sein, dass da noch mehr hintersteckt, aber für den Moment würde ich mir da keine allzu großen Gedanken machen, das ist mMn alles andere als ungewöhnlich.

Aber zurück zur Psychoanalyse:
Ich kenne tatsächlich einige Patienten, die sich in der Psychoanalyse völlig verloren haben und massive Probleme bekommen haben. In der Klinik habe ich mehrere Mitpatienten kennengelernt, denen das passiert ist. Einige von denen haben ganz deutlich gesagt, dass sie Analyse für alles andere als hilfreich halten. Die Erfahrungen dieser Patienten waren teilweise so extrem, dass ich für mich beschlossen habe, keine Analyse zu machen, obwohl ich schon seit sehr langer Zeit in Therapie bin, sowohl tiefenpsychologisch fundierte Therapie als auch Verhaltenstherapie gemacht habe und somit Analyse eigentlich die nächste logische Wahl wäre, aber da ich jetzt schon mehrfach von solchen Erfahrungen gehört habe, lasse ich lieber die Finger davon.
Zu deiner Frage: Diese Patienten haben auf Verhaltenstherapie gewechselt und sich dadurch recht schnell stabilisiert. Auch ein Wechsel auf Tiefenpsychologie war kein Problem.
(Ich persönlich habe von Tiefen- auf Verhaltenstherapie gewechselt.)

Ich glaube, dass es schon einen Grund dafür gibt, dass sich in der heutigen Zeit nur so wenige Psychotherapeuten dazu entscheiden, heute noch Analytiker zu werden und sich stattdessen entweder für Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie entscheiden, obwohl die Krankenkassen für Psychoanalyse deutlich mehr Stunden genehmigen als für die anderen Therapieformen.
Es scheint, als wären die anderen Therapieformen eher an neuere Erkenntnisse und Entwicklungen in der Psychologie angepasst als die Analyse, die zwar der Ursprung der Psychotherapie ist, aber vielleicht hier und da etwas in die Jahre gekommen ist (das ist aber nur eine Vermutung).

Ich denke, dass es auch einiges damit zu tun haben könnte, dass der Therapeut in der analytischen Therapie ja sehr zurückgenommen ist, wenig in Erscheinung tritt und der Patient deutlich mehr sich selbst überlassen wird mit seinen Gedanken als in den anderen Therapieformen, in denen der Therapeut einfach „sichtbarer“ ist und dadurch mehr Sicherheit vermittelt.

Deine Erfahrungen sind also alles andere als ungewöhnlich. Viele Patienten haben mit Analyse solche schlechten Erfahrungen gemacht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dir ein Wechsel auf eine andere Therapieform durchaus helfen könnte, wieder stabiler zu werden.

Persönlich denke ich eh, dass es durchaus sinnvoll sein kann, die Therapieform mal zu wechseln. Aus persönlicher Erfahrung und den Erfahrungen vieler Mitpatienten denke ich inzwischen, dass eine Mischung aus Verhaltens- und tiefenpsychologisch fundierter Therapie eine gute Kombination ist, die einem sowohl tiefe Erkenntnisse in die eigene Psyche als auch konkrete Hilfen für das alltägliche Leben und die Zukunft bringt.

Alles Gute 🍀! LG

x 9 #3


S
@darkshadow
Ich bin verheiratet, habe ein Kind und muss funktionieren, aber innerlich bin ich gerade völlig am Ende. Seit einiger Zeit habe ich extrem belastende Gedanken, dass ich vielleicht ein Mann sein könnte. Diese Gedanken machen mich so fertig, dass ich suizidale Gedanken bekomme, mich selbst nicht mehr erkenne und mich regelrecht hasse. Das ist für mich unfassbar, weil ich das in 25 Jahren noch nie hatte. Ich hatte nie das Gefühl, im falschen Körper zu sein. Ja, ich habe als Kind gern mit Autos gespielt und war eher wild, aber ich habe mich immer als Frau erlebt. Umso schlimmer ist es jetzt, dass dieser Gedanke plötzlich so massiv da ist und alles zerstört, was ich über mich zu wissen glaubte.

Ich weiß nicht was ich machen soll weil ich alles in Frage stelle.. ich habe sogar suizidale Gedanken entwickelt… durch diese Situation

x 1 #4


Abendschein
Zitat von Sunshine0800:
durch diese Situation

Deine Gedanken, die sich in Deinem Kopf abspielen, warum? Bist Du nicht ausgelastet, mit Deinem Kind und Deinem Mann? Warum hast Du aufeinmal die Gedanken? Ich habe auch als Kind mit Autos gespielt und viele Freunde gehabt, die Jungens waren. Aber Du hast ein Kind bekommen, noch mehr Frau geht doch nicht. Was steckt wirklich dahinter?

