Hallo aldia249,
Zitat:Zum Thema "2 Gesichter" nenn ich dir folgendes Beispiel. Es war genau auf das bezogen, dass die meisten Leute nicht wissen was bei mir abgeht. In meinem Praktikum zum Beispiel, lass ich mir nichts anmerken und bin immer selbstbewusst und sehr kommunikativ. Ebenso was Feiern und Aktivitäten mit Freunden angeht.
So einfach ist das? Was Du beschreibst ist doch ein völlig normales Verhalten.
Oder nicht?
Wie alle Menschen, spielst Du im Leben tagtäglich eine "Rolle". Du hast eine Maske auf. Dies ist gut und für
den Schutz Deiner Persönlichkeit notwendig. Dieses Rollenspiel macht immer dann Sinn, wenn uns ein
Mensch nicht sehr nahe steht und wenn wir ihm noch nicht so gut vertrauen wollen oder können.
Das schwierige ist, "immer mit einer Ritterrüstung rum zu laufen und eine filmreife
"Rolle" zu spielen macht müde und unzufrieden." Deshalb suchen wir Menschen Freunde, also Gleichgesinnte
oder einfach Menschen, vor denen wir nur wenig Angst haben müssen. In der Nähe dieser Menschen, denen
wir vertrauen können, können wir nämlich unsere Maske abnehmen und unsere Ritterrüstung ausziehen.
Wir dürfen da so sein, wie wir wirklich sein möchten. Dies ist sehr angenehm und entspannend. Und das
macht zufrieden und glücklich.
Wenn Du dann später geübt mit Deiner Angst umgehst, kannst Du auch in der Öffentlichkeit häufig ohne
Maske rumlaufen. Dafür wirst Du aber noch einige Zeit benötigen.
Wichtig ist, das Du möglichst bei dem Therapeuten auch ohne Maske und Rüstung
sitzt, auch wenn Du Angst und Respekt vor so einem "Mediziner" hast. Psychologen
sind ganz normale Menschen, wie Du und ich. Und auch wenn manche so tun, brauchen sie sich auf ihre
Kenntnisse nichts einzubilden. Vor einem Heizungsmonteur musst Du mindestens genau so viel Respekt
haben, oder kannst Du eine Heizung bauen?
Zitat:"Ich habe Angst für etwas Verantwortung zu übernehmen."
"Ich habe Angst kritisiert zu werden."
"Ich habe Angst Fehler zu machen."
Ja du liegst richtig mit allen Fragen und ich kämpf aktuell dagegen an, indem ich mir immer wieder sage "Sei keine Übermutti. Du bist nicht verantwortlich für ihn. Wenn es nicht geht, dann sagst du ihm einfach morgens ab. Die Welt wird sich weiter drehen. "
Hast du mir einen Tipp für eine andere Lösung? Scheint sogar zu funktionieren.
Jetzt machst Du es doch richtig. Und Du siehst, innerhalb weniger Tage geht es Dir besser. Was Du
machen kannst ist. Du kannst immer wieder Menschen fragen, wie sie das, was Du sagst und das was
Du machst finden. Und dann höre einfach zu. Auf diese Weise erfährst Du sehr viel über Dich. Es ist, als
wenn Du in einen Spiegel schaust.
Nur erschrecke nicht. Viele spiegeln Dir, das Du vieles falsch machst. Dies entspricht aber nicht der Wahrheit.
Es ist nur ihre Meinung. Der Vorteil davon, andere zu fragen liegt darin. Manchmal erfährst Du etwas,
was Du gut gebrauchen kannst. Viel wichtiger erscheint mir aber. Wer gut zuhören kann, erkennt schnell,
wo Freunde und wo Feinde sind. Und dann brauchst Du nicht mehr so eine große Angst zu haben, dass Dich
jemand in den Rücken schießt, wenn Du Dich mal umdrehst.
