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Guten Abend,
Ich hatte heute den ersten Termin bei der Psychotherapeutin und beginne nun eine tiefenpsychologisch fundierte PT. Mein erster Eindruck von dieser Frau war "suspekt", aber im Verlaufe des Gespräches erwies sich, dass sie echt was von ihrem "Handwerk" versteht. Wir sprochen über meine Eltern und meine Krankheitsängste. Als wir zu meinen Eltern kamen, musste ich weinen... Ich weiß nicht, was ich von der Frau halten soll. Es ist mir zwar unangenehm vor ihr zu sprechen aber ich denke sie könnte mir helfen. Am Ende meinte sie "Du hast keine Angst vor dem Tod sondern Angst zu leben". Der Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf...jetzt denk ich, dass ich mein ganzes Leben nicht richtig gelebt hab :/

12.11.2015 20:59 • 13.11.2015 #1


15 Antworten ↓


Icefalki
Liebe Lili, prima, so funktioniert Therapie. Und dieser Satz ist spitze. Denk ihn vor- und rückwärts. Lass ihn dir auf der Zunge zergehen.

Und keine innere Schuldzuweisung. Du bekommst Gedankenanstösse. Mehr nicht und das funktioniert.

Bleib dran. Denk immer daran, sie will dir helfen.

12.11.2015 21:07 • #2



Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

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Ich weiß nicht ob sie mir helfen will, ich glaube, sie findet mich auch komisch.
Naja mal sehen, wie die anderen Sitzungen verlaufen. Ich hoffe, sie kann mir helfen. Das muss mal alles aufgearbeitet werden. Der Satz war nur echt...unschön irgendwie

12.11.2015 21:23 • #3


Hallo lili,
schau einfach Mal, wie die nächsten Sitzungen verlaufen. Eine solche Therapie ist nicht angenehm, denn man beschäftigt sich mit Dingen die man eigentlich ganz schnell wieder verdrängen möchte. Auch wann man dann weinen muss ist das vollkommen okay.
Solltest du allerdings festellen, dass dir nicht das Sprechen über deine Vergangenheit Probleme bereitet, sondern du dich bei deiner Therapeutin nicht gut aufgehoben fühlst, solltest du über einen Wechsel nachdenken. Aber um das zu deferenzieren brauchst du noch ein paar Stunden. Also nur Mut!

12.11.2015 21:27 • #4


Icefalki
Ach Lili, die Therapeuten bewerten nicht in komisch oder nicht. Die machen ihren Job.

Und der Satz war genial. Noch kannst du damit nichts anfangen, darum machst du ja Therapie. Da muss man sich daran gewöhnen. Glaub es mir.

Es geht auch nicht um mögen, ok, du solltest damit klarkommen, aber Mitleid ist da nicht angebracht, sondern professionelle Hilfe.

Meiner ist sowas von sachlich und auf dem Punkt. Am Anfang war ich da auch komisch berührt, aber ohne "schwierige " Fragen kommt man nicht weiter. Du schaffst das.

12.11.2015 22:50 • #5


Hallo Lili,

in der Therapie geht es ja darum rauszufinden warum man zu solchen Verhaltensmustern tendiert, warum man Angst hat und wie man diese kontrollieren kann. Mir hat es geholfen mir Notizen zu machen und nochmal drüber nachzudenken nach der Sitzung.
Deine Therapeutin denkt nicht das du komisch bist und du musst ihr vertrauen. Sie muss dich auch erstmal kennenlernen, sehen auf was du positiv anspringst, sehen wie du kommunizierst, also einen Weg schaffen um mit dir gemeinsam die Angst zu bewältigen.
"Du hast keine Angst vor dem Tod sondern Angst zu leben"
Damit meint sie nicht, dass du nicht gelebt hast. Aber ich finde den Gedankengang interessant. Wir haben ungefähr das gleiche Alter. Wir sind Mitte 20, unser Leben steht vor uns aber wir sind auch in einer Phase in der wir uns selber finden wollen, rausfinden wollen was wir machen wollen, wer wir sind. Studium, der Anfang der Kariere, etc. wir sehen, dass das Leben nicht immer einfach ist. Das Leben ist nicht immer einfach, ich kenne deine Situation nicht aber ich bin mir sicher, mit der richtigen Einstellung und deiner Therapeutin könnt ihr rausfinden was die Ängste auslöst.

Liebe Grüße

13.11.2015 03:27 • #6


Hallo Ihr Drei,
Ihr habt schon Recht, aber ich zweifel auch, ob diese Therapieform die richtige ist. Sollte man nicht eher eine Verhaltenstherapie machen?
Ich musste gestern noch die ganze Zeit an diesen Satz denken...die Frau weiß auch ganz genau, was sie fragen muss, damit es mir an die Substanz geht. Hmm...
Kurz zu meiner Geschichte: ich war als Kleinkind oft nachts alleine zu Hause weil meine Eltern arbeiten mussten und hatte dementsprechend Angst. Nach dieser Zeit, hatte ich kein gutes Verhältnis zu meiner Mutter, da sie immer gestresst war und ich nichts mit ihr anfangen konnte. Ich weiß gar nicht, ob man sowas mit Therapie wieder gerade gebogen bekommt. Manche wachsen ohne Eltern auf und haben nicht solche Ängste wie ich

13.11.2015 08:44 • #7


Guten Morgen,
in einer Therapie geht es gar nicht so sehr um das "hingebogen kriegen" sondern um das akzeptieren. Die Vergangenheit lässt sich durch nichts verändern. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen und die Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart zu projezieren hat keinen Mehrwert. Du musst es abhaken und in der Gegenwart weiter machen.
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe leidest du unter Krankheitsängsten? Ich muss gestehen ich weiss nicht welche Therapieform dafür nützlich ist. Mir wurde dringend von einer tiefenpsychologischen Therapie abgeraten, ich leide aber an einer generalisierten Angststörung. Meine Verhaltenstherapie ging natürlich auch Mal in die Tiefe und es wurde über meine Eltern gesprochen. Im Grundsatz ging es aber darum, in Zukunft mit der Krankheit leben zu können.