#5


S
@Abendschein Ich weiß es ehrlicherweise nicht… ich habe mit der Einnahme von Fluvoxamin gestartet mein Psychoanalytiker meinte es wäre gut für Zwänge und Zwangsgedanken..
Dann habe ich eines Morgens geträumt, und den Angstgedanken entwickelt was ist wenn du ein Mann sein willst.. ich ging mit dem Gedanken in die Stunde und mein Analytiker meinte ja vielleicht sind sie Trans oder Non Binary, weil ich auch sagte mein inneres Kind ist ein Junge.. seit dem bin ich mir so unsicher es ist als hätte ich meine komplette Identität verloren…
Habe das Medikament auch direkt abgesetzt aber der Gedanke gedrückt mich so sehr…

x 1 #6


Darkshadow
Ich glaube, dass du insgesamt gerade sehr unter Druck stehst und deine allgemeine Verzweiflung mit dem Leben insgesamt ein Ausmaß angenommen hat, das meiner Meinung nach intensivere Unterstützung notwendig macht, als du gerade bekommst.

Ich persönlich glaube nicht, dass deine analytische Therapie alleine dir gerade genug Halt gibt. Ich glaube, dass deine Psyche verzweifelt nach Lösungen sucht für all deine Probleme im Leben insgesamt, aber keine Lösungen findet und somit nach einem Ventil für den Druck sucht, der sich innerlich aufgebaut hat. Ich könnte mir daher vorstellen, dass deine Gedanken um das Non-binär/Trans-Thema ein Symptom deiner aktuellen Überforderung sind und vielleicht nicht unbedingt die Ursache deiner aktuellen Verzweiflung (das erkläre ich weiter unten noch genauer). Wie gesagt: nur eine Theorie.

Ich glaube, dass es dir vielleicht helfen könnte, dir in deiner aktuellen Situation andere Hilfe zu holen, als du aktuell hast.
Darunter wären unter anderm ein Wechsel der Therapieform, vielleicht sogar ein Klinik-Aufenthalt, wenn die lebensmüden Gedanken nicht nachlassen.

Ich würde mir für dich wünschen, dass du mit deinem Hausarzt über deine aktuelle Verfassung sprichst, damit dieser entscheiden kann, ob du vielleicht für den Moment eine kurze Auszeit von deinem aktuellen Alltag benötigst. Das kann, je nach Schwere, ein kürzerer oder längerer Klinikaufenthalt oder eine Kur sein, damit du einfach mal zur Ruhe kommen kannst und das Hamsterrad, in dem du gerade festzustecken scheinst, einfach mal verlassen kannst.
Dein Hausarzt kann dir auch ambulante Hilfen besorgen, die dir Entlastung im Alltag bringen könnten, z.B. ambulante psychiatrische Pflege.
Du wirkst auf mich sehr erschöpft und verzweifelt, und da kann es manchmal wirklich helfen, Hilfe anzunehmen und eine Auszeit vom Alltag zu nehmen (mit therapeutischer Hilfe), bevor du vielleicht unter all dem Stress irgendwann ganz zusammenklappst.
Sprich‘ mit dem Arzt, der dich am besten kennt. Bei mir war es damals der Hausarzt, der erkannt hat, dass ich psychisch schon zusammengebrochen war und darum die Klinik empfohlen hat.

Hier nun paar Gedanken zu deinem Konflikt an sich:

Erstmal vorweg: Natürlich kann es sein, dass du non-binär oder trans bist, und wenn es so wäre, wäre das ja auch kein Weltuntergang. Es kann aber auch sein, dass da gerade ein Zwangsgedanke für Unruhe sorgt, dass du einen ganz anderen ungelösten Konflikt in dir hast, der sich ein Ventil sucht.