Ich kann mich noch gut erinnern, welche heftigen Ängste ich vor über 30 Jahren hatte,
Fehler zu machen und öffentlich zu meiner Meinung zu stehen. Da geht im Kopf innen
richtig was ab. Und keiner kann Dir dabei helfen, nur Du allein kannst diese Veränderung bei Dir erzeugen.
Zitat:Wesentlich größeren Kummer bereitet mir gerade Folgendes: Ich bin täglich depressiv und hoffnungslos. Mir fehlen Glücksmomente. Meine Gedanken kreisen. (Gedanken: Alles sinnlos, ich werd nie gesund..Hat mein Leben einen Sinn?-> Ich will so nicht weiter machen. Wie wird es besser? )
Bitte habe jetzt etwas Geduld. Was Du beschreibst hört sich alles sehr normal an.
Es gehört vermutlich zu Deinem Selbstfindungsprozess dazu. Das Du nach dem Sinn Deines Lebens suchst
ist auch völlig normal. Dies wird sich vermutlich später von selbst ergeben.
Zitat:Mir geht es wirklich täglich elend grad, so dass mir auch Aktivitäten, die mir immer Spaß gemacht haben, wie bspw. meine Freunde treffen, keinen Spaß mehr machen.
Hast du mir da einen Tipp?
Sicher habe ich da Tipps. Nur die werden Dir wenig helfen. Oder willst Du so leben und denken wie ich?
Garantiert nicht. Du würdest Dich wundern.
Oder anders gesagt. Ich kann Dir nicht sagen, womit Du zufrieden wirst. Aber, ich kann
Dir fast immer sagen, mit welchen Gedanken und mit welchem Verhalten Du Ängste bekommst und
unzufrieden wirst.
Suche das, was Dich in der Zukunft zufrieden macht. Mach Dir mal einen Zettel.
Schreibe Dir mal auf, was Du am liebsten machen und erreichen würdest und vor allem,
was Du dafür tun musst um das zu erreichen. Diese schriftliche Methode sollte Dein Gedankenkreisen
stoppen oder zumindest viel langsamer machen.
Du siehst, es gibt eine ganze Menge zu tun für Dich, wenn Du das möchtest. Dies ist ein Programm für
mehrere Monate. Deshalb gibt es keinen Grund depressiv zu sein.
Gehe vorwärts. Weißt Du wie eine Rakete beschleunigt? Am Anfang ist die sehr langsam
aber mit der Zeit wird sie immer schneller.
Zu Medikamenten sage ich sehr ungern etwas. Da habe ich viel zu wenig Erfahrung.
Vieles wirst Du selbst spüren. Und das andere besprich bitte mit den Ärzten oder Deinem Therapeuten.
Solltest Du es schaffen Dich weiter innerlich zu entspannen, wirst Du bestimmt immer geringere Mengen
an Medizin benötigen. Aber auch da lass Dir bitte Zeit.
An dieser Stelle möchte ich Dir mal ein Kompliment machen und Dir besonders herzlich für Dein Vertrauen danken.
Ich glaube Du bist eine bemerkenswerte Frau mit sehr viel Potential. Du musst es nur abrufen.
Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei Dir, weil Du hier sehr klar nachvollziehbar und offen im Forum
Deine Situation und Deine Gefühle beschreibst. Dazu gehört viel Mut. Und ich bin überzeugt, das auch viele
hier aus Deiner Situation für sich einiges lernen und bei sich mit einbauen können.
Mich hat es mal wieder sehr viel Kraft gekostet, mich in Deine Situation hinein zu versetzen. Aber es scheint
sich ja gelohnt zu haben. Du warst ein sympathischer, harter Brocken. Ich wundere mich auch heute noch,
warum es einige schaffen, sich freiwillig so zu fesseln.
Ich fand es sehr schwierig, doch trotzdem hat mir die gemeinsame Reise durch Deine
Gedankenwelt Spaß gemacht.
Viele Grüße an Dich
Hotin