Hallo Sunshine,
die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da es ganz viele Faktoren gibt, die den Erfolg eines Klinikaufenthalts beeinflussen, egal ob voll- oder teilstationär.
Ich glaube schon, dass dir auch eine Tagesklinik helfen kann.
Du hast viele organisatorische Fragen schon sehr gut lösen können und hast auch viel Unterstützung von deinem Umfeld, das ist schonmal super. Bei vielen Patienten ist genau das ein großes Problem.
Du wirst dort neue Therapeuten und eine neue Therapieform kennenlernen, auch das finde ich super für dich.
Wie schon geschrieben, halte ich es für möglich/wahrscheinlich, dass dein Stress im Leben insgesamt deine Zwangsgedanken ausgelöst hat (und nicht andersherum), und Stressbearbeitung, Depressionen, Burnout etc. sind Krankheitsbilder, die sich meiner Erfahrung nach gut in Tageskliniken behandeln lassen.
Bei anderen Krankheitsbildern halte ich Tageskliniken manchmal (nicht immer) für schwierig, und das aus folgendem Grund:
Tageskliniken haben zumeist gemischte Patientengruppen (also Patienten mit verschiedenen Diagnosen, die gemeinsam therapiert werden), viele vollstationäre Kliniken haben spezialisierte Stationen, auf denen Patienten mit spezifischen Diagnosen darauf abgestimmte Therapie bekommen (z.B. Trauma, Essstörung, Persönlichkeitsstörung, ADHS usw.).
In vielen Tageskliniken wird daher die Therapie auf Symptome ausgelegt, die viele Patienten haben, das bedeutet, dass die Therapie weniger spezifisch ist. Aber das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, wenn eben Stress, Depressionen und Burnout eh die Symptome/Krankheitsbilder sind, an denen man arbeiten möchte.
Insgesamt braucht man für die Tagesklinik meiner Erfahrung nach etwas mehr Stabilität als für die vollstationäre Klinik, eben weil man außerhalb dieser täglichen 8 Klinikstunden trotzdem seinen normalen Alltag schaffen muss.
Man pendelt also täglich zwischen diesen zwei Welten (Alltag und Klinik) hin und her, muss gedanklich/emotional immer wieder „umschalten“. Ich persönlich empfand das als sehr anstrengend.
In der vollstationären Klinik taucht man halt voll ein in diese andere Welt, was Vorteile für die Therapie, aber auch seine Nachteile bei der Rückkehr haben kann.
Man muss nicht täglich noch den Hin-und Rückweg meistern, hat keine Haushaltsverpflichtungen o.ä., ist abgeschirmt vom Alltag und kann sich auf sich selbst konzentrieren. Die Therapien sind oftmals etwas intensiver und spezifischer, und man kann sich besser auf die Emotionen einlassen, die in der Therapie vielleicht hochkommen, weil man halt nicht danach „funktionieren“ muss. Außerdem ist zumeist rund um die Uhr ein Ansprechpartner/Therapeut/Arzt da, den man im Krisenfall kontaktieren kann. Man kann sich mehr mit den Mitpatienten austauschen (wenn man das möchte), eben weil man ja den ganzen Tag zusammen Zeit verbringt, inklusive aller drei Mahlzeiten.
Gleichzeitig macht dieser Rückzug in die Klinikwelt manchmal die Rückkehr in den Alltag schwerer, eben weil man die Zeit über in einer Art „Blase/Glocke“ gelebt hat, die den Alltag von einem ferngehalten hat. Man hatte Unterstützung und nicht viel mit den normalen Alltags-Verantwortungen zu tun, die dann nach einem solchen Aufenthalt wieder voll auf einen einprasseln.
In der Tagesklinik ist dieser Kontrast nicht ganz so groß, eben weil man die ganze Zeit über mit dem Alltagsleben in Kontakt geblieben ist.
Und meistens sind vollstationäre Aufenthalte auch länger als teilstationäre Aufenthalte.
Ganz allgemein sind die durchschnittlichen Wartezeiten für einen Platz in einer Tagesklinik meist etwas kürzer als für einen vollstationären Platz.
Es gibt noch mehr Unterschiede, aber soweit erstmal, sonst wird das hier noch länger als eh schon

. Gerade in Bezug auf Kinder gibt es natürlich auch noch einiges zu bedenken.
Kurz gesagt: Umso schwerer und spezifischer das Krankheitsbild, desto mehr halte ich vollstationäre Kliniken für sinnvoller.
Umso weniger Unterstützung man durch sein Umfeld und in seinem Alltag insgesamt hat, desto mehr halte ich vollstationäre Kliniken für sinnvoller.
Grundsätzlich gilt meiner Meinung nach: Wenn es einem schlecht geht, ist eine Tagesklinik besser als keine Klinik. Sie kann auch ein guter Einstieg sein, um seine Diagnostik noch genauer anzugehen. (Und für viele Patienten dient sie auch zum Übergang zwischen einem vollstationären Aufenthalt und der Rückkehr nach Hause.)
Die Therapiepläne sehen meistens gar nicht so unterschiedlich aus, es gibt Einzel- und Gruppentherapien, Sport, Entspannung, Achtsamkeit, Kunst- und/oder Musiktherapie u.v.m.
Insgesamt waren meine Therapiepläne in der vollstationären Klinik umfangreicher, aber die grundsätzliche Aufteilung der verschiedenen Therapiebausteine war ähnlich.
Ob ein Klinikaufenthalt ganz allgemein hilft, hängt leider auch von Faktoren ab, auf die man keinen Einfluss hat, wie z.B. die Bezugstherapeuten und die Mitpatienten.
Ich denke, es ist wichtig, dass man sich überhaupt auf die „Reise“ begibt. Man kann meistens aus jedem Klinikaufenthalt etwas Sinnvolles mitnehmen, das einem weiterhilft.
Alles Gute
🍀! LG