13.11.2015 12:21 • #8


Das ist aber auch für mich das wichtigste. Das ich lerne, damit zu leben.
Ich hab nun seit 2 Jahren mit der Angst zu kämpfen. Mal mehr mal weniger.
Die Therapeutin kann jedoch nur aller zwei Wochen. Ist das trotzdem ausreichend?

13.11.2015 13:17 • #9


Icefalki
Lili, es geht um das verstehen. Wenn du in der Kindheit Ängste gehabt hast, wenn die Mutter nicht richtig vorhanden war, sind da Gefühle da, die in ähnlichen Situationen wieder kommen.

Weiß man das, sprich, man hat das in der Therapie erkannt, macht man dann eine Verknüpfung von vorher und jetzt.

Beispiel: du bekommst Angst, weil du heute allein irgendwo hin musst. . Dann weißt du, aus der Therapie, ok, so ging es mir damals, aber jetzt bin ich erwachsen.

Du bist jetzt nicht mehr da hilflose Kind, sondern kannst selbst entschieden, ob du da hinwillst oder nicht. Ob alleine oder nicht.

War jetzt nur ein Beispiel.

Wenn man versteht, was in der Kindheit oder Vergangenheit zu Ängsten geführt hat, kann man dann bewusst mit dem Verstand im heute und jetzt analysieren. Denn jetzt bin ich ja nicht mehr so hilflos. Ich kann alles selbst entschieden und kann meine Ängste dann immerhin nachvollziehen. Und sie akzeptieren lernen.

Und deine Abstände sind ok. Musst du dich doch mit dir auseinandersetzen. Das braucht alles seine Zeit.

13.11.2015 14:16 • #10


Hey Icefalki,
Ich verstehe was du meinst, klingt alles sehr plausibel.
Aber so "erwachsen" bin ich jetzt auch noch nicht bin erst 19. Danke für deine lieben Erklärungen. Ich halte dich auf dem Laufenden, falls es was neues gibt
Hast du ähnliche Ängste und hat dir die Psychotherapie geholfen?

13.11.2015 14:56 • #11


Icefalki
Liebe Lily, ich hatte keine krankheitsängste, nur die schei. PA und habe leider zulange mit Therapie gewartet.

Am Schluss halfen dann medis und Therapie. Das machst du viel besser..aber früher war das noch nicht so bekannt und man war halt alleine.

Und ja, mir hat das so geholfen, dass ich seit 11 Jahren wieder "normal" leben kann.

Ganz weg wird es bei mir nie mehr gehen, ist zu chronisch , aber mit Selbstbeobachtung habe ich es sehr gut im Griff.

Bin gespannt, berichte ruhig, unseren Senf kriegst du kostenlos. Hihi

13.11.2015 15:38 • #12


Zitat von Icefalki:
Bin gespannt, berichte ruhig, unseren Senf kriegst du kostenlos. Hihi

13.11.2015 18:34 • #13


Mir geht es momentan nicht so gut, ich bin nur noch am weinen.
Mein Freund ist bis Montag weg und ich weiß nicht, mit wem ich reden soll. Ich hab meiner Mutter gestern von der Therapie erzählt und jetzt will sie mit mir telefonieren. Ich hab aber keine Lust. Wenn ich an meine Eltern denke, baut sich in mir eine Blockade auf weil ich sie verantwortlich mache, für meinen jetzigen Zustand und meine Ängste. Ich hab bis gestern noch nie so richtig darüber nachgedacht, doch jetzt erscheint mir alles sinnlos. Die letzten zwej Jahre mit den Panikattacken waren für den A**** und wie es weiter geht, weiß ich auch nicht. Meine Eltern wollen mich immer unterstützen und meinen es gut, aber ich lass sie irgendwie nicht mehr an mich ran

13.11.2015 20:21 • #14


Hallo,
also es macht keinen Sinn jemanden Schuld zuzuweisen, es ist jetzt wie es ist und du musst jetzt an dir arbeiten. Wenn du keine Lust auf ein Gespräch hast musst du es lassen, ich kenne die Situation und bei mir persönlich würde sie ausarten und wir würden uns streiten.
Im übrigen warst du erst bei einer Sitzung und man kann noch gar nicht sagen woher du die Krankheitsängste hast, vermuten ja aber wirklich wissen tut man es nicht oder?
Kannst du eventuell eine Freundin treffen und was unternehmen? Oder einen netten Film gucken oder zum Sport gehen oder so zur Ablenkung?
Ich wusste auch im Januar nicht ob es besser wird oder nicht, aber wenn man etwas wirklich will kann man es auch schaffen =).

Liebe Grüße

13.11.2015 20:53 • #15


Icefalki
Liebe Lili, mach dich nicht fertig. Alles braucht seine Zeit.

Und du beginnst doch erst mit der Aufarbeitung. Ich kenn das auch, Geduld war nie meine Stärke.

Nutze die Chance, dich wirklich kennenzulernen und dann zu mögen. Klingt jetzt komisch, aber, so blöd die Angst auch ist, gleichzeitig bietet sie auch Chancen.

Jemand hat mal das gesagt, Gott liebt uns paniker besonders, wir bekommen nämlich eine 2. Chance.

Nachher versteht man das. Vorher ist das quasi unmöglich.

13.11.2015 23:37 • #16



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