Das ist ja mit Zwangsgedanken so: Ganz oft überlagern diese ein ganz anderes Problem, für welches man sich vielleicht schämt oder welches man sich nicht eingestehen mag. Vielleicht bist du unzufrieden mit deinem Leben, vielleicht bist du unglücklich mit deiner Partnerschaft oder deiner Rolle als Mutter, all das sind Möglichkeiten. Dann gerät die Psyche unter Druck, in diesem Beispiel vielleicht durch den Gedanken: Aber als Mutter muss ich doch glücklich sein, ich darf mir nicht eingestehen, dass es nicht so ist. (Wie gesagt: nur ein Beispiel.) Dieser psychische Druck muss sich irgendwie abbauen, und dann kann ein Zwangsgedanke als Ventil auftauchen. Unzufrieden mit dem Leben allgemein, mit dem Job, mit der Partnerschaft...all das kann die Psyche unter einen solchen Druck setzen, dass ein Zwangsgedanke als Ventil zur Kompensation auftaucht.

Wie gesagt: Beides ist möglich, ich sage nicht, dass es sich um einen solchen Zwangsgedanken handelt, ich sage nur, dass das auch eine Möglichkeit ist.

Was jetzt nochmal das Thema „non-binär, trans“ angeht:

Tatsächlich ist es so, dass ich in den letzten Jahren recht viele Mitpatienten kennengelernt habe, die solche Gedanken hatten. Bei vielen Patienten hat sich da nichts weiter draus entwickelt, ein paar Monate später war das dann kein Thema mehr. Von all diesen vielen Mitpatienten hat nur eine Patientin tatsächlich eine Umwandlung gemacht.

Ich bin jetzt seit ein paar Jahren selber in der Community aktiv.
Da dazuzugehören ist wirklich nicht das Ende der Welt, dort findest du ganz viele ganz supertolle Menschen.

Da du bislang allerdings noch nie solche Gedanken hattest, würde ich aber wirklich noch mal ganz genau in mich hineinspüren, ob da nicht ein anderer Konflikt aktiv ist, der durch diesen Gedanken kompensiert werden soll.

Wenn tatsächlich der hauptsächliche Anlass war, dass du dein inneres Kind als Jungen gesehen hast, würde ich das relativieren.

Denn wie schon gesagt: Es ist völlig normal, dass man als Frau auch männliche innere Anteile, innere Kindanteile und Facetten hat.
Es ist völlig normal, dass man beides in sich vereint und beides irgendwie vertreten ist.

Vielleicht warst du bislang auch einfach gezwungen, immer sehr weiblich aufzutreten, vielleicht sogar auch schon als Kind, und vielleicht möchtest du jetzt einfach deine männlicheren Seiten einfach etwas mehr ausleben. Und das ist doch total ok!

Das Thema Identitätsverlust ist auch eine Sache, mit der viele Patienten Probleme haben. Gerade dann, wenn man das Gefühl hat, im Leben nur funktionieren zu müssen und in den ganzen Anforderungen des täglichen Lebens irgendwie unterzugehen. Gerade von Eltern habe ich das oft gehört.

Ich glaube, es könnte dir vielleicht helfen, einmal ganz genau zu überlegen, was dir in deinem Leben aktuell gerade fehlt. Hast du Freiräume, in denen du auch mal ausspannen kannst, in denen du Hobbys nachgehen kannst und dich mit Dingen beschäftigen kannst, die dich persönlich interessieren? Und falls nicht, wie kannst du dir diese Räume schaffen? Mutter sein ist wichtig, aber dazu gehört auch, dass du auf dich achtest und Möglichkeiten findest, deine Akkus wieder aufzuladen.

Wir entwickeln uns als Menschen kontinuierlich weiter. Unsere persönliche Identität hat viele Facetten. Es ist immer sinnvoll, sich mal therapeutisch zu fragen: Wer bin ich eigentlich? Was macht meine Person aus? Lebe ich im Einklang mit meinen aktuellen Wertvorstellungen und Vorstellungen vom Leben allgemein?

Ich denke, dass es wichtig ist, erstmal ganz genau zu schauen, wie du in deinem Leben gerade aufgestellt bist, wo du vielleicht gerade einen Mangel erlebst.
Nimm dir Zeit, nimm ein bisschen den Druck raus. Du hast genug Zeit, in aller Ruhe herauszufinden, wer du bist und was du in deinem Leben vielleicht verändern möchtest, um zufriedener zu leben.

Eine andere Therapieform fände ich für dich nach wie vor vielleicht ganz passend.
Ich könnte mir vorstellen, dass du von einem anderen therapeutischen Ansatz gut profitieren könntest. Einfach auch, um nochmal eine andere Perspektive zu bekommen.
Und nochmal: Ich würde dir wirklich raten, mit einem Arzt deines Vertrauens zu reden und vielleicht über eine Kur oder einen Klinikaufenthalt nachzudenken.

