Zitat von Sunshine0800: Es begann morgens als ich aufwachte nach einem Traum unter der Einnahme von Fluvoxamin wo ich aufeinmal dachte ,, was ist wenn du ein Junge bist“.
Dann habe ich weil ich sowieso sehr aufgedreht war die Thematik mit in die Therapiestunde genommen, wo mir dann gesagt wurde ja vielleicht bist du ja ….
Ja, danke, hatte Deine Beiträge auch selbst noch mal durchgelesen.
So wie ich es verstehe, hätte Dein Therapeut Dir die Ungewissheit nehmen sollen, indem er Dir gesagt hätte, dass Du selbstverständlich eine Frau bist, dass alles andere zu denken Unsinn wäre, usw.
Hättest Du das so gewollt?
Zitat von Sunshine0800: Seit dem zweifele ich an mir selber.
Ich habe teilweise aber nicht immer einen sehr rebellischen Anteil, der hervorkommt.
Es ist durchaus so, dass es zwischen Mann und Frau viele Zwischenstufen gibt, zumal die Zuschreibung was als typisch männlch oder weiblich gilt oder gelten sollte, ohnehin zum größten Teil soziale Zuschreibungen sind.
Die typische Mädchenfarbe Rosa, war vor noch nicht allzu langer Zeit die Farbe der Jungs, Gefühle zu zeigen zu weinen, typisch weiblich, war in der Romantik typisch männliches Verhalten und so weiter.
Ich habe mehr und mehr den Eindruck, als wenn da ein unterdrückter wilder Anteil, der dann eben bei Dir ein Junge ist - mein 'innerer Arzt' ist z.B. eine Ärztin - sich bei Dir bemerkbar gemacht hat. Das hat Dich verunsichert und weil Dein Therapeut Dir das nicht ausgeredet hat - was ürbigens auch nicht die Aufgabe eines Analytikers ist - bist Du noch mehr verunsichert.
Ich würde wirklich mit dem inneren Kind in Dir spielen, setz es vor Dich hin und unterhalte Dich mit ihm. Frag es, was es will, versuch Dich für dieses männliche Kind zu interessieren. Gönn ihm Zeit und Aufmerksamkeit und verabrede, dass es Dich dafür, für den Rest der Zeit in Ruhe lässt. So etwas geht gut, auf den Bilderebene.
Wir haben ja alle männliche und weibliche Anteile in uns, nach C.G. Jung muss der Mann versuchen seine Ainima (die weibliche Seite) zu integrieren, Frauen ihren Animus (den männlichen Anteil), oft in der zweiten Lebenshälfte, aber wenn das Thema bei Dir jetzt dran ist, dann ist das eben so.
Sag dem inneren Jungen doch: 'Oh, interessant, dass Du ein Junge bist, sag, wie kommt das? Was hast Du denn so für Eigenschaften, was willst Du denn in mir oder durch mich erleben?'
Wenn Du hinschaust, verlierst Du die Angst, die Du m.E. wirklich nicht zu haben brauchst.
Zitat von Sunshine0800: Ja ich war noch nie wirklich zufrieden mit meinem Aussehen, die Bestätigung kam immer mehr von Außen
Ich meinte weniger das Aussehen, als vielmehr das Mitmachen. Aber Aussehen ist natürlich auch ein Punkt, kann einer sein. Hörte letztens einen podcast, ich meine da ging es um Glaubenssätze, wo es hieß, dass Naomi Campbell, eine Frau, die durch ihr Aussehen berühmt wurde, an Selbstzweifeln über ihr Aussehen litt.
Mir ging es mehr darum, dass sich Dein Umfeld stark daran orientiert, was die anderen sagen. Das kann als sehr beengend erlebt werden. Aber das könnte ja Thema der Analyse werden.
Ist Deinem Therapeuten klar, dass Du schwer verunsichert bist oder habt ihr das Thema nachdem er Dich aus Deiner Sicht vielleicht im Unklaren gelassen hat, nicht mehr angerührt? Ich würde es ihm auf jeden Fall sagen, am wichtigsten ist immer das Thema, was Dich aktuell quält und das ist ja ganz eindeutig der Fall.
Spiel mit den Ideen, lass keine kastastrophisierenden Szenarien entstehen, dass Dir dann Dein ganzes Leben durch die Hände gleitet, sondern geh' so offen und neugierig wie möglich an das Thema heran.
Der Schritt in ein Forum ist ja schon nicht schlecht.
Ich sehe die Psychoanalyse als sehr gute Therapieform an, sofern sie angezeigt ist. Ich hatte eine stützende Therapie bei einer Analytikerin, die es spielend drauf hatte, mich auf den Teppich zu bringen, das sollte Deinem Analytiker auch gelingen, aber er muss wissen, was in Dir vorgeht. Man kann relativ problemlos von der Analyse in eine stützende Therapie übergehen, der Weg zurück ist schwieriger.
Ich nehme Deine große Verunsicherung wahr und ernst, aber wenn ich so den Finger in den Wind halte, würde ich sagen, dass es nicht annähernd so dramatisch ist, wie Du es empfindest, auch wenn ich selbst immer wieder erfahre, dass der eigene Schatten, die eigenen Themen stets als fast unüberwindliche Hürde vor einem stehen, weil sie eben für das eigene Leben maßgeschneidert sind.