Alles Gute und viel Kraft 🍀! LG

x 5 #7


Elisabeth71
Warum hast du mit der Therapie angefangen ? Was für ein Problem gab es ?

x 1 #8


Waldträumerin
@Sunshine0800 Hallo Sunshine 0800, auch ich habe ein paar Jahre Psychoanalyse erlebt und muss im Nachhinein sagen, dass es mir nicht wirklich gut getan hat. Der Therapeut hat manches Problem, das ich vorher nicht hatte, erst hervorgerufen - sicher mit eigentlich guter Absicht, aber mittlerweile stelle ich diese Vorgehensweise echt in Frage. Zum Beispiel wollte er testen, ob das nicht immer einfache Verhältnis zu meinem Vater der Grund für meine Ängste war, und hat dann einfach behauptet, es IST der Grund und ich müsse den Kontakt zu meinem Vater abbrechen. Jahrelang war ich innerlich zerrissen deshalb, weil ich immer auch Liebe für meinen Vater empfand; und jetzt, 2 Jahre nach dem Tod meines Vaters und 5 Jahre nach Ende der Psychoanalyse, kann ich sagen, dass der Therapeut mich damals auf den falschen Weg geführt hat. Das habe ich durch Familienaufstellungen herausgefunden.
Ich würde dir wie meine Vorrednerinnen auch empfehlen, die Therapieform zu wechseln, und dir nicht so viele Sorgen um deine sexuelle Identität zu machen. Du BIST eine Frau, und man darf auch als Frau männliche Anteile haben, so viel man will und als angenehm empfindet. Was männlich oder weiblich ist, ist doch vor allem eine Konvention in der Gesellschaft. Ich empfinde mich zum Beispiel als sehr maskuline Frau, werde mit meinen sehr kurzen Haaren auch manchmal mit einem Mann verwechselt, aber das ist mir ziemlich egal, weil ich ja weiß, dass ich eine Frau bin. Dabei darf ich mich aber ruhig auch maskulin fühlen. Alles ist in Ordnung, was sich für dich stimmig anfühlt.

x 1 #9


S
@darkshadow
Vielen Lieben Dank für deine ausführliche Antwort.
Ja ich bin aktuell sehr unzufrieden in meinem Leben, ich habe sehr große Probleme mit dem Alleine-Sein, habe einen Job wo ich auch nur von Zuhause aus arbeite, und generell keine Hobby‘s weil mir die Motivation fehlt etwas zu ändern oder jedes mal ein Wiederstand auftaucht.
Ich habe auch sehr große PMDD Symptome, jedes mal wenn ich aber einen Termin habe beim Frauenarzt der mir helfen soll sage ich ihn wieder ab.
Ich weiß nicht was mir noch helfen könnte ich habe meiner Hausärztin darüber geschrieben aber sie hat auch keine konkrete Lösung sie meinte sie überlegt…
Als Kind habe ich wenig körperliche Liebe von meinen Eltern bekommen beide ziemlich impulsiv und zwanghaft.
Der Trans Gedanke kam nach einem Traum unter der Einnahme von Fluvoxamin wo meine Zwänge zum ersten mal weniger wurden und mir alles ziemlich gleichgültig war und ich die innere Leere spürte die sich darunter befand…
Nach diesem Traum war ich wie innerlich getrieben fast wie verrückt erzählte meinem Therapeuten davon und er meinte dann ja vielleicht sind sie trans oder non binary auf die Frage bin ich dann total ausgeflippt hab mich geschämt direkt jedem erzählt weil es mir so Angst machte…
In der gleichen Nacht hatte ich aber auch den Traum oder Zwangsgedanken dass ich gerne sterben würde und es sich euphorisch gut angefühlt hat da bekam ich Angst und setzte das Medikament ab.
Ich soll nächste Woche alleine zuhause bleiben weiß aber nicht wie ich das schaffen soll, generell meinen Alltag früh aufstehen für meine Tochter etc..
Ich bin so verzweifelt…
Heute Nacht hatte ich einen Traum dass mich ein erwachsener Mann zum GV gezwungen hat er mich gejagt hat und Ich schlussendlich zugestimmt habe er mich dann danach aber umbringen wollte, ich bin dann natürlich geflüchtet. Anschließend hatte ich dann aber GV mit einem anderen Mann freiwillig.
Ich hatte dann heute Nacht ein sehr großes Bedürfnis mit meinem Mann zu kuscheln gehalten zu werden, das gab mir irgendwas was mir sehr gut getan hat..

#10


S
Zitat von Elisabeth71:
Warum hast du mit der Therapie angefangen ? Was für ein Problem gab es ?

Depression, starke Angstgedanken, Zwangsgedanken etc

x 1 #11


S
@Waldträumerin
Ja aber diese Gedanken haben meine Komplette Identität in Frage gestellt, quasi das schlimmste was mit je hätte passieren können es ist schrecklich.
Ich kriege aber auch keine 100% Antwort auf meine Frage daher weiß ich nicht was ich machen soll..

#12


Waldträumerin
@Sunshine0800 Aber vielleicht ist es gar nicht wichtig, wie man es nennt, „trans“ oder „non-binär“ oder wie auch immer. Wenn du dich dafür entscheidest, eine Frau sein und als solche leben zu wollen, dann bist du auch eine Frau. Wir haben einen freien Willen… Und auch die männlichen Anteile dürfen da sein, genau wie die weiblichen; man muss nichts unterdrücken. Du bist der Mensch, der du bist, egal, wie man es klassifiziert, finde ich.

x 2 #13


Perle
Zitat von Sunshine0800:
bin sehr stark nach innen gegangen und habe immer mehr den Kontakt zu mir selbst verloren. Früher hatte ich trotz

Zitat von Sunshine0800:
Während der Psychoanalyse habe ich zusätzlich Fluvoxamin für 11 Tage eingenommen. Anfangs fühlte ich mich klarer und etwas stabiler, dann

Hallo @Sunshine0800 ich habe keine Erfahrung mit dieser Therapieform aber zwei Äußerungen sind mir aufgefallen.

Ich sehe einen Widerspruch darin, wenn Du sagst, Du wärest sehr stark nach innen gegangen, hättest aber gleichzeitig den Kontakt zu Dir selbst verloren. Kannst Du das ggf näher erläutern?

Zudem: Wie hoch war die Dosis des Fluvoxamin bzw. hast Du eingeschlichen?

#14


C
Zitat von Sunshine0800:
Ja aber diese Gedanken haben meine Komplette Identität in Frage gestellt, quasi das schlimmste was mit je hätte passieren können es ist schrecklich.
Ich kriege aber auch keine 100% Antwort auf meine Frage daher weiß ich nicht was ich machen soll..

Hm, jedes echte Schattenthema kehrt die Welt von unten nach oben.
Die sogenannte Kern-Geschlechtsidentität, so heißt sie in der Psychoanalyse, ist sehr grundlegend, weil man bei einer Unsicherheit diesbezüglch im wahrsten Sinne nicht mehr weiß, ob man Männchen oder Weibchen ist.

Aber, so ist es mit allen dicken Schattenthemen, dass sie - einmal im Bewusstsein - die Welt, wie sie war, aus den Angeln heben. Wie kommst Du das raus? Nun, auch wenn die Kern-Geschlechtsidentität sehr grundlegend ist, schau mal darauf, was Dich noch ausmacht: Schmeckt Dir ein Lieblingsessen nicht mehr? Magst Du die Musik oder Filme von ehedem nicht mehr? Sind Deine Freunde nun nicht mehr Deine Freund? Und so weiter.

Und was wäre denn, wenn Deine Kern-Geschlechtsidentität anders ist? Ändert sich Deine sexuelle Orientierung? Das ist eine andere Baustelle. Spielst Du mit dem Gedanken, Dein Geschlecht zu ändern?
Spiel doch einfach mal alles durch, es ist ja bis jetzt nur Phantasie.

x 1 #15


Perle
Zitat von Sunshine0800:
muss funktionieren, ab

Ich denke, dass genau dieses unter Druck setzen Dein Hauptproblem ist. Du musst gar nichts! Deine Psyche sucht sich einen Weg, um irgendwie mit dem Druck noch klar zu kommen. Diese Suche nach einem Ausweg kann befremdliche? Züge annehmen dient aber letztlich nur der Regulierung von Hirn und Psyche.

x 1 #16


S
@Cbrastreifen
Keine Ahnung, ich hab mir die Frage noch garnicht gestellt….
Es macht mir extrem große Angst, wenn ich ein Junge wäre dann wäre meine Ehe dem Ende zugeneigt und meine Familie würde mich für verrückt erklären ich würde also beides verlieren.
Davon mal abgesehen weiß ich ja garnicht ob ich das wollen würde, es gibt ja ansich keinen Grund ich war immer zufrieden damit was ich bin.
Aber jetzt wo ich mir die Frage stelle wird mir einfach nur noch schlecht…

Was bedeutet das?

#17

Mitglied werden - kostenlos & anonym

S
@Cbrastreifen
Also in meinem Bewussten will ich es aufjedenfall nicht, ich habe nur angst dass ich es unbewusst wollen könnte und daher meine ganzen Probleme kommen…

#18


Hope25
@Sunshine0800
Aber wie sieht denn deiner Meinung nach die 100% Antwort aus?

Ich bin natürlich kein Profi, aber ich kenne diese Art von Gedanken und diese innere Angst selbst sehr gut und habe mich aus eigener Not viel mit Zwangsgedanken, Angst und Identitätsverunsicherung beschäftigt. Deshalb möchte ich dir gerne teilen, wie dein Text auf mich wirkt – nicht als Diagnose, sondern einfach von Mensch zu Mensch.

Dein Text wirkt auf mich nicht wie jemand, der „seine Identität verloren hat“, sondern wie jemand, dessen Nervensystem und innerer Halt gerade völlig überlastet sind. Viele deiner Symptome – Fremdheitsgefühl, Angst vor dem eigenen Denken, Identitätszweifel, innere Leere – passen sehr stark zu Zuständen von Depersonalisation/Derealisation und Angst, die entstehen können, wenn man innerlich zu lange unter Spannung steht oder sich zu sehr nach innen zurückzieht.

Dass diese Gedanken über dein Geschlecht so bedrohlich und fremd wirken, spricht eher dafür, dass sie angstgetrieben und zwanghaft sind – nicht dafür, dass sie deine Wahrheit wären. Angst kann Gedanken extrem real erscheinen lassen, selbst wenn sie nicht aus einem Wunsch kommen.

Wichtig: Das, was du beschreibst, ist etwas, woraus Menschen wieder herausfinden. Dein „Ich“ ist nicht weg – es ist gerade überdeckt und erschöpft.

Vielleicht wäre es gut, mit deiner Therapeutin/deinem Therapeuten ganz offen darüber zu sprechen, wie sehr dich diese Therapie destabilisiert hat – und auch zu prüfen, ob ein Wechsel in eine stärker stabilisierende Therapieform (z. B. Schema- oder Verhaltenstherapie) dir im Moment mehr Halt geben könnte.

Und was ich dir raten kann, bleib mit Menschen in Kontakt, auch wenn alles in dir sich zurückziehen will. Diese Zustände werden leichter, wenn das Nervensystem wieder Sicherheit erlebt – durch Alltag, Körper, Beziehung, Struktur, kleine reale Anker.

x 3 #19


C
Zitat von Sunshine0800:
Es macht mir extrem große Angst, wenn ich ein Junge wäre dann wäre meine Ehe dem Ende zugeneigt und meine Familie würde mich für verrückt erklären ich würde also beides verlieren.

Ich weiß nicht. Es wäre ungewöhnlich, aber bist Du nicht immer noch der geliebte Mensch, der Du heute für Dein Umfeld bist? Spielst Du denn überhaupt mit dem Gedanken, würdest Du Dich in einem anderen Körper besser fühlen?

Zitat von Sunshine0800:
Aber jetzt wo ich mir die Frage stelle wird mir einfach nur noch schlecht…

Was bedeutet das?

Angst vor den Folgen?
Du hast es ja angedeutet.
Vielleicht würdest Du etwas gewinnen, gleichzeitig vielleicht etwas verlieren, da kann einem schon mal schlecht werden. Am Ende die Frage, wo der Leidensdruck größer ist.
Rein gefühlsmäßig würde ich sagen, dass wenn so eine Unsicherheit spät kommt, sie eher nicht sehr tief verwurzelt ist. Vor allem, wenn Du schreibst, dass Du Dir Deiner Identität immer sicher warst.

Du kannst auch mal gucken, was Du im übertragenen Sinne mit Männlichkeit assoziierst, und was davon vielleicht gelebt werden will.

Zitat von Sunshine0800:
Also in meinem Bewussten will ich es aufjedenfall nicht, ich habe nur angst dass ich es unbewusst wollen könnte und daher meine ganzen Probleme kommen…

Dann spiel mal mit dem Thema der Männlichkeit auf der übertragene Ebene. Vielleicht will da dringend was beachtet werden, dann eher symbolisch, als konkret. Wofür stehen Männer in Deiner Welt, wofür stand der steht Dein Vater